Mountain Wilderness Schweiz https://mountainwilderness.ch MoMountain Wilderness Schweiz ist eine Alpenschutzorganisation. Wir engagieren uns für die Wildnis und einen umweltverträglichen Bergsport. de-DE TYPO3 News Sun, 22 Sep 2019 11:27:37 +0200 Sun, 22 Sep 2019 11:27:37 +0200 TYPO3 EXT:news news-666 Thu, 05 Sep 2019 09:34:13 +0200 «Ihr seid ja ganz sympathisch» /aktuell/detail/ihr-seid-ja-ganz-sympathisch/ Drei Wochen als Team zusammenleben in einem Tal, in dem Mountain Wilderness wegen Einsprachen gegen Infrastrukturprojekte nicht nur beliebt ist: Wir haben die Herausforderung «Pop-up-Büro» angenommen und durften viel lernen. Das Team von Mountain Wilderness Schweiz machte sich auf den Weg in die Val Müstair, in den südöstlichsten Zipfel der Schweiz in ein «Pop-up Büro». Die Idee dahinter war ebenso eigennützig wie strategisch: Wir lieben die Berge und wollen ihnen nah sein. Wir wollen die aktuellen Entwicklungen in den Bergen vor Ort inspizieren. Wir treten in Kontakt mit den Ansässigen und geben den diffusen Alpenschützern, den «Grünen», die hier vor allem im Zusammenhang mit Einsprachen gegen Bauprojekte aufs Tapet treten, ein Gesicht. «Ihr seid ja ganz sympathisch», äusserten sich einige überrascht. Während einer Exkursion in die Auen von nationaler Bedeutung des Rombaches, eines Wildnis-Diskussionsabends, eines Mountainbike-Workshops und vieler Gespräche mit Talbewohnenden und Externen haben wir einige bleibende Eindrücke gesammelt.

Der Umgang mit Naturdynamik ist immer ein Kompromiss

Steinschläge und Murgänge begleiten die Münstertaler seit der Besiedlung. Als natürlichen Schutz hat das Tal bis heute eine relativ geschlossene Bewaldung, was ihm einen wilden Charakter verleiht. Die für die Landwirtschaft genutzte Fläche ist im Vergleich zu anderen Tälern eher klein. Aus Angst vor negativen Auswirkungen auf die Waldverjüngung wurde die Beweidung mit Wandergeissen eingestellt. Auf unserer Wildnis-Karte ist es noch nicht auszumachen, aber der Wald nimmt tendenziell zu. Das Gesteinsmaterial, das die Berge abgeben, landet heute in den technischen Verbauungen oder im Flussdelta des Talbaches Rom. Den Abraum zu deponieren, ist ein Problem in der Kulturlandschaft der schmalen Talsohle. Leben im Tal ist Leben am Rand der Wildnis, die sich in ganz verschiedenen Formen zeigt. Oder wie es ein Teilnehmer an unserem Wildnis-Abend in der Val Müstair ausgedrückt hat: «Bär oder Wolf – irgendwer ist immer da.» Die Münstertalerinnen und Münstertaler haben gelernt, sich mit den Ausprägungen von Wildnis zu arrangieren. Als zum Beispiel die ersten Bären durch die Lande zogen, wurden bärensichere Abfalleimer aufgestellt.

Unser Fazit: Naturdynamik ist Teil des Alltags. Solange man den Menschen die Möglichkeit, mit den Ausprägungen von Wildnis auf ihre Art und Weise umzugehen, stehen sie Wildnis positiv gegenüber. 

Infrastrukturtourismus als Heilmittel für Verlustängste

Am Wildnis-Diskussionsabend sehen lokale Akteurinnen und Akteure den Tourismus als grösste Beeinträchtigung für die intakte Naturlandschaft. Gleichzeitig wird als grösste Gefahr für die Wildnis in der Val Müstair die Abwanderung genannt. Selbst ein Naturfreund wird allenfalls einem nicht ganz umweltfreundlichen Projekt zustimmen, wenn er darin die Chance sieht, dass seine Kinder und Enkelkinder im geliebten Tal und in seiner Nähe wohnen bleiben. Gegen diesen stark emotionalen Zugang haben rationale Argumente keine Chance. Die SAC-Hütte auf der Alp Sprella oder das Resort und Seilbahnprojekt «La Sassa-Minschuns» sind für viele der logische weitere Entwicklungsschritt. Uns werden viele mögliche Alltagsszenarien geschildert, wie es dann sein wird, wenn die Projekte realisiert wurden. 

Unser Fazit: Die Angst vor einem Lichterlöschen in der Val Müstair ist gross. Um dies zu verhindern, begrüssen viele auch Projekte des Infrastrukturtourismus. Wir wollen weiter an nachhaltigen Alternativen dazu mitarbeiten, damit sie zu Erfolgsgeschichten und Teil des Erbes werden.

Respekt ist die Basis für ein konstruktives Miteinander

Eher neue Erscheinungen, die der Sommer-Tourismus mit sich bringt, finden nicht nur Zustimmung. Wir haben das Mountainbiken an einem Workshop unter anderem wegen der guten Zusammenarbeit zwischen Forst und Bike-Vertretern sehr positiv kennengelernt. Ein Konzept für Bike- und Wanderwege soll sogar dafür sorgen, dass ganze Geländekammern wieder der Natur zurückgegeben werden; indem nämlich kaum mehr genutzte Wege aufgelassen oder zurückgebaut werden und das kleiner gewordene Wegnetz intensiver unterhalten werden kann. Es gibt Menschen im Tal, die Mountainbiken als eine nicht respektvolle Fortbewegungsart oder gar Schändung der Berge sehen. 

Unser Fazit: Der Umgang mit Outdoorsportarten und die Koordination der Akteure ist in der Val Müstair vorbildlich. Wir wollen weiter dazu beitragen, dass Mountainbikende und andere Natursporttreibende einen respektvollen Umgang mit Mensch und Natur hochhalten.

Lebens- und Arbeitswelt temporär verschieben

Das Büro nach Müstair zu verlegen und als Team die Chasa Parli als Wohngemeinschaft zu bewohnen, hat einiges an Koordinationsaufwand erfordert und barg auch Risiken. Nach Abstimmungsresultaten zu urteilen, ist eine grosse Mehrheit der Bevölkerung der Val Müstair für das Projekt La Sassa-Minschuns, wogegen wir uns aus Gründen der unzureichenden Umweltverträglichkeit auf juristischem Weg gewehrt haben. Trotzdem hat der Gemeindevorstand unser Projekt offiziell bewilligt. «Wir waren beide mutig», war der Kommentar des Gemeindepräsidenten bei einem Besuch im Pop-up-Büro. 

Unser Fazit: Für uns war die Zeit professionell und als Team in vielen Hinsichten ein Gewinn. Wir haben die Menschen hinter den Projekten und ihre Sicht kennengelernt, die wir respektieren, auch wenn wir anderer Meinung sind. Wir haben ein klein wenig verstehen gelernt, was es bedeutet, in direkter Nachbarschaft zur Wildnis zu leben. 

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news-661 Tue, 27 Aug 2019 13:58:39 +0200 «Wie wild ist die Val Müstair wirklich?» /aktuell/detail/wie-wild-ist-die-val-muestair-wirklich/ Die Val Müstair wird oft als wild und naturnah beschrieben. Wir prüfen diese These anhand eines fiktiven Gesprächs, das sich auf reale Gegebenheiten stützt: unsere Wildnis-Karte, Beobachtungen vor Ort und den Wildnis-Diskussionsabend vom 13. August 2019 mit Menschen aus der Val Müstair. Die Val Müstair wird oft als wild und naturnah beschrieben. Wir prüfen diese These anhand eines fiktiven Gesprächs, das sich auf reale Gegebenheiten stützt: unsere Wildnis-Karte, Beobachtungen vor Ort und den Wildnis-Diskussionsabend vom 13. August 2019 mit Menschen aus der Val Müstair.

«Hey, erzähl mal: Wie wild ist die Val Müstair wirklich?», fragt ein Kollege, nachdem ich nach knapp drei Wochen im Münstertal wieder vom Pop-up-Büro heimgekehrt bin. «Hmmm…» antworte ich und überlege. Ob er sich noch erinnern könne, was er mir nach seiner Rückkehr aus Indien erzählt habe, frage ich ihn. «Ja, klar», gibt er zur Antwort. Er hat damals erzählt, wie er in Indien gemerkt habe, wie man sich im Leben auf die positiven oder die negativen Dinge fokussieren könne: Viele berichten nach einer Indienreise vom beissenden Müllgeruch, von den Ungerechtigkeiten, von Armut und vergessen dabei den süssen Duft der Mangos, die fantastische Artenvielfalt oder die vielen zukunftsgerichteten Initiativen. 

Val Müstair: Mittelland oder Kanada?

In der Val Müstair verstand ich, was er damit gemeint hat: Ich kann meinen Blick auf ein Einfamilienhaus im Talgrund fokussieren, von fetter Wiese umgeben, von lauten Töffs und rücksichtslosen Autos umkurvt. Blubbernd steigt ein Gedanke empor: «Mittelland!» Hier unterscheidet sich die Val Müstair oft nur wenig von den Orten meiner Kindheit. Fokussiere ich den Blick jedoch gen Piz Lad und Piz Turettas, den strammen Wächtern der Val Vau, der Pforte zur Val Mora, dann zieht ein Gedanke innerlich vorbei, der Wohlbehagen bereitet: «Kanada!» Von weitem sind die menschlichen Spuren in diesem Gebiet kaum auszumachen. Die Nadelbäume stehen eng zusammen und kriechen beharrlich die Hänge hoch, wo sie der Steinschlag nicht wieder zu Tale jagt. In diesem Moment spielt die Forststrasse, die sich die Val Mora hochzwängt, keine Rolle. 

Keine Hochspannungsleitungen im Tal

Es scheint jedoch nicht verwegen zu sagen: Die Münstertalerinnen und Münstertaler haben meist Sorge getragen zu ihrer Umgebung. Es gibt im ganzen Tal nur ein Skigebiet – Minschuns mit vier Schleppliften. Mit dem Projekt «La Sassa» soll das Skigebiet um ein Resort samt Zubringergondel ergänzt werden. Mountain Wilderness Schweiz hat sich bereits kritisch gegenüber dem Projekt geäussert. Ansonsten gibt es im Tal keine Seilbahnen; für jemanden aus der Zentralschweiz ein ganz und gar ungewohntes Bild. Ungewohnt ist auch die freie Sicht: Der Strom fliesst im Boden, es gibt in der Val Müstair keine Hochspannungsleitungen. Und ebenfalls ungewohnt: Die Nadelbäume stehen dicht an dicht bis weit zum Talboden hinunter – auch dies sorgt für die naturnahe Erscheinung des Tals. Wegen der ungünstigen Geologie ist die Val Müstair stark Steinschlag gefährdet. Die Wälder dienen unter anderem zum Schutz vor Naturgefahren. Eine prächtige, kleine Wildnis ist der Rom, einer der letzten unverbauten Talflüsse der Schweiz. Das ist kein grossflächiges Wildnisgebiet, doch die Auen des Roms machen einem eindrücklich die Kraft der Natur bewusst; der silbergrüne Gürtel der Erlen an seinen Ufern ist von Valchava bis kurz vor Müstair besonders malerisch. 

Wilder Bruder im Nordwesten

Interessant ist auch die Wirkung des Nationalparks als direkten Nachbarn der Val Müstair im Nordwesten. Ich bin während der Zeit des Pop-up-Büros mehrere Male über den Ofenpass gefahren – der Nationalpark, insbesondere auch im Vergleich zur Val Müstair – hat jedes Mal wieder anders gewirkt. Besonders wild ist mir der Nationalpark vorgekommen, als ich eine Woche durchgehend in der Val Müstair gewesen bin und hier vor allem auf dem Talboden. Auf den rund 170 Quadratkilometern des Schweizerischen Nationalparks herrscht praktisch Prozessschutz: Das Nationalpark-Team greift nur in seltenen Fällen in die Naturdynamik ein, z.B. bei Waldbränden. Ansonsten kann sich die Natur im strengst geschützten und grössten Wildnisgebiet der Schweiz frei entwickeln. Eindrücklich zeigt sich im Nationalpark, wie anspruchsvoll es ist, die Rolle des Menschen in der Wildnis zu finden. Wie viel Mensch ertragt es in der Wildnis? Klar, wir nehmen allein schon mit unserer Präsenz Einfluss auf die Wildtiere. Gleichzeitig sind wir Teil der Natur und agieren seit Jahrtausenden mit ihr. Der Nationalpark ist ein faszinierendes Gebiet. Mich lässt der Gedanke nicht los: Wäre eine Art Paläo-Wildnis nicht interessant? Ein Gebiet, das zwar wie der Nationalpark Prozessschutz auf grosser Fläche bietet, in dem der Mensch aber als rücksichtsvoller Gast willkommen ist – in seinen Mitteln aufs Nötigste beschränkt. Dafür wären auch die Einschränkungen aufs Nötigste beschränkt.

