Stop Heliskiing

Heliskiing verspricht: kilometerlange Abfahrten im Powder, abgelegene Winkel der Natur und eine schnelle, unkomplizierte Anreise per Helikopter. Die Bergwelt und vor allem besonders wilde Flecken werden rücksichtslos zur Kulisse für den ultraschnellen Naturkonsum missbraucht. Mountain Wilderness engagiert sich für Heliskiing-freie Alpen.

Situation in der Schweiz

Mit aktuell über 28'000 Flugbewegungen (Stand 2016) werden jährlich fast 15'000 abenteuerlustige Touristen auf unberührten Hängen und Gipfeln abgesetzt. 3’000 davon allein im  Unesco Welterbe Swiss Alps Jungfrau-Aletsch , wo sieben Gebirgslandeplätze (Ebnefluh, Langgletscher, Jungfraujoch, Petersgrat, Rosenegg-West, Blüemlisalp und Kanderfirn) die allesamt auch in vom Bund geschützten BLN-Schutzgebieten liegen.

In den Schweizer Alpen ist das Heliskiing-Angebot auch deshalb besonders populär, weil der „Sport“ in Frankreich und Deutschland verboten und in Österreich sehr stark eingeschränkt ist. Aktuell verfügt die Schweiz über 42 Gebirgslandeplätze (GLP), wovon über die Hälfte innerhalb oder unmittelbar an der Grenze zu geschützten Landschaften liegt. Im Jahr 2014 beschloss der Bundesrat, die Anzahl auf 40 zu reduzieren – der Entscheid muss allerdings noch vollzogen werden.

Laut Luftfahrtgesetz (LFG, Art. 8) dürfen «Aussenlandungen im Gebirge zu Ausbildungs- und Übungszwecken sowie zur Personenbeförderung zu touristischen Zwecken» nur auf vom Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL definierten, über 1‘100m liegenden Gebirgslandeplätzen erfolgen. Für Arbeitsflüge hingegen sind die Bestimmungen viel lascher. Hinzu kommt, dass die Definition von Arbeitsflügen sehr weitreichend gefasst ist.

Was wir tun

Das Engagement von Mountain Wilderness Schweiz gegen Heliskiing ist eines der zentralen Anliegen unserer Organisation und geht bis zur Gründung des Vereins im Jahre 1994 zurück. Wir fordern die ersatzlose Streichung von Gebirgslandeplätzen in Schutzgebieten und eine signifikante Reduktion der touristischen Fliegerei insgesamt:

  • Klage: Wir gehen gegen illegale Landungen ausserhalb von Gebirgslandeplätzen vor.
  • Öffentlichkeitsarbeit: Wir bringen das Thema gezielt in die Medien und treten mit Demonstrationen an die Öffentlichkeit.
  • Netzwerk: Wir arbeiten zusammen mit Einzelpersonen, Verbänden und Unternehmen, welche sich gegen Heliskiing in der Schweiz aussprechen.

Meilensteine im Engagement gegen Heliskiing

  • 2018

    Neue Hoffnung

    Im Dezember 2016 verfügt das UVEK die Aufhebung der Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm, die beide in BLN-Gebieten liegen. Dagegen haben sich die betroffenen Gemeinden gewehrt und im Januar 2018 vom Bundesverwaltungsgericht Recht bekommen. Mountain Wilderness Schweiz hat den Fall nun in Form einer Beschwerde ans Bundesgericht weitergezogen. Wir fordern eine verbindliche, vollständige Überprüfung aller Gebirgslandeplätze durch die zuständigen Behörden. Die zwei geschlossenen GLP sollen ausserdem während des Verfahrens nicht angeflogen werden.

    Für uns ist es unverständlich, dass Landeplätze in den Alpen für das lärmige Heliskiing genutzt werden können. Besonders, wenn sie in oder angrenzend an Schutzgebiete von nationaler Bedeutung liegen. Das ist bei mehr als der Hälfte der 42 in der Schweiz existierenden Gebirgslandeplätze der Fall und nicht vereinbar mit dem geltenden Recht. 

  • 2014

    Zu früh gefreut

    Im Jahr 2014 bricht der Bundesrat die gesamte Überprüfung der Gebirgslandplätze überraschenderweise ab. Begründet wird dies mit «unüberbrückbaren Differenzen». Gleichzeitig beschliesst er, die Aussenlandeverordnung endlich in Kraft zu setzen und die im Luftfahrtgesetz festgesetzte maximale Anzahl von Gebirgslandeplätzen von 48 auf 40 zu reduzieren. Gegen diesen Entscheid plant Mountain Wilderness aktuell rechtliche Schritte.

