Vernehmlassungsantwort zur Richtplananpassung Grimsel-Trift eingereicht

Die wilde, dynamische Gebirgslandschaft um den Triftsee, fotografiert von Mary Leibundgut.

Mountain Wilderness Schweiz lehnt das Projekt für das neue Speicherkraftwerk Trift aus drei zentralen Gründen ab. Mit der Teilnahme an der Vernehmlassung zur geplanten Anpassung des kantonalen Richtplans haben wir unsere Argumente eingebracht.

Gebiete mit hoher Wildnisqualität schützen

Erstens ist der Standort Trift ein Gebiet mit hoher Wildnisqualität. Das heisst, er zeichnet sich durch eine hohe Natürlichkeit, grosse Abgeschiedenheit, grosse Rauheit der Topographie sowie wenige menschliche Einflüsse aus. Das Vorhaben für den Bau des Kraftwerkes würde ein Gletschervorfeld zerstören, das sich durch eine einzigartige Vielfalt an Strukturen und dynamischen Prozessen auszeichnet (Wasserfall, Seitenbäche, Schwemmebene). Zudem würde das gesamte aquatische System massiv beeinträchtigt. Durch die Gletscherschmelze entstand im Trift-Gebiet ein relevanter naturschutzfachlicher Wertzuwachs. Dadurch besteht ein stark erhöhter Schutzbedarf.

Wertvolles Gewässer und Rückzugsräume für Biodiversität erhalten

Zweitens weisen die bestehenden landschaftlichen und gewässerökologischen Untersuchungen am Triftwasser und seiner Umgebung oberhalb der Fassung Untere Trift alle darauf hin, dass das Gewässer als einmalig einzustufen und wegen seiner aussergewöhnlichen gewässermorphologischen Ausprägung schützenswert ist. Es handelt sich um eine der letzten noch intakten Gletscherbachsukzessionen mit engen, wilden Schluchten, tosenden Wasserfällen und mäandrierenden Flachstrecken. Mit dem Rückweichen des Gletschers bilden sich nun neue Kaskaden und geologisch bedingte Schluchtstrecken, die das Bild ergänzen. 

Neubau nur als letzte Möglichkeit

Drittens ist der Erhalt des gesamten Landschaftssystems mit Gletscher, Gebirgsbach und Umfeld auch wichtig aus wissenschaftlicher Sicht und könnte in Zukunft als wertvolles Archiv im Zusammenhang mit dem Klimawandel dienen. Der Neubau in wilden Gebirgslandschaften ist für uns insbesondere unangemessen, solange keine starken politischen Signale und wirksamen Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs umgesetzt sind. Mehr dazu in unserem Positionspapier zur wildnisverträglichen Energiewende.