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Rückbauaktion in Ernen

Am 27. Juli 2024 legen wir gemeinsam mit dem Landschaftspark Binntal Hand an und befreien den Wald von alten Metalldrähten mit Isolatoren und ehemaligem Weidezaun. Die Plätze sind begrenzt – Jetzt anmelden!

Mit dem Klimawandel steigt die Schneefallgrenze und die Konkurrenz zwischen den Tourismusdestinationen verschärft sich. Zahlreiche Skilifte gehen Konkurs. Wo sich einmal Gäste vergnügten, bleiben an vielen Orten nur noch Ruinen.

Erstmal scheint dies kein grosses Problem zu sein. Doch die obsolet gewordenen Lifte haben eine bleibende Wirkung auf die Landschaft. Obwohl sie nicht länger zu einer ökonomischen Wertschöpfung beitragen, verhindern sie das Erleben einer wilden Landschaft – einer immer rarer werdenden Ressource im Alpenraum.

Skilifte und Seilbahnen sind nur eine der verschiedenen Infrastrukturarten, die nach Nutzungsaufgabe häufig in der Natur verbleiben: auch andere verfallende touristische, militärische, landwirtschaftliche Anlagen sowie Versorgungs- und Kommunikationsinfrastruktur trifft man in den Bergen an.

Ihre Auswirkungen auf Natur und Landschaft unterscheiden sich je nach Art. Während gerade grössere Bauten vor allem das Landschaftsbild verändern und die Möglichkeit für Wildnis-Erfahrungen beschränken, stellen beispielsweise Zäune, die nach Aufgabe im Unterholz verwachsen, eine grosse Gefahr für Wildtiere dar. Bei aufgegebenen Gebäuden können zusätzlich durch den Verfall giftige Bausubstanzen in die Umwelt gelangen. Im Falle von Resten von Gletscherabdeckungen wiederum gelangt Mikroplastik über Jahre hinweg in Gewässer.

Rechtliche Situation

Der Rückbau nicht mehr genutzter Anlagen ist gesetzlich nicht immer eindeutig geregelt.

Während das Seilbahngesetz von 2007 zwar im Falle von Skiliften und Bahnen eine Pflicht zum Rückbau nicht mehr genutzter Anlagen vorschreibt, kommt dieses Gesetz in der Praxis häufig nicht zum Greifen. Da es keine mit dem Gesetz verbundene Frist gibt, innerhalb derer der Rückbau durchgeführt werden muss, verzögert sich dieser oft um Jahre, nicht selten Jahrzehnte. Grund hierfür sind die fehlenden Mittel für den kostenintensiven Rückbau, sowie vergebliche Versuche, die Bahnen doch noch wiederzubeleben.

Im militärischen Bereich sind viele alte Anlagen denkmalgeschützt (auch wenn sie bereits zerfallen), und auch im Bereich Energie werden z.B. Hilfsinstallationen für den Bau von Staudämmen längst nicht alle wieder abgebaut.

Keine einheitlichen Daten

Der Bund hat keine Übersicht über die Gesamtheit der Schweizer rückgebauten bzw. obsoleten alpinen Anlagen, da der Rückbau zu grossen Teilen Kompetenz der Kantone ist. Aus diesem Grund hat Mountain Wilderness Schweiz die Sache selbst in die Hand genommen und ein umfassendes schweizweites Inventar obsoleter Seilbahnen und Lifte erstellt. Im Herbst 2023 gab es nach unserer Recherche mindestens 55 obsolet gewordene, jedoch (noch) nicht rückgebaute Skilifte. Obwohl unser Inventar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – insbesondere, da der Status kleinerer Lifte auch auf kantonaler Ebene nicht immer bekannt ist – verdeutlicht es dennoch, wie dringend diesbezüglich politisches Handeln erforderlich ist.

Vergangene Rückbauaktionen: Holzhütte und Stacheldraht

Ein Dutzend Freiwillige von Mountain Wilderness Schweiz bauten im Oktober 2014 gemeinsam eine marode, besitzerlos gewordene Holzhütte aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg auf dem Safierberg (GR) ab. Im September 2023 wurde die Rückbau-Kampagne bei einer Aktion gemeinsam mit der Summit Foundation in La Robella wiederbelebt und ein ganzer Anhänger voll altem Stacheldraht aus einem Waldstück entfernt. Für die nächsten Jahre sind vermehrt Aktionen geplant, um Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken.

Mountain Wilderness Schweiz engagiert sich seit ihrer Gründung gegen den Ausbau von Infrastruktur in den Alpen – der Rückbau obsolet gewordener Anlagen ist die andere Seite der Medaille und unumgänglich, wenn wir natürliche Landschaften in den Alpen erhalten wollen.

Für Mountain Wilderness gelten folgende Grundsätze:

Zurück zur Wildnis

Sobald der Anspruch unserer Gesellschaft auf eine frühere Nutzung nicht mehr besteht oder sich nicht mehr rechtfertigt, soll das Gebiet an die Wildnis zurückgegeben werden.

Mehrwert durch Rückbau

Infrastrukturelle Anlagen in den Alpen mindern den Erlebniswert sowie den kulturellen und natürlichen Wert der alpinen Landschaft. Wildniserfahrungen werden eingeschränkt. Es geht beim Rückbau folglich nicht darum, Flächen zu «säubern», sondern darum, den Wert der Landschaft wiederherzustellen und zu erhalten. Statt einer Ruine entsteht aufs Neue eine Landschaft, in der Menschen potenziell Wildnis erfahren können. Auf diese Weise wird durch Rückbau ein echter Mehrwert geschaffen.

Was wir tun:

Bewusstsein schaffen

Wir wollen die gesellschaftliche Perspektive auf Rückbau verändern und die Öffentlichkeit für den hierdurch entstehenden Mehrwert sensibilisieren.

Fordern

Verantwortliche müssen ihrer Pflicht nachkommen und nicht mehr genutzte Anlagen zurückbauen. Bei Neu-Projekten muss der Rückbau bereits Teil des Finanzplans sein.

Wir fordern die Behörden auf, effektive und allgemeingültige eidgenössische Gesetze zum Rückbau und zum Schutz der alpinen Landschaft zu schaffen. Wir treten dafür ein, dass der Vollzug dieser Gesetze durch häufigere Kontrollen sichergestellt wird.

Eingreifen

Wo die Natur die menschlichen Spuren nicht selbst überdecken kann, braucht es Massnahmen. Bei gemeinsamen Rückbau-Aktionen bauen wir ganz konkret mit Säge, Bolzenschneider, Flex und Muskelkraft obsolete Infrastruktur zurück.

Vernetzen

Mountain Wilderness Schweiz arbeitet mit anderen national und international tätigen Organisationen wie der Summit Foundation oder Mountain Wilderness France zusammen, um gemeinsam den Rückbau alpiner Anlagen voranzutreiben. Bei Rückbauaktionen kommen zudem tatkräftige Gleichgesinnte zusammen.

Was du tun kannst

Rückbau einfordern

Informiere uns über obsolet gewordene Infrastruktur (z.B. der kleine Skilift deiner Gemeinde, der seit langem stilliegt) und erinnere die Betreiberfirma oder Gemeinde direkt an die Pflicht zum Rückbau.

An Aktionen teilnehmen

Schliesse dich unserer nächsten Rückbau-Aktion an! Pack‘ mit uns an und entferne obsolete Infrastruktur, lerne Gleichgesinnte bei einer sinnvollen Arbeit kennen und gib wertvolle Flächen der Natur zurück!

Unsere Arbeit unterstützen

Unterstütze die Arbeit von Mountain Wilderness Schweiz für mehr wilde Räume in den Bergen mit einer Mitgliedschaft oder Spende.

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