  • 2012

    Brisantes Gutachten

    Per Ende 2012 liegt das Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission vor. Erst auf intensiven Druck von Mountain Wilderness wird es veröffentlicht, denn es ist brisant: Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) kommt zum Schluss, dass der Gebirgslandeplatz Monte Rosa das BLN-Schutzgebiet Dent-Blanche – Matterhorn – Monte Rosa (im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung eingetragen) schwerwiegend beeinträchtigt und dass der Gebirgslandeplatz Monte Rosa für touristische Landungen aufzuheben sei. Brisant daran: Nach derselben Logik müssten wohl die meisten der Landeplätze, die in BLN-Gebieten liegen, ebenfalls aufgehoben werden.

  • 2011

    Beschwerde

    Gegen den Entscheid, einen neuen Gebirgslandeplatz in  der Trift bei Zermatt zu schaffen, erhebt der SAC Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Der Überprüfungsprozess für die anderen Regionen wird sistiert. Im Dezember 2011 heisst das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde des SAC in fast allen Punkten gut. Der Prozess zur Überprüfung der GLPs muss in der Region Wallis Süd-Ost  neu durchgeführt werden. Dabei ist dem Anliegen des Natur- und Landschaftsschutzes grössere Bedeutung beizumessen. Zudem muss ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) eingeholt werden.

  • 2010

    Enttäuschender Abschluss

    Im Anschluss an den abgeschlossenen Überprüfungsprozess wird 2010 beschlossen, dass zusätzlich zu den bestehenden fünf Gebirgslandeplätzen in der Region Wallis Süd-Ost ein neuer Wiederaufnahmeplatz in der Trift bei Zermatt geschaffen wird.

  • 2007 - 2010

    Überprüfungsprozess Wallis Südwest

    2007 bis 2010 beteiligt sich Mountain Wilderness gemeinsam mit anderen Umweltorganisationen am Überprüfungsprozess des Sachplans Infrastruktur Luftfahrt, begonnen mit der Region Wallis Süd-Ost. Das Verfahren verläuft stockend. Die Interessen der Umwelt sind stark untervertreten.

  • 2007

    Überprüfungskonzept

    Sieben Jahre und einige politische Vorstösse nach dem bundesrätlichen Entschluss liegt ein Konzept vor, wie die Überprüfung der Gebirgslandeplätze angegangen werden soll. Mountain Wilderness Schweiz fordert eine nationale Analyse, um einen Wettbewerb zwischen den Kantonen zu vermeiden. Laut Konzept sollen allerdings erst die Landeplätze in sechs Regionen gruppiert und unter Einbezug aller beteiligten Interessenvertreter diskutiert werden.

  • 2000

    Demos und Vorstösse

    Seit 1993 erregt Mountain Wilderness Aufsehen rund um die touristische Gebirgsfliegerei. Aufgrund von Demonstrationen und Vorstössen auf politischer Ebene beschliesst der Bundesrat im Jahr 2000, dass die Gebirgslandeplätze im Sachplan Infrastruktur Luftfahrt SIL einer generellen Überprüfung unterzogen werden.

Werde selbst aktiv:

Illegale Landungen melden

Helikopterlandungen sind illegal, wenn sie ausserhalb von den definierten Gebirgslandeplätzen durchgeführt werden. Setze dich im Falle einer Beobachtung mit uns in Verbindung. Wir werden die Meldung an das BAZL weiterleiten, worauf die rechtliche Situation geklärt wird.

Teilnehmen

Mountain Wilderness Schweiz führt jedes Jahr eine Stop-Heliskiing-Demo oder einen «Marche pour le Silence» durch. Dabei suchen wir immer motivierte Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Die Aktion – normalerweise verbunden mit einem Biwak oder dem Bau von Iglus oder Schneehöhlen – ist in jedem Fall ein unvergessliches Erlebnis und je nach Destination auch für weniger erfahrene Berggänger geeignet. Melde dich, falls du Interesse an einer Teilnahme hast!

Weiterführende Links

Hast du mögliche illegale Heli-Landungen beobachtet? Hier findest du alle nötigen Informationen: