Mountain Wilderness Schweiz https://mountainwilderness.ch MoMountain Wilderness Schweiz ist eine Alpenschutzorganisation. Wir engagieren uns für die Wildnis und einen umweltverträglichen Bergsport. de-DE TYPO3 News Wed, 28 Sep 2022 07:15:07 +0200 Wed, 28 Sep 2022 07:15:07 +0200 TYPO3 EXT:news news-779 Wed, 21 Sep 2022 11:43:06 +0200 Vernehmlassungsantwort zur Richtplananpassung Grimsel-Trift eingereicht /aktuell/detail/vernehmlassungsantwort-zur-richtplananpassung-grimsel-trift-eingereicht/ Am Trift-Gletscher ist ein neues Kraftwerk zur Energiegewinnung geplant. Wir erachten den durch den Neubau des Speicherkraftwerks Trift notwendigen Eingriff in die wilde, dynamische Gebirgslandschaft als nicht vertretbar und haben uns deshalb an der Vernehmlassung beteiligt. Mountain Wilderness Schweiz lehnt das Projekt für das neue Speicherkraftwerk Trift aus drei zentralen Gründen ab. Mit der Teilnahme an der Vernehmlassung zur geplanten Anpassung des kantonalen Richtplans haben wir unsere Argumente eingebracht.

Gebiete mit hoher Wildnisqualität schützen

Erstens ist der Standort Trift ein Gebiet mit hoher Wildnisqualität. Das heisst, er zeichnet sich durch eine hohe Natürlichkeit, grosse Abgeschiedenheit, grosse Rauheit der Topographie sowie wenige menschliche Einflüsse aus. Das Vorhaben für den Bau des Kraftwerkes würde ein Gletschervorfeld zerstören, das sich durch eine einzigartige Vielfalt an Strukturen und dynamischen Prozessen auszeichnet (Wasserfall, Seitenbäche, Schwemmebene). Zudem würde das gesamte aquatische System massiv beeinträchtigt. Durch die Gletscherschmelze entstand im Trift-Gebiet ein relevanter naturschutzfachlicher Wertzuwachs. Dadurch besteht ein stark erhöhter Schutzbedarf.

Wertvolles Gewässer und Rückzugsräume für Biodiversität erhalten

Zweitens weisen die bestehenden landschaftlichen und gewässerökologischen Untersuchungen am Triftwasser und seiner Umgebung oberhalb der Fassung Untere Trift alle darauf hin, dass das Gewässer als einmalig einzustufen und wegen seiner aussergewöhnlichen gewässermorphologischen Ausprägung schützenswert ist. Es handelt sich um eine der letzten noch intakten Gletscherbachsukzessionen mit engen, wilden Schluchten, tosenden Wasserfällen und mäandrierenden Flachstrecken. Mit dem Rückweichen des Gletschers bilden sich nun neue Kaskaden und geologisch bedingte Schluchtstrecken, die das Bild ergänzen. 

Neubau nur als letzte Möglichkeit

Drittens ist der Erhalt des gesamten Landschaftssystems mit Gletscher, Gebirgsbach und Umfeld auch wichtig aus wissenschaftlicher Sicht und könnte in Zukunft als wertvolles Archiv im Zusammenhang mit dem Klimawandel dienen. Der Neubau in wilden Gebirgslandschaften ist für uns insbesondere unangemessen, solange keine starken politischen Signale und wirksamen Massnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs umgesetzt sind. Mehr dazu in unserem Positionspapier zur wildnisverträglichen Energiewende.

 

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news-778 Thu, 15 Sep 2022 17:42:35 +0200 Schiessen wir kein Eigentor – kein Freipass für die Industrialisierung alpiner Freiräume /aktuell/detail/schiessen-wir-kein-eigentor-kein-freipass-fuer-die-industrialisierung-alpiner-freiraeume/ Der Ständerat hat heute eine Gesetzesvorlage zum Bau alpiner Freiflächen-Photovoltaikanlagen durchgewinkt, welche unsere letzten unberührten Freiräume nach dem Prinzip «first come, first served» verscherbelt. Wir haben vor dem Bundeshaus demonstriert. Die Schweiz steht kurz davor, ein gewaltiges Eigentor zu schiessen und ihre letzten alpinen Freiräume überstürzt für die Stromproduktion preiszugeben. Heute hat der Ständerat mit dem «Gesetz über dringliche Massnahmen zur kurzfristigen Bereitstellung einer sicheren Stromversorgung im Winter» ein dringliches Bundesgesetz vorgelegt, welches weitreichende Deregulierungen des Erhalts der Natur und der menschlichen Lebensgrundlagen enthält. Gemäss der aktuellen Vorlage könnten Solarkraftwerke ab 10 GWh Jahresproduktion ohne Umweltverträglichkeitsprüfung oder Planungspflicht gebaut werden – sogar in Naturschutzgebieten. Jedes Maiensäss hätte mehr Auflagen als ein riesiges Solarkraftwerk in der Grösse von sieben Fussballfeldern oder mehr. Faktisch ist dies ein Freipass zur Industrialisierung unserer Alpen. Mit einem Goal und einem Fussball ausgerüstet marschierten wir heute Mittag auf den Bundesplatz und demonstrierten gegen die Vorlage. Mit scharfen Schüssen auf eine alpine Berglandschaft wurde gezeigt: Wenn das Gesetz in seiner jetzigen Form auch vom Nationalrat angenommen wird, schiessen wir ein Eigengoal. Die gefürchtete akute Strommangellage darf nicht dazu führen, dass wir die letzten unverbauten Räume opfern und die Prinzipien unseres Rechtsstaates über Bord werfen. Wir brauchen alpine Freiräume. Sie sind wichtige Lebens- und Erfahrungsräume für Natur und Mensch. Wir finden: Alpine Photovoltaik hat ein riesiges Potenzial für die Winterstromproduktion. Ökologisch und ökonomisch macht sie jedoch nur dort Sinn, wo schon gebaut und erschlossen ist. Insbesondere PVA in Skigebieten werden gemäss Umfragen von der Bevölkerung positiv bewertet. Um das drohende Eigentor zu verhindern, haben wir Forderungen an die Nationalrätinnen und Nationalräte formuliert, welche wir Ihnen in einer Mail übergeben werden.

Hier gehts zu unserem Positionspapier zur wildnisverträglichen Energiewende

Zur Medienmitteilung

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news-776 Mon, 29 Aug 2022 12:05:11 +0200 Wandernd Flagge zeigen für einen wirksamen Klima- und Alpenschutz! /aktuell/detail/wandernd-flagge-zeigen-fuer-einen-wirksamen-klima-und-alpenschutz/ Die Gletscher-Initiative kommt in den Ständerat. Wir wollen Flagge zeigen. Machst du bei unserer Wanderung mit? Stadtnah und familienfreundlich erkunden wir die wilde Seite des Bantigers bei Bern. Klimaschutz ist Alpenschutz und umgekehrt!

Die Alpen sind bereits überdurchschnittlich stark von der globalen Erwärmung betroffen und wissenschaftliche Erkenntnisse sagen ein noch schnelleres Fortschreiten des Klimawandels voraus. Nur mutiges und entschlossenes Handeln kann ihre Ökosysteme und die Lebensqualität ihrer Bewohnerinnen und Bewohner retten. Alpenschutz bedeutet Klimaschutz und umgekehrt - deshalb unterstützt Mountain Wilderness Schweiz die Gletscher-Initative. Mit unserer Wanderung am 11. September wollen wir gemeinsam Flagge zeigen und so den Druck auf den Ständerat für einen wirksamen Klima- und Alpenschutz erhöhen.

Wo: Wir bleiben auf unserer Wanderung möglichst stadtnah - und geniessen trotzdem den alpinen Charakter und mit etwas Glück das Alpenpanorama. Als Alpenschutzorganisation erzählen wir zudem wie wir uns eine wildnisverträgliche Energiewende vorstellen. Feldstecher fürs beobachten der Wildtiere (Gämse & Wanderfalken) mitbringen, die Teilnehmenden dürfen sich an der Brätlistelle Bolligen – Birchi, Ferenberg über einen lokalen Zvieri freuen.

Wann: 11. September, 11:16 Uhr, Krauchthal Länggasse (25 ÖV-Minuten ab Bern)

Dauer: Ca. 3 Stunden, abwechslungsreiche Wanderung über bewachsene Krete. Für Familien geeignet.

Schlechtwetteroption: Bei sehr schlechtem Wetter wird die Wanderung auf den 18.9. verschoben. Über die definitive Durchführung oder allenfalls Verschiebung wird am 7. September informiert.

Jetzt anmelden!

Unter diesem Link kannst du dich anmelden: https://klimaschutzschweiz.typeform.com/gi-wanderungen?typeform-source=gletscher-initiative.ch

Bitte folgende Option auswählen: BE | 11. September | Klimafreundliche Wanderung auf der wilden Seite des Bantigers

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news-774 Mon, 22 Aug 2022 12:39:34 +0200 Aus einem alpinen Freiraum würde eine Industriezone /aktuell/detail/aus-einem-alpinen-freiraum-wuerde-eine-industriezone/ Das freistehende Solarkraftwerk «Gondosolar» würde eine heute unerschlossene ehemalige Alpfläche zerstören. Mountain Wilderness Schweiz hat im Rahmen des «Feuers in den Alpen» am 13. August dagegen demonstriert. Die Schweiz soll die Energiewende im bebauten Gebiet vollziehen – und Energie einsparen! Das Absperrband gehört einfach nicht hierhin! Es stört meinen Blick, der über die Grasbüschel schweift, über die Schlafsäcke unseres «Protestcamps» weiter unten, wie es die Medien betitelt haben. Über allem thronen Weissmies, Lagginhorn und Fletschhorn. Sie allein sollten Grund genug sein, dieses Gebiet nicht zu zerstören. Ich bin auf Alpjerung ob Gondo. Wir haben hier gestern im Rahmen des «Feuers in den Alpen» gegen den alpinen Solarpark «Gondosolar» demonstriert. Das Absperrband hatten wir aufgezogen, um zu zeigen: hier ist eine Grossbaustelle geplant! Und dieses Absperrband ist nur ein Vorgeschmack: Unvorstellbar, dass gemäss Plänen der Initianten schon bald 200 Reihen mit 4’500 Solar-Elementen aus dieser rauen, abgelegenen Landschaft eine Industriezone machen könnten.

Von der kleinstrukturierten ehemaligen Alp zur Solarfarm

Das Gelände ist anders, als es sich die meisten aus der Gruppe vorgestellt haben: Es ist weitläufig, nicht einfach ein flacher Hang. Die vielen Mulden und Kuppen, Baumrotten und Felspartien bieten eine Diversität an Lebensräumen. Ruinen von Alpgebäuden ragen allenthalben aus dem gelblichen Gras und erinnern an die längst vergangene Zeit, als Alpjerung noch intensiv alpwirtschaftlich genutzt worden ist. «Gondosolar» würde ein völlig falsches Zeichen setzen. Welche Alpgenossenschaft würde nicht auch gerne eine abgelegene Alp vergolden wollen, sollte «Gondosolar» umgesetzt werden? Es wäre ein Geschäftsmodell, das auf der Ausbeutung der letzten unerschlossenen Räume der Schweiz beruhen würde. Weniger nachhaltig geht es kaum. Wir brauchen diese Räume: Als Rückzugsgebiete für Flora und Fauna und als Erfahrungsräume für uns Menschen.

Eine Nacht verbringen heisst intensiv eintauchen

Unten erwacht das «Protestcamp» langsam. Es ist eine buntgemischte Gruppe. Da ist ein Paar aus Frankreich, das während dreier Monate die Via Alpina erwandert und dabei auf die Bedeutung von Nachhaltigkeit in den Alpen hinweist. Eine Frau mittleren Alters, die sich beruflich mit der Energiewende beschäftigt, hat ohne mit den Wimpern zu zucken die Nacht an der frischen Luft verbracht. Am Morgen sind unsere Schlafsäcke vom Tau durchfeuchtet. Es erklingen Wortfetzen auf Italienisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Uns alle vereint ein Sinn für Nachhaltigkeit und die Liebe zu Bergen, Natur und Landschaft. Als wir gestern daran waren, das Abendessen zuzubereiten, zog die Älplerin von der Alpe Vallescia mit einer Kratte voll mühselig gesammelten Holzes und ein paar Kühen an uns vorbei. Ihre Alp liegt in Italien, gleich ennet der Grenze. Wie es für sie wohl sein würde, wenn sie dereinst durch einen Solar-Wald zöge, um Feuerholz zu sammeln? An einem Ort zu biwakieren, baut eine andere Beziehung zu ihm auf. Wir haben gesehen, wie der praktisch noch volle Mond orange aufgegangen ist. Einigen waren ein paar Sternschnuppen vergönnt. Wir haben wahrgenommen, wie ruhig und ursprünglich es hier oben ist.

Begegnung mit Parlamentarierinnen, die sich vor Ort informieren

Am Tag zuvor war es noch anders gewesen. Als wir mit unserer rund zwanzigköpfigen Gruppe die selten begangene Alpjerung erreicht hatten, trafen wir auf Renato Jordan, den Initianten des Projekts und Besitzer von Alpjerung. Er führte gerade eine Gruppe von SP-Nationalrätinnen und -Nationalräten über das Gelände. Roger Nordmann stürmte direkt auf Maren Kern, die Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz, zu. Als Mitglied sei er enttäuscht, dass wir uns gegen dieses in seinen Augen zukunftsfähige Projekt auflehnten. Es entspannte sich ein spannendes Gespräch mit der Gruppe. Renato Jordan fragte, ob wir nicht ein gestricktes Absperrband hätten nehmen sollen und wie wir die Baustellenlampen aufgeladen hätten. Die anwesenden Nationalrätinnen Ursula Schneider-Schüttel (Pro Natura) und Martina Munz (AquaViva) vertreten wichtige Umweltorganisationen. Beiden ist anzuspüren, dass für sie ein Entscheid bezüglich «Gondosolar» nicht einfach ist.

Ein Grossteil der Lösung liegt im bereits bebauten Gebiet

Niemand von ihnen zweifelt am Wert dieses Gebiets. Doch eine Frage beschäftigt sie, und auch viele aus unserer Gruppe: Wie schaffen wir es, nicht in eine Energie-Mangellage im Winter zu laufen? Das grosse Argument für «Gondosolar» ist, dass die Anlage im Winter mehr Strom produzieren würde als im Sommer. Dann, wenn im Mittelland der Nebel und die schwache Sonneneinstrahlung die Stromproduktion drosseln. Diese Frage ist verständlich und berechtigt. Um sie zu beantworten, braucht es zwei Ansätze: 1. Den Grundbedarf an Strom können wir mit Photovoltaik-Anlagen (PVA) auf unproblematischen Flächen wie Hausdächern oder Autobahnen decken. Studien beweisen das riesige Potenzial. Auch im alpinen Gebiet gibt es grosses Potenzial für PVA in bereits erschlossenen Gebieten zur Produktion von Winterstrom, zum Beispiel auf Tourismus-Resorts oder bei Skianlagen. Dazu brauchen wir auch geeignete Speicherkapazitäten. 2. Unser Energiehunger ist unermesslich! So wie wir einem adipösen Menschen nicht raten würden, seine Lebensmittel einfach durch andere, gesündere in der gleichen Menge zu ersetzen, sondern gleichzeitig weniger zu essen, müssen auch wir weniger Energie brauchen. Zur Frage, wie wir dies schaffen, braucht es einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs, der uns hilft, zwischen «notwendigem» und «luxuriösem» Konsum zu unterscheiden. Die Lösungen müssen angepasst an die jeweiligen Verhältnisse sein: Im ländlichen Gebiet macht vielleicht ein Elektroauto Sinn, in der Stadt dafür ein breiteres kulturelles Angebot, welches wiederum Energie braucht.

Unerschlossen und unsichtbar

Unsere Gruppe löst sich an diesem Sonntagmorgen langsam auf. Einige nehmen den Schmugglerpfad Richtung Italien, andere werden noch bis zum Simplon Hospiz wandern. Nach Alpjerung kommt man nur zu Fuss: entweder von der italienischen Seite oder, wie wir es am Samstag gemacht haben, vom Weiler Alpje her. Wer hier hin möchte, wandert mindestens eineinhalb Stunden. Es ist leicht, sich auf einem der Trampelpfade zu verlaufen. Breite Strässchen gibt es nirgends. Werden sich hier bald Arbeiterinnen und Arbeiter auf Quads für den Unterhalt des Solarparks auf schmalen Wanderwegen raufpflügen, wie uns ein Unterstützer des Projekts erklärt, der mit uns mitgewandert ist? Wir folgen zuerst dem sogenannten Römerweg, einem historischen Verkehrsweg von nationaler Bedeutung, um dann den stotzigen Weg nach Gondo hinunter zu nehmen. Plötzlich stehen wir wie angewurzelt da: Wir haben eine Gämse und ihr Junges gleich neben dem Wanderweg aufgeschreckt. Sie hatten sich in einer kleinen Höhle versteckt. Die Mutter flüchtet, das Kitz rennt zuerst in unsere Richtung. Auf einem Felsblock stehend, schauen sich alle kurz voller Spannung an; dann rennt das Kitz seiner Mutter nach und verschwindet im Wald. Wir vergessen vor lauter Plänen, Berechnungen und Visualisierungen zu schnell, dass wir uns in einem Lebensraum mit seinen eigenen Gesetzen bewegen. Die Folgen von «Gondosolar» für dieses Gebiet lassen sich heute nur schwer abschätzen. Es gibt bisher keine Erfahrungen mit vergleichbaren freistehenden PVA – weder in diesen Dimensionen noch in dieser Höhe. Hoffen wir, dass dieser Freiraum noch lange seine Ruhe wird behalten können!

Mehr Informationen zum Projekt.

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news-771 Tue, 12 Jul 2022 16:59:41 +0200 Energiewende ja, Gondosolar nein /aktuell/detail/energiewende-ja-gondosolar-nein/ Auf einem Geländerücken an der äussersten Grenze der Schweiz könnte sich ein energiepolitischer Paradigmenwechsel vollziehen: Gondosolar soll die erste grossflächige freistehende Photovoltaik-Anlage in den Schweizer Alpen werden. Die Folgen für die kaum erschlossene Landschaft wären fatal. Das Gebiet ob Gondo ist so wenig begangen und so unbekannt, dass es nicht durch ein Schutzgebiet geschützt ist. Wohl gerade deshalb erhält nun die Idee Aufwind, hier unter dem Namen Gondosolar auf der Fläche von 14 Fussballfeldern die erste grosse freistehende Photovoltaik-Anlage (PVA) der Schweiz im alpinen Raum zu bauen. Würde Gondosolar bewilligt, so befürchten Natur- und Landschaftsschutzorganisationen einen Dammbruch für viele weitere solcher Projekte. Das Projekt sieht eine 100'000 Quadratmeter grosse freistehende PVA auf einer ehemals alpwirtschaftlich genutzten Fläche ob Gondo im Kanton Wallis vor. Das Projektgebiet Alpjerung liegt auf gut 2'000 Metern über Meer, am Fusse des prächtigen Monte Leone direkt an der italienischen Grenze.

Die PVA hätte eine Leistung von 18 Megawatt und soll jährlich 0,0233 Terawattstunden (TWh) Strom liefern, den Bedarf von rund 5’200 Haushalten. Die Gesamtkosten sind auf 42 Mio. Franken budgetiert, der Bau würde 3 Jahre dauern. Initiiert hat das Projekt der Besitzer der Alp, beteiligt sind die Gemeinde Gondo-Zwischbergen sowie die Energie Electrique du Simplon EES (Mehrheitsaktionärin: Alpiq). Obwohl niemand mit einer Eröffnung vor 2030 rechnet, scheint das Projekt ernst gemeint zu sein. Eine Machbarkeitsstudie liegt vor. Als nächstes müsste das Projekt im kantonalen Richtplan festgesetzt werden.

Gut gemeintes Projekt am falschen Ort

Die eigens geschaffene Website vermittelt das Projekt in einem verführerischen Ton. «Die Wahrnehmung der Landschaft wird nur geringfügig beeinflusst (…)» steht da beispielsweise. Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, widerspricht: «Gondosolar ist ein gut gemeintes Projekt am völlig falschen Ort». Die Anlage käme in eine ehemalige Kulturlandschaft zu liegen, die bisher kaum erschlossen ist. Das Gebiet sei unglaublich wertvoll durch seine Ruhe und Abgeschiedenheit. Der sogenannte «Römerweg» - ein Pfad von historischer Bedeutung - verläuft genau durch das Projektgebiet. Es fehlen Studien, wie sich freistehende PVA auf Wildtiere auswirken. Kurzum: «Um für 5’200 Haushalte Strom zu erzeugen, sind die Kosten und die Eingriffe unverhältnismässig hoch.»

Ähnlich sieht es die grüne Walliser Politikerin und Umweltschützerin Brigitte Wolf: «Statt auf das riesige Potenzial dezentraler Anlagen zu setzen, ist man mit Gondosolar im alten Denken der Grosskraftwerke verhaftet.» Lange habe die Photovoltaik im Wallis ein Mauerblümchen-Dasein geführt, erklärt Brigitte Wolf, und nun – bei einem grossen Prestige-Projekt – seien plötzlich alle dabei. Die Grünen haben sich als einzige Fraktion im Walliser Parlament gegen die Motion «Zur Förderung von Photovoltaik-Freiflächenanlagen» geäussert. Bereits geistert die Idee einer freistehenden PVA im Saflischtal herum – in einem Naturpark, notabene!

Der Bedarf an Erneuerbaren ist gross

Es ist unbestritten: Wenn wir das Abkommen von Paris einhalten und den Klimawandel aufhalten wollen, muss die Energiewende kommen. Dies darf und muss jedoch nicht auf Kosten der letzten unberührten Gebiete geschehen. Michael Casanova, Energieexperte bei Pro Natura, bestätigt: «Der Druck zum schnellen Ausbauen ist da.» Aktuell beträgt der Strombedarf in der Schweiz rund 60 TWh. Allein für den Ersatz der AKW brauchen wir mehr als 20 TWh Strom aus erneuerbaren Quellen. Hinzu kommt, dass ein grosser Teil der Dekarbonisierung, also der Abkehr von Gas, Kohle und Öl, mit Strom geschehen wird. Je nach Szenario benötigen wir dazu noch einmal einen Zubau von 15 bis 40 TWh an erneuerbaren Energien.

Befürwortende schüren Angst vor Blackout

Ein Argument für den Zubau von freistehenden alpinen PVA und neuen Pumpspeicherkraftwerken ist die sogenannte Winterstromlücke. Saisonabhängige Energieträger wie Wind und PV könnten im Winter die Stromversorgung nicht zuverlässig decken, ein Blackout drohe. Diese Geschichte ist vor allem ein erfolgreicher Propaganda-Trick. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Blackout eintritt, ist klein. Basis für die Verunsicherung ist ein Bericht der Elcom von 2021. Dieser skizziert in einem Extrem-Szenario eine Stromlücke von 47 Stunden für Ende März 2025. Und dies nur, sofern die Kooperations-Verhandlungen mit der EU scheitern.

Fachpersonen wie Michael Casanova halten die Gefahr für gering, dass wir von der EU einfach hängen gelassen werden. Die Schweiz hat mit ihren Speicherseen zudem ideale Voraussetzungen, um überschüssigen Sommerstrom zu speichern: Das sind natürliche Batterien für rund 8 TWh Strom. Dies bedingt aber, dass die Pumpspeicherkraftwerke in den Dienst der Versorgungssicherheit gestellt und nicht dann geleert werden, wenn der Strompreis am lukrativsten ist.

Genügend Platz für PV in bebautem Gebiet vorhanden

Das grösste Potenzial, naturverträglich Strom zu produzieren, liegt in der Schweiz bei der Photovoltaik. Studien gehen von bis zu 67 TWh aus, die auf bestehenden Fassaden und Dächern produziert werden könnten. Es hat also noch reichlich Potenzial im bebauten Gebiet, wo sich PV bedeutend kostengünstiger nutzen lässt als im alpinen Freiraum. Bei der Windkraft sind die Konflikte mit Natur- und Landschaftsschutz grösser als bei PV-Anlagen im Siedlungsgebiet. Greenpeace sieht im Bericht «Versorgungssicherheit und Klimaschutz» von 2022 ein Potenzial der Windkraft von rund 5 TWh. Ausgeschöpft ist aus Sicht von Michael Casanova jedoch die Wasserkraft. Weitere Ausbauten sind hier naturverträglich kaum möglich.

Auch Raimund Rodwald sieht riesiges Potenzial für Solarstrom auf bereits bebauten Flächen, gerade im Wallis, dem Kanton mit der höchsten spezifischen Sonneneinstrahlung. Er nennt die «Autoroute solaire»; die Idee, die A9 bei Fully auf 1,6 Kilometern mit 47'000 Solarzellen zu überdachen und Strom für 12'000 Haushalte zu produzieren. Zudem sehen sowohl Raimund Rodewald als auch Brigitte Wolf viel Nachholbedarf auf den Dächern der Walliser Tourismusgemeinden, die noch viel zu selten mit PVA ausgerüstet seien. Dies, obwohl sie oft sehr ähnliche Strahlungsbedingungen aufweisen wie das Gebiet oberhalb von Gondo – ideal für Winterstrom.

Suffizienz und Strom sparen nicht vergessen

Brigitte Wolf fordert, nicht in die Rhetorik der Winterstromlücke einzustimmen und endlos erneuerbare Alternativen für die Stromerzeugung zu fordern, sondern auch Einsparungen zu verlangen. Laut Bundesrat besteht allein bei der Gebäudeeffizienz durch verbessertes Dämmen ein enormes Sparpotenzial. Michael Casanova hofft ebenfalls auf die Effizienz und Suffizienz, dem bewussten Entscheid für Tätigkeiten, Produkte und Konsum, die weniger Energie erfordern. Auf freiwilliger Basis geht das nur schleppend voran, und es bedarf mitunter einer Änderung der individuellen Werthaltung. Michael Casanova plädiert: «Nötig wäre es darum, auch staatlich Anreize zu schaffen, zum Beispiel über Lenkungsabgaben.»

Mountain Wilderness Schweiz lehnt das Projekt Gondosolar aus folgenden Gründen ab:

  1. Es würde die noch kaum berührte Landschaft auf Alpjerung technisch erschliessen und damit deren Wildnisqualität mindern. Wir brauchen unbedingt ruhige, naturbelassene Gebiete als Erfahrungsräume für uns Menschen und Rückzugsräume für Tiere.
  2. Es würde die Qualität des historischen Pfads «Römerweg» sowie des Zustiegs zur beliebten Grande Traversata delle Alpi (GTA) mindern, welche beide durch das Projektgebiet führen.
  3. Wir wollen keinen Präzedenzfall für den Bau freistehender PVA schaffen. Zuerst soll das Potenzial für PV im bebauten Gebiet genutzt werden. Freistehende PVA kommen für uns nur dort in Frage, wo das Gebiet bereits gut erschlossen ist (z.B. in Skigebieten). Sollte der Bau freistehender Photovoltaik-Anlagen unausweichlich sein, so braucht es eine kantonale Gesamtplanung.
  4. Es ist ökonomisch effizienter, Solarstrom im Mittelland oder auf anderem bebautem Gebiet zu produzieren. Wir fordern einen haushälterischen Umgang mit den Mitteln für die Energiewende.

Einladung: Feuer in den Alpen 2022

Unser diesjähriges Feuer in den Alpen vom 13./14. August 2022 steht im Zeichen einer wildnisverträglichen Energiewende und findet auf der Alpjerung, der Projektfläche von Gondosolar statt. Gemeinsam wandern wir hoch auf die Alpjerung und besichtigen das Projektgebiet. Vor Ort bieten Input-Referate zum Thema Informationen und Raum für eine breit angelegte Diskussion, wie die Energiewende wildnisverträglich umgesetzt werden kann. Infos und Anmeldung.

 

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news-769 Thu, 30 Jun 2022 16:21:00 +0200 Feuer in den Alpen für eine wildnisverträgliche Energiewende /aktuell/detail/feuer-in-den-alpen-fuer-eine-wildnisvertraegliche-energiewende-1/ Das diesjährige Feuer in den Alpen findet vom 13. auf den 14. August statt. Mit dem Feuer setzen wir alljährlich ein deutliches Zeichen für den Erhalt des kulturellen Erbes unseres Alpenraumes. Dieses Jahr dreht sich alles um das Thema wildnisverträgliche Energiewende. Feuer in den Alpen für eine wildnisverträgliche Energiewende

Dieses Jahr steht das Feuer in den Alpen ganz im Zeichen einer wildnisverträglichen Energiewende. Es findet statt auf der Alpjerung ob Gondo im Kanton Wallis. Dort ist unter dem Namen Gondosolar der erste planerisch bereits ausgereifte freistehende Solarpark der Schweiz angedacht. Mountain Wilderness Schweiz hat sich gegen das Projekt positioniert. Wir haben genug Flächen auf bereits vorhandener Infrastruktur in erschlossenen und bebauten Gebieten - auch im Gebirge. Diese Flächen sollen und müssen zuerst für den Ausbau erneuerbarer Energien und die Produktion von Winterstrom genutzt werden. Für Mountain Wilderness Schweiz ist klar: Solange das Potenzial auf bereits vorhandener Infrastruktur nicht vollständig ausgeschöpft ist, gehören unsere letzten wertvollen unerschlossenen Räume konsequent geschützt und erhalten.

Die gemeinsame Wanderung nach Alpjerung bietet die Möglichkeit, die Projektfläche von Gondosolar in der Grösse von insgesamt 14 Fussballfeldern zu besichtigen. Der stets gesellige Anlass ist der perfekte Zeitpunkt, Mountain Wilderness Schweiz und unsere Arbeit besser kennenzulernen. Wir freuen uns, wenn du am diesjährigen Feuer in den Alpen mit dabei bist! 

Programm

10:16 Uhr: Treffpunkt Bushaltestelle Simplon Dorf, Alte Kaserne. Von hier aus fährt uns ein PubliCar bis zum Weiler Alpje.

10:45 Uhr: Gemeinsame Wanderung (4 Kilometer und 500 Höhenmeter, ca. 2 h) auf die Alpjerung. Bitte Lunch und Getränke selbst mitbringen.

13 Uhr: Besichtigung der Projektfläche des Solarparks, Input-Referate für eine wildnisverträgliche Energiewende.

Ab 16 Uhr: freie Erkundung des Gebiets, gemütliches Zusammensein, Einrichten der Biwaks für die Nacht.

Für alle, die nicht biwakieren wollen, gibt es die Möglichkeit um 15 Uhr zurück nach Alpje zu laufen. Um 16:40 Uhr fährt von dort aus ein PubliCar direkt nach Gondo, von dort das Postauto um 17:43 Uhr Richtung Iselle, mit Anschluss nach Brig.

Wichtigstes in Kürze

Wann: 13. August 2022, Treffpunkt 10:16 Uhr an der Bushaltestelle Simplon Dorf, Alte Kaserne

Anreise: SBB bis Brig oder Domodossola, danach mit dem Postauto bis zur Bushaltestelle Simplon Dorf, Alte Kaserne. 

Teilnahmegebühr: 15 CHF pro Person (kann vor Ort beglichen werden)

Mitnehmen: Wasser und Verpflegung, Biwak-Utensilien, je nach Wetter Sonnen- oder Regenschutz. Gutes Schuhwerk und Ausdauer von Vorteil. 

Die Teilnahme erfolgt auf eigene Verantwortung. Versicherung ist Sache der Teilnehmenden.

Anmeldung

Hier gelangst du zur Anmeldung. Wir freuen uns auf dich!

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news-766 Tue, 07 Jun 2022 14:21:23 +0200 Patrouille des Glaciers – Skitourenrennen ohne Bodenhaftung /aktuell/detail/patrouille-des-glaciers-skitourenrennen-ohne-bodenhaftung/ Die Patrouille des Glaciers (PdG) ist Teil der schweizerischen Sportidentität. Vom Grossteil der Bergsportszene und der breiten Bevölkerung wird der Militär-Grossanlass kaum hinterfragt. Genau das haben wir getan. Ruhe sucht man in den Tagen unseres ersten Besuches in Arolla besser nicht. Helikopter fliegen nonstop ihre Runden über den Eisriesen von Pigne d’Arolla und Mt. Blanc de Cheilon. Und das, obwohl es noch mehr als zwei Wochen dauert, bis der Prestige-Sportevent der Schweizer Armee beginnt: die Patrouille des Glaciers (PdG). Das legendäre Skitourenrennen fand erstmals 1943 statt und mauserte sich von einem Symbol militärischer Wehrhaftigkeit zum sportlichen Grossevent für (fast) jede:n. Der Wettkampf ist der grösste und härteste Anlass seiner Art, ein Megaevent der Superlative. Zwischen dem 26. April und dem 1. Mai 2022 rannten über 4'600 Skitourengehende aus 35 Nationen in 1'540 Dreierteams auf einer hochalpinen Rennstrecke von Zermatt über Arolla nach Verbier. Dabei vernichteten die Athletinnen und Athleten fast 57 Kilometer und 4'386 Höhenmeter bis zu 3'650 müM. Wäre man gemütlich unterwegs, könnte man dafür ganze 4 Tage berechnen – der Streckenrekord für den Gewaltmarsch liegt jedoch aktuell bei deutlich unter sechs Stunden.

Kein Sportevent wie jeder andere

Sportevents in den Bergen boomen. Ultraläufe, Vertical-Races, Skyruns und Co. sind gefragt und oft Teil einer grösseren Tourismusstrategie. Die Veranstaltungen machen Regionen auch über den eigentlichen Anlass hinaus bekannt und ziehen Sportlerinnen und Sportler an, die wiederum eine mehr oder minder grosse Entourage mitbringen. Zusammen mit dieser reisen sie oft einige Tage vor dem Startschuss an und bleiben auch nach dem Anlass noch eine Weile am Veranstaltungsort. Eine Strategie, die Sinn macht und im Vergleich zum Tagestourismus gewissermassen als nachhaltig bezeichnet werden kann.

Die PdG ist dennoch alles andere als einer von vielen Ausdauersportanlässen in den Schweizer Alpen. Denn: Sie wird von der Armee organisiert und findet im Gegensatz zu fast allen anderen Sportevents nicht auf einem bestehenden Wegenetz statt, sondern in einem Raum abseits jeder Infrastruktur, in hochalpiner, vergletscherter Wildnis. Solch besondere Umstände, erfordern besondere Massnahmen.

Von der Wildnis zur Rennstrecke – ein logistischer Kraftakt

Nicht nur die sportliche Leistung der Athletinnen und Athleten, auch der logistische Effort der Armee, der das hochalpine Spektakel möglich erst macht, ist beeindruckend. Rund 120 Tonnen Material wie Stromaggregate, Treibstoff, Beleuchtungsmittel, beheizte Zelte, Lebensmittel oder Streckenmarkierungen sind nötig, um das Rennen möglichst sicher durchführen zu können Der Aufwand, um die Wildnis in eine relativ harmlose Rennstrecke zu verwandeln, ist immens: Für die Materialtransporte fliegen die Helikopter in den vier Wochen zwischen Aufbau, Durchführung und Abbau rund 160 Stunden. Laut Schweizerischer Ärztezeitung werden pro Ausgabe der PdG 140 verletzte Teilnehmende und etwa sechs Tonnen medizinisches Material und Gerätschaften mit den Helikoptern transportiert.

Rund 1’600 Angehörige der Armee und 700 Angehörige des Zivilschutzes des Kantons Wallis,  circa 40 Bergführende, Lawinenspezialist:innen, Hundeführende, sowie etwa 160 Sanitätssoldaten und rund 30 Ärzt:innen und Krankenpflegende sind für die PdG im Einsatz. Die Vorbereitungsaufgaben sind aufwendig und vielfältig: Die Strecke wird markiert, an heiklen Passagen werden tausende Treppenstufen in den Schnee gehackt und Fixseile installiert, Lawinenhänge werden gesprengt und die Gletscherspalten sondiert. All das, um maximale Sicherheit in einem von Gefahren geprägten Raum zu gewährleisten. Ein gutes Training für die Soldaten, die ohnehin in den Wiederholungskurs müssten, sagt man bei der Armee.  Sinnfreie Geldvernichtung auf Kosten der Allgemeinheit und der Natur, entgegnet eine Anwohnerin von Arolla, die lieber anonym bleiben möchte.

Massenevent in der letzten Wildnis der Schweiz

Die PdG führt durch einen der wenigen Räume, in dem man sich heutzutage noch natürlichen Gefahren aussetzen könnte, wenn man dies wollte. Die Route verläuft über weite Teile durch die letzten wilden Gebiete der Schweiz. In seiner jetzigen Form ist der Anlass aus Sicht von Mountain Wilderness Schweiz inakzeptabel. 2019 publizierten wir gemeinsam mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) eine Studie zu Wildnis in der Schweiz. Das Ergebnis ist die sogenannte Wildniskarte der Schweiz, welche die Ursprünglichkeit der Landschaft auf einer Skala von 1-20 bewertet und in einem Raster von 100 mal 100 Metern darstellt. Ab einem Wert von 15, wird von wilder Landschaft gesprochen. Immerhin: 17 % der Schweiz können noch als wild bezeichnet werden, ein beachtlicher Wert im Gegensatz zu unseren Nachbarländern.

Die Schweizer Wildnis befindet sich quasi ausschliesslich im Hochgebirge. Legt man die Rennstrecke der PdG über die Wildniskarte, so wird sichtbar, dass sich der Trubel mit all seinen Heliflügen, den Sprengungen und der Streckenpräparation in Gebieten von hoher und höchster Wildnisqualität abspielt – ein Fakt, der bei aller PdG-Euphorie auf den Magen schlägt. Hinzu kommt, dass die Strecke durch zwei grossflächige Landschaftsschutzgebiete führt, welche im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) aufgelistet sind. Die Präparationsarbeiten für die PDG mit all ihren Flugbewegungen stehen den klar definierten Schutzzielen dieser Gebiete diametral entgegen, vor allem demjenigen, welches verlangt «die Ruhe und den unberührten Charakter der naturnahen und wilden Lebensräume im Hochgebirge erhalten». Auch bei der grössten Umweltorganisation der Schweiz, Pro Natura ist man unserer Meinung: «Private Skitouren sind in dieser Region der Walliser Alpen kaum ein Problem. Aber ein leistungssportlicher Grossanlass mit all seinen Nebenwirkungen ist in einer geschützten Landschaft und in einem der letzten grossen Wildnisgebiete der Schweiz aus Sicht von Pro Natura fehl am Platz», so Andreas Boldt, Verantwortlicher für Freizeitaktivitäten und Naturschutz.

Einer der berühmtesten Kritiker der PdG ist Werner Munter, der ehemalige Bergführer und Wissenschaftler mit Weltrenommée, dessen Leistungen in der Schnee- und Lawinenforschung ihm den Titel «Lawinenpapst» beschert haben.

Wilde Berge sind für ihn sakrale Orte, Bergsteigen kein Sport, sondern eine Art spiritueller Akt. In unserem Gespräch auf seinem Balkon in Arolla findet er klare Worte: «Ich habe nichts gegen die Armee, aber die PdG in ihrer heutigen Form ist ein absoluter Blödsinn, eine Verhunzung und Banalisierung des Hochgebirges. Die Berge sind während des Rennens wie ein Löwe, dem man Klauen und Zähne gezogen hat, eine blosse Kulisse, Disneyland in den Bergen. Das hat mit Alpinismus rein gar nichts zu tun, jeder Meter ist präpariert, es braucht keinerlei Hochgebirgserfahrung oder Eigenverantwortung».

Für ihn ist der Anlass ein Symbol der Entfremdung und der Respektlosigkeit der Menschen vor der Natur, von Räumen die er als heilig bezeichnet. Es ist auch nicht nur die Veranstaltung an sich, sondern vor allem die Vor- und Nachbereitungen, die er unerträglich findet. «Während fast vier Wochen wird im Hochgebirge um Arolla permanent geflogen, auf dem Balkon versteht man das eigene Wort nicht mehr. Der Lärm der Rotoren ist allgegenwärtig, stört Wildtiere, Anwohnende und Touristen, die bei uns die Ruhe suchen» . Tatsächlich müssen wir das Gespräch mehrfach unterbrechen, da die Helirotationen eine Unterhaltung unmöglich machen.  Aber Munter schimpft nicht nur, er hat sogar einen Vorschlag für eine nachhaltige und alpinistisch anspruchsvolle PdG: Die einzelnen Patrouillen wählen den Startzeitpunkt selbständig aus. Installiert werden einzig elektronische Stempelposten, um die Zeit zu nehmen. Die Eigenverantwortung wäre maximiert, die Auswirkungen auf die Natur minimiert.

Wir fragen einen englische Militär-Patrouille, welche gerade ihre Ausrüstung im Hotel vorbereitet, was sie von Munters Idee hält. Der Vorschlag kommt mässig an. Aus ökologischer Sicht sei das eine sehr gute Idee, aber es hätte nichts mehr mit dem Volksfest zu tun, welches die PdG ausmache. Zudem müsste das Schweizer Militär den Anlass auch dringend als Vorbereitung für den Ernstfall nutzen. Die Veranstaltung sei dafür ideal und auch eine einzigartige Gelegenheit für den Austausch zwischen Militär-Patrouillen verschiedener Nationen.

Beliebter Wirtschaftsmotor zum Saisonende

Einen negativen Effekt auf den Tourismus, wie ihn Munter vermutet, kann Ambre Georgieff, Direktorin des Grand Hotels Kurhaus in Arolla, nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil: Die PdG sei ein willkommener Bettenfüller Ende April, einer ansonsten eher schwach gebuchten Zeit. Beschwerden von Gästen über den Helilärm oder die starke Militärpräsenz gebe es kaum, sagt sie, denn die Leute kämen überwiegend aus der Stadt und seien andere Lärmpegel gewohnt. Ausserdem erfolge die Hälfte der Buchungen in dieser Zeit ohnehin durch die Armee selbst.  «Arolla ist die allermeiste Zeit extrem ruhig, der Lärm beschränkt sich auf einen Monat alle zwei Jahre, das ist vertretbar», so Georgieff.

«Befehl zum Umweltschutz»

Dass die Patrouille des Glaciers für das Wallis ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, kann nicht abgestritten werden, ebensowenig, dass der Aufwand und der ökologische Fussabdruck der Veranstaltung immens sind. Um die ökologischen Auswirkungen der Massenveranstaltung in den Griff zu bekommen, ist auf der Website des Events von einem elaborierten Umweltschutzkonzept die Rede. Die aufgeführten Massnahmen sind allerdings sehr knapp und schwammig gehalten. Was genau im «Befehl zum Umweltschutz» steht, bleibt der Öffentlichkeit vorenthalten. Geregelt seien darin aber alle relevanten Themen, nämlich CO2-Emissionen, Abfallbewirtschaftung, Helikopterflüge, Verkehr und Transport, sowie Erziehung zu umweltbewusstem Verhalten. 

Für Mountain Wilderness Schweiz ist der Fall spätestens seit unserem Besuch vor Ort klar. Ein Schlüsselmoment war sicher die eisige Nacht am Pas de Chèvre, die wir - auf die Patrouilleure wartend - mit dem penetrantem Benzingestank und dem Lärm der Generatoren in Nase und Ohren verbachten. Das weltgrösste Skitourenrennen in seiner heutigen Form ist angesichts von Klimakrise und Wildnisverlust nicht mehr zeitgemäss. Es bedarf zumindest einer Redimensionierung oder gar einer ganz alternativen Form, wie sie beispielsweise Werner Munter vorschlägt. Geht es nach uns sollte am Berg gelten: Minimaler ökologischer Fussabdruck – maximale Eigenverantwortung.

CO2 Emissionen der PDG

CO2-Bilanzen werden seit 2014 durchgeführt. In 2018 sahen die CO2-Ausstösse prozentual wie folgt aus :

  • 57% von Ziviler Mobilität von Patrouillen und Zuschauern
  • 23% Militär und zivil (Bewirtung)
  • 18% Militärische Logistik (inkl. Helikopterflüge)
  • 1% Elektrizität
  • 1% Wasser, Papier

Seit 2014 sanken die CO2-Ausstösse wie folgt:

  • -50% Elektrizität
  • -50% Militärische Logistik
  • -50% Abfall

Die Emissionen der zivilen Mobilität haben um 33% zugenommen, da Menschen aus der ganzen Welt mit Flugzeug und Auto anreisen.

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news-764 Tue, 07 Jun 2022 13:49:33 +0200 Mit dem Velo durch die Bergwelt /aktuell/detail/mit-dem-velo-durch-die-bergwelt/ Alpen, Anden, Himalaya, Kaukasus, Pamir, Rocky Mountains: Seit über dreissig Jahren erklimmt Claude Marthaler die Gipfel der Welt auf zwei Rädern. Er bezeichnet selbst als «écrivain cyclonaute». Seine Bücher sind eine Hommage an die Berge, mit denen er sich tief verbunden fühlt. Mountain Wilderness: Welche Leidenschaft hast du zuerst entdeckt: Die für die Berge, oder die für das Fahrradfahren?

Claude Marthaler: Die beiden Leidenschaften stehen nicht im Widerspruch zueinander, sondern nähren sich gegenseitig. Eigentlich bin ich ein reiner Stadtmensch, aber schon als Kind nahmen meine Eltern meinen Bruder und mich mit in die Berge zum Wandern, Schwimmen und Skifahren. Später habe ich mich bei den Pfadfindern engagiert. Das Reisen kam in der Pubertät, als ich mit dem Fahrrad meine ersten Ausflüge unternahm. Die Begegnung mit älteren Reisenden und das Verschlingen von Reiseberichten taten ihr Übriges.

Wie bist du dazu gekommen, tausende Kilometer in die Pedale zu treten, um ein Bergmassiv zu erreichen?

Nicht nur, um deren Fuss zu erreichen, sondern um sie mehrere Monate lang am Stück zu durchqueren. Eine Erfahrung, bei der man sich selbst vergisst. Sie vermittelt ein ozeanisches Gefühl, eine außergewöhnliche innere und kosmische Einheit. Das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, sich selbst im Innersten zu sein, intensiv vitalisiert - wie eine neue Kindheit am Beginn der Welt - wird durch die ständige Anstrengung auf die Spitze getrieben. Eine echte Entblössung. Die Berge sind noch einige der letzten Wildnisgebiete, ein Hort der Freiheit und der Fantasie.

Was ist das Besondere daran, wenn man aus eigener Muskelkraft einen Berg erklimmt?

Diese Vorgehensweise bringt eine sehr große Freude mit sich, die manchmal bis zur Ekstase reicht, das Gefühl, diskret von einem Ort adoptiert worden zu sein, ohne zu stören. Es ist etwas Primitives, das unter die Haut geht. Auf dem Fahrrad fühle ich mich immer in Resonanz mit der Welt: in der Stadt, überall, aber noch mehr in einer alpinen oder Himalaya-Umgebung.

Du warst überall auf der Welt. Gibt es einen Berg, zu dem du eine besondere Verbindung hast?

Ja, der Berg Kailash, seine majestätische Silhouette ist von atemberaubender Schönheit, umso mehr nach dreieinhalb Wochen schlechter Piste zwischen 4 und über 5.000 Metern Höhe, wobei ich abwechselnd in die Pedale trat und wanderte. Für mich war er die Erfüllung eines Traums, ein ästhetischer Schock und eine Offenbarung, aber auch eine Feuerprobe und eine Pilgerfahrt zu meinem Bruder, der 1979 in einem Abgrund in Papua/Neuguinea ertrunken war. Sein Verschwinden war eines der einschneidenden Ereignisse in meinem Leben. Von da an wurde er zu meinem Schutzengel, der auf meinem Gepäckträger saß und dem ich die Welt zeigte.

2006 fuhr ich erneut mit dem Fahrrad zum Berg Kailash. Bis heute ist dieser magische Berg das glühende und magnetische Epizentrum meiner inneren Geographie geblieben.

In deinem Buch «Voyages sellestes» berichtet du von Expeditionen nach Tadschikistan, Osttibet und durch die Rocky Mountains. Was war auf diesen Reisen speziell?

Man sagt, dass sich nur Berge nie begegnen, aber das Schreiben hat sie schließlich in einem Band zusammengeführt. In der Tat standen sie immer im Mittelpunkt, sowohl bei all meinen Reisen als auch, im Hintergrund, bei all meinen Erzählungen.

In diesem Buch war die Durchquerung des Pamirs eine grundlegende Erfahrung mit meiner jetzigen Partnerin, die Möglichkeit, an den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm teilzunehmen, in Afghanistan in die Pedale zu treten und nach Zentralasien, einer meiner Lieblingsregionen, zurückzukehren. Osttibet war eine letzte, traurige Reise in diese Region, die von der Unterdrückung der Tibeter und der zügellosen chinesischen Ausbeutung gezeichnet ist, eine Situation, die sich in meinen Augen seit 1995 schrecklich verschlimmert hat. Die Rocky Mountains boten mir die Gelegenheit, die amerikanische Wildnis zu erkunden, die ich bereits ein wenig kannte, und ermöglichten mir ein Wiedersehen mit einigen amerikanischen Freunden nach zwanzig Jahren.

Die spätere Idee, drei Radreisen in einem Buch zusammenzufassen, und das durch einen Verlag, der sich auf Berichte und Monografien von Bergsteigern spezialisiert hat, war eine echte Chance, ein anderes Publikum als nur Radreisende zu erreichen.

Hast du einen Rat für all diejenige, die mit dem Velo die Welt bereisen wollen?

Ich werde ihnen nur ein Wort sagen: Geh! Das Leben ist so kurz! Ich würde sie gerne zu einem Tchaï einladen, eine Mahlzeit mit ihnen teilen und sie ermutigen, nur ihren eigenen Weg zu gehen, auf ihren Bauch und ihr Herz zu hören und nicht auf ihren Kopf.

Du bist dabei, mit deiner Partnerin in Südfrankreich in einem Landhaus eine Herberge einzurichten. Hat die Stunde der Sesshaftigkeit geschlagen?

Das ist eine zentrale Frage in meinem kurzen Leben als Mensch, die mich immer mehr beschäftigt und auf die ich noch keine schmerzlose und endgültige Antwort finden kann. Werde ich mich nun mehr und mehr damit begnügen müssen, einen inneren, metaphorischen, kulturellen oder literarischen Berg zu besteigen? Die Zukunft wird es zeigen. Auf jeden Fall ist dies ein großer Wendepunkt in meinem Leben. Ich möchte vor allem weiterhin das Leben in vollen Zügen geniessen, weiterhin reisen und schreiben (…).

 

Autor, Festivalorganisator, Multitalent

Claude Marthaler wurde 1960 in Genf geboren. Der leidenschaftliche Radfahrer fuhr 16 Jahre lang mit dem Velo um die Welt, darunter eine 7-jährige Welttournee (1994 bis 2001, 122‘000 km, 60 Länder). Er ist Autor von elf Büchern, zwei digitalen Diashows und Co-Regisseur des Dokumentarfilms «Bike for bread». Ihm wurden zwei Fernsehdokumentationen gewidmet: «La fin du voyage» und «Claude Marthaler, embrasser la terre». Zusammen mit anderen enthusiastischen Menschen gründete er das Schweizer Festival für Radfahrende «Festivélo». In seinem neuesten Buch «L'appel du volcan» (2021) berichtet er von der Besteigung des Ojos del Salado in Chile und der Teilnahme an einem Versuch am Cho-Oyu, um sein innerstes Wesen zu erforschen.

claudemarthaler.ch

 

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news-757 Wed, 25 May 2022 13:42:28 +0200 David gewinnt gegen Goliath – Graubündner Kantonalbank baut Gipfelwerbung zurück /aktuell/detail/david-gewinnt-gegen-goliath-graubuendner-kantonalbank-baut-gipfelwerbung-zurueck/ Unsere Arbeit wirkt: Mit unserer Petition gegen die Werbetafeln auf 150 Bündner Gipfeln forderten wir die Bank zum sofortigen Rückbau ihrer Werbeaktion auf. Nun kommt die GKB der Forderung nach. Nach diesem Sommer sind die Bündner Gipfel wieder so, wie wir sie lieben – frei und wild. Werbung überall – auch am Berg

Die Bergwelt dient schon immer als Werbesujet für unzählige Marken und Produkte. Immer aufdringlicher wird jedoch die Werbung auf den Bergen. Die Beispiele reichen von temporären Projektionen von Firmenlogos auf Bergflanken bis hin zu dauerhaften Installationen. Ein noch junges und besonders stossendes Beispiel sind die Metallstelen mit aufgedrucktem QR-Code als Zugang zu digitalen Gipfelbüchern, welche die Graubündner Kantonalbank 2020 anlässlich ihres 150. Jubiläums auf ebenso vielen Berggipfeln im Bündnerland installiert hatte.

Öffentlicher Druck zwingt Bank zum Rückbau

Nach der Analyse von Mountain Wilderness Schweiz befinden sich 100 der 150 Metallstelen auf Gipfeln mit hoher Wildnisqualität. Das heisst, sie sind abgeschieden und kaum von menschlichen Einflüssen geprägt. Die letzten solchen Räume der Schweiz müssen für authentische Wildniserfahrungen für diese und kommende Generationen erhalten bleiben. In einer Petition im Rahmen unserer Kampagne werbefreiegipfel.ch forderten wir die Bank auf, ihre Stelen sofort rückzubauen. Nun will die GKB unserer Forderung nach über 7'000 überreichten Unterschriften und einem vernichtenden Medienecho endlich nachkommen. Der Rückbau aller Tafeln sei bis 2023 geplant, teilt die Bank mit. Sie räumt ausserdem ein, dass bereits über die Hälfte der Stelen von Unbekannten demontiert wurden. Ein weiteres Zeichen, dass Werbung auf und am Berg völlig fehl am Platz ist. 

Freude herrscht!

Bei Mountain Wilderness Schweiz freut man sich riesig: «Werbung auf Gipfeln schadet der Landschaftsqualität und schmälert das Naturerlebnis», so Tim Marklowski, Projektleiter Bergsport bei Mountain Wilderness Schweiz. «Wir sind sehr froh über den Entscheid der GKB und hoffen, dass dieser Präzedenzfall auch anderen Firmen und der breiten Bevölkerung klar macht, dass Werbung in der Natur nichts verloren hat».

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Alpenschutz
news-756 Thu, 19 May 2022 17:09:27 +0200 «Lawinenpapst» Werner Munter im Interview /aktuell/detail/lawinenpapst-werner-munter-im-interview/ Anlässlich einer Reportage über die 22. Ausgabe der Patrouille des Glaciers reisten wir (MW-Fotografin Marta Corrà und Tim Marklowski, Projektleiter Bergsport) nach Arolla VS. Im hintersten Winkel des wilden Val d’Hérens – und dort im höchstgelegenen ganzjährig bewohnten Haus – besuchten wir den renommierten Lawinenforscher, Bergführer und Freigeist Werner Munter. Was als kurzes Interview zum anstehenden Megaevent «Patrouille des Glaciers» angedacht war, endete in einem vierstündigen Gespräch über Gott und die Welt, oder besser gesagt: über Gott und die Berge. Tim Marklowski: Die Aussicht von deinem Balkon auf den Mt. Collon ist unglaublich. Bist du deshalb ins Wallis übergesiedelt?

Werner Munter: Ich komme eigentlich aus dem Berner Mittelland. Der Grund, warum ich in Arolla gelandet bin, ist ziemlich pragmatisch. Meine mittlerweile verstorbene Ehefrau war sehr krank und fühlte sich ausschliesslich oberhalb von 2000m und umgeben von Granit wohl. Arolla bietet genau das und noch viel mehr. Wir kauften die Wohnung und blieben einfach hier. Der Ort ist magisch, eine solche Energie gibt es nicht überall.

Tönt esoterisch. Was meinst du damit?

Ich und viele andere Leute spüren hier eine besondere Kraft, etwas, das einen aufbaut. Ein Tal weiter drüben, im Val d’Anniviers zum Beispiel, spüre ich das nicht. Es ist übrigens auch kein Zufall, dass die Baumgrenze hier so hoch liegt. Die Erde hat hier eine besondere Energie.

Spannend. Würdest du dich als spirituell bezeichnen?

Absolut! Ich bin Atheist, aber Spiritualität spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben. Berge sind heilige Orte, natürliche Kathedralen, denen wir mit dem notwendigen Respekt begegnen sollten. Wir sollten dort möglichst wenig verändern. Das Beste, was diese Kraftorte zu bieten haben ist doch ohnehin die absolute Stille und Reizarmut. Wenn es so ruhig ist, dass du nur das Blut in deinen Ohren rauschen hörst, das ist doch das Grösste.

Stichwort Veränderung der Landschaft. Damit beschäftigen wir uns bei Mountain Wilderness täglich. Zum Beispiel hat die Graubündner Kantonalbank zu ihrem 150. Jubiläum Werbetafeln mit QR-Code auf 150 Bündner Gipfeln installiert. Die Tafeln sind fest im Fels verankert, 60 cm hoch und 15 cm breit. Wir haben uns mit einer Petition dagegen gewehrt und erwägen nun rechtliche Schritte. Übertrieben?

Im Gegenteil, noch besser wäre sofort abmontieren! Das hat da absolut nichts verloren.

Wenn Berge heilig sind, ist Bergsteigen dann für dich ein spiritueller Akt? Für die meisten ist es ja einfach ein Sport, oder?

Bergsteigen kann durchaus ein spiritueller Akt sein, für mich war es das jedenfalls oft. Sport ist für mich etwas anderes, weniger tiefgreifendes. An Sport war ich nie wirklich interessiert. Ich war einmal bei einem Show-Klettern eingeladen, als das mit dem Sportklettern losging. Es war schrecklich und hatte nichts mit dem zu tun, was ich eigentlich in den Bergen suchte: Einsamkeit, Eigenverantwortung und eben kein applaudierendes Publikum.

Was verlieren wir, wenn wir wilde Räume verlieren?

Wir verlieren Erfahrungsräume, die essenziell für uns Menschen sind. Die Wildnis ermöglicht die Erfahrung des Alleinseins, der Freiheit und der Individualität, aber gleichzeitig der Verbundenheit mit allem. Man kann dort lernen, sich nicht so wichtig zu nehmen und sich gleichzeitig als wirksam und kraftvoll wahrnehmen. Diese Erfahrungen können einen zu einem reflektierten Individuum machen, das auch gegen den Strom zu schwimmen vermag. Diese Qualitäten dienen wiederum der Gesellschaft als Ganzem, «Massenmenschen» gibt es schon genug.

Dieses Jahr fand zum 22. Mal die Patrouille des Glaciers (PdG) statt. Du hast dich schon mehrfach vehement gegen diese Grossveranstaltung ausgesprochen. Was stört dich daran?

Wie man auf eurer (Anm. d. R.: gemeint ist Moutain Wilderness) Wildniskarte schön sieht, geht die Rennstrecke durch eines der letzten Gebiete der Schweiz, welche grossflächig eine hohe Wildnisqualität aufweist. Während einem Monat wird dort wie wild geflogen, die Strecke wird pistenähnlich präpariert und Arolla ist quasi militärisch besetzt. Eins möchte ich klarstellen: Ich habe nichts gegen das Militär, ich habe ja selbst gedient. Aber diese Verhunzung des Hochgebirges, diese Banalisierung und Respektlosigkeit geht zu weit.

Ist das Rennen für dich moderner Alpinismus oder «nur» ein Sportevent?

Das ist bestenfalls Sport, sicher aber das Gegenteil von Alpinismus. Dort nehmen Laien teil, die keine Ahnung von Gefahrenbeurteilung haben. Es wird einem alles von den Veranstaltern abgenommen. Eigenverantwortung spielt keine Rolle mehr. Die Berge sind in der Zeit der PdG wie ein Löwe, dem man Klauen und Zähne gezogen hat und das mit absurdem Aufwand.

Denkst du, die PdG hat Auswirkungen auf den Alpinismus über das Rennen hinaus?

Ich denke, ja. Die Leute sind dann schliesslich auch vor und nach der PdG mit Ultraleicht-Ausrüstung unterwegs. Nur, dass dann niemand für die Sicherheit sorgt. Wenn etwas passiert, sind sie nicht überlebensfähig.

Was müsste passieren, damit es wieder Alpinismus ist?

Ich habe folgendes im Kopf: Die einzelnen Patrouillen wählen ihren Startzeitpunkt während der Saison selbständig und eigenverantwortlich aus. Installiert werden einzig elektronische Stempelposten, um die Zeit zu nehmen. Die Eigenverantwortung wäre maximiert, die Auswirkungen auf die Natur minimiert.

Das wird kaum auf Anklang stossen. Die positiven ökonomischen Auswirkungen sind doch kaum zu leugnen, oder? Die Betten in Arolla sind voll.

Klar, da kommt Geld in die Dörfer. Aber dieser wirtschaftliche Bonus ist zu teuer erkauft. Es geht eben nicht nur um die Ökonomie. Und selbst hier gibt es Defizite. Für die Startnummernvergabe werden um die 1000 Personen, die in Arolla auf den Start warten, nach Sion gekarrt, Essen und Trinken dort und fahren dann mit ihrer Startnummer wieder hoch nach Arolla. Wirtschaftlich und ökologisch ein kompletter Blödsinn für das Val d`Hérens. Warum feiern die Leute den Start nicht hier, zum Beispiel in Evolène oder Les Hauderes?

Zurück zum Alpinismus. Was sollte man in den Bergen dürfen und was nicht?

Man sollte alles dürfen, was den Naturraum nicht unnötig verändert. Wie gesagt, diese Erfahrungen sind wichtig für den Menschen. Die Frage, ab wann ein Eingriff zu viel ist, ist schwierig. Ich bewundere, dass ein Paul Preuss nur hochkletterte, was er auch wieder abklettern konnte, ohne Seil. «Das Können ist des Dürfens Mass», war sein schönes Motto. Andererseits bin ich kein Mann der Extreme mehr, früher war ich eher ein Hardliner. Ich meine es braucht Kompromisse, sonst kommt man nirgendwo hin. So finde ich heute in Kletterrouten gebohrte Stände zum Teil ok, aber puristisch ist es natürlich nicht mehr. Früher war ich komplett grün, heute bin ich eher grün-liberal. Und ein wenig verhält es sich so auch mit meiner Meinung zum Alpinismus.

Was gibst du Mountain Wilderness als Organisation mit auf den Weg?

Ich habe eure Hefte gelesen, das entspricht ziemlich genau meiner Philosophie. Bleibt standhaft, aber kompromissbereit.

Noch zwei persönliche Fragen, bevor der Wein leer ist. Erstens: Wie bleibt man körperlich und geistig fit im Alter?

Nie aufhören! Zusammen mit Denyse (Munter’s Lebensgefährtin) mache ich täglich noch meine 300 Höhenmeter zu Fuss, jeden Tag, im Winter wie im Sommer. Und man muss immer neugierig bleiben, hinterfragen und mit sogenannten Experten und Autoritäten aufpassen (lacht).

Und zweitens, zum Abschluss: Wenn du noch einmal jung wärst. Welche Tour würde dich noch reizen?

Der Nordostpfeiler des Finsteraarhorn. Da muss es noch richtig wild und schön sein. Die Erstbegehung war 1905, diese Leistung würde ich zu gerne nachvollziehen.

 

Werner Munter, geboren 1941 in Lohnstorf, heute wohnhaft in Arolla VS ist ein Schweizer Lawinenforscher und Bergführer. Seine Verdienste als Lawinenexperte brachten ihm den Titel «Lawinenpapst» ein.

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news-755 Tue, 10 May 2022 16:19:07 +0200 Generalversammlung 2022 /aktuell/detail/generalversammlung-2022/ Seriös und doch nicht zu trocken: Die Generalversammlung von Mountain Wilderness Schweiz konnte seit langem wieder in physischer Form stattfinden. Die Generalversammlung fand am 5. Mai im Atelier 14B in Bern statt. Dies zum ersten Mal sowohl digital wie auch physisch. Fast alle Plätze waren belegt und über Zoom schalteten sich weitere Leute hinzu.

Ein erfolgreiches Jahr

Die Präsidentin Sina Schneider und die Geschäftsleiterin Maren Kern gaben einen Rückblick auf ein bewegtes Jahr mit Aktionen, Veranstaltungen und erfolgreichen Einsprachen. So wurde von einem Stop-Heliskiing Biwak zweier Vorstandsmitglieder, der Petitionsübergabe an die Bündner Kantonalbank und der erfolgreichen Beschwerde gegen die zwei Brücken in der Schinschlucht berichtet. Danach wurde die gute finanzielle Lage von unserem Kassier Michael Zurkinden erläutert. Dank zwei grosszügigen Legaten und einer steigenden Anzahl Mitglieder konnte das letzte Jahr erfolgreicher als erwartet abgeschlossen werden.

Wechsel im Vorstand und im Team

Im Vorstand tritt Matthias Sigrist die Nachfolge von Pascal Stern an, welcher zur Würdigung seiner langjährigen Tätigkeit als Ehrenmitglied aufgenommen wurde.

Auch im Team gibt es in diesem Jahr zwei Wechsel: Tim Marklowski verlässt uns nach 10 Jahren um sich ganz auf seine neue Berufung als Bergführer zu konzentrieren. "Der Mann fürs Steile", wie er von Maren Kern beschrieben wurde, bleibt Mountain Wilderness Schweiz aber auch in Zukunft als engagiertes Mitglied erhalten. Für Tanja Laube, welche bisher die Kommunikation von Mountain Wilderness Schweiz orchestriert hat, kommen neu Juna Fink und Marc Steinemann als Campaigner zum Team dazu.

Auktion zugunsten von Mountain Wilderness Schweiz

Familiär wurde es bei der Auktion. Biet-Wettkämpfe regelten sich auch mal bilateral zwischen den Bietenden: Ein kurzes Gespräch entschied, wo die Stop-Heliskiing Fahne besser zur Geltung komme oder wer für wen mit der Heli-Güetzliform von 1998 backen muss.

Zusammen ausklingen

Pascal Stern und seine Partnerin überraschten die Anwesenden zum Schluss mit einem vorzüglichen Apéro. Die Gespräche währten bis nach 22:00 Uhr und reflektierten die gute Atmosphäre, welche während der ganzen Generalversammlung geherrscht hat.

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news-753 Thu, 28 Apr 2022 11:34:08 +0200 Patrouille des Glaciers: Hochalpiner Grössenwahn auf gebahnter Spur /aktuell/detail/patrouille-des-glaciers-hochalpiner-groessenwahn-auf-gebahnter-spur/ Diese Woche findet der längste und bekannteste hochalpine Skitouren-Wettkampf mit über 4’000 Teilnehmenden statt. Für Mountain Wilderness Schweiz gehören solche Grossanlässe mit vorgespurten und gesicherten Laufstrecken, Infrastruktur auf Gletschern und Helikopterflügen nicht ins Hochgebirge. Diese Woche findet der längste und bekannteste hochalpine Skitouren-Wettkampf statt. In den kommenden Nächten stellen sich über 4’000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Herausforderung, möglichst schnell von Zermatt oder Arolla nach Verbier zu gelangen. Für Mountain Wilderness Schweiz gehören solche Grossanlässe mit vorgespurten und gesicherten Laufstrecken, Infrastruktur auf Gletschern und den dazu nötigen Helikopterflügen nicht ins sensible Hochgebirge. 

Gigantischer geht es fast nicht mehr: Die letzten Wochen waren mehrere hundert Armee-Angehörige und weitere Helfende mit den Vorbereitungen für die 22. Ausgabe der Patrouille des Glaciers beschäftigt. Was einst als harter Test für die Mobilmachung während des zweiten Weltkriegs startete, ist heute der grösste Skitourenwettkampf der Welt. Die zivilen und militärischen Teilnehmenden bewegen sich auf einer gesicherten und mit grossem Aufwand präparierten Strecke, inklusive Verpflegungs- und Sanitätsposten auf Gletschern in über 3'000 Metern Höhe. Die Route führt durch zwei Wildtierschutzgebiete.

Mountain Wilderness Schweiz ist überzeugt, dass Grossanlässe mit gesicherten Pisten und den dazu nötigen Helikopterflügen und Eingriffen in die Natur nicht mit einem umweltverträglichen Bergsport vereinbar sind.

Die Geschichte des Alpinismus ist geprägt von Leistung und der Suche nach Anerkennung. Wenn schon ein Wettkampf am Berg orchestriert wird, muss dieser von den Teilnehmenden in Eigenverantwortung und mit kleinstmöglichen Auswirkungen auf die sensible Bergnatur bestritten werden. Wenn absolute Sicherheit das Ziel ist, gibt es genügend gesicherte Pistengebiete, in denen die Infrastruktur bereits besteht und auch für Skitourenwettläufe genutzt werden könnte.

In der nächsten Ausgabe des Wildernews gewähren wir in einer Reportage einen Blick hinter die Kulissen der Patrouille des Glaciers (verfügbar ab 9. Juni).

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news-751 Tue, 12 Apr 2022 13:22:52 +0200 Gericht bestätigt: Hängebrücken über Schinschlucht sind nicht bewilligungsfähig /aktuell/detail/gericht-bestaetigt-haengebruecken-ueber-schinschlucht-sind-nicht-bewilligungsfaehig/ Das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden hat allen Beschwerdepunkten von Mountain Wilderness und der Stiftung Landschaftsschutz gegen die touristische Möblierung eines wilden, unverbauten Abschnitts der Schinschlucht zugestimmt. Vor zwei Jahren richteten Mountain Wilderness Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz eine Beschwerde an das Bündner Verwaltungsgericht gegen den Regierungsentscheid zur Teilrevision der Ortsplanung und zur Rodungsbewilligung für das Tourismusprojekt «Aventura alvra». Der Kern dieser geplanten Vergnügungsanlage zwischen den Solisbrücken sind zwei Hängebrücken über die Schinschlucht sowie eine künstliche Felskaverne samt Plattform. Die Beschwerde wurde vollumfänglich gutgeheissen.

Brücke ohne Verbindungsfunktion

Für die Hängebrücken ist eine Ausnahmebewilligung für das Überdecken von Fliessgewässern nötig. Diese kann erteilt werden für Verkehrswege. Die zwei geplanten Hängebrücken stellen aber keine Wegverbindung dar – es wird weder eine bestehende Strasse noch ein vorhandener Wanderweg weitergeführt – sondern sind als reine touristische Erlebnisanlage geplant. Dafür kann keine Ausnahmebewilligung erteilt werden, wie das Gericht festhält.

Hohe Schutzwerte und eine wilde Schluchtenlandschaft stehen auf dem Spiel

Das Gericht bestätigt ausserdem die Einschätzung der Umweltverbände, dass die Einholung eines Gutachtens der ENHK obligatorisch gewesen wäre. Denn die alte Solisbrücke ist im Bundesinventar der historischen Verkehrswege der Schweiz aufgeführt. Das Projekt käme auch vollständig in die qualifizierte Umgebungszone des UNESCO-Welterbes-Objekts «RhB in der Landschaft Albula/Bernina» zu liegen, was in der Planung ungenügend einbezogen wurde. Insbesondere das Sprengen einer künstlichen Kaverne bedeutet einen massiven Landschaftseingriff, stellt das Gericht weiter fest und beanstandet das Fehlen einer umfassenden Interessensabwägung inklusive Schutz-, Wiederherstellungs- und Ersatzmassnahmen.

Zur Medienmitteilung

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Wildnis
news-749 Sun, 27 Mar 2022 11:30:00 +0200 Demo am Wildhorngipfel (3248m): «Schweiz ewiggestrig in Sachen Heliskiing!» /aktuell/detail/demo-am-wildhorngipfel-3248m-schweiz-ewiggestrig-in-sachen-heliskiing/ Während in Frankreich neu bereits die Werbung für Heliskiing untersagt ist, wird in der Schweiz noch ohne Rücksicht auf Verluste geflogen. Knapp 20 Aktivistinnen und Aktivisten setzten am 27. März am Wildhorngipfel (BE/VS) ein Zeichen für Klima- und Naturschutz und gegen sinnlose Spassfliegerei. Während in Frankreich neu bereits die Werbung für Heliskiing untersagt ist, wird in der Schweiz noch ohne Rücksicht auf Verluste geflogen. Knapp 20 Aktivistinnen und Aktivisten setzten am 27.März am Wildhorngipfel (BE/VS) ein Zeichen für Klima- und Naturschutz und gegen sinnlose Spassfliegerei in geschützten Landschaften.

In Deutschland ist es verboten, in Italien und Österreich ist Heliskiing nur noch stark eingeschränkt an wenigen Orten möglich. Frankreich hat vor Kurzem das Verbot von Heliflügen zum Zweck des Freizeitvergnügens erneuert und sogar noch verschärft. Es verbietet neu selbst die Werbung für diese Aktivitäten und legt strenge Strafen fest. Ein richtiger Schritt in Zeiten von Klimakrise und rarer werdenden ungestörten Naturräumen.

In der Schweiz hinkt man hinterher und hält an alten Gewohnheiten fest. Nach wie vor gibt es hierzulande 40 Gebirgslandeplätze, die für Spassfliegerei genutzt werden. Rund die Hälfte davon kommt in oder direkt angrenzend an Schutzgebiete zu liegen, wie zum Beispiel der Landeplatz am Wildhorngipfel, wo sich die 20 Demonstrierenden mit Bannern versammelt haben. 12’000 Flugbewegungen werden in der Schweiz jährlich allein für das Heliskiing durchgeführt. «Ein unnötiges Privileg weniger, auf Kosten aller», so Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz. «Mit der Demo auf dem Wildhorngipfel setzen wir ein klares Zeichen gegen diese rücksichtlose Praxis, werden jedoch längerfristig auch den Rechtsweg wieder in Erwägung ziehen».

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Unsere Position «Silence»

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Stop Heliskiing
news-747 Tue, 15 Mar 2022 10:51:04 +0100 Filme für die Berge: Neue Filmreihe sensibilisiert für Alpenschutz /aktuell/detail/filme-fuer-die-berge-neue-filmreihe-sensibilisiert-fuer-alpenschutz/ Klimawandel, exzessiver Tourismus, Verbauung: Unsere Bergnatur steht unter Druck. Zusammen mit Filme für die Erde lancierten wir mit «Filme für die Berge» eine neue Veranstaltungsreihe zum Schutz der Alpen. Klimawandel, exzessiver Tourismus, Verbauung: Unsere Bergnatur steht unter Druck. Zusammen mit Filme für die Erde lancierten wir mit «Filme für die Berge» eine neue Veranstaltungsreihe zum Schutz der Alpen. An drei Abenden zeigten wir im Alpinen Museum der Schweiz packende Dokumentarfilme zu den Themen Bergsport & Klimaschutz, Wildnis und Alpenschutz. In anschliessenden Gesprächsrunden und Vorträgen erläuterten Fachpersonen aktuelle Probleme, Handlungsmöglichkeiten und Lösungen.

Am 2. März ging der letzte Abend über die Bühne. Insgesamt durften wir über 300 Personen begrüssen und für den Schutz der Alpen und einen umweltverträglichen Bergsport begeistern. Einmal mehr haben Filme als Sensibilisierungstool überzeugt, da sie informieren und gleichzeitig emotional berühren. In Kombination mit den anregenden Inputs der Gäste auf der Bühne entstanden spannende Diskussionen. Die Denkanstösse dürften – so hoffen wir – noch eine Weile nachwirken.

Bilder und mehr Infos auf filmefuerdieberge.ch

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news-735 Thu, 25 Nov 2021 12:59:00 +0100 Der Traum vom preiswerten Alpen-Generalabonnement /aktuell/detail/der-traum-vom-preiswerten-alpen-generalabonnement/ Dank Bahnreisegutscheinen sind im Sommer 125 Jugendliche mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Alpen gereist. Was ist ihre Motivation? Louise Drompt ist Yoalin-Botschafterin für die Schweiz und hat selbst einmal teilgenommen. Sie erklärt uns, worum es geht. Dank Bahnreisegutscheinen sind im Sommer 125 Jugendliche mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Alpen gereist. Was ist ihre Motivation? Steht das kostenlose oder das nachhaltige Reisen im Vordergrund? Louise Drompt ist 22 Jahre alt und wohnt in Genf, wo sie Politikwissenschaften studiert. Sie ist Yoalin-Botschafterin für die Schweiz und Mitglied des CIPRA Jugendbeirats. Im aktuellen Wildernews erklärt sie uns, worum es geht.

Mountain Wilderness: Dieses Jahr haben sich 360 Jugendliche für einen Youth Alpine Interrail (Yoalin) Pass beworben. Warum machen sie das? Nach welchen Kriterien werden die Teilnehmenden ausgewählt?

Louise: Ich denke, die meisten bewerben sich aus Neugier. Und wir verlosen eine Reise, was für junge Menschen sehr reizvoll ist. Der Nachhaltigkeitsaspekt ist aber von Anfang an relevant. Wer sich bewirbt muss mehr tun, als sich nur per Klick anzumelden. Es gilt, sich persönlich vorzustellen und etwas über die eigene Vision des Reisens und den Bezug zu den Alpen zu erzählen.
Eine Auswahl zu treffen war sehr schwierig. Es gibt klare Kriterien wie Alter oder Wohnort in einem Alpenland. Das Hauptziel ist aber, eine gute Durchmischung zu haben und verschiedenste Menschen einzubeziehen.

Gelingt diese angestrebte Inklusion?

Bisher war es einfacher, Studierende anzusprechen. In Zukunft wollen wir aber auch die jungen Berufstätigen besser erreichen. Und wir wünschen uns mehr Teilnehmende aus der Schweiz!

Warum denkst du, bewerben sich wenige Schweizerinnen und Schweizer?

Ich vermute, dass sie auch andere Möglichkeiten haben, eine solche Reise zu finanzieren. Jugendliche aus Slowenien oder Italien berichten hingegen, dass es für sie eine einmalige Chance ist.

Warum ist das Projekt Yoalin wichtig?

Unsere Generation hört oft, dass und wie wir uns «grüner» verhalten sollen. Yoalin ermöglicht jungen Erwachsenen, nachhaltiges Reisen selbst zu erleben und sich eine Meinung zu bilden. Die Themen rund um den Klimawandel sind oft deprimierend und stimmen traurig. Yoalin fördert einen positiven Ansatz und kreativen Austausch. Das erachte ich als sehr effektiv.

Du bist vor ein paar Jahren selbst mit einem Yoalin-Ticket durch die Alpen gereist. Was bleibt dir in besonderer Erinnerung?

Ich war in den französischen Alpen unterwegs. Es war das erste Mal, dass ich ganz allein reiste – ein tolles Gefühl. Ich bin in der Region von La Gruyère aufgewachsen und dachte, dass der Trip kaum Überraschungen bieten würde. Aber ich hatte mich getäuscht: Ein Abenteuer kann vor der Haustür starten! Ich habe so viele grossartige Menschen und neue Kulturen kennengelernt, unbekanntes Essen probiert, neue Landschaften entdeckt.

Ende September haben sich die Reisenden für einen Erfahrungsaustausch in Innsbruck getroffen. Es wurde auch über Mobilität und Digitalisierung diskutiert. Was ist dabei herausgekommen?

Die wichtigste Erkenntnis ist eher ein gewecktes Gefühl. Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein und festzustellen, dass viele andere junge Menschen im Alpenraum ähnlich über Klimawandel, nachhaltiges Verhalten und Mobilität denken und fühlen. Alle wollen zu Lösungen beitragen. Die Diskussionen haben auch gezeigt, wo die Schwächen des Reisens mit den öffentlichen Verkehrsmitteln liegen.

Diese sind?

In erster Linie der Preis, vor allem im Vergleich mit den (zu billigen) Kurzstreckenflügen. Aber auch die geringe Verfügbarkeit internationaler Verbindungen und das lückenhafte Streckennetz in gewissen Ländern. Zudem stellt die fehlende Zentralisierung der Angebote ein Problem dar: Es ist sehr kompliziert und aufwändig, grenzübergreifende Reisen zu buchen. Generell muss das Reservieren von Angeboten viel flexibler und einfacher werden.

Wirkt die Erfahrung langfristig? Sind die Teilnehmenden nun überzeugte Zugreisende? Verzichtest du auf Flüge?

Grundsätzlich glaube ich, dass sich neue Gewohnheiten durch Wiederholungen manifestieren. Das Ziel von Yoalin ist nicht, Verzicht zu predigen, sondern neue Erfahrungen zu sammeln und auszutauschen. Ich denke, dass Yoalin-Teilnehmende ihr Mobilitätsverhalten sehr kritisch reflektieren und generell den öV bevorzugen. Wir sind vor allem offen für Diskussionen und die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Meinungen.
Ich persönlich versuche, insbesondere das Fliegen für Kurzdistanzreisen zu vermeiden. «Short distance flights are for insects» sagen wir dazu. Aber manchmal ist es schlicht einfacher zu fliegen oder zumindest das Auto zu nehmen. Das Comeback der Nachtzüge wird aber sicher dazu beitragen, noch öfter den Zug zu wählen.

Die ursprüngliche Idee des CIPRA Jugendbeirates ist ein alpenweites Ticket für Bahn und Bus. Wie ist der Stand der Dinge?

Mit dem «AlpTick» wollten wir eine Art Interrail Ticket für den gesamten Alpenraum kreieren. Wir realisierten aber schnell, dass ein solches Projekt, das mindestens sieben Länder und 48 Regionen einschliesst, nahezu unmöglich ist. In Gesprächen mit Politikerinnen und Politikern sowie Transportgesellschaften verfolgen wir die Idee aber laufend weiter.
Den Fokus des Projekts haben wir etwas geändert und konzentrieren uns nun auf regionale Zellen. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Graubünden haben wir diesen Sommer das Angebot «GraubündenPlus» umgesetzt. Junge Reisende mit einem Interrail oder Eurail Pass konnten für einen Aufpreis von nur 22 Franken alle Buslinien innerhalb des Kantons sowie grenzüberschreitende Linien von und nach Österreich und Italien nutzen. Zahlen liegen noch keine vor, aber positiv ist schon mal, dass uns Vertrauen geschenkt wurde und es ein gemeinsames Verständnis für die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Nachbarländern gibt. Als Nächstes wollen wir eine solche Aktion in Tirol und Südtirol lancieren. Unser langfristiges Ziel ist, diese drei Zellen zusammenzuschliessen und später weitere Regionen hinzuzufügen.

Was wünschst du dir (von wem) für die Zukunft?

Es ist idealistisch, aber ich wünsche mir von Politikerinnen, Politikern und anderen Entscheidungstragenden, dass sie mutigere Lösungen zum Klimaschutz wagen und stärker auf internationale Zusammenarbeit setzen.

 

Über Yoalin – Youth Alpine Interrail

Das Projekt des CIPRA Jugendbeirats und von CIPRA International startete 2018. Die Organisationen wollen damit eine klimafreundlichere, bewusstere und erschwinglichere Mobilität in den Alpen fördern. Junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren können sich für einen Youth Alpine Interrail Pass bewerben und bei positivem Entscheid während eines Sommers mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nachhaltig durch die Alpen reisen. Yoalin wird von den Unterzeichnerstaaten der Alpenkonvention gefördert und durch verschiedene Bundesämter und Ministerien finanziell unterstützt.
yoalin.org

Die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA – französisch für Commission Internationale pour la Protection des Alpes – ist eine nichtstaatliche Dachorganisation mit über 100 Mitgliedsorganisationen im gesamten Alpenraum. Sie setzt sich für die nachhaltige Entwicklung der Alpen ein.
cipra.org

 

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news-737 Thu, 25 Nov 2021 12:57:00 +0100 Jeder ist einer zu viel: Netto-Null für Helitourismus! /aktuell/detail/jeder-ist-einer-zu-viel-netto-null-fuer-helitourismus/ Heli-Spassflüge sind laut und klimaschädigend. Seit 27 Jahren kämpfen wir für eine Einschränkung der touristischen Gebirgsfliegerei, welche unsere letzten Wildnisgebiete bedroht. Nach harzigen Verhandlungen über Gebirgslandeplätze bringt die Klimabewegung frischen Wind in die Debatte. Mit dem Heli in die Wildnis

Haben Sie auch schon davon geträumt, auf dem Hüfi-Gletscher unter Millionen von Sternen zu biwakieren? Oder vor der Walliser Viertausender-Kulisse mit dem Mountainbike zum Sanetschpass hinunterzubrausen? Beinahe monatlich erreichen uns Beispiele solcher Angebote, zugesandt von empörten Bergliebhaberinnen und Bergliebhabern. Diese Erlebnisse werden indessen nicht mit Muskelkraft verdient, sondern mit Kerosin und Rotor erkauft. Helikopterflüge fürs Freizeitvergnügen einiger weniger verderben die Bergerlebnisse aller anderen und haben eine lausige Ökobilanz. An- und Abflüge für Heliskiing, Helibiking, Helihiking, Heli-Champagner-Frühstück und weitere dekadente Spielereien beschallen ganze Talschaften und lösen bei Wildtieren oft panikartige Fluchten aus.

Die Schweiz ist eine Hochburg des Helitourismus; in allen anliegenden Alpenländern ist er verboten oder massiv eingeschränkt. Auf 40 Gebirgslandeplätzen (GLP), das sind vom Bundesamt für Luftfahrt BAZL ausgewiesene Landeplätze über 1'100 m.ü. M., dürfen Helikopter zu Freizeitzwecken landen. Die meisten GLP befinden sich in Regionen mit hoher Wildnisqualität. Und die Hälfte aller Gebirgslandeplätze liegen in oder grenzen an Schutzgebiete mit dem ausgewiesenen Schutzziel «Ruhe und Ungestörtheit» (Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) Gebiete: 17 GLP, Wildruhezonen: 3 GLP).

Bergkonsum mit unerwünschten Nebenwirkungen

Mehrere Gutachten zeigen unmissverständlich auf, dass Störungen durch Helitourismus in Schutzgebieten nicht verantwortbar sind. Auch das von der Schweiz 1991 unterzeichnete Rahmenabkommen der Alpenkonvention verpflichtet zum Verbot von Helikopterflügen für touristische Freizeitaktivitäten im gesamten Alpenraum. Parlamentarische Vorstösse und eine bundesrätliche Überprüfung aller GLP folgten (siehe Infos am Ende des Textes).

Die aktuelle Entwicklung in der Schweiz geht leider nicht in diese Richtung. Die Heliskiing-Frequenz ist in den letzten 10 Jahren mehr oder weniger stabil geblieben und beträgt durchschnittlich 14’500 Flugbewegungen pro Jahr. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Heliskiing-Flüge, während ein kleinerer Teil anderen touristischen Aktivitäten gewidmet ist. Hinzu kommen nochmals ebenso viele An- und Abflüge für Übungszwecke und weitere nicht-gewerbliche Flüge. Für den meistbeflogenen Landeplatz, den Petersgrat im Unesco Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch, bedeutet das von April bis Juni 2’300 Flugbewegungen und 2’800 Passagiere (Zahlen 2019). Im Pandemiewinter 2020 gingen die Flugbewegungen verglichen zum Vorjahr lediglich um 11 % zurück. Besonders stossend ist: Das Portfolio an touristischen Heli-Angeboten nimmt zu. Seit 2018 wird im Wallis Helibiking angeboten. Nach Angaben der Zermatter Anbieter fliegt während der Saison ein Helikopter pro Woche Mountainbikende auf Landeplätze über 3'000 m.ü. M. als Startpunkt für eine teilweise vergletscherte Abfahrt ins Tal. Bei solchen Gelegenheiten kommt es auch immer wieder zu illegalen Landungen, wenn z. B. für nicht standortgebundene Fotoshootings Personen transportiert werden.

Gemeinsam gegen Helibiking und Heliskiing

Für Mountain Wilderness Schweiz ist die aktuelle Situation mit uneingeschränkter touristischer Fliegerei in Schutzgebieten untragbar und nicht vereinbar mit geltendem Recht. Auch die hohen Emissionen, die ein Helikopterflug verursacht, sind inakzeptabel. Mit der Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, die ohne fossile Brennstoffe auskommen muss, wird eine Einschränkung der Spassflüge im Gebirge wieder breit diskutiert.

In der Ausarbeitung des CO2-Gesetzes erfolgte ein Vorstoss, dass auch jegliche Privatflüge mit einer Abflugtaxe belastet werden. In der Beratung schloss die Umweltkommission die Helikopter jedoch bereits von der Lenkungsabgabe aus, bevor die Mehrheit des Stimmvolks das ganze CO2-Gesetz bachab schickte. Anders die unter dem Dach «Klimastreik» organisierte Klimabewegung: Sie fordert in ihrem Aktionsplan ein konsequentes Verbot aller Freizeitflüge.

Gerade weil die institutionelle Politik auf dem Weg zur Klimaneutralität offensichtlich versagt, bringen wir den Helitourismus zusammen mit diesen neuen Kräften ein weiteres Mal auf die politische Agenda. Auch Gleichgesinnte wie der SAC müssen sich im Rahmen der angekündigten Klimastrategie wieder vermehrt mit der Gebirgsfliegerei auseinandersetzen. Die Öffentlichkeit werden wir weiterhin mit unseren Stop-Heliskiing-Demos auf die Missstände aufmerksam machen (26./27. März 2022) Ausserdem widmen wir uns intensiv dem symbolträchtigen Helibiking: Hier konnten wir bereits die Streichung eines Angebots (Tsanfleuron) erwirken. Dazu stehen wir mit Akteuren aus der Mountainbike-Szene im Austausch. Ziel ist der breite Konsens, dass Helibiking in der Mountainbike-Community aus ökologischen und ethischen Gründen nichts zu suchen hat.

Was bisher geschah: Die unendliche Geschichte der Gebirgslandeplätze

Im Jahr 2000 startete der Bundesrat eine Überprüfung aller Gebirgslandeplätze (GLP), um gegebenenfalls Konflikte in Schutzgebieten anzugehen. Nach geschlagenen zehn Jahren lag das Resultat für die Region Wallis-Südost vor: Zu den bestehenden fünf GLP sollte einer hinzukommen. Gegen diesen Entscheid erhoben verschiedene Parteien Einsprache, darunter auch der SAC – mit Erfolg. Das Bundesverwaltungsgericht verfügte eine erneute Untersuchung und verlangte ein Gutachten der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission ENHK. Dieses ergab, dass der Landeplatz unter der Dufourspitze im BLN-Gebiet Dent Blanche – Matterhorn - Monte Rosa aufgehoben und nur noch für Trainingsflüge verwendet werden darf. Die Gemeinde Zermatt und der Walliser Grossrat wollten jedoch lieber das Landschaftsschutzgebiet streichen, als auf Heliskiing am Monte Rosa verzichten. Mountain Wilderness machte das ENHK-Gutachten der breiten Öffentlichkeit zugänglich und startete eine Petition gegen das dreiste Vorhaben der Heliski-Befürworter. Daraufhin brach der Bundesrat 2014 die GLP-Überprüfung wegen «unüberbrückbaren Differenzen» ab. Er verfügte lediglich die Streichung zweier Gebirgslandeplätze im Berner Oberland (Gumm und Rosenegg-West). Unser Gang vors Bundesgericht mit dem Ziel, dass die vollständige Überprüfung aller GLP zu Ende geführt und die Schutzziele durchgesetzt werden, scheiterte. In seinem Urteil schreibt das Bundesgericht jedoch: «Unter den Verfahrensbeteiligten ist zu Recht unbestritten, dass Helikopterlandungen zu schweren Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft führen, wenn sie in BLN-Objekten stattfinden.» Affaire à suivre.

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Stop Heliskiing
news-741 Tue, 16 Nov 2021 14:06:20 +0100 Petition gegen Werbung am Berg: 7'250 Unterschriften an Bündner Kantonalbank (GKB) übergeben /aktuell/detail/petition-gegen-werbung-am-berg-7250-unterschriften-an-buendner-kantonalbank-gkb-uebergeben/ Wir haben die gesammelten 7’250 Unterschriften am GKB-Hauptsitz in Chur übergeben. Die Petition brachte in drei Monaten mehr Unterschriften zusammen, als die GKB Gipfelbucheinträge in zwei Jahren. Bei der durch die Medien begleiteten Übergabe zeigten sich die GKB-Vertreter «not amused». Heute war es soweit: Wir haben die gesammelten 7’250 Unterschriften am GKB-Hauptsitz in Chur übergeben. Die Petition brachte in drei Monaten mehr Unterschriften zusammen, als die GKB Gipfelbucheinträge in zwei Jahren. Bei der durch Fernsehen, Radio und Zeitung begleiteten Übergabe zeigten sich die GKB-Vertreter «not amused». Man werde intern diskutieren, wie man damit umgeht. Ein Rückbau sei jedoch weiterhin nicht geplant und das Projekt werde frühestens Ende 2023 evaluiert. 

Rechtsgutachten stimmt optimistisch

Auch das Rechtsgutachten liegt nun vor. Es kommt zum Schluss, dass nach Bundesrecht für jede einzelne Stahlinstallation ein ordentliches Bewilligungsverfahren hätte durchlaufen werden müssen. Dazu kam es aber nie. Weiter attestiert das Gutachten, dass «fest installierte Gipfeltafeln zum Zwecke von Tourismus-, Sympathie- und Werbekampagnen in naturnahen Berglandschaften, insbesondere in BLN-Schutzgebieten, grundsätzlich nicht bewilligungsfähig und zurückzubauen sind».

Grösse zeigt, wer Fehler eingesteht und ausbügelt

Unsere Hoffnung, die GKB möge noch Grösse zeigen und den eigenen Standpunkt revidieren, ist noch nicht gestorben, sie verblasst jedoch zusehends. Mountain Wilderness hat überdeutlich argumentiert, warum die Selfie-Tafeln auf den 100 wildesten Gipfeln rückgebaut werden müssen. Es handelt sich um weitestgehend unberührte Gipfel, wie es sie nur noch selten gibt und wie sie für viele Menschen unschätzbar wertvoll sind. Zudem verzeichnen die Installationen auf diesen Gipfeln kaum Einträge. Die Eingriffe stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen, wenn man von so einem überhaupt sprechen kann.

Ist nach der Petition vor dem Rechtsverfahren?

Bei Mountain Wilderness Schweiz strebt man im Fall GKB-Gipfelstelen den Rechtsweg nicht an, scheut ihn jedoch auch nicht. Sollte die Bank weiterhin nicht einlenken, stehen verschiedene Optionen zur Wahl. Eine ist ein Antrag an das Amt für Raumentwicklung Graubünden auf nachträgliche Durchführung der Bewilligungsverfahren und Verweigerung der Ausnahmebewilligungen in Schutzgebieten und schützenswerten Landschaften sowie ein Antrag auf Erlass einer Rückbauverfügung. 

Mehr zum Thema

Artikel Bünder Zeitung, 17.11.21: Über 7200 Unterschriften gegen E-Gipfelbücher
Beitrag SRF Regionaljournal Ostschweiz, 17.11.21: Umweltorganisation Mountain Wilderness wehrt sich mit Petition gegen digitales Gipfelbuch der Graubündner Kantonalbank.
Artikel 20min.ch, 16.11.2021: Druck auf Kantonalbank – Werbefreie Berge – Petition mit 7250 Unterschriften eingereicht
Medienmitteilung
Zur Petitionsseite

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Alpenschutz
news-739 Tue, 02 Nov 2021 11:05:40 +0100 Muskelkater und Verständnis für nachhaltiges Mountainbiking: Die Resultate der ersten keepwild! bike days /aktuell/detail/muskelkater-und-verstaendnis-fuer-nachhaltiges-mountainbiking-die-resultate-der-ersten-keepwild-bike/ Vom 29.10. bis 1.11.21 haben nach mehrmaliger Verschiebung endlich die ersten keepwild! bike days stattgefunden. Der Anlass, den wir gemeinsam mit Pro Natura und unserem lokalen Bergsport-Partner Suliv organisierten, versammelte 30 Mountainbikende im südbündnerischen Valposchiavo. Vom 29.10. bis 1.11.21 haben nach mehrmaliger Verschiebung endlich die ersten keepwild! bike days stattgefunden. Der Anlass, den wir gemeinsam mit Pro Natura und unserem lokalen Bergsportpartner Suliv organisierten, versammelte 30 Mountainbikende im südbündnerischen Valposchiavo. Das Ziel: gemeinsam naturnahe Trails geniessen, aber mehr noch, Nachhaltigkeitsprobleme im MTB-Sport diskutieren, Berührungsängste abbauen und dennoch für die eigene Sache, in unserem Fall die Wildnis, einstehen.

Recycling-Trails und geschlossene Kreisläufe

Das Valposchiavo ist bekannt für seine konsequente Ausrichtung auf Bio-Landwirtschaft und einen naturnahen, sanften Tourismus. Dies spiegelt sich auch im Bike-Konzept des Tals wider: Die Trails sind hier keine beliebig in die Landschaft gefrästen Pisten, sondern in Handarbeit wiederbelebte, historische Schmuggler- und Säumerwege. Tagsüber fahren wir also auf «recycleten» Trails und essen abends feinste Bio-Produkte direkt aus dem Tal und aus geschlossenen Wertschöpfungsketten.

Glühende Oberschenkel und rauchende Köpfe

Das Valposchiavo ist sicher nicht als Anfänger-Bike-Destination zu bezeichnen, denn sowohl die Anstiege wie auch die Abfahrten über rassig-ruppige Single-Trails haben es in sich. Prädestiniertes Gelände also für unsere versierte Gruppe aus ambitionierten Hobbybikenden, Trailbauexperten, Alpenschützenden und Bikeguides. Tagsüber wird gefahren, was die Beine hergeben, am Abend folgt ein dichtes Programm mit Vorträgen und Diskussionen zu den drängenden Umweltfragen des Moutainbikesports: Nachhaltiger Trailbau und Unterhalt, Wildnisschutz vs. MTB-Sport, Wildtierökologie und Besucherlenkung – wir lassen nichts unangetastet.

Standpunkte verstehen und Wildnis verteidigen

Wie erwartet handelte es sich bei den ersten keepwild! bike days keineswegs um eine reine «Spassveranstaltung», an der sich alle einig sind. Bei einer so diversen Gruppe waren Konflikte und Diskussionen vorprogrammiert und sogar ausdrücklich erwünscht. Gerade die Themen E-MTB und Bikepisten wurden heiss diskutiert und erwartungsgemäss nicht überall Konsens gefunden. Wohl aber gab es eine Annäherung und ein besseres Verständnis der jeweils anderen Seite. Neben dem Zuhören und Verstehen des Gegenübers war uns wichtig, die eigene Position nicht zu verwässern und «rote Linien» (Stichworte: Heli-Biking, Bike-Pisten in wilden Geländekammern) klar aufzuzeigen. In unserem Positionspapier und den Diskussionen vor Ort ist uns der Spagat aus Annäherung und klarer Position gut gelungen, finden wir.

Wir danken an dieser Stelle den Teilnehmenden für ihre Offenheit und ihr engagiertes Mitwirken an diesem gelungenen Pilot-Anlass. Wir sind sicher, alle Beteiligten – wir eingeschlossen – gehen mit einem umfassenderen Verständnis für die Thematik Mountainbiking und Natur-/Landschaftsschutz aus der Veranstaltung hervor. Ganz sicher allerdings mit einem ordentlichen Muskelkater.

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news-733 Mon, 11 Oct 2021 15:26:00 +0200 keepwild! climbing days 2021 in Cadarese (IT) /aktuell/detail/keepwild-climbing-days-2021-in-cadarese-it/ Von 8. bis 10. Oktober 2021 fand der (fast) alljährliche Höhepunkt der Kampagne «keepwild! climbs» statt. Austragungsort war zum zweiten Mal das Risskletter-Mekka Cadarese südlich des Simplon, wo ein Grossteil der Routen noch bohrhakenfrei ist. Workshops und Trad Climbs

Abgesehen vom bewölkten und leicht nieseligen Samstag zeigte sich das Wetter an den keepwild! climbing days 2021 perfekt. Neben Begehungen von Routen im Tradstil wurden Workshops zu mobilen Sicherungsmitteln und Klettertechnik/-taktik durchgeführt. Geleitet wurden diese durch einige unserer langjährigen MW-Bergsportpartner: Kletterlehrer Silvan Schüpbach, Mirko Storm (Focus Fels) und Denys Thommen (Bergprojekt) sowie Johannes Gley (Hardware-Experte, Wild Country).

Es gibt noch mehr Wildnis neben den wilden Wänden

Auch der Wildnisaspekt kam nicht zu kurz. Tim Marklowski (Projektleiter Bergsport, MW Schweiz) gab interessante Einblicke in die Arbeit der Alpenschutzorganisation der Schweiz. Der Horizont der Veranstaltung wurde somit über das Klettern hinaus erweitert und die rund 25 Teilnehmenden über die vielfältigen Projekte von Mountain Wilderness Schweiz informiert. Dies mit dem Ziel, die Begeisterung für Wildnis und einen umweltverträglichen Bergsport zu wecken. Wir denken: «Mission erfüllt!»

Erfolg nach Corona-Durstrecke

Nach einem 2020 voller abgesagter VeranstaltungenInsgesamt waren die 8. keepwild! climbing days ein schöner Erfolg und auch eine Art Erlösung . Dieses Jahr konnten wir endlich wieder ein Zeichen dafür setzten, dass es neben «Bohrhaken-Touren» auch ursprüngliche, wilde Routen braucht. 

Links

mountainwilderness.ch/bergsport/projekte/keepwild-climbs/

 

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news-730 Tue, 17 Aug 2021 15:26:02 +0200 Feuer in den Alpen Gasterntal: Gletschervorfelder als schützenswerte Vielfalt /aktuell/detail/feuer-in-den-alpen-gasterntal-gletschervorfelder-als-schuetzenswerte-vielfalt/ Das traditionelle Höhenfeuer hat rund 35 Teilnehmende ins sonnenbeschienene Gasterntal gezogen. Spannende Ausführungen zu exemplarischer Vielfalt des Gletschervorfelds, Einzigartigkeit der wilden Kander sowie Anekdoten aus der Region machten diesen Wochenend-Anlass rundum gelungen. Der Wildnis Wert verleihen

Kurz nachdem alle Teilnehmenden begrüsst waren, geht’s los. Die Geographin und ausgewiesene Kennerin von Gletschervorfeldern Mary Leibundgut erläutert vor Exkursionsstart ins Gletschervorfeld erste Begriffe. Seit sie den Kanderfirn vor rund 20 Jahren kartiert hat, hat sich dieser um mehrere hundert Meter zurückgezogen. «Freigelegt wurde keine Steinwüste», betont sie. Was sich auch den Teilnehmenden zunächst als karge Flusslandschaft zeigt, entpuppt sich während der Wanderung über die Schwemmebene zur Seitenmoräne als vielfältiges Gebiet in stetigem Wandel. Das Gletschervorfeld ist eines von knapp 70 als alpine Auen geschützten Vorfeldern – die Fülle an, teils seltenen, Pflanzen, geomorphologischen Formen und abwechslungsreichen Gewässern ist atemberaubend. Die traurige Realität sieht die Kantone in ihrem Schutzauftrag jedoch im Rückstand. Nur ein Bruchteil der insgesamt rund 1800 Gletschervorfelder ist geschützt. Den Teilnehmenden wird bei den emotionalen Erläuterungen klar: Den drohenden Naturgefahren und der Ausbeutung durch Energiegewinnung zum Trotz – diese Gebiete sollen unberührt bleiben!

Doch wie kalkuliert man den Wert einer solch einzigartigen Landschaft und macht diesen Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern begreiflich? Fragen, ohne abschliessende Antwort, die die Wichtigkeit von Pionierinnen wie Mary und Anlässen wie dem Feuer in den Alpen betonen. Die angeregten Diskussionen werden auch nach der Rückkehr nach Selden weitergeführt.

Dem Ganzen einen Rahmen geben

Verschiedene Ansprachen geben abends den Inputs von Mary Leibundgut einen weiteren Rahmen. Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz, stellt den Einsatz für mehr Wildnis vor. Dieser führt auch auf die höchsten Gipfel, wie mit einer jüngst lancierten Petition zum Abbau unnötiger Gipfelwerbung.

Hansueli Rauber, Präsident der Bäuert Gasterntal, stimmt die Zuhörenden mit Lokalkenntnissen und Anekdoten auf das Tal ein. Das Motto der Einwohnenden kommt deutlich zum Vorschein: «Klar und ehrlich!» Ihre Eigenwillikeit hat zum Beispiel zum heute für den Alpenschutz höchst förderlichen Umstand geführt, dass das Tal nur mit einer schmalen, einspurigen Strasse erschlossen ist.

Neues Label für wilde Gewässer

«Nur noch 5% der Schweizer Gewässer befinden sich in naturnahem Zustand», erklären Antonia Eisenhut und Kurt Eichenberger vom WWF Schweiz. Das neue Label «Gewässerperle PLUS» fördert das Engagement der lokalen Entscheidungstragenden. Die wilde Kander wäre ein heisser Kandidat für das Label!

Derweil stellt Mitveranstalter Hans Weber die CIPRA Schweiz als Dachorganisation der Alpenschutzorganisationen vor. Die Teilnehmenden werden die Bedeutung der Buchstaben CIPRA wohl nie mehr vergessen. Für alle anderen: Sie stehen für Commission Internationale pour la Protection des Alpes. Am Feuer an der Kander klingt der Abend aus. Sebastian Moos erklärt, dass Mountain Wilderness Schweiz sich dafür einsetzt, dass sich die Qualität der wildesten Räume der Schweiz nicht schmälert. Die neue Wildnis der Gletschervorfelder spielt dabei eine wichtige Rolle.

Gekommen um zu bleiben

Während das Feuer langsam ausbrennt, liegen einige noch auf dem Rücken und verfolgen die weniger werdenden Sternschnuppen der Perseiden. Das tolle Zusammenspiel der vielen Sonnenstunden, einer gut durchmischten und geselligen Gruppe sowie zuvorkommender Gastfreundschaft hat dazu geführt, dass rund zwei Drittel der Teilnehmenden auch die Nacht in der Höhe verbringen.

Weiterführende Links:

Hintergrundwissen:

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Alpenschutz
news-728 Tue, 10 Aug 2021 08:30:00 +0200 Gipfelwerbung nein danke! Unsere Petition für werbefreie Gipfel /aktuell/detail/gipfelwerbung-nein-danke-unsere-petition-fuer-werbefreie-gipfel/ Werbung am Berg ist störend. Schlicht inakzeptabel sind dauerhafte Eingriffe in wilder Bergnatur wie die Metallstelen mit QR-Code als Zugang zu digitalen Gipfelbüchern der Graubündner Kantonalbank. Mit einer Petition fordern wir die Bank zum Rückbau der Stelen bis Ende 2021 auf. Die Bergwelt dient schon immer als Werbesujet für unzählige Marken, Produkte und Dienstleistungen. Immer aufdringlicher wird die Werbung auf den Bergen. Insbesondere dauerhafte Installationen degradieren Bergwildnis und damit wertvolle Erfahrungs- und Lebensräume für Mensch und Tier.

100 von 150 GKB-Werbestelen stehen auf wilden Gipfeln

Ein noch junges und besonders stossendes Beispiel sind die 60 x 40 cm grossen Metallstelen mit aufgedrucktem QR-Code als Zugang zu digitalen Gipfelbüchern, mit welchen sich die Graubündner Kantonalbank (GKB) anlässlich ihres 150. Jubiläums auf ebenso vielen Berggipfeln selbst ein Denkmal gesetzt hat. Nach unserer Analyse befinden sich 100 Werbestelen auf Gipfeln mit hoher Wildnisqualität. Das heisst, sie sind abgeschieden und kaum von menschlichen Einflüssen geprägt. Solche letzten Räume der Schweiz müssen für authentische Wildniserfahrungen für diese und kommende Generationen erhalten bleiben.

Taten sprechen mehr als Worte

Wir sind mit der Bank in Kontakt getreten und haben die Verantwortlichen aufgefordert, zumindest die 100 Stelen auf den wilden Gipfel bis Ende 2021 zu demontieren. Dieser Aufforderung will die GKB nicht nachkommen. Erst 2023 soll eine nächste Beurteilung des Marketingprojektes vorgenommen werden, ein Rückbau ist derzeit nicht geplant. «Ziel ist es, für die Schönheit der Bündner Berge zu sensibilisieren», kleidet sie die PR-Aktion in schöne Worte.

Diese Schönheit möchten wir ohne Werbung geniessen. Mit einer Petition fordern wir den Rückbau der Stelen bis Ende 2021 und senden ein Signal an andere Firmen, welche die Bergnatur zu Werbezwecken missbrauchen.

Weiterführende Links:

Petitionsseite werbefreigipfel.ch
Medienmitteilung vom 12.08.2021

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Alpenschutz
news-724 Tue, 22 Jun 2021 16:50:43 +0200 Rückbau zur Wildnis: 4 Tonnen Metallschrott und Pfosten abgebaut in 2 Tagen /aktuell/detail/rueckbau-zur-wildnis-4-tonnen-metallschrott-und-pfosten-abgebaut-in-2-tagen/ Am Wochenende des 29. und 30. Mai haben sich Freiwillige aus Frankreich und der Schweiz zusammengetan und den alten Zaun eines ehemaligen Rentierparks abgebaut. Fotofallen zeigen eine Rückkehr der Wildtiere auf. Im französischen Jura, unweit der Schweizer Grenze, bestand bis 1995 ein Rentierpark, der als touristische Attraktion galt. Er erstreckte sich über eine Fläche von etwa zehn Hektar, die mit bis zu zwei Meter hohem Maschendrahtzaun eingegrenzt war. Als die Anlage geschlossen wurde, blieb der Zaun stehen.