Die hohen Gipfel sind besonders wild

Ob ich einen Anhaltspunkt habe, wie wild die Val Müstair im Vergleich mit anderen Gebieten der Schweiz sei, fragt mein Kollege. Ich nehme die Wildnis-Studie hervor, die Mountain Wilderness Schweiz Anfang 2019 publiziert hat. Wir blättern um bis zur Karte, die die Wildnisqualität der Schweiz anhand der vier Kriterien «Natürlichkeit», «Menschliche Einflüsse», «Abgeschiedenheit» und «Rauheit der Topographie» darstellt. Ein Blick auf die Karte zeigt: Die Talsohle der Val Müstair hat eine relativ geringe Wildnisqualität. Hier reihen sich die Dörfer Tschierv, Fuldera, Valchava, Sta. Maria und Müstair entlang der Kantonsstrasse auf. Hier wird zwar zu 80 Prozent biologische Landwirtschaft betrieben, diese nutzt den Boden dennoch relativ intensiv. Ebenfalls nur mittlere Werte für die Wildnisqualität bekommt der Talboden der Val Mora, weil hier eine Forststrasse durchführt und Alpwirtschaft betrieben wird. Demgegenüber ist die Wildnisqualität insbesondere um Piz Daint und Piz Turettas und südlich der Mora-Forststrasse hoch. Das heisst, diese Gebiete sind naturnah, abgeschieden, unterliegen wenigen menschlichen Einflüsse und liegen in rauem Terrain.

Kaum Unterschied zu anderen Bergregionen

Diese Verteilung der Wildnisqualität ist typisch für das gesamte Berggebiet der Schweiz: Meist intensiv genutzter Talboden, oft mit Gewerberäumen, Landwirtschaft, touristischer Infrastruktur und dann mit zunehmender Steilheit der Berge hohe Wildnisqualität, wo sie nicht Skigebiete oder andere touristische Infrastruktur beeinträchtigen. Etwas erstaunlich ist, dass die Wildnisqualität des Gebirges in der Val Müstair nicht höher ist als im benachbarten Engadin, wo der Tourismus meist intensiver ist. Ein Grund dafür mag unter anderem sein, dass die im Süden an die Val Müstair grenzenden italienischen Berge auf der Wildnis-Karte nicht abgebildet sind – sie sind meist auch kaum erschlossen. Mein Kollege ist etwas enttäuscht: «Laut dieser Karte ist die Val Müstair gar nicht so wild, oder auf jeden Fall nicht wilder als die meisten anderen Bündner Bergtäler», sagt er entgeistert. Der Vergleich zwischen der Wildnis-Karte, welche die Schweiz in Kästchen von 100 mal 100 Metern Grösse einteilt und jedem Kästchen einen Wert für Wildnisqualität von 1 bis 20 gibt und der eigenen Empfindung ist spannend. Auch auf mich macht die Val Müstair einen wilderen Eindruck als andere Berggegenden – und gleichzeitig ist die Belastung durch die Strasse viel höher als in einem Tal, das für den Verkehr eine Sackgasse bildet. Keine der beiden hat in diesem Sinne Recht oder Unrecht.

Interessant ist, dass sich die Wildnisqualität in der Val Müstair in den letzten Jahrzehnten nicht merklich verändert zu haben scheint. Laut der Extensivierungskarte aus der Wildnis-Studie hat sich die Landnutzung in der Val Müstair zwischen 1985 und 2009 weder merklich intensiviert noch extensiviert. Auf dieser Karte drücken sich Abwanderung und wirtschaftliche Herausforderung nicht messbar ab. «Es wäre interessant, diese Karte mit Menschen zu überprüfen, welche diesen Zeitraum miterlebt haben», sagt mein Kollege. 

Wahrnehmung der Münstertalerinnen und Münstertaler

Mountain Wilderness Schweiz wollte wissen, wie Menschen, die in der Val Müstair leben, Wildnis wahrnehmen. Am 13. August 2019 haben wir dazu mit Münstertalerinnen und Münstertalern aus Naturschutz, Wald, Gemeinde, Landwirtschaft, Jagd und anderen Bereichen darüber diskutiert, was für sie Wildnis ist, wo es diese noch gibt und wie es um Wildnis steht. Die Diskussionen haben sehr interessante Erkenntnisse zu Tage gebracht. Hier ein persönliche Zusammenfassung:

  1. Keine der Gruppen sah Wildnis in der Val Müstair wirklich in Gefahr. Im Gegenteil, die Landwirtschaft gehe eher sogar zurück. Als grösste mögliche Beeinträchtigung für Wildnis wird der Tourismus gesehen, hier insbesondere das Mountainbiken. Das fällt auch in anderen Gesprächen auf: Ob mit dem älteren Wanderer im Bus, mit der sportlichen Bikerin um die 50 – sehr schnell dreht sich das Gespräch ums Mountainbiken. Wie die Val Müstair damit umgeht, zeigt Tim Marklowski im Artikel zum Thema eindrücklich auf. Aus Wildnis-Sicht bedeutend ist die Frage, ob mit Mountainbikes und insbesondere den E-Mountainbikes der Druck auf die abgelegenen, ruhigen und einsamen Ecken der Val Müstair zunehmen wird. Und: Wie sich die touristische Infrastruktur weiterentwickeln wird. Jeder Eingriff schmälert die Wildnisqualität und drängt die letzten naturnahen Räume weiter zurück. 

  2. Beim Verständnis, was Wildnis ist, hat sich in den Gesprächen eine breite Palette aufgetan. Vom nur teilweise gepflegten Garten über landwirtschaftlich genutzte Flächen bis hin zur Natur, die berührt, waren die Definitionen von Wildnis sehr breit. Einig schienen sich jedoch alle in dem Punkt, dass Wildnis nur ohne Infrastruktur möglich ist. 

  3. Die Bewohnenden der Val Müstair scheinen Wildnis im Grundsatz positiv gegenüber zu stehen. Verschiedene Gruppen haben während des Wildnis-Abends erzählt, dass sie tagtäglich mit Wildnis konfrontiert sind. Oder wie es jemand besonders bildhaft beschrieben hat: «Leben im Tal ist Leben am Rand der Wildnis: Bär oder Wolf – irgendwer ist immer da.» Für einige Gruppen scheint diese Wildnis jedoch nur so lange tolerierbar, wie auch die Mittel zum Umgang mit Wildnis zur Verfügung stehen: Die Möglichkeit, im äussersten Fall Grossraubtiere mit dem Gewehr zu kontrollieren und den Bach mit dem Bagger.

Mein Kollege gähnt. Er habe es schon verstanden: Wie wild die Val Müstair ist, sei eine Frage der Perspektive. Insgesamt schiene ihm das Tal aber tatsächlich sehr naturnah zu sein. «Und was wünschst du dir nun für das Münstertal?», fragt er mich müde. Dieses Mal zögere ich nicht: «Ich wünsche mir, dass die Menschen in der Val Müstair weiterhin Sorge zu ihrer Landschaft tragen, dass sie im Bewusstsein behalten, welchen Wert die naturnahen, unverbauten Räume haben; wie viel Wert Wildnis hat. Denn: Sie haben hier einen Schatz gehütet, den es gerade in Mitteleuropa nur noch selten zu bestaunen gibt. Und dieser Schatz hat sowohl einen Wert an sich als auch einen touristischen Wert. Menschen wie wir kommen gerade deswegen in die Val Müstair und helfen so auch wieder mit, dass hier Menschen leben können.»

Weiterführende Links

Projektseite Wildnis-Studie

 

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news-659 Mon, 19 Aug 2019 08:36:00 +0200 A Ride on the Wild Side – keepwild! biking in der Val Müstair? /aktuell/detail/a-ride-on-the-wild-side-keepwild-biking-in-der-val-muestair/ Seit einigen Tagen sind wir nun in unserem Pop-up-Büro im schönen Münstertal. Es ist ein traumhafter Morgen und unser rollender Workshop zum Thema «Nachhaltiges Mountainbiking» steht auf dem Programm. Seit einigen Tagen sind wir nun in unserem Pop-up-Büro im schönen Münstertal. Es ist ein traumhafter Morgen und unser rollender Workshop zum Thema «Nachhaltiges Mountainbiking» steht auf dem Programm. Wir fahren mit dem Postauto, von denen hier jedes einen extra Bike-Anhänger hat, hinauf zur Passhöhe Süsom Givè (Ofenpass), wo wir die Teilnehmenden des Workshops empfangen. Der Anlass ist hochkarätig und sympathisch besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern der Biosfera Val Müstair, dem Forstamt, lokalen Bike-Anbietern, Tourismusplanern und Mountain Wilderness Schweiz. Sogar aus dem Puschlav ist der Tourismusdirektor angereist, um die Thematik sprichwörtlich zu er-fahren. Alles deutet also darauf hin, dass wir einen spannenden und informativen Tag verleben werden, nach welchem auch die Trailhungrigen zufrieden nach Hause gehen sollten.

Bike-Destination Münstertal

Unser Tour-Guide Sergio Tschennet ist Vollblut-Biker, Präsident des örtlichen Bike-Vereins und Inhaber von «Ride La Val», der lokalen Bike-Schule mit angegliedertem Veloladen, Bike-Verleih und Werkstatt. Er ist massgeblich an der Entwicklung des Bike-Tourismus im Tal beteiligt und stellt sich als «Downhill-Rennfahrer» in Pension vor. «Na das kann ja was werden», steht es so einigen der weniger bike-erfahrenen Teilnehmenden ins Gesicht geschrieben. 

Nachdem alle Anwesenden sich vorgestellt haben, gibt uns der Leiter des Forstamts Val Müstair, Livio Conrad, einen spannenden Einblick in die bikespezifischen Destinationsplanung im Münstertal. Es gibt hier über 300 km Wander- und Bikewege, 180 km davon sind die bei Bikern und Wanderinnen gleichermassen beliebten Trails, also relativ schmale Pfade. Diese werden im Münstertal fast ausschliesslich von den Nutzergruppen geteilt, um die Landschaft und auch das Gemeinde-Budget möglichst wenig zu belasten. Mittlerweile gibt es einen Masterplan für das Tal, welcher einen attraktiven und möglichst umwelt- und landschaftsschonenden Bike- und Wandertourismus fördern soll und an dessen Erarbeitung Stakeholder aus Naturschutz, Forst, Tourismus und Bikesport beteiligt waren. Dass der Bike-Verein sich das Ziel gesetzt hat, durch den Bike-Tourismus die Übernachtungszahlen um 20% zu erhöhen, tönt zunächst bedrohlich nach Ausbau «auf Teufel komm raus». Forstamtleiter Livio erklärt, dass in einem soliden Bike-Konzept sicher einige Wegeanpassungen und auch abschnittweise ein Neubau enthalten sein muss, um die Pfade sowohl für Biker als auch für Wandernde attraktiv zu gestalten. Er betont jedoch, dass auch ein Rückbau bestimmter Wege immer mitgedacht werden muss. Oft kann durch den Rückbau eines ohnehin kaum genutzten, unattraktiven Trails eine ganze Geländekammer der Natur zurückgegeben werden – eine Überlegung, die für uns als Wildnisschützende so positiv wie überraschend daherkommt. Und auch für die Gemeindekasse ist es wichtig, nicht immer mehr Infrastruktur unterhalten zu müssen, denn der Wegeunterhalt ist eine Mammutaufgabe im Sysiphus-Stil, wie wir auf unserer Tour immer wieder erfahren werden. 

Der Feind heisst «Erosion»

Nach kurzer Abfahrt auf der Ofenpassstrasse geht es auch schon ins Gelände und das nicht wenig anspruchsvoll. Wie uns Livio und Sergio später erklären werden, ist der Weg hier deshalb ruppig und schwierig, weil das Wasser aufgrund der Steilheit und Geradlinigkeit tiefe Erosionsrillen hinterlassen hat. Steil und gerade ist genau das, was ein Pfad, egal ob für Wandernde oder Bikende, nicht sein sollte. Als Faustregel für einen erosionsresistenten Trail gilt: Durchschnittliche Steilheit maximal um die 10%, möglichst der Topographie angepasst und nicht in Falllinie, mit Wellen und Kurven. Schönerweise macht ein Trail, welcher diese Bedingungen erfüllt, auch zum Fahren am meisten Spass! Wo die Gefahr besteht, dass Bikende die Falllinie wählen, kann durch kleine Hindernisse wie Felsblöcke die Spurwahl so beeinflusst werden, dass diese möglichst trail-freundlich und damit landschaftsschonend ausfällt. 

Entflechtung als Ultima Ratio

Nach einigen kurzen, aber knackigen Anstiegen hoch nach Minschuns erwartet uns bald das erste Highlight: Der schmale Trail schmiegt sich an den Hang an, bietet Wellen und Kurven und das alles bei spassiger und nicht allzu grosser Steilheit. Nach dem Streckenabschnitt halten wir an und besprechen das Erlebte. Forstchef Livio weist darauf hin, dass es hier bisher keine Konfliktmeldungen von Wandernden oder Bikenden gibt, obwohl der Weg beidseitig befahren und zum Teil stark frequentiert ist. Die Co-Existenz funktioniert gut, der Pfad ist so angelegt, dass man stets weit genug sieht, um auf Gegenverkehr reagieren zu können. Auf eine Entflechtung verzichtet man hier ganz bewusst, sie wäre die allerletzte Option, falls es zu grösseren Konflikten oder gar Unfällen käme. Die Landschaft soll möglichst vor überflüssigen Eingriffen bewahrt bleiben und so setzt man auf ein Nebeneinander auf ein- und derselben, clever angelegten Infrastruktur.

Damit das Miteinander funktioniert, braucht es Offenheit und Respekt auf beiden Seiten. Ein freundlicher Gruss und eine rücksichtsvolle Fahr- bzw. Gehweise wirken Wunder. Und führen in unserem Fall dazu, dass wir den ganzen Tag nur positive Begegnungen haben. 

Wo doch entflechtet werden muss, kann dies auch mit anderen Mitteln als Wegeneubau geschehen. Livio verrät uns dazu einige Tricks. Biker gehen z.B. dorthin, wo es für sie attraktiv und flüssig zu fahren ist. Durch geschickte Platzierung von Steinen und anderen «Hindernissen» können Wege mit minimalem Aufwand attraktiv oder weniger attraktiv gestaltet und damit die Velofans gelenkt werden. 

Auf die Technik kommt es an

Bevor es weitergeht, klären uns Sergio und Livio darüber auf, was sie unter trail-verträglicher Fahrtechnik verstehen. Wie schnell ein Trail erodiert hängt nicht nur, aber auch von der Fahrtechnik der Nutzenden ab. Idealerweise blockieren die Räder nie, wie dies bei einer Vollbremsung der Fall wäre. Ein blockiertes Rad trägt Material ab und schleift Rillen in den Weg. In diesen kanalisiert sich bei Regen das Wasser und nimmt so richtig Fahrt auf. Dadurch wird vermehrt Untergrund abgetragen und es entstehen immer grössere Wegschäden. Die nächsten Bikenden und Wandernden vermeiden die kaputten Abschnitte und weichen seitlich aus. So wird der Weg immer breiter und hässlicher und erfordert aufwendigere Unterhalts- und Sanierungsarbeiten (diese geschehen häufig in mühsamer Frohnarbeit). Die Räder sollen also rollen, bremsen sollte man dosiert und gleichmässig. Ein leiser Biker ist ein guter Biker.

E-Bikes auf dem Vormarsch

Vor allem auf den technisch leichteren Passagen kommen uns mindestens so viele motorisierte Fahrräder entgegen wie klassische Mountainbikes. Ein Trend, den wir bei Mountain Wilderness Schweiz sehr kritisch betrachten und der natürlich zur Sprache kommen muss in unserer Runde. Mountain WiIderness spricht sich klar für einen Bergsport «by fair means» aus, sprich aus eigener Kraft. Ausnahmen, zum Beispiel für Menschen mit Behinderung oder Betagte, finden wir legitim. Der Motor darf aber auf keinen Fall zur blossen Konsumsteigerung für Faule dienen. 

Auf Seiten der ortsansässigen Workshopteilnehmenden sieht man das Thema erwartungsgemäss weniger kritisch. In Sergios Bike-Verleih machen E-Bikes mittlerweile 50% der verliehenen Bergräder aus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor also. Man ist sich unter den Anwesenden einig, dass durch das E-MTB die Frequenzen erhöht werden, was ein gewisses Konfliktpotential birgt. Abgelegenere, schwer zugängliche Gebiete werden durch die Motorunterstützung jedoch bislang nicht nennenswert befahren, es bleibt bei den gängigen Routen und vor allem auch den breiten Forstwegen. Ein Grund dafür ist, dass im Gelände und auf Hütten auf Ladestationen verzichtet wird, aber auch, dass E-MTB-Nutzende häufig noch über eher schlechte Fahrtechnik verfügen. Dies wird sich allerdings – so prognostiziert Bike-Guru Sergio – in den nächsten Jahren ändern. Dann wird man die Situation neu bewerten müssen. 

Künstliche Anlagen?

Nach einem kurzen Abschnitt auf der Teerstrasse folgen weitere Passagen teils technischer, teils flowiger Trails, die das Biker-Herz jauchzen lassen. Übergänge an Zäunen sind mit Gittern bikefreundlich, also fahrbar gestaltet. Ab und an muss ein Elektrozaun geöffnet und wieder geschlossen werden und es finden sich Tore die sich in Fahrtrichtung öffnen lassen.  Ein Flachwasserabschnitt wird via dezenter Holzbauten schonend überquert und bei einer Spitzkehre verabschiede ich mich kurz unfreiwillig von meinem vollgefederten Gaul – glücklicherweise ohne Folgen. Wer ein Bike wie Sergio hat, fährt eben noch lange nicht wie Sergio ...

Aufgrund der genannten Holzbauten kommt das Thema künstlicher Anlagen wie Downhill-Pisten, Flow-Trails, Steilkurven etc. zur Sprache. Glücklicherweise ist dieses schnell abgehakt, denn: All das will man im Münstertal dezidiert nicht. Die Wege sollen naturnah und dezent bleiben. Und die Bikenden sollen sich ihre Trails zuerst verdienen: Es gibt immer uphill Passagen in den ausgewiesenen Routen.  

Wir erreichen den Weiler «Lü», kehren im Gasthof Hirschen ein und kurbeln die regionale Wertschöpfung durch den Verzehr lokaler Köstlichkeiten ein wenig an. 

Wünsche an Talbesucher auf zwei Rädern

Nach der Stärkung mit Capuns und Co. geht es noch mal zur Sache und wir geniessen ein anregendes Bergauf-Bergab auf einem Höhentrail oberhalb des Rom, dem revitalisierten Fluss in der Talsohle der Val Müstair. Der Weg entlang des Rom, der durch Auen von nationaler Bedeutung führt, wird extra gemieden. Abschnitte des von uns befahrenen, teils abschüssigen Trails wurde laut Sergio mit 20 Freiwilligen an sieben Dienstagabenden instandgesetzt und ist jetzt eine absolute Perle, die einen in berauschend wildem Waldambiente bis hinab nach Müstair fliegen lässt. 

Dort angekommen, widmen wir uns bei einem Tschliner Bier der letzten Frage des heutigen Workshops: Was wünscht man sich im Münstertal von den Bikenden? Die Antworten kommen schnell und sind gut nachvollziehbar: Eine Anreise mit öffentlichem Verkehr, eine Aufenthaltsdauer von mehreren Tagen, Respekt und Rücksicht gegenüber Wanderern und anderen Nutzergruppen sowie der Natur. Und natürlich das Geniessen lokaler Produkte. Wer dann noch ohne blockierende Räder über die Trails surft, macht sehr vieles sehr richtig und ist mehr als willkommen. 

keepwild! biking?

Abschliessend bleibt für uns von Mountain Wilderness Schweiz zu sagen, dass jeder Pfad, oder auf «bikerisch» eben Trail, einen Eingriff mit Einfluss auf die Landschaft darstellt. Für uns sollten diese Eingriffe möglichst gering und die Landschaft somit möglichst wild gehalten werden. Ebenso, dass ein Trail ein Wildniserlebnis ermöglicht und nicht zum Wegerlebnis mit Wildniskulisse wird. Die Val Müstair ist hier unserer Meinung auf einem guten Weg und der Gedanke an keepwild! bike days gehen uns nicht mehr aus dem Kopf.

Weiterführende Links

Grundsätze zu Mountainbiking von Mountain Wilderness Schweiz

Positionspapier «Mountainbiking, Natur- und Landschaftsschutz» von Mountain Wilderness Schweiz, Pro Natura, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz

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Bergsport
news-657 Sat, 10 Aug 2019 10:40:47 +0200 Von Bern in die Val Müstair: Pop-up-Büro ist eröffnet /aktuell/detail/von-bern-in-die-val-muestair-pop-up-buero-ist-eroeffnet/ Mountain Wilderness Schweiz ist bereit, Arbeits- und Lebensmittelpunkt vom 10. bis 30. August in die bündnerische Val Müstair zu verlegen. Bereits sind die ersten Team-Mitglieder in Santa Maria eingetroffen. Die Schlüssel sind übergeben: Geschäftsleiterin Maren Kern und Projektleiter Sebastian Moos haben gestern von der Gemeinde Val Müstair die Schlüssel für den Gemeindesaal in Müstair bekommen. Dieser wird ihnen die nächsten drei Wochen als Arbeitsort dienen. Noch gibt es zahlreiche Vorbereitungen zu treffen. Das Programm der ersten Woche ist dichtgedrängt. Bereits heute, Samstag 10. August, findet auf der Alp Prasüra das traditionelle Alpenfeuer statt.

Zwei Tage auf zwei Rädern

Das Mahnfeuer bildet den Auftakt der Zeit in der Val Müstair. Es erinnert seit 1988 im gesamten Alpenraum jährlich an den Wert der alpinen Kultur und Natur. Dieses Jahr widmet sich das Alpenfeuer «lebendigem Gewässer», weshalb am Sonntag, 11. August eine Exkursion durch die Auen des Rombachs, eines der letzten grossen, frei fliessenden Talflüsse, stattfindet. An seinem Unterlauf, im Vinschgau, soll im Laufe der nächsten Monate der Bau eines Wasserkraftwerks beginnen. «Es gibt in der Val Müstair viele spannende Fragestellungen, mit denen wir uns aktuell beschäftigen», sagt Maren Kern. Zum Beispiel auch, wie umweltverträglicher Mountainbike-Sport aussehen könnte. Zusammen mit einheimischen und auswärtigen Fachpersonen führt Projektleiter Tim Marklowski einen zweitägigen «rollenden» Workshop zu diesem Thema durch.

Wildnis benennen: Was ist überhaupt Wildnis?

Schon bei der Suche nach einer rätoromanischen Übersetzung für «Wildnis» war Sebastian Moos dem Pledari Grond ausgeliefert: Ist «cuntrada selvadia» tatsächlich der richtige Begriff, für das, was wir unter Wildnis verstehen? Der Projektleiter hat sich in den letzten Jahren damit befasst, Wildnis als Thema in der Schweiz präsenter zu machen. In der Val Müstair wird er sich am runden Tisch mit Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeindevorstand, Naturschutz, Tourismus sowie Land- und Forstwirtschaft mit Potenzialen und Herausforderungen von freier Naturentwicklung auseinandersetzen. Und sie vor allem fragen: Was bedeutet Wildnis für Menschen, die im Berggebiet leben?

Ein weiteres Kernthema von Mountain Wilderness Schweiz ist der Ausbau von touristischen Angeboten im Gebirge. Dieser geht oft auf Kosten der Berglandschaft. «Das Tal steht in Bezug auf den Wintertourismus an einem Scheideweg. Wir möchten während unseres Aufenthalts einen Abgleich der Meinungen der städtischen, bergbegeisterten Bevölkerung und der Menschen im Berggebiet schaffen» so Maren Kern.