Todesfalle für Wildtiere

Seither rostet er vor sich hin und hat, den Skelettteilen nach zu beurteilen, schon einige Tiere das Leben gekostet. Zudem versperrte er diesen den Zugang zu einem Bach. «Ich habe die Anlage 2019 zufällig entdeckt und sah, dass es viele Tierknochen gab. Ich sagte mir, dass etwas getan werden muss», erklärt Christophe Clément, ein kürzlich pensionierter jurassischer Naturliebhaber. Gemeinsam mit Alain Delaunay begann er, das Drahtgeflecht zu entfernen. Gut 1,9 Tonnen schafften sie.

Eine Gemeinschaftsaktion

Für den Rest wandten sie sich an Mountain Wilderness Frankreich. Unsere französischen Partner organisieren schon seit 20 Jahren verlassene Anlagen in den Bergen. Gemeinsam mit der Gemeinde Prémanon und dem regionalen Naturpark Haut Jura wurden 60 Freiwillige für eine gemeinsame Rückbau-Aktion mobilisiert. Ein Drittel davon Einheimische, zwei Drittel aus ganz Frankreich plus zwei Vertretende von Mountain Wilderness Schweiz.

Die Arbeit im steilen Gelände war anstrengend: Bäume und Büsche haben sich im Laufe der Jahre um den Zaun geschlungen und mussten vor der Demontage getrimmt, gekürzt und sogar ausgegraben werden. Dann musste das ganze Material zur Sammelstelle geschleppt werden, wo der Schrotthändler es schliesslich abholte.

Nach zwei Tagen, viel Schweiss und vielen Kratzer waren die Freiwilligen glücklich: Sie hatten über 4 Tonnen Drahtgeflecht und Pfosten abgebaut (zusätzlich zu den 1,9 Tonnen, die bereits demontiert wurden) und somit 7 Kilometer Zaun vom Berg entfernt.

Wieder mehr Tiere unterwegs

Was nun? Die lokalen Initianten haben schon vor einem Jahr, als sie mit dem Rückbau begonnen haben, Fotofallen aufgestellt. Diese zeigen: Es sind wieder mehr Wildtiere im Gelände unterwegs! Das Monitoring wird weitergeführt.

Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz, hat mitgeholfen. Ihr Fazit: «Eine super Aktion. Die gemeinsame körperliche Arbeit schweisst zusammen und der wachsende Altmetallhaufen macht mächtig stolz. Auch in der Schweiz gibt es stillgelegte Anlagen bereit für den Rückbau!»

Weiterführende Links:

Website mit Inventar von stillgelegter Infrastruktur in den Bergen Installations obsolètes
Artikel Voix du Jura
TV-Reportage France 3

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news-720 Tue, 01 Jun 2021 10:19:00 +0200 Die digitale Eroberung der Berge /aktuell/detail/die-digitale-eroberung-der-berge/ Die Digitalisierung hat längst Einzug gehalten unter den Berggängerinnen und -gängern. Beschränkt sie eigenverantwortliches Handeln und unsere Fähigkeit zur Risikoeinschätzung? Bedroht die digitale Datenflut am Ende gar die Wildnis? Die Tour ist auf einer online Karte geplant, im Gebirge führt das GPS, die Gipfelbesteigung registriert das virtuelle Gipfelbuch, die Fotos präsentiert Instagram: Die Digitalisierung hat längst Einzug gehalten unter den Berggängerinnen und -gängern. Sie verspricht Vereinfachung und Effizienzgewinn. Aber beschränkt sie nicht eigenverantwortliches Handeln und unsere Fähigkeit zur Risikoeinschätzung? Oder bedroht die digitale Datenflut am Ende gar die Wildnis?

Darüber haben wir mit zwei Personen gesprochen, die sich auskennen: Julia Wunsch ist Social Media Consultant, Fotografin und Outdoor-Liebhaberin. Rund 7'500 Personen folgen ihr auf Instagram. Marco Volken ist Bergfotograf, Autor von Bergbüchern und alpinen Führern und ein erfahrener Alpinist. Ein Smartphone besitzt er erst seit wenigen Monaten.

Mountain Wilderness: Wie geht ihr bei eurer Tourenplanung vor? Nutzt ihr noch Papier?

Julia: Ich besitze tatsächlich von fast allen Gebieten Karten, so richtig offline (lacht). Diese lege ich am Boden aus für den Blick auf das grosse Ganze. Zudem nutze ich Schweiz Mobil, um Touren zu zeichnen, für Skitouren White Risk. Dann lade ich meist einen GPX-Track auf meine Uhr fürs Navigieren unterwegs, auf Tour nutze ich oft auch die Swisstopo App, wenn ich spontan einen alternativen Weg suchen möchte. Google Earth nutze ich, um abgelegene Zeltplätze vorab auszukundschaften.

Marco: Es hängt von der Disziplin ab. Für Skitouren reicht in der Regel die online Karte mit den Hangneigungen und Schutzgebieten. Den Rest kann ich mir ausdenken, ich brauche keine eingezeichneten Routen. Für alpines Wandern, erst recht beim Klettern und Hochtouren, bin ich auf ausführlichere Informationen angewiesen. Diese bekomme ich von Leuten, welche die Tour schon gemacht haben, aus Büchern und Führern oder auch mal aus dem Internet.

Und welche Hilfsmittel nutzt du für die Orientierung unterwegs, Marco?

Marco: Mir gefallen die gedruckten Karten. Sie sind ein Kulturgut und ästhetisch. Ich glaube, dass durch die Nutzung der Papierkarte der Orientierungssinn fit bleibt. Alle Sinne sind offen, man muss mehr denken. Die digitalen Hilfsmittel zum Navigieren sind vergleichbar mit Wanderstöcken. Wenn man sie immer nutzt, kann das Gleichgewichtsgefühl verloren gehen.

Und, Julia, stimmt das?

Julia: (lacht) Ja und nein. Zum Teil stimme ich Marco zu. Man kann sich im Gelände nicht blind auf digitale Hilfsmittel wie die GPS-Tracks verlassen. Diese sind eine Ergänzung, kein Ersatz. Karten und Gelände lesen muss man trotzdem können!

Marco: Die meisten Menschen, die ich auf Touren sehe, haben nicht ständig ein Smartphone in der Hand. Sie navigieren mit ihren Augen. Man muss auch unterscheiden zwischen gross- und kleinräumiger Orientierung. Wenn man auf unmarkierten Routen im dichten Nebel steckt, sind Geräte mit GPS-Tracks unbestritten sehr hilfreich. Aber im Kleinräumigen, in einer Kletterroute, sind GPS-Tracks sinnlos und auf einer Hochtour geht man dort, wo z.B. Trittschnee liegt. Wenn man auf einem Gletscher dem GPS folgt, landet man garantiert in einer Gletscherspalte.

Nehmen wir an, die Tour ist erfolgreich verlaufen: Wie nehmt ihr eure Verantwortung bei der Publikation eurer Touren wahr? Einzelne Orte in den Bergen werden nach Social Media Posts regelrecht überrannt.

Julia: Wir führen viele Gespräche unter Fotografinnen und Fotografen darüber. Ich habe für mich entschieden, dass ich den Ort nur nenne, wenn er schon bekannt ist. Ansonsten nenne ich ihn nicht. Viele Leute fragen auf meine Posts «Wow, wo ist das?», aber ich gebe den Ort nicht preis, denn ich möchte nicht, dass er überrannt wird. Auch lösche ich Kommentare unter meinen Beiträgen, die den Ort nennen. Wer unbedingt herausfinden möchte, wo das ist, muss selbst ein bisschen Recherchearbeit leisten – so wie ich das im Vorfeld auch mache. Zudem leiste ich Aufklärungsarbeit, indem ich in Posts z.B. über Wildruhezonen oder über die Regeln für den Einsatz von Drohnen informiere und auch mal bei anderen kommentiere, wenn ich z.B. ein Campingvideo aus einem Jagdbanngebiet sehe.

Marco, gibt es das auch in deinen Büchern, dass du den Ort nicht preisgibst?

Marco: Ja, ja, das gibt es. Es gibt Gebiete, von denen ich persönlich finde, dass sie fragil sind und nur ganz wenige Menschen vertragen. Solche publiziere ich nicht. Grundsätzlich lebe ich aber von der Veröffentlichung von Sachen, die man noch nicht kennt. Meine Überlegung ist es, Leuten, die das Naturerlebnis suchen, andere Tipps als den überlaufenen Oeschinensee zu bieten und sie damit sogar von Fern- bzw. Flugreisen abzuhalten. Wenn man etwas kennt und schätzt, ist man auch eher bereit, es zu schützen. Wer noch nie im einem Tessiner Seitental war, findet es nicht so schlimm, wenn dort eine Staumauer gebaut wird. Aber wer ein paar Mal dort war, weiss, wie wertvoll solche wilden Orte sind.

Verändern denn Social Media den Umgang mit der Natur?

Julia: Aus meiner Sicht schon. Es gibt positive und negative Aspekte: Die Leute kommen mehr raus, entdecken wunderschöne Orte bei uns, die sie dadurch – wie Marco bereits gesagt hat – schützen wollen. Andererseits gibt es mehr «Turnschuhtouristen», die kaum ein Bewusstsein für die Natur haben und zum Beispiel Abfall liegen lassen, bis hin zu ganzen Zelten.

Marco: Obwohl es im Netz mehr Beschreibungen von ganz unterschiedlichen Touren gibt, konzentrieren sich trotzdem noch mehr Leute an denselben Orten. Wenn ich mir vorstelle, wie viele Leute im Sommer in der Greinaebene rumlaufen – das hat nicht mehr viel mit Naturerlebnis zu tun. Aber ein Tal weiter hat man seine Ruhe… Kennst du Orte, die wesentlich einsamer waren, bevor sie auf Social Media gepusht wurden?

Julia: Ruhiger, aber nicht gerade einsam war es zum Beispiel rund um das Augstmatthorn, bevor der Ort auf Social Media explosionsartig verbreitet wurde. Auch der Lago di Saoseo oder Lej da Staz wurden geradezu überrannt nach Instagram-Posts.

Diesen Massenauflauf an bestimmten Orten, gab es den nicht schon vor Social Media?

Marco: Ich glaube, dass es einfach Orte gibt, die anziehen. Man redet schon seit 150 Jahren von «Modetouren». Die Trends sind heute einfach extremer als früher: Sie tauchen schnell auf und «boomen», flachen dann aber genauso schnell wieder ab.

Julia: Ich beobachte, dass sich das Zielpublikum erweitert hat. Durch Social Media haben auch jüngere Menschen Lust auf Touren in den Bergen bekommen. Ich weiss zum Beispiel von einigen Personen, die vorher viel Zeit mit Gamen oder Netflix verbracht haben und durch Social Media mit dem «Outdoorvirus» angesteckt wurden. Früher waren es die Eltern, die einen zum Wandern animieren wollten. Bei mir war es mein Mami, und ich fand die ewigen Wanderungen eher langweilig. Heute begeistern Wandern, Campen und die Abenteuer, die man so erleben kann, auch jüngere Generationen.

Marco: Ich denke, nur die Eintrittstüre ist eine andere. Ich stelle nicht fest, dass es heute mehr Junge gibt in den Bergen als früher.

Wo seht ihr denn sonst Vorteile der Digitalisierung?

Marco: Dass Karten online gratis verfügbar sind, ist schon mal ein sozialer Fortschritt, denn nicht alle können sich einen Satz Karten und Führer leisten. Das hat auch Einfluss auf die Sicherheit: Die online-Karten sind aktuell, früher sind die Leute oft mit 20 bis 30 Jahre alten Karten herumgelaufen.

Julia: Für mich ist einer der grössten Vorteile, dass man sich einfacher mit Gleichgesinnten vernetzen und Leute kennenlernen kann, die dieselbe Passion teilen.

Also seht ihr kaum kritische Punkte in der Digitalisierung?

Marco: Die Infos in einem Buch sind gut kuratiert und es gibt neben dem Autor noch einen Verlag, der bürgt. Im Internet findet man zum Beispiel Zeitangaben zwischen drei und zwölf Stunden für die gleiche Tour. Bei einem Buch weiss man zudem klar, wie alt es ist, während das Internet Aktualität vorgaukelt, die nicht immer gegeben ist. Es hat viel Schrott im Netz.

Julia: Eine Gefahr der Digitalisierung ist, dass die Wichtigkeit der realen Erfahrung unterschätzt wird. Bei Skitouren zum Beispiel musst du einfach viel gehen, um zu lernen, Situationen und den Schnee richtig zu beurteilen. Das kann nie vollständig durch ein Online-Assessment der Gefahr oder andere Tools ersetzt werden.

Wir denken darüber nach, unsere Wildnis-Karte der Schweiz digital breit zugänglich zu machen. Seht ihr hier Risiken?

Julia: Es kommt drauf an, wo die Orte liegen. Je anstrengender es ist hinzukommen, desto weniger Leute nehmen den Weg auf sich. Ansonsten sähe ich durchaus ein Gefahrenpotenzial – nach dem Motto: «Geil, da ist es wild, da will ich hin». Es ist aber natürlich auch eine Frage der Kommunikation: Wie wird das Thema dargestellt und wie viele Menschen hören überhaupt davon.

Marco: Für mich ist die Publikation der Wildnis-Karte kein Risiko, weil sie keine Geheimnisse enthält. Die Resultate sind ziemlich erwartbar. Die Karte könnte mithelfen, die Diskussion in der Öffentlichkeit zu fördern.

Julia: Für Leute, die sich noch nicht so mit dem Thema auseinandergesetzt haben wie du, Marco, birgt die Karte schon Neues. Diese denken nicht in Wildnis-Kategorien.

Zurzeit beschäftigen uns die digitalen Gipfelbücher. Wir finden diese heikel, insbesondere der Fall der Graubündner Kantonalbank (GKB), die anlässlich ihres 150. Jubiläums auf ebenso vielen Berggipfeln im Bündnerland Metallstelen installiert hat. Zum Teil auf wilden Gipfeln. Wie beurteilt ihr das?

Marco: Es gibt eine ganze Reihe von Möblierung in den Alpen. Einige davon, wie Gipfelkreuze und Gebetsfahnen, haben eine kulturelle Tradition und sind den Menschen wichtig. Wenn es um rein kommerzielle Interessen geht wie im Falle der GKB, bin ich nicht zimperlich: Wenn ich auf einem Gipfel etwas finde, das dort nicht hingehört, nehme ich das mit und entsorge es im Tal. Vollständig digitale Gipfelbücher, ohne Installation vor Ort, finde ich eine gute Sache.

Julia: Ich sehe das ähnlich. Für Werbezwecke befürworte ich das nicht. Ausserdem brauchen die digitalen Gipfelbücher auch Ressourcen und Speicherplatz, das muss man bedenken. Es laden dann sicher viele noch zusätzlich zig Fotos hoch, anstatt in einem Buch in einer kleinen Ecke seinen Namen einzutragen.  Mir gefallen ausserdem die alten klassischen Gipfelbücher. Ein Eintrag ist für mich eine Tradition, und ich finde es auch einfach schön, darin zu lesen.

Julia Wunsch – Die Digitale

Julia wurde in den 80ern in Köln geboren und ist seit 2007 in der Schweiz zuhause. Ihre grössten Passionen sind Fotografie und Storytelling. Sie ist begeistert von Geschichten und Erlebnissen rund um «the outdoors» und auch von der Frage, wie das Leben nachhaltiger und umweltverträglicher gestaltet werden kann. Seit dem Ende ihres Studiums an der Universität Zürich ist Julia im Bereich Social Media Marketing tätig. Sie ist Mitgründerin der Swiss Mountain Girls und Teilzeit-Selbstständige im Bereich Social Media Consulting & Content Creation.

juliawunsch.ch

Marco Volken – Der Analoge

Marco ist 1965 als Oberwalliser in Mailand geboren, im Tessin aufgewachsen und lebt heute in Zürich. Er ist freier Fotograf und Autor mit Schwerpunkt Landschaft, Natur und Bergsport. Meist ist er in den Alpen anzutreffen, in der Schweiz und in angrenzenden Bergregionen. Marco gehörte vor bald 30 Jahren zu den Gründungsmitgliedern von Mountain Wilderness Schweiz. Er hat zahlreiche Bildbände, Führer und Sachbücher verfasst. In seinem neusten Buch «Urtümliche Bergtäler der Schweiz» porträtiert er Bergtäler, die reich an Natur- und Kulturschätzen sind.

marcovolken.ch

 

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news-722 Thu, 20 May 2021 17:04:20 +0200 Ja zum CO2-Gesetz – Ja zu Effizienz und Suffizienz /aktuell/detail/ja-zum-co2-gesetz-ja-zu-effizienz-und-suffizienz/ Die Alpen sind ein Frühwarnsystem des Klimawandels und überdurchschnittlich stark von der globalen Erwärmung betroffen. Wir setzen uns ein für eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe und bieten Dienstleistungen an für die Reduktion des persönlichen Klima-Fussabdrucks. Der Klimaschutz seit jeher ein impliziter Teil der Arbeit von Mountain Wilderness Schweiz. Wir fokussieren auf den praktischen Klimaschutz und unterstützen politische Kampagnen, die unsere Grundsätze fördern.

Weniger ist mehr

Mit der Freizeitmobilität als Hauptverursacherin des CO2-Fussabdrucks im Bergsport, liegt ein Schwerpunkt unserer Projekte auf der klimaschonenden An- und Abreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Motorisierte Bergsportarten wie Heliskiing oder Offroad-Fahrten lehnen wir grundsätzlich ab und Flugreisen zu Zwecken des Bergsports betrachten wir kritisch.

Mit Projekten wie dem Alpin-Flohmi und gezielter Öffentlichkeitsarbeit fördern wir suffiziente Konsummuster und setzen uns für CO2-neutrale Herstellungs- und Recyclingprozesse ein. Wir setzen uns dafür ein, dass Klimaschutz nicht auf Kosten des Landschaftsschutzes erfolgt. Anstelle von steigendem Energieverbrauch und wachsender Infrastruktur plädieren wir für Effizienz und Suffizienz. Die Stromproduktion mittels erneuerbarer Energiequellen soll möglichst lokal und umweltverträglich erfolgen.

Wir sagen Ja am 13. Juni

Neben dem praktischen Klimaschutz unterstützen wir politische Kampagnen, die unsere Grundsätze fördern. Das CO2-Gesetz ist eine wichtige Grundlage für die Reduktion der CO2-Emissionen unserer Gesellschaft. Mit Massnahmen wie dem Klimafonds trägt es ausserdem zu mehr Klimagerechtigkeit bei – auch zwischen Berg und Tal. Als Alpenschutzorganisation, Mitglied der Klima-Allianz und des Vereins Klimaschutz Schweiz stimmt Mountain Wilderness Schweiz am 13. Juni für das CO2-Gesetz.

Weiterführende Links:

Unsere Position zum Klimaschutz
Kampagne Die Alpen brauchen Klimaschutz
Kampagne Klimaschutz JA!

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news-718 Tue, 11 May 2021 14:58:45 +0200 Die Herausforderungen 2020 mit Bravour gemeistert /aktuell/detail/die-herausforderungen-2020-mit-bravour-gemeistert/ Ein positiver Jahresabschluss, der Ausblick auf spannende und relevante Projekte und anregende Diskussionen zum Klimaschutz liessen die diesjährige Generalversammlung zu einem rundum gelungenen Abend werden. Auch wenn die Durchführung nie stressfrei ist (spielt die Technik mit?), hat das digitale Format der GV eindeutig positive Aspekte: Die Teilnahme ist einfach, was dieses Jahr am 6. Mai bis zu 50 Personen vor den Bildschirm gelockt hat. Wir durften auch Mitglieder und Interessierte aus Nachbarländern begrüssen. Die aktiven Beiträge und Fragen der Teilnehmenden haben gezeigt, dass das Format durchaus geeignet ist für eine basisdemokratische Mitwirkung.

Finanzen erfolgreich saniert

Im offiziellen Teil wurden alle Anträge ohne Gegenstimmen und Enthaltungen genehmigt und der Vorstand in globo wiedergewählt. Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Jahresrechnung 2020, die trotz vielen Herausforderungen erfreulich ausgefallen ist. Mountain Wilderness Schweiz schloss das vergangene Geschäftsjahr mit einem Plus von 1'440 Franken ab und konnte Fonds von insgesamt 50'000 Franken bilden. Anregende Fragen stellten Teilnehmende zum neuen Vereins-Leitbild. Anhand der Inputs werden Vorstand und Geschäftsstelle die Formulierung nun erneut diskutieren.

Klimaschutz auf Kosten von Natur und Landschaft?

In seinem Input-Referat nahm Dominik Siegrist die Teilnehmende mit auf eine Wanderung durch die Wildnis der Trift und erläuterte die Herausforderungen einer Energiezukunft «für das Klima und mit der Landschaft». Die anschliessenden Gruppendiskussionen dienen Mountain Wilderness als Anhaltspunkt, ob und wie der Verein sich im Klimaschutz stärker positionieren und das Thema Natur- und Landschaftsschutz bzw. Wildnis einbringen soll.

«Für mich war dies eine der besten Generalversammlungen – inklusive positiver Budgetaussicht – in meiner MW-Zeit», resümierte das langjährige Vorstandsmitglied Pascal Stern den Abend.

Weiterführende Links

Jahresrückblick 2020

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news-716 Sun, 18 Apr 2021 12:00:19 +0200 Stop Heliskiing – jetzt erst recht: Kleinst-Demo auf dem Wildhorn /aktuell/detail/stop-heliskiing-jetzt-erst-recht-kleinst-demo-auf-dem-wildhorn/ Während im Kanton Uri coronabedingt die Lifte stillstehen, fliegt man im Wallis Skitouristen auf die Berge. In Zeiten von Klimawandel und Pandemie ist das inakzeptabler denn je. Mountain Wilderness setzte am Wildhorn ein Zeichen und empfing die Helis nach einer Nacht im Biwak auf dem Gipfel. Gerade erst wurde die Skisaison im Kanton Uri aufgrund erhöhter Infektionszahlen vorzeitig beendet. Während dort der «normale» Skispass vorbei ist, frönt anderorts ungehindert der elitärsten Spielart des Sports, dem Heliskiing. Eine Gruppe Aktivisten von Mountain Wilderness Schweiz biwakierte in der Nacht vom 16. auf den 17. April am Gipfel des Wildhorns (3’248 m), um eine Kleinst-Demo gegen das Heliskiing durchzuführen.

Inakzeptabler Motorenspass in wenig berührter Gebirgslandschaft

Am Wildhorn, direkt am Rand einer der wertvollsten Landschaften der Schweiz, Gälte-Iffigen, liegt einer der 40 Schweizer Gebirgslandeplätze und damit ein hochfrequentierter Heliskiing-Hotspot. Die Gebirgslandschaft Gälte-Iffigen gehört zum Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN). Genau in solchen Landschaften liegen die meisten Schweizer Gebirgslandeplätze, welche pro Jahr ca. 15'000 touristische Flugbewegungen verzeichnen – die meisten davon für Heliskiing.

1’000 Personen per Helikopter auf das Wildhorn

Allein auf den Gebirgslandeplatz Wildhorn wurden 2019 per Helikopter 944 Personen geflogen. Davon über 70% (687 Personen) zwischen April und Juni, mit einem grossen Anteil Heliskitouristen. «Mit den Flügen geht eine erhebliche Lärmbelastung einher, welche die Fauna sowie andere Erholungssuchende beeinträchtigt und den BLN-Schutzzielen widerspricht», so Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz. Helikopter zählen darüber hinaus zu den umweltschädlichsten und Transportmitteln überhaupt: Das Verhältnis von Emissionen zur Anzahl Transportierter ist in Zeiten der Klimakrise inakzeptabel. Heliskiing ist und bleibt der Spass weniger, auf Kosten aller.

Weiterführende Links

Medienmitteilung vom 18.4.2021
Projektseite

 

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Stop Heliskiing
news-714 Tue, 16 Mar 2021 16:42:24 +0100 «Wildnis nicht nur in Gedanken, sondern auf der Fläche zulassen» /aktuell/detail/wildnis-nicht-nur-in-gedanken-sondern-auf-der-flaeche-zulassen/ Die Initiative «Wildnis in Deutschland» vertritt erfolgreich und prominent die Interessen der Wildnis. Manuel Schweiger hat als Wildnis-Referent bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt die Initiative aufgebaut. Im Gespräch mit dem Forum Wildnis Schweiz verrät er, wie er das geschafft hat. Die Initiative «Wildnis in Deutschland» vertritt erfolgreich und prominent die Interessen der Wildnis. Manuel Schweiger hat als Wildnis-Referent bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt die Initiative aufgebaut. Im Gespräch mit dem Forum Wildnis Schweiz verrät er unter anderem, wie er das geschafft hat.

Forum Wildnis Schweiz: Unter dem Namen Initiative «Wildnis in Deutschland» setzen sich 20 Naturschutzorganisationen mit einer gemeinsamen Stimme für Wildnis ein. Wie hast du das geschafft?

M. Schweiger: (Lacht) Dass sich so viele Organisationen zusammengefunden haben zeigt, wie hoch die Wertschätzung für das Thema ist und wie wichtig das Anliegen ist, wieder mehr Wildnis zu schaffen. Wildnis bewegt offenbar die Menschen. Das kann auch mal zum Negativen sein, wenn man an Proteste gegen konkrete Schutzgebiete denkt. Aber in unseren Naturschutz affinen Kreisen hat es sehr geholfen, aus den Ansprechpartnern der deutschen Naturschutzorganisationen eine Gruppe zusammenzubringen, die wirklich aktiv vorangeht und andere mitzieht.

Ihr vereint in erster Linie Naturschutzorganisationen. Das Forum Wildnis Schweiz ist viel breiter aufgestellt. Wie habt ihr euch für diesen Fokus entschieden?

Die Gruppe ist aus einem bestehenden Netzwerk von Naturschutzorganisationen entstanden – das ist der entscheidende Grund. Dieses Netzwerk hat auch schon vorher politische Arbeit betrieben und hat sich dann quasi um den Bereich Wildnis erweitert. Weil das so erfolgreich war und noch weitere Partner hinzugekommen sind, hat man die Initiative «Wildnis in Deutschland» ausgekoppelt. Deswegen stand es gar nicht zur Debatte, als Partnerorganisationen auch wissenschaftliche Organisationen oder Privatpersonen aufzunehmen. Wir kooperieren jedoch sehr eng mit Forschungseinrichtungen, auch mit Behörden.

Ihr habt durchaus auch eine breitere Öffentlichkeit, die sich für das Thema interessiert.

Das Interesse in der breiten Öffentlichkeit ist da, doch sie ist nicht unsere primäre Zielgruppe. Für uns ist es wichtiger, Entscheidungsträger vom Wildnisansatz zu überzeugen. Solche, die zum Beispiel über die Nutzung von Flächen entscheiden. Wenn, dann ist die breite Öffentlichkeit für uns wichtig, um Druck auf Entscheidungstragende auszuüben. Wir überlegen uns jeweils ganz gezielt, was wir ändern möchten, wer das ändern kann und wie wir diese Personen dazu bringen, dies zu ändern. Die breite Öffentlichkeit ist immer der letzte Weg – es ist unglaublich aufwendig, Aufmerksamkeit zu bekommen. Das kostet viel Geld und Personal; und daran fehlt es ja meist im Naturschutz.

Daher spricht eure Plattform «Sagt es laut» gezielt zivilgesellschaftliche Initiativen an.

Das Engagement der Menschen vor Ort für die Natur ist ungemein wertvoll und glaubwürdig. Nur haben sie meist wenig Chancen gegen die viel einflussreicheren wirtschaftlichen Interessen in der Region. Ich habe deshalb lokale Bürgerinitiativen beraten, die sich gegründet haben, um sich für Schutzgebiete in ihrer Region einzusetzen. Es gibt Fehler, die solche Initiativen immer wieder machen, beispielsweise dass sie sich an den Gegnern abmühen und diese überzeugen wollen, anstatt sich auf potenzielle Unterstützende zu fokussieren.

Du hast jetzt ein paar Mal von «wir» gesprochen. Wie arbeitet ihr denn zusammen bei der Initiative?

Wir treffen uns alle zwei, drei Monate und besprechen aktuelle Themen. Ganz wichtig ist hier der Erfahrungsaustausch zwischen den Stiftungen, die sich um Wildnisgebiete kümmern. Je nach dem bilden wir auch kleinere Untergruppen für spezifische Fachfragen oder politische Arbeit. Das Ergebnis wird in der grossen Gruppe vorgeschlagen, diskutiert und abgesegnet. Braucht es einen Beschluss auf höherer Verbandsebene, sind wir über andere Gremien gut verknüpft und können so Themen schneller auf die Entscheidungsebene hieven. Es ziehen alle am selben Strang. Uns hilft dabei unser gemeinsames Verständnis von Wildnis und unsere 11 Positionen zu Wildnis. Die sind für uns gesetzt.

Ihr habt das Ziel von 2 Prozent Wildnis, ihr habt den Wildnisfonds – man bekommt das Gefühl, dass eure Initiative behördlich und politisch breit abgestützt ist. Würdest du das auch so unterschreiben?

Ja, zumindest im Naturschutz auf Bundesebene: Vom Bundesumweltministerium erfahren wir eine sehr gute Unterstützung. Vom Bundeslandwirtschaftsministerium, das auch den Bereich Forsten unter sich hat, wird offen gegen Wildnisentwicklungen gearbeitet. Auf Landesebene ist es ganz unterschiedlich. Da kann sich die Lage je nach politischer Konstellation schnell drehen.

Wie schaffen wir diese Unterstützung durch die Behörden auch in der Schweiz?

Ihr habt einen breiteren fachlichen Diskurs. Wir haben ganz schnell versucht, diesen abzuschliessen – was für uns Wildnisgebiete sind, was der Weg ist – und uns bald darauf fokussiert, Wildnis nicht nur in Gedanken, sondern auf der Fläche zuzulassen. Wir hatten auch ein bisschen Glück, dass Leute an bestimmten Positionen waren, die fürs Thema zugänglich waren. Wir waren für die Behörden und Entscheidungsträger aber auch immer ein verlässlicher Partner. Wir haben uns an Absprachen gehalten, schnell reagiert und mit einer Stimme gesprochen. Das kam gut an. Dadurch sind gegenseitiges Vertrauen und Wertschätzung gewachsen, von dem beide Seiten profitieren. Das ist sicherlich einmalig – auch im deutschen Naturschutz.

Ihr habt im Dezember die «Agenda für Wildnis» lanciert. Sie soll unter anderem «die notwendige Debatte für mehr Wildnis anregen». Was läuft da gerade?

Wir haben dieses Jahr voraussichtlich vier Landtagswahlen und eine Bundestagswahl in Deutschland. Wir zeigen in unserer Agenda ganz konkret auf, an welchen Stellschrauben man auch in anderen Ressorts drehen muss, um in der Fläche mehr Wildnis zu erreichen. Diese handfesten Forderungen versuchen wir auf den verschiedenen Ebenen in die Wahlprozesse einzubringen, damit wir am Ende des Jahres auch politische Beschlüsse dazu haben. Gerade werden Wahlprogramme von den Parteien geschrieben, die sich gerne daran bedienen dürfen – ebenso bei den darauffolgenden Koalitionsverhandlungen. Umso konkreter unsere Vorschläge sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie auch aufgegriffen werden. Vor allem, wenn sie von 20 Verbänden gleichzeitig gefordert werden.

Noch etwas Aktuelles: In der Schweiz gehen wegen der Pandemie mehr Menschen raus in die Natur, was sie auf der einen Seite für die Bedeutung von Naherholungsgebieten sensibilisiert. Auf der anderen Seite steigt der Druck auf die Natur. Wie ist die Situation bei euch?

Es ist im Prinzip genauso. Für die Schutzgebietsverwaltungen entstehen dadurch zum Teil grosse Herausforderungen, wie das hohe Besucheraufkommen so gelenkt werden kann, dass die Natur nicht darunter leidet. Vom Prinzip her ist es sehr erfreulich, dass die Menschen wieder mehr in die Natur gehen – das ist eine Riesenchance! Man muss die Aufmerksamkeit, welche die Schutzgebiete gerade erfahren, entsprechend nutzen und lenken; damit daraus etwas Positives entsteht; damit aus der Sensibilisierung eine Wertschätzung wird. Letztlich zeigt der Besucherdruck ja eines: Die Nationalparks und Schutzgebiete, die wir haben, sind nicht genug. Wir brauchen mehr!

Hast du noch einen Wunsch oder ein Anliegen, die du dem Forum Wildnis Schweiz mit auf den Weg geben möchtest?

Es ist toll zu sehen, dass auch bei euch eine Saat aufgeht. Ich durfte von Anfang an ein bisschen dabei sein und sehen, wie es sich entwickelt. Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ihr nehmt einen etwas anderen Weg als wir. Und das muss so sein, weil bei euch die Verhältnisse andere sind. Ihr seid auf jeden Fall breiter aufgestellt. Das kann euch noch helfen. Mein Wunsch ist, dass wir weiterhin in diesem offenen Austausch bleiben und voneinander lernen und uns unterstützen. Nicht nur in der Natur ist eine Vernetzung wichtig.

Dieses Gespräch wurde erstmals im Jahresrückblick 2020 des Forum Wildnis Schweiz publiziert.

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Wildnis
news-712 Thu, 04 Feb 2021 17:08:48 +0100 Chancengleichheit am Berg – ein steiler Weg? /aktuell/detail/chancengleichheit-am-berg-ein-steiler-weg/ Diese Tage feiern wir 50 Jahre Frauenstimmrecht. Stimmt im Jahr 2021 der Zugang der Frauen zum Berg? Am Sonntag, 7. Februar 2021 jährt sich die Annahme des Frauenstimmrechts zum 50. Mal. Nicht nur das Stimmrecht, sondern auch der Zugang zum Schweizer Alpen-Club wurde den Frauen in der Schweiz erschreckend spät gewährt.

Erst seit 1980 sind Frauen im Schweizer Alpen-Club mit dabei und bis heute ist die Luft für ambitionierte Schweizer Bergsteigerinnen dünn. Im Individualsport sind Frauen stark am Aufholen – besonders reine Frauengruppen sind immer öfters auf alpinen Unternehmungen unterwegs. Unter den aktiven BergführerInnen sind sie hingegen immer noch in der Minderheit: 1’300 BergführerInnen arbeiten hierzulande und nur rund 35 davon sind Frauen. Sehr erfreulich ist jedoch, dass mit Rita Christen ganz frisch eine Frau an der Spitze des Schweizer Bergführerverbandes steht. Auch bei Mountainwilderness Schweiz führt eine Frauenseilschaft: Sina Schneider als Präsidentin mit der Geschäftsleiterin Maren Kern.

Unser Filmtipp:

Ein Film über Alpinismus – und über Mut, Wut und Gipfelglück

In «Frauen am Berg | The Steep Way Up» begleitet Caroline Fink eine Bergführerin – und zwei, die davon träumen, Bergführerinnen zu werden.
Mit dem Stichwort «Mountain Wilderness» kann die DVD für CHF 16.– statt 20.– per Mail bestellt werden.

www.caroline-fink.ch/frauen-am-berg

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news-710 Tue, 12 Jan 2021 12:10:45 +0100 How to #keepwild in winter /aktuell/detail/how-to-keepwild-in-winter/ Tourenski und Schneeschuhe verkaufen sich diesen Winter wie warme Weggli. Wir zeigen in unserer neuen Video-Serie, wie sich Wintertouren umweltverträglich gestalten lassen und auch die Berggebiete einen Nutzen davon haben. Ein erholsamer Ausflug in die verschneiten Berge abseits von Bergbahnen und Pistenrummel ist das helvetische Rezept gegen den Corona-Koller. Es zieht auch viele «Neulinge» in das Weiss abseits der Piste. Mit unser Video-Serie «How to #keepwild in winter» zeigen wir, was es braucht für ein Miteinander von Mensch, Tier und Umwelt.

Die vier Filme widmen sich der ökologischen Anreise (mit speziellen Wintertipps), der wildtierfreundlichen Tourenplanung, der Unterstützung von Berggebieten sowie Nachhaltigkeit beim Ski-Kauf. Mit je vier simplen, wirkungsvollen Tipps wollen wir für umweltverträglichen Bergsport sensibilisieren.

Medienmitteilung vom 12. Januar 2021
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Bergsport