Inspiration finden, Ideen einbringen

Im Büro in Müstair wird das Team jeweils vormittags anzutreffen sein. Besuch ist herzlich willkommen. Man trifft die Mitarbeitenden zudem am Dienstag, 20. August am Dorfmarkt in Santa Maria an.
Es bleibt genug Zeit zum Erkunden der Umgebung. Die Nachmittage werden für Aussentermine und individuelles Arbeiten genutzt. Die Zeit im Val Müstair soll auch der Inspiration dienen. Raum für Ideen, Gespräche aber auch für ruhige Momente bietet das Haus Parli. Hier, am Ende des Dorfes Santa Maria ,werden die Mitarbeitenden wohnen. Das alte Bauernhaus wurde von der Schriftsteller-Familie Michaela Friemel-Krohn und Tim Krohn zu einem kreativen Rückzugsort umgestaltet. 

Im Idealfall dient das Pop-up-Büro anderen Organisationen als Inspiration für Formen der Zusammenarbeit, generiert lokale Wertschöpfung und fördert einen lebendigen Austausch zwischen Berg und Tal.

Links

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Gemeinde Val Müstair
Hier wohnt das Team: Haus Parli
Medienmitteilung vom 05.08.2019

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news-655 Tue, 16 Jul 2019 17:34:54 +0200 Kein Aufrüsten auf dem Simplonpass /aktuell/detail/kein-aufruesten-auf-dem-simplonpass/ Wir erheben Einsprache gegen den massiven Ausbau der Militärinfrastruktur auf dem Simplonpass. Insbesondere die Auswirkungen bezüglich Lärm, Licht und Wasser sind ungenügend ausgeführt. Bedarf und Nachweis für Standortgebundenheit fehlen. Eine Petition wurde lanciert. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) plant auf der Simplon Südseite neben dem Barallhaus und dem Stockalperturm unter anderem einen neuen Panzerrundkurs, einen Aufmunitionierungsplatz, zusätzliche Schiessstellungen, weitere Parkplätze, einen Helikopterlande- und Betankungsplatz und eine neue Kurzdistanz-Schiessanlage einzurichten sowie Übungen mit neuen 12 cm-Mörsern durchzuführen.

Dieser mit einer Nutzungsintensivierung einhergehende Ausbau hätte erhebliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt in der noch weitgehend unverbauten Ebene. Die negativen Konsequenzen der Bauten und des Betriebs werden in den begleitenden Dokumenten heruntergespielt und geltende Gesetze wie das Raumplanungsgesetz verletzt. Denn es gibt weder einen Bedürfnisnachweis noch einen Beleg für die Standortgebundenheit des Bauvorhabens. 

Zur Medienmitteilung

Petition unterschreiben: STOP Panzerpiste Simplon!

Petition zum ausdrucken und unterschreiben: STOP Panzerpiste Simplon!

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Alpenschutz
news-653 Thu, 04 Jul 2019 15:23:50 +0200 Frontflip-Revival: Ein Erlebnis für alle Sinne /aktuell/detail/frontflip-revival-ein-erlebnis-fuer-alle-sinne/ Mountain Wilderness Schweiz war mit 18 Schülerinnen und Schüler in Grindelwald unterwegs. Diese haben sich auf die Suche nach Wildnis gemacht, draussen übernachtet und gelernt, warum es in der Käserei streng riecht. Das Jugendprojekt «Frontflip» von Mountain Wilderness Schweiz bewährt sich noch immer: An den dritten Pilottagen vom 26. auf den 27. Juni 2019 haben 18 Schülerinnen und Schüler gelernt, was Nachhaltigkeit und Wildnis in den Bergen bedeuten. Die 7. bis 9. Klasse einer Real-Schule aus Münchenbuchsee war vergangene Woche in Grindelwald im Klassenlager. Pascal Stern, Vorstandsmitglied von Mountain Wilderness Schweiz und Sebastian Moos, Projektleiter Wildnis, haben sie während rund 24 Stunden begleitet. Das Ziel von Frontflip ist, Jugendlichen die Freude an den Bergen und der Natur näherzubringen. Neben dem Einkauf von lokalem Raclettekäse, der abends auf dem Feuer geschmolzen wurde, versuchten die Jugendlichen auch, mit ihrem Smartphone Wildnis einzufangen. Die anschliessende Nacht im Freien war für viele eine Premiere.

Wildnis in Grindelwald?

«Sie, das stinkt so!» Es war ein harter Einstieg für die Jugendlichen aus Münchenbuchsee. Sie waren in Grindelwald bei über 30 Grad unterwegs gewesen. Der Besuch in der Käserei Eigermilch brachte etwas Abkühlung, doch viele hielten sich beim Duft im Käselager schützend die Hand vors Gesicht. Der beissende Geruch kommt vom Ammoniak, das reifende Käse ausstossen, wie Betriebsleiter Johann Wittwer erklärte. Mit einem Raclette-Käse aus lokaler Milch im Gepäck machte sich die Klasse von Fleur Fuchs und Jordi Pürro auf die Suche nach ihrem Bild von Wildnis in Grindelwald. Kenner mögen die Nase rümpfen wie die Schulklasse im Käselager: Wildnis in Grindelwald? Die Schulklasse belehrte uns eines Besseren: Kann nicht schon ein ausgetrocknetes Bachbett Wildheit verkörpern? Oder wie eine Schülerin meinte: Würden Menschen den Bach kontrollieren, hätten sie schon geschaut, dass da immer Wasser fliesst. 

Von der Suche nach Wildnis ging es zum Naturfreundehaus ob Grindelwald. Hier wirtschaftet derzeit Vorstandsmitglied Pascal Stern, der uns freundlich willkommen hiess. Auf der Wiese vor dem Naturfreundehaus wurden für die Nacht Isomatten und Schlafsacke aufgeschlagen. Der Verzicht auf einen wilderen Biwakplatz hat sich bewährt: Für die meisten Jugendlichen war es die erste Nacht im Freien. Gerade die mit der grössten Klappe hatten den grössten Bammel vor Spinnen und anderem Getier.

Höhepunkt der gesamten Schulzeit

Lehrerin Fleur Fuchs hat bereits 2016 mit einer Klasse bei Frontflip mitgemacht. Für viele der Schülerinnen und Schüler habe das Schlafen draussen zu den Höhepunkten ihrer gesamten Oberstufenzeit gehört, erzählte Fleur Fuchs. Das war auch einer der Hauptgründe gewesen, warum Mountain Wilderness Schweiz nach fast drei Jahren ohne Frontflip wieder eine Aktion durchgeführt hat. Dieses Jahr lag der Schwerpunkt beim Thema Wildnis, nachdem vor drei Jahren der Bergsport im Vordergrund gestanden hatte. Ob es auch für die heurige Klasse zum Höhepunkt werden wird? Die Reaktionen nach der Sternen-Nacht waren verhalten bis kritisch. «Das ist ein Skandal!» meinte sogar ein Schüler und andere beklagten sich über Rücken- oder Nackenschmerzen. 

Der Samen braucht Zeit zum Wachsen. Uns würde es nicht erstaunen, wenn auch diese Jugendlichen sich Ende Schulzeit an die Nacht im Freien zurückerinnern, den Sternenhimmel und die Rückenschmerzen längst vergessen sind. Oder wie Pascal Stern den Jugendlichen in einer berührenden Ansprache mitgab: Es verschlägt einen selten dorthin, wo man es sich anfangs ausgemalt hat. 

Mehr Infos

Projektseite Frontflip
Frontflip Grindelwald 2016

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news-651 Tue, 11 Jun 2019 10:07:35 +0200 Mountainbiking: Mit oder ohne Motor? /aktuell/detail/mountainbiking-mit-oder-ohne-motor/ Mountainbiking im alpinen Raum wird immer beliebter – mit und ohne Motor. Die zunehmende Diversität im Bikesport und der immer grössere Raumanspruch konfrontieren uns mit der Frage, wie der Mountainbike-Sport umweltverträglich gestaltet werden kann. Das Mountainbiking liegt seit Jahren im Trend und die Begeisterung für Anstiege und rasante Abfahrten über Stock und Stein ist ungebrochen. Der Sport hat sich jedoch gewandelt und vor allem stark diversifiziert. Bike- Angebote werden zunehmend Teil der Tourismusstrategie vieler Destinationen, da auf den Winter kein Verlass mehr ist. Immer mehr MTB-Routen werden ausgeschildert und das bestehende Wegnetz wird den Bedürfnissen der Mountainbikenden angepasst. Zunehmend werden auch neue Wege oder Wegpassagen sowie MTB-Pisten gebaut, die ausschliesslich für das Biken gedacht sind. Und dann ist da noch das E-Mountainbike, das ganz neue Möglichkeiten bietet: Motorisiert lässt sich die hinterste Alp im Tal plötzlich an einem Morgen statt auf einer Ganztagestour erreichen. 
Die zunehmende Diversität im Bikesport und der immer grössere Raumanspruch konfrontieren uns mit der Frage, wie der Mountainbike-Sport umweltverträglich gestaltet werden kann.

Mountainbiken ja, mit Respekt und Rücksicht

Mountainbiking ist Teil des grundsätzlich umweltfreundlichen Langsamverkehrs und kann das Naturerlebnis und -verständnis fördern. Mountainbiker bewegen sich aus eigener Kraft in den Bergen und bleiben in den allermeisten Fällen auf Wegen und vordefinierten Trails. Damit unterscheidet sich Biken nicht wesentlich von anderen Bergsportarten, die wir befürworten. Wie so oft gilt auch hier: Respekt und Rücksicht sind gefragt. Dies bedeutet einerseits ein respektvolles Nebeneinander mit anderen Bergsporttreibenden. Andererseits sind beim Biken sowie beim Aus- und Neubau der Bike-Infrastruktur Rücksicht gegenüber der Natur gefragt.
Mountain Wilderness Schweiz hat zusammen mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Pro Natura, WWF Schweiz und BirdLife Schweiz ein Positionspapier mit Empfehlungen zum Thema Mountainbiking publiziert. Die Positionen dienen in erster Linie Planungsverantwortlichen in Gemeinden, Tourismusämtern und privaten Planungsbüros als Richtlinien, um Konflikte mit dem Natur- und Landschaftsschutz zu vermeiden. 

Lesen Sie den ganzen Artikel zum Thema aus dem aktuellen «Wildernews»
Grundsätze MTB von Mountain Wilderness Schweiz
Positionspapier Mountainbiking, Natur- und Landschaftsschutz 

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Bergsport
news-649 Thu, 23 May 2019 13:41:48 +0200 Volles Haus am ersten Alpin-Flohmi in Zürich /aktuell/detail/volles-haus-am-ersten-alpin-flohmi-in-zuerich/ Der erste Alpin-Flohmarkt der Schweiz ist Geschichte: Am Mittwochabend, 22. Mai, haben sich hunderte Outdoor-Begeisterte am Anlass von Mountain Wilderness Schweiz und Public Eye Zürich im Jugendkulturhaus Dynamo über das breite Angebot der Verkäuferinnen und Verkäufer gefreut. Für eine genussvolle Bergtour braucht es die geeignete Ausrüstung. Die Herstellung dieser ist jedoch ressourcenintensiv und geschieht häufig unter ökologisch und sozial fragwürdigen Bedingungen. Gebrauchtes zu kaufen, schenkt Gegenständen ein zweites Leben und ist ökologisch sinnvoll, da weniger Neues produziert werden muss. Zudem brauchen insbesondere Einsteigende und Gelegenheits-Berggänger nicht unbedingt die neuste und teuerste Ausrüstung. Am Alpin-Flohmi konnten Outdoor-Begeisterte zu fairen Preisen gebrauchte Ausrüstungsgegenstände kaufen. Oft von erfahrenen Berggängerinnen und Berggängern – Tipps und Beratung inklusive.

Hohe Nachfrage an Bergsportausrüstung aus zweiter Hand

Dass das «Second Hand Modell» nachgefragt ist, zeigt der grosse Ansturm auf den ersten Alpin-Flohmi der Schweiz. Über tausend Interessierte zog es ins Zürcher Jugendkulturhaus Dynamo. Das Angebot auf den insgesamt 60 Meter langen Verkaufstischen war divers und reichte von Eisgeräten über Bergschuhe bis hin zum Freerideski. Die meisten Gegenstände fanden bereits in der ersten Stunde nach Eröffnung einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin. Aus Sicht der Organisatoren, Mountain Wilderness Schweiz und Public Eye Regionalgruppe Zürich, war der Alpin-Flohmi ein grosser Erfolg und Wiederholungen, womöglich auch in anderen Städten, sind in Planung.

Infos und Bilder

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Bergsport
news-647 Tue, 21 May 2019 15:39:43 +0200 25 Jahre wild: Jubiläumsversammlung in der Stadtwildnis /aktuell/detail/25-jahre-wild-jubilaeumsversammlung-in-der-stadtwildnis/ Wildnis ist auch in der Stadt erlebbar. Zum Auftakt der 25. Generalversammlung hat sich Mountain Wilderness Schweiz auf Entdeckungstour durch das Naturreservat Eichholz begeben. Michael Zimmermann, Agronom und Präsident des Vereins Infozentrum Eichholz führte durch die ehemalige Aue. Diese hat schon viele menschliche Nutzungen erfahren: 1922 entstand durch Aufschüttungen eine Leichtathletikanlage, in der Schweizermeisterschaften stattfanden und YB trainierte. Seit der Ausweisung zum Natur-Reservat mit Umweltbildungsfunktion wurde das Gebiet teilweise renaturiert. Heute kann hier Gross und Klein den Aareraum erleben und erfahren, wie sich die Aue zur stadtnahen Oase entwickelt hat.

Rück- und Ausblick

Die erste Bilanz des Abends: 5 Kilo Bergkäse, 1 Kilo Wurst, 2 Kilo Humus und 10 Kilo Brot wurden beim Apéro riche verspeist. Die rund 60 Gäste genossen bei angeregten Gesprächen Speis und Trank aus verschiedenen Berggebieten. Die zweite Bilanz, namentlich die Jahresrechnung 2018, wurde später von Vorstandsmitglied Michael Zurkinden präsentiert. Ebenso berichtete im statuarischen Teil das Team der Geschäftsstelle über Projekte und Erfolge des vergangenen Jahres und bot einen Ausblick auf die anstehenden Monate: Am 22. Mai findet der erste Alpinflohmarkt statt und im Juli erscheint der neue Kletterführer C(H)lean! Im Fokus stehen auch die Auseinandersetzung mit «Umweltverträglichem Mountainbiking» und die Förderung des Wildnis-Diskurses. Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird das Pop-up-Büro in den Alpen sein. Vom 10. bis 29. August verlegt die Geschäftsstelle Mountain Wilderness Schweiz ihr Büro ins Val Müstair. Das Team setzt sich vor Ort mit den Herausforderungen und Potenzialen zu Wildnis, Bergsport und Alpenschutz auseinander.

Wilde Anekdoten aus dem letzten Vierteljahrhundert

Mit neu gefüllten Gläsern lauschten die Gäste im Anschluss an den offiziellen Teil den Anekdoten der ehemaligen Geschäftsleitenden. Sie haben Mountain Wilderness Schweiz von einer Bewegung zu einem Verein mit Verbandsbeschwerde gemacht. Katharina Conradin (von 2011 – bis 2018) erinnert sich besonders gerne an die «Stop BMW-Fahrtraining»-Demo am Flüelapass im Jahr 2013: «Zwei Demonstrierende und ein Fernsehreporter, das war einmalig». Für genau so viel Aufmerksamkeit aber mit viel mehr Teilnehmenden sorgten 1996 und 1998 die Mobilisierung «En marche pour la protection du Mont-Blanc». Reto Solèr (1994 – 2001) geriet schon beim Zurückdenken an das Koordinieren von bis zu 70 Personen ins Schwitzen. Mountain Wilderness hatte mit politischen Aktionen aber auch immer wieder mit Einfallsreichtum von sich Reden gemacht. Elsbeth Flüeler (2001 – 2011) sieht auch in den zahlreichen Geburtsanzeigen in ihrem Fundus ein Beweis für die Kreativität der Vereinsmitglieder und Mitarbeitenden. 

Für Nachwuchs ist also gesorgt und das ist gut so. Auch wenn viel Heiteres im Zentrum des Abends stand, ist klar: Angesichts der aktuellen Entwicklung ist die Arbeit von Mountain Wilderness Schweiz nach wie vor von grösster Wichtigkeit und jede und jeder Unterstützende zählt. In diesem Sinne: Auf weitere 25 wilde Jahre! 

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news-643 Thu, 18 Apr 2019 16:40:09 +0200 Wildnis-Studie: Datenbasierte Empfehlung für den Schutz von Wildnis /aktuell/detail/wildnis-studie-datenbasierte-empfehlung-fuer-den-schutz-von-wildnis/ Die Studie «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» von Mountain Wilderness Schweiz und der Eidg. Forschungsanstalt WSL wurde am 16. April 2019 feierlich eingeweiht. Rund 20 Interessierte, vornehmlich aus dem Wildnis-Netzwerk, sind an die Vernissage nach Birmensdorf ZH gekommen. Ein würdiger Abschluss nach über drei Jahren Arbeit: Die Studie «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» ist an der Vernissage vom 16. April 2019 der Öffentlichkeit übergeben worden. Rund 20 Leute aus Natur- und Landschaftsschutz, aus Forschung und Zivilgesellschaft haben während der Vernissage an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf ZH die Studie gewürdigt, die einen wichtigen Grundstein für Wildnis legt. «Mit der GIS-Modellierung hat Mountain Wilderness eine datenbasierte Empfehlung für den Schutz von Wildnis in der Schweiz», erklärte Felix Kienast, einer der Studienautoren von der WSL. Er lobte in seinem Grusswort die gute Zusammenarbeit zwischen der NGO Mountain Wilderness Schweiz und der WSL, die zusammen die Wildnis-Studie erarbeitet haben. Es sei in einer Zeit von Fake-News nicht selbstverständlich, dass eine NGO ihr Handeln wissenschaftlich abstützen wolle und auch Resultate akzeptiere, die nicht zwingend ihren Zielen entsprechen, sagte Felix Kienast weiter. 

Wildnis als Symbol für Unverfügbarkeit

Die Bristol-Stiftung hat mit ihrer finanziellen Unterstützung die Wildnis-Studie erst ermöglicht. Stiftungsrat Mario Broggi hielt an der Vernissage ein flammendes Geleitwort für Wildnis. «Radikale Wildnis ist das Symbol für Unverfügbarkeit», sagte der ehemalige Direktor der WSL. Er bestärkte damit unsere Forderung, nicht alles zu nutzen, was man nutzen könnte. Mario Broggi forderte, in der Schweiz ein Patchwork von Natur- und Kulturlandschaften zu fördern. Wo es noch Wildnis in der Schweiz gibt oder wieder geben könnte, zeigte Sebastian Moos, Projektleiter Wildnis bei Mountain Wilderness Schweiz. Er stellte an der Vernissage die wichtigsten Resultate und Botschaften der Wildnis-Studie vor. Wildnis gibt es demnach vor allem noch im Hochgebirge. Gerade die Gletscher zeichnen sich durch ihre Abgeschiedenheit und Unberührtheit aus. Neue Wildnis entwickelt sich vor allem in den südlichen Alpentälern, wo vielerorts die Nutzung nach und nach aufgeben wird. Die Wildnis-Studie stellt der landschaftsökologischen GIS-Modellierung von Wildnis einen sozialwissenschaftlichen Ansatz zur Seite. Denn: Wildnis kann nie ohne den Menschen umgesetzt werden. Es braucht den Willen der lokalen Bevölkerung, die Wildnis jedoch oft kritisch gegenübersteht, wie Interviews mit der Bevölkerung im Urner Maderanertal aufzeigen.

Die starke Präsenz wichtiger Partnerorganisationen aus dem Wildnisbereich an der Vernissage hat gezeigt, dass Wildnis als Thema an Bedeutung gewinnt. Wir werden uns weiterhin für mehr Wildnis einsetzen: Sowohl als philosophischer Gedanke wie auch als Thema im Naturschutz und in den Bergen konkret.

Das Buch ist im Haupt Verlag erschienen. Mountain Wilderness-Mitglieder können es zum Vorteilspreis in unserem Online-Shop beziehen.

Weiterführende Links

Wildnis-Studie
Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) 

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Wildnis
news-641 Fri, 29 Mar 2019 15:27:10 +0100 «Stop Heliskiing Demo» auf dem Petit Combin /aktuell/detail/stop-heliskiing-demo-auf-dem-petit-combin/ Mit 22 Tourenskigängerinnen und Tourenskigänger haben wir am Sonntag, 31. März auf dem Gebirgslandeplatz Petit Combin (3'660 m) ein Zeichen für die Eingrenzung der touristischen Gebirgsfliegerei gesetzt. Eine Gruppe von 22 passionierten Tourenskigängerinnen und -gängern im Alter von 14 bis 77 Jahren hat an der Protestaktion vom Sonntag, 31. März teilgenommen. Die «Stop Heliskiing» Demonstration auf dem vielbeflogenen hochalpinen Gebirgslandeplatz Petit Combin (3'660 m) war die grösste Aktion dieser Art seit Jahren. Mountain Wilderness setzt sich auch weiterhin politisch für eine Eingrenzung der touristischen Gebirgsfliegerei ein.  

Mit einem Rudel erfahrener Alpinisten auf den Petit Combin

Der Austragungsort Petit Combin erfolgte auf Initiative von Mountain Wilderness Mitglied Marc Häni. Zusammen mit Alexis Bally war er für die alpinistische Organisation der Aktion zuständig. Die Wetter- und Schneebedingungen waren ideal und so trafen sich am Samstag in der Früh eine aus der ganzen Schweiz angereiste, bilingue Gruppe in Fionnay und bereitete sich auf den Hüttenzustieg in kleinen Gruppen vor. Nach den ersten ruppigen 500 Höhenmetern liess der Blick auf den grandiosen Grand Combin etwas Himalaya-Gefühl aufkommen. Am frühen Nachmittag traf sich die gesamte Gruppe wieder auf der schön gelegenen FXB Pannossière-Hütte. Die Zeitumstellung erschwerte die Organisation der Kundgebung auf dem Gebirgslandeplatz Petit Combin. Die Helikopterfirmen passten sich der Sommerzeit und nicht wie von uns angenommen den optimalen Schneeverhältnissen an. Sie flogen in mindestens vier Rotationen Skitouristen auf den Gipfel und die letzten zwei wurden von den schnellsten unserer Gruppe mit Stop-Heliskiing-Fahnen begrüsst. Ein Helikopter drehte ohne Landung vor dem Gipfel ab. Nach dem grossen Fotoshooting mit allen Teilnehmenden nahmen alle in Kleingruppen verschiedene Abfahrtsvarianten unter die Skier. Einige erklommen noch den Combin de Corbassière während die meisten eine Pulverabfahrt nach Bourg-St-Pierre genossen. 

Wie weiter mit den Gebirgslandeplätzen?

Neben öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie der «Stop Heliskiing Demo» setzt sich Mountain Wilderness Schweiz auch auf juristischem und politischem Weg ein für eine Eingrenzung der touristischen Gebirgsfliegerei. Der beinahe zwei Jahrzehnte dauernden Verhandlungs-Prozess über die Festsetzung der Gebirgslandeplätze ist mit einem Urteil des Bundesgerichts im Februar 2019 beendet. Als Teilerfolg werten wir die Schliessung der beiden Gebirgslandeplätze GLP Gumm und Rosenegg-West. Unsere Forderung, alle Gebirgslandeplätze einer verbindlichen, transparenten und rechtskonformen Überprüfung durch das UVEK zu unterziehen, wurde mit dem gleichen Urteil abgewiesen. Es gibt nun ab September 2019 in der Schweiz 40 festgesetzte GLP, darunter 20 Landeplätze in und angrenzend an nationale Schutzgebiete (v.a. Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN). Was mit diesen Landeplätzen zukünftig geschehen wird, bleibt unklar. Denn auch das Bundesgericht hält fest, «dass Helikopterlandungen zu schweren Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft führen, wenn sie in BLN-Objekten stattfinden». In einer Interpellation durch Nationalrätin Regula Rytz in der Frühlingssession 2019 wurde deshalb der Bundesrat angefragt, wie er die Konflikte zwischen der Nutzung der Gebirgslandeplätze und der betroffenen BLN-Objekte zu reduzieren gedenkt. Eine weitere Frage betrifft die zusätzliche Nutzung durch Helibiking im Sommer. 

Weiterführende Links: 

Medienmitteilung Stop Heliskiing Demo
Interpellation von Nationalrätin Regula Rytz
Urteil des Bundesgerichts: Urteil-Nummer 1C_109/2018, +C_117/2018, Aufhebung der Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm

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Stop Heliskiing
news-639 Tue, 12 Mar 2019 12:54:58 +0100 Wilde Schweiz? Die Wildnis-Studie ist jetzt als Buch erhältlich. /aktuell/detail/wilde-schweiz-die-wildnis-studie-ist-jetzt-als-buch-erhaeltlich/ «17 Prozent der Schweiz sind noch wild» – diese Erkenntnis aus der Wildnis-Studie hat im letzten Oktober für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt ist die Studie unter dem Titel «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» im Haupt Verlag erschienen. «17 Prozent der Schweiz sind noch wild» – diese Erkenntnis aus der Wildnis-Studie hat im letzten Oktober für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt ist die Studie unter dem Titel «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» im Haupt Verlag erschienen.

Ein Meilenstein für die Wildnis in der Schweiz

Mit der Publikation der Wildnis-Studie schliessen Mountain Wilderness Schweiz und die Eidg. Forschungsanstalt WSL eine Lücke: Erstmals liegen Resultate zu Schweizer Flächen mit hoher Wildnisqualität vor. Die Studie untersucht zudem Argumente für und gegen Wildnis bei der lokalen Bevölkerung und kantonalen Fachpersonen. Sie zeigt auf, dass das Potenzial für den langfristigen Erhalt und die Förderung von Wildnis nicht nur von der aktuellen Wildnisqualität abhängt. Entscheidend ist auch, wie sich die Nutzung von Räumen entwickelt und wie die Gesellschaft gegenüber Wildnis eingestellt ist.

Die Wildnis-Studie ist ein wichtiges Instrument, um den Wert von Wildnis einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Sie dient als Grundlage für den Schutz von Wildnis und die Erarbeitung der Wildnis-Strategie Schweiz.

Buchvernissage am 16. April 2019

Das Buch ist im Handel und in unserem Web-Shop erhältlich. Die Buchvernissage findet am 16. April 2019 um 17 Uhr bei der bei der WSL in Birmensdorf statt.

Programm
Begrüssung: Maren Kern (Mountain Wilderness Schweiz), Prof. Dr. Felix Kienast (WSL)
Zum Geleit: Dr. Mario F. Broggi (Stiftungsrat der Bristol-Stiftung und ehemaliger Direktor der WSL)
Die Wildnis-Studie im Detail: Sebastian Moos (Mountain Wilderness Schweiz)

Weiterführende Links

Wildnis-Studie

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Wildnis
news-638 Fri, 08 Feb 2019 18:26:28 +0100 Für mehr Nachhaltigkeit im Bergsport: Mountain Wilderness Schweiz auf der ISPO München /aktuell/detail/fuer-mehr-nachhaltigkeit-im-bergsport-mountain-wilderness-schweiz-auf-der-ispo-muenchen/ Die Themen Nachhaltigkeitsevaluation, Circular Economy und Mikroplastik sind an der ISPO in München angekommen. Trotz weniger Ausnahmen sind nachhaltige Hartwaren jedoch immer noch Zukunftsmusik. Mountain Wilderness Schweiz brachte sich erneut am Hardware Sustainability Roundtable ein. An der weltgrössten Sportmesse ISPO, die dieses Jahr vom 3. bis 6. Februar in München statt fand, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit, vor allem im Bereich Outdoor-Ausrüstung. Grund genug für Mountain Wilderness Schweiz, die Messe zu besuchen. Dies, um zu sehen, wo die Branchen in Sachen Nachhaltigkeit steht, aber auch, um beim Hartwaren-Roundtable etwas Druck zu machen.

Eigener Messebereich für die Nachhaltigkeit 

Das Nachhaltigkeitsprogramm auf der ISPO ist mittlerweile recht stattlich. Die Veranstaltungen reichen von Vorträgen über öffentliche Diskussionsrunden bis hin zum «Closed Door-Meeting», an dem die Branchen quasi unter sich bleiben will. Auch thematisch ist das Programm breit gefächert: Entwicklung von Instrumenten zur Nachhaltigkeitsevaluation, Circular Economy, Mikroplastik und viele weitere Themen wurden besprochen und der Nachhaltigkeit ein eigener Messebereich gewidmet.

Erstes zertifiziert-nachhaltiges Aluminium – «long way to go» für das Chemikalien-Management

Für Mountain Wilderness Schweiz lag der Schwerpunkt abermals auf den Entwicklungen bei Bergsport-Hartwaren (z.B. Karabiner, Eisgeräte, Ski etc.). Der von Mountain Wilderness Schweiz mitinitiierte Hardware Sustainability Roundtable fand bereits zum dritten Mal statt und behandelte diesmal den Chemikalieneinsatz bei der Hartwaren-Produktion. Das Thema ist sehr komplex und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis das Chemikalien-Management in der gesamten Lieferkette transparent und sozial wie ökologisch zufriedenstellend ist. Jedoch zeigen sich gewaltige Fortschritte seit dem ersten Runden Tisch zum Thema Aluminium-Produktion: Dieses Jahr wurde das erste Stück «zertifiziert-nachhaltiges Aluminium» präsentiert. Nun bleibt zu hoffen, dass möglichst schnell auch Bergsportfirmen das Material für ihre Produkte verwenden können. Und da hoffen nicht genug ist, werden wir durch gezielte Nachfragen und Öffentlichkeitsarbeit weiterhin Druck machen.

Weiterführende Links: 

Neuigkeiten zu Nachhaltigkeit in der (Berg-)sportindustrie: Suston Magazine  

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Bergsport
news-637 Thu, 31 Jan 2019 10:53:18 +0100 Mit Hertz und Air Zermatt direkt zur Umweltzerstörung /aktuell/detail/mit-hertz-und-air-zermatt-direkt-zur-umweltzerstoerung/ Für 333 Franken mit dem Luxus-SUV nach Raron und von dort mit dem Helikopter auf die Skipiste. Air Zermatt und Hertz werben mit einem Angebot, wie es in Zeiten von Klimawandel und ökologischer Krise absurder kaum sein könnte. Wir fordern: solche Praktiken sind einzustellen! Die Air Zermatt bietet neuerdings zusammen mit dem Autoverleiher Hertz das ressourcen-intensivste Skivergnügen der Schweiz an: Anreise ab Verleihstation mit dem Geländewagen und ab Raron mit dem Heli auf die Skipiste von Zermatt. In einem offenen Brief an Air Zermatt und Hertz stellen wir die Forderung, dieses umweltschädliche Angebot einzustellen.

Mit Hertz und Air Zermatt direkt ins Skivergnügen

Offener Brief an Air Zermatt und Hertz von Mountain Wilderness Schweiz

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Stop Heliskiing
news-635 Thu, 20 Dec 2018 15:25:13 +0100 Holz im Kopf am Tag der Berge /aktuell/detail/holz-im-kopf-am-tag-der-berge/ Einmal mehr fanden sich rund 150 Personen im Alpinen Museum in Bern ein, um den Internationalen Tag der Berg mit einer Pecha Kucha zu feiern. Holz im Kopf versprach die Veranstaltungseinladung. Zu Wort kamen Menschen, die sich auf ihre ganz persönliche Art und Weise mit Bergholz auseinandersetzen. Einmal mehr fanden sich rund 150 Personen im Alpinen Museum in Bern ein, um den Internationalen Tag der Berg mit einer Pecha Kucha zu feiern. Holz im Kopf versprach die Veranstaltungseinladung. Zu Wort kamen Menschen, die sich auf ihre ganz persönliche Art und Weise mit Bergholz auseinandersetzen. Es gelang ihnen, die Besuchenden zu fesseln und zum Staunen zu bringen. Dass Holz ganz unterschiedlich klingen kann, demonstrierte auch der Perkussionist mit seinen Zwischentönen auf den von den ReferentInnen mitgebrachten Holzstücken.

Von den Forschungslabors bis in den Wald?

Die faszinierende Vielfalt der Bergwelt wird an diesem Abend rund um ein jedes Jahr neu gewähltes Thema auf unterhaltsame Art aufgezeigt. So gelang es Tanja Zimmermann, Forschungsleiterin für Holzinnovationen an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA, die zum Teil komplexen Forschungsinhalte verständlich zu machen und etwa einen Blick in die Nanostruktur von Holz zu ermöglichen. Sie zeigte auf, dass Holzpilze nicht nur zerstörerisch wirken, sondern auch die Widerstandskraft von Holz erhöhen können. Ganz anders tönt es beim Zimmermann Jürg Hirschi von der Firma Truber Holz. Er sucht innovative Architekten für seine massive Holzbauweise, welche es erlaubt, aus einheimischem Holz modernste Architektur ohne Leim, Nägel oder Schrauben zu konstruieren und willkommene Wertschöpfung im bergigen Napfland zu generieren.?

Holzklang und andere Zwischentöne

Die acht Referierenden wurden gebeten, ein Stück Holz ins Alpine Museum mitzubringen, und Prosper NKouri, Perkussionist, hatte die Aufgabe, diese zwischen den Referaten zum Klingen zu bringen. Er tat dies mit sichtlicher Freude und viel Fingerspitzengefühl. Am besten gelang dies mit dem Klangholz, das Philippe Domont aus dem Jura mitgebracht hat. Der Klangholzexperte verriet, wo das am besten klingende Holz wächst und wie dieses beschaffen sein muss, damit es für den Instrumentenbau geeignet ist. Die Klangfülle seiner mitgebrachten Hölzer war schlicht frappant. Etwas andere Zwischentöne hat die Geschichtenerzählerin Barbara Luchs angeschlagen. In Oberhaslitiitsch hat sie die Zuhörenden in eine sagenhafte Winterlandschaft im Berner Oberland entführt und erzählt, was einem beim Holzen im Bergwald so alles widerfahren kann.

Begegnungen und heitere Gespräche

Die Veranstaltung fand im Anschluss an eine Veranstaltung der SAB im Rahmen der 75-Jahre-Feier statt. Dazwischen gab es einen gemeinsamen Apéro, welcher für einen regen Austausch der zahlreichen Anwesenden genutzt wurde. Letztes Jahr zur gleichen Zeit war das Alpine Museum im Gespräche wegen der massiven Kürzung der Bundesbeiträge. Dieses Jahr konnten alle aufatmen, weil soeben darüber informiert wurde, dass der Bundesbeitrag für das Alpine Museum der Schweiz erhöht wird. Möglich wurde die Erhöhung durch einen Kategorienwechsel innerhalb der Kulturförderung: Das Alpine Museum der Schweiz wird vom Bund neu als nationales Kompetenzzentrum für das alpine Kulturerbe unterstützt. Dies mag dazu beigetragen haben, dass es rundum nur zufriedene Gesichter im Alpinen Museum anzutreffen gab.

Die Veranstaltung zum Internationalen Tag der Berge wurde gemeinsam organisiert vom Alpinen Museum der Schweiz, dem Schweizer Alpen-Club SAC, der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT, Mountain Wilderness Schweiz und der CIPRA Schweiz.

Weiterführende Links:

  • Das Alpine Museum der Schweiz ist gerettet! Zum Artikel
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news-632 Wed, 31 Oct 2018 11:01:01 +0100 Die wichtigste Wildnis-Tagung der Schweiz /aktuell/detail/die-wichtigste-wildnis-tagung-der-schweiz/ Am Dienstag, 30. Oktober, fand die schweizweit wichtigste Wildnis-Tagung im Naturerlebnispark Sihlwald statt. Es war ein grosser Sprung nach vorne in der Wildnis-Diskussion. Am Dienstag, 30. Oktober, fand die schweizweit wichtigste Wildnis-Tagung im Naturerlebnispark Sihlwald statt. Es war ein grosser Sprung nach vorne in der Wildnis-Diskussion.

Eins ist klar: Wildnis ist gesellschaftsrelevant. So hat denn die Tagung auch 120 Teilnehmende aus den Bereichen Umwelt- und Landschaftsschutz, sowie aus Pärken und Biosphären, Forschung, Tourismus und Bergsport angezogen und begeistert. Es war der grösste Anlass in der fast 25-jährigen Geschichte von Mountain Wilderness Schweiz – und ein voller Erfolg.

«Dort sind sie um Welten weiter»

Am Morgen boten spannende Referate einen Einblick in den Stand der Wildnis-Debatte in der Schweiz sowie in den Nachbarländern Deutschland und Österreich. Der internationale Vergleich zeigte, dass das Thema Wildnis in der Schweiz erst sehr wenig verankert ist. Eine Meldung aus dem Publikum besagte gar: «Dort sind sie um Welten weiter.»

Die Chance, in der Wildnis-Debatte einen grossen Sprung nach vorne zu machen, lassen wir uns nicht entgehen. Sebastian Moos, Projektleiter Wildnis bei Mountain Wilderness Schweiz, stellte zu Beginn der Tagung die Ergebnisse unserer Wildnis-Studie vor: Gemeinsam mit der WSL haben wir herausgearbeitet, wo in der Schweiz sich die letzten wilden, wenig von Menschen beeinflussten Räume befinden. Nun geht es in einem nächsten Schritt darum, wie wir Wildnis in der Schweiz langfristig fördern und erhalten können.

Hierzu stellte Maren Kern, Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz, unseren ersten Entwurf für eine Wildnis-Strategie Schweiz vor. In den interaktiven Labors am Nachmittag erarbeiteten die Teilnehmenden schliesslich gemeinsam wichtige Inputs für die Weiterentwicklung der Strategie.

Die Natur Natur sein lassen, braucht Mut

Die Teilnehmenden der Tagung sind sich einig: Es braucht Wildnis, vom kleinsten wilden Stadtgarten bis zu grossen alpinen Wildnisgebieten. Orte, wo der Mensch sich bewusst zurücknimmt, wo die Natur Natur sein kann. Die letzten Flächen hoher Wildnisqualität der Schweiz müssen erhalten und gefördert werden. Aber es braucht auch Mut, Wildnis zuzulassen und die Kontrolle abzugeben. Um dies zu verstehen, müssen wir es am eigenen Körper erfahren – in neuen Wildnisgebieten in unserer Nähe. In Räumen, die uns den Wert von Freiräumen für die Natur vor Augen führen. Genau dafür braucht es eine Wildnis-Strategie Schweiz.

Wir publizieren im Frühling 2019

Nun geht es weiter: Mit unseren Partnern bleiben wir am Thema dran und veröffentlichen im Frühling 2019 das Buch «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz». Ausserdem arbeiten wir gemeinsam an der Umsetzung der Wildnis-Strategie Schweiz. Schritt für Schritt zeigen wir auf, wie Wildnis bekannt gemacht, erhalten und gefördert werden kann.

SRF Tagesgespräch

Wir haben mit der Wildnis-Tagung Menschen aus den verschiedensten Fachbereichen zusammengebracht. Wo sich die vielfältigen Vorstellungen einer wilden Schweiz treffen, erzählt Sebastian Moos im heutigen SRF-Tagesgespräch.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden für die interessanten Inputs und Diskussionen.
Die Wildnis-Tagung wurde organisiert durch Mountain Wilderness Schweiz, zusammen mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, dem Wildnispark Zürich, Pro Natura und CIPRA Schweiz. Die Wildnis-Tagung wurde unterstützt von BirdLife Schweiz, Hochparterre und dem Netzwerk Schweizer Pärke sowie gefördert durch die Bristol-Stiftung.

Weiterführende Links

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news-626 Mon, 29 Oct 2018 15:40:00 +0100 Wildnis-Tagung: Morgen Dienstag wird's wild! /aktuell/detail/wildnis-tagung-morgen-dienstag-wirds-wild/ Unsere Tagung «Wildnis finden und fördern» findet morgen Dienstag 30. Oktober im Naturerlebnispark Sihlwald statt. Wir stellen unsere Wildnis-Studie vor und diskutieren, wie wir Wildnis langfristig fördern können. Wir freuen uns auf über 100 Teilnehmende und ihre Expertisen, spannende Diskussionen und Ergebnisse. Unsere Tagung «Wildnis finden und fördern» findet morgen Dienstag 30. Oktober und 31. Oktober 2018 im Naturerlebnispark Sihlwald statt. Wir stellen unsere Wildnis-Studie vor und diskutieren, wie wir Wildnis langfristig fördern können. Wir freuen uns auf über 100 Teilnehmende und ihre Expertisen, spannende Diskussionen und Ergebnisse.

Wo befinden sich die letzten wilden Räume in der Schweiz, die kaum verbaut sind und in denen die Natur Natur sein kann? Wie ist der Blick der Anwohnenden auf Wildnis? Wie können wir Wildnis in der Schweiz langfristig fördern und erhalten?

An der Tagung «Wildnis finden und fördern» stellen wir die wichtigsten Resultate der Studie «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» vor. Zudem diskutieren wir den Entwurf der Wildnis-Strategie Schweiz, die aufzeigt, wie wir Wildnis bekannt machen, erhalten und fördern könnten. Eine Wildnis-Exkursion durch den Naturerlebnispark Sihlwald bietet am zweiten Tag Einblicke in eines der vorbildlichsten Wildnisgebiete der Schweiz. Hier geht’s direkt zum Programm.

Von der Jägerin bis zum Raumplaner

An der Tagung teilnehmen werden Wildnisinteressierte und Fachpersonen aus Forschung, Naturschutz (CH, A, D), Raumplanung, Bundesverwaltung, Tourismus, Schutzgebietsverwaltungen und Umweltbüros.

Wir organisieren die Wildnis-Tagung zusammen mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, dem Wildnispark Zürich, Pro Natura und CIPRA Schweiz, unterstützt von BirdLife Schweiz, Hochparterre und dem Netzwerk Schweizer Pärke und gefördert durch die Bristol-Stiftung.

Weiterführende Links:

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news-628 Wed, 24 Oct 2018 11:28:27 +0200 Am Tag der Berge klingt das Holz /aktuell/detail/am-tag-der-berge-klingt-das-holz/ Am internationalen Tag der Berge vom 11. Dezember zeigen uns acht Vortragende die fantastische Vielfalt von Bergholz. Mit Holz wird gebaut, gestaltet, musiziert. Holz wächst und zerfällt, ist Inspiration für Mythen und Geschichten und ab und zu mal gut für ein Schimpfwort: du Holzkopf! Am internationalen Tag der Berge vom 11. Dezember zeigen uns acht Vortragende die fantastische Vielfalt von Bergholz.

Zum Beispiel erzählt der Naturmythologe Pierre Hänni von Bäumen als Kraftorte, die Materialwissenschaftlerin Tanja Zimmermann untersucht den Rohstoff Holz akribisch genau und die Geschichtenerzählerin Barbara Luchs verwandelt Holz mit ihrer Fantasie in Dichtung. Zwischen den Vorträgen begeistert der Perkussionist Prosper NKouri mit wilden Klängen. Im las alps lassen wir den Abend bei einem Apéro gemeinsam ausklingen.

Pecha Kucha Vorträge sind unterhaltsame Präsentationen mit klaren Regeln: Die Vortragenden zeigen 20 Bilder und jedes wird genau 20 Sekunden gezeigt – also exakt 6 Minuten und 40 Sekunden für jede Präsentation.

Infos:

Wann: 11. Dezember 2018
Zeit: ab 18.30 Uhr Apéro, 19.30 Uhr Pecha Kucha
Wo: Alpines Museum der Schweiz
Eintritt: CHF 15.-
Anmeldung nicht nötig

Vortragende:

Mehr Infos _ Apéro offeriert von Coop Pro Montagna und dem Bundesamt für Raumentwicklung ARE

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news-624 Mon, 17 Sep 2018 10:56:30 +0200 Das waren die keepwild! climbing days 2018 /aktuell/detail/das-waren-die-keepwild-climbing-days-2018/ Vom 7.- 10. September 2018 fanden unsere keepwild! climbing days bereits zum sechsten Mal statt. Abermals war die Veranstaltung ein voller Erfolg und setzte einmal mehr ein Zeichen für einen Klettersport mit Respekt. Von 7.-10. September 2018 organisierten wir den alljährlichen Höhepunkt der Kampagne «keepwild!climbs». Austragungsort war zum zweiten Mal die Zwinglipasshütte im Alpstein, direkt am Fusse des Klettermekkas Altmann gelegen.

Workshops und wildes klettern

Abgesehen vom anfangs regnerischen Freitag zeigte sich das Wetter in den folgenden Tagen perfekt. Neben Begehungen klassischer und moderner Routen wurden Workshops zu den Themen Standplatzbau, mobile Sicherungsmittel, Seiltechnik/-taktik sowie improvisierte Rettung durchgeführt, bei welchen sowohl Clean-Einsteiger als auch alte Häsinnen noch etwas lernen konnten. Für allfällige Fragen standen die Kletterlehrer Silvan Schüpbach und Mirko Storm, Janis Hager (Bergführer i.A.) und Andy Trunz (Hardware-Experte, Wild Country) mit Rat und Tat zur Seite; ein kompetentes und unterhaltsames Instruktorengespann!

Es gibt noch mehr Wildnis neben den wilden Wänden

Mit Sebastian Moos (Projektleiter Wildnis, MW Schweiz) war ein echter Schweizer Wildnis-Experte unter uns und gab interessante Einblicke in seine Kampagne Wildnis Schweiz. Deren Ziel ist es, Wildnisgebiete in der Schweiz zu identifizieren und langfristig zu erhalten. Dies nicht zuletzt, um Wildniserfahrungen für den Menschen zu ermöglichen. Der Horizont der Veranstaltung wurde somit weit über das Klettern hinaus erweitert und die Teilnehmenden bekamen einen Einblick in die Arbeit von Mountain Wilderness Schweiz.

Wieder mal ein Erfolg

Insgesamt waren die sechsten keepwild! climbing days eine saubere Sache und setzten einmal mehr ein Zeichen dafür, dass es neben «Plaisirtouren» auch ursprüngliche, wilde Routen braucht – und das eben nicht nur für Draufgänger, sondern schlicht für Menschen, die sich intensiv und respektvoll mit der Materie Fels auseinandersetzen möchten.

Zum Bericht

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news-622 Tue, 11 Sep 2018 16:32:20 +0200 Naturnaher Tourismus heisst Beziehungen schaffen /aktuell/detail/naturnaher-tourismus-heisst-beziehungen-schaffen/ Viele Meinungen und Sichtweisen kamen zusammen am gestrigen Diskussionsabend zum Thema «Funpark Alpen». Ein breiter Konsens scheint sich jedoch abzuzeichnen: Ein möglicher Weg hin zu naturnahen Freizeitangeboten in den Bergen läuft über die Beziehung zu lokalen Werten. Das Licht ist golden während dem wir uns auf der Gurtenwiese einrichten. Es ist ein milder, warmer Spätsommerabend. Wir sind auf dem Berner Hausberg, einem Funpark in Stadtnähe und Naherholungsgebiet für viele Bernerinnen und Berner. Dieses Freizeitangebot mag im urbanen Raum sinnvoll sein. Doch heute sind wir zusammengekommen, um über die Entwicklung des Freizeitangebotes in den Bergregionen zu diskutieren, dort wo sich die letzten grossen unverbauten Gebiete des Alpenraumes befinden. Die Anzahl Funparks – also Rodelbahnen, Seilrutschen und Hängebrücken – ist seit der Jahrtausendwende frappant gestiegen. Wir reden von einer regelrechten «Möblierung der Berge» mit Spassinfrastruktur. Was sind die Triebkräfte hinter dieser Entwicklung? Wie könnte ein attraktives, ganzjähriges und naturnahes Freizeitangebot aussehen? Wie können wir als Gäste Einfluss nehmen, damit sich Tourismusregionen in Berggebieten umweltverträglich ausrichten? Die Antworten sind vielschichtig – hier ein Auszug aus den Diskussionen.

Mühsames Aufrechterhalten eines vergangenen Höhepunktes

Bald scheint klar, dass die Gründe für den Wildwuchs an Spassinfrastruktur in den Bergregionen weit zurück reichen. Schweizer Tourismusdestinationen und ihre Bergbahnen erlebten ihren Höhepunkt um 1990, als das Skifahren noch Tourismusattraktion Nummer eins war. Seit der Jahrtausendwende nehmen die Skifahrertage ab und immer mehr Hotelbetten bleiben kalt – es wurde eng im Budget der Bahnbetreiber und neue Lösungen mussten her. So kamen die Funparks als Sommerangebot hinzu. Dieser Trend zeigt sich im Kanton Bern auch klar in der Anzahl Gesuche für Baubewilligungen, die beim Amt für Gemeinden und Raumordnung eingehen. Doch nicht allein die Entwicklung im Wintersport feuerte die Bauwut in immer höhere Berggebiete an. Im Laufe der Diskussion werden parallele Phänomene genannt, welche die Rentabilität von Funparks begünstigten: die Zunahme der (internationalen) Mobilität, mehr zur Verfügung stehende Freizeit, die Suche nach Unterhaltung und Action als Ausgleich zum Büroalltag und nicht zuletzt der Konkurrenzkampf um Gäste.

Trennung aufheben, Beziehungen schaffen

Die Teilnehmenden sind sich einig: es fehlt die Beziehung zwischen den Freizeittouristen und den lokalen, einzigartigen natürlichen und kulturellen Gegebenheiten – ein Umdenken, weg von dem Fokus Infrastruktur, ist nötig. Regionaltourismus soll nicht mehr nur ökonomisch, sondern auch ökologisch und gesellschaftlich nachhaltig angedacht werden. Doch wie ist das möglich, in einer Mentalität des Kapitalismus und Renditen? Alternativen zur gängigen Finanzierungen durch Investoren mit wenig bis keinem Lokalbezug sind nötig. Möglichkeiten bieten genossenschaftliche Strukturen, Vereine oder AGs mit Fonds, die von den Leuten in den jeweiligen Regionen getragen werden. Bei der Vergabe von öffentlichen Regionalentwicklungsgelder sollten flankierende Massnahmen die lokalen Kreisläufe einbeziehen z.B. bei der Materialisierung, der Vergabe an lokale Handwerkende usw. Auch mutige Gesamt-Tourismusentscheide von Regionen, wie zum Beispiel im Safiental oder dem Mieminger Plateau (AT), sind gefragt. Weitere Ideen: anstatt saisonale Angebote durch saisonale Arbeitskräfte zu betreiben soll die lokale Bevölkerung miteinbezogen werden und so von der Wertschöpfung profitieren. Zudem sollen die Angebote auch für die lokale Bevölkerung attraktiv sein. Eine Beziehung zur Einzigartigkeit einer Region soll geschaffen werden, indem das Erleben der Natur im Vordergrund steht.

Unseren Einfluss auf das Angebot nutzen

Es bestehen viele Ideen dazu, wie wir als Gäste in Bergregionen das Freizeitangebot beeinflussen können. Wir können uns gezielt auf nachhaltig konzipierte Angebote ausrichten und  Destinationen mit fehlendem Einbezug der Natur und Kultur meiden. Wir können vermehrt unsere nächste Alltagsumgebung im Sinne von «Naherholungstourismus» aufsuchen und auf Kurztrips in die Berge verzichten. Wir können vor Ort unser Interesse nach lokalen Produkten und lokaler Kultur bekunden. Und wir können unsere Einstellung und Ansichten mit unseren Mitmenschen teilen.
Im Laufe der Gespräche zeigt sich, dass das Thema zwar komplex und vielschichtig ist, wir jedoch mit unserem eigenen Verhalten einen grossen Handlungsspielraum haben.

Weiterführende Links:

Broschüre «Funpark Alpen?» (Infos und Bestellung)

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news-619 Mon, 13 Aug 2018 16:50:04 +0200 Ein Leuchten für den Klimaschutz trotz Feuerverbot /aktuell/detail/ein-leuchten-fuer-den-klimaschutz-trotz-feuerverbot/ Feuer in den Alpen im Zeichen des Klimawandels: LED-Lichter in den Händen eines Jongleurs erscheinen als farbenfrohe Bilder vor den Augen der 60 Versammelten. Mountain Wilderness Schweiz, Alpen-Initiative und CIPRA betonten die Verantwortung aller, den Klimawandel einzudämmen. 30 Jahre Mahnfeuer im August

Die «Feuer in den Alpen» setzen seit 30 Jahren ein Zeichen zum Schutz des einzigartigen Natur- und Kulturerbes der Alpen. Eine Gruppe Aktivistinnen und Aktivisten mit Wohnsitz im Bündnerland, meist damalige Älplerinnen und Älpler, starteten die Mahnfeuer in den 80er Jahren als Staudammprojekte wie in der Greina, im Val Madris oder der Curciusa  ganze Alpentäler zu überfluten drohten. «Unsere Vision war eine bis ins All sichtbare Lichterkette von Wien bis Nizza», sagte Kaspar Schuler, Mitbegründer «Feuer in den Alpen» und Geschäftsführer CIPRA International. Die Feuer richteten sich immer auch an der Alpenkultur: Das Datum wurde in die zweite Augustwoche gelegt, weil dies gut in die Arbeitsplanung der Älpler passte. Die ersten Feuer in der Schweiz waren dann auch zahlreich und gut besucht. Zu Spitzenzeiten gab es europaweit 100 Feuer.

Extremsituationen nehmen zu

Versiegte Quellen, Kühe, die auf den Alpen per Helikoptern mit Wasser versorgt werden müssen: Das Thema «Klimawandel» nimmt angesichts des extremen Hitzesommers, der wärmsten Periode seit Messbeginn 1864, noch an Dringlichkeit zu. Wie die drei Alpenschutzorganisationen auf Pardiel zeigten, sind die Alpen ein äusserst sensibles Ökosystem und ihre Bewohner leiden besonders unter der Klimaerwärmung. Wildtiere, die ihre Körpertemperaturen schlecht regulieren können wie z.B. der Schneehase weichen nach oben aus. Dies gilt auch für Pflanzen wie die Arnika, die heute schon auf Gipfeln bis 3'000 Metern anzutreffen sind. Doch nicht allen gelingt diese Anpassung, gibt Maren Kern, Geschäftsleiterin Mountain Wilderness Schweiz, zu bedenken. 

Verkehr drosseln

Die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene muss weiter vorangetrieben werden, forderte Marina Carobbio Guscetti, Vizepräsidentin der Alpen-Initiative und Vizepräsidentin des Nationalrats auf Pardiel. Indem endlich auch für Lastwagen CO2-Reduktionsziele gelten, kann der Ausstoss auch beim Strassentransport massiv reduziert werden. Beim Freizeitverkehr müssen wir zudem vermehrt auf Bahn, Bus und Alpentaxi setzen, ergänzte Maren Kern. Heute reisen immer noch 80% der Leute mit dem Auto in die Berge – und die Fahrten an die «Bergfrische» dürften angesichts der zunehmenden Hitzesommer noch ansteigen.

Wir alle können etwas tun

Einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von Emissionen können wir alle auch beim Kauf von lokal hergestellten Produkten leisten. Kurze Transportwege würden helfen, die Belastung für das Klima zu reduzieren, sagte Marina Carobbio Guscetti. Berg-Ausrüstung kann man ausserdem reparieren oder mieten, anstatt neue zu kaufen. 

Am Sonntag durchwanderten zwei Gruppen das Pizolgebiet. Die Themen vom Vorabend wurden wieder aufgegriffen und mit weiteren ergänzt: Die Diskussionen während der Wanderung reichten von geologischen Ereignissen bis zu Veränderungen in der Alpbewirtschaftung.

Zu den Fotos

Weiterführende Links:

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news-617 Wed, 08 Aug 2018 07:39:19 +0200 Funpark Alpen – Schneller Adrenalinkick oder nachhaltige Beziehung zu Natur und Kultur? /aktuell/detail/funpark-alpen-schneller-adrenalinkick-oder-nachhaltige-beziehung-zu-natur-und-kultur/ Die Möblierung der Bergregionen mit Spass-Infrastruktur nimmt explosionsartig zu. Was sind Hintergründe und Folgen dieser Entwicklung? An unserer zweiten Diskussionsrunde können Sie sich informieren und mitdiskutieren – kommen Sie vorbei! Die zweite Diskussionsrunde von Mountain Wilderness Schweiz beleuchtet die Zunahme der Spass-Infrastruktur in den Schweizer Bergregionen. Unsere im Frühling erschienenee Broschüre «Funpark Alpen?» zeigt eindrücklich, wie die Anzahl Vergnügungsparks oberhalb 1500 m.ü.M. ab dem Jahr 1990 explosionsartig zugenommen hat.

  • Welche Triebkräfte stehen hinter dieser Entwicklung?
  • Sind Rodelbahnen, Seilrutschen, Hängebrücken und Co. notwendig, um eine Region langfristig attraktiv zu halten?
  • Welche Verantwortung tragen wir als Gäste in Bergregionen?

Diskutieren mit Fachpersonen aus Tourismus und nachhaltiger Entwicklung

Mountain Wilderness Schweiz steht der zunehmenden «Möblierung» der Berge kritisch gegenüber und fordert ein Umdenken hin zu nachhaltigen Freizeitangeboten. Wir sehen das Thema aber nicht nur schwarzweiss. In ungezwungener Atmosphäre bieten wir die Gelegenheit, diese und weitere komplexe Fragen mit Fachpersonen zu besprechen. Wir freuen uns auf Katharina Conradin (Präsidentin CIPRA International), Christoph Egger (Direktor Schilthornbahn AG) und Rafael Matos-Wasem (Professor an der Hochschule für Wirtschaft & Tourismus HES-SO Wallis).

Auf dem Berner Hausberg

Der Abend ist öffentlich und richtet sich an alle, die sich für die touristische und wirtschaftliche Zukunft der Bergregionen interessieren. Die Diskussionsrunde findet draussen, auf dem Gurten statt, dem Berner Hausberg und «Funpark».

Wann: 5. September 2018
Zeit: Treffpunkt um 18:15 Uhr bei der Gurten-Bergstation, Beginn um 18:30 Uhr beim Ostsignal, Ende ca. 20:30 Uhr
Ort: Gurten (der Anlass findet draussen auf dem Gurten statt, es ist schönes Wetter vorausgesagt)
Verpflegung: einfache Häppchen und Getränke sind vorhanden
Anmeldung: nicht erforderlich
Eintritt frei / Kollekte

Weiterführende Links:

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news-611 Tue, 24 Jul 2018 08:50:11 +0200 Höhenfeuer im Zeichen des Klimawandels /aktuell/detail/hoehenfeuer-im-zeichen-des-klimawandels/ Am 11./12. August setzen wir mit den traditionellen Höhenfeuern ein weit sichtbares Zeichen für den Alpenraum. Seid dabei beim diesjährigen «Feuer in den Alpen». Feuer in den Alpen & für die Alpen. Jedes Jahr am zweiten Augustwochenende setzen wir mit Höhenfeuern alpenweit ein Zeichen: Für die Erhaltung des kulturellen Erbes der Alpen und
gegen die Zerstörung der Ökosysteme. Wir laden Euch herzlich ein, diesen Anlass mit uns zu feiern.

Die Höhenfeuer stehen dieses Jahr im Zeichen des Klimawandels. Erwärmung und Trockenheit machen sich in den Alpenräumen überdurchschnittlich stark bemerkbar, zu einem beträchtlichen Teil verursacht durch die Emissionen aus dem wachsenden Transit- und Tourismusverkehr. Wir stehen vor grossen Herausforderungen: Wie soll sich der Tourismus in den Alpen entwickeln? Wie kann in der Landwirtschaft mit den klimatischen Verhältnissen umgegangen werden? Wir wollen aber nicht schwarz malen, sondern mit den Höhenfeuern Mut machen, sich für eine nachhaltige Entwicklung zu engagieren.

Feuer und Wanderung

Diesen Sommer feiert «Feuer in den Alpen» sein 30-jähriges Jubiläum - ein Grund mehr für einen gemeinsamen Anlass. Mountain Wilderness Schweiz organisiert zusammen mit der Alpen-Initiative und CIPRA Schweiz am Samstag 11. August ein Höhenfeuer im Pizol-Gebiet. Ausserdem bieten wir am Sonntag 12. August zwei begleitete Wanderungen an.

Details:

Wann11. August ab 17 Uhr Höhenfeuer, 12. August begleitete Wanderungen
Wo: Pizolgebiet, auf Pradiel
Anreise: SBB bis Bad Ragaz -  Postauto bis Bad Ragaz, Pizolbahn - Gondelbahn bis Bergstation Pradiel
Preise: Abendessen (vegetarisch) CHF 40.-, Übernachtung im Berggasthaus Pizol (Touristenlager) CHF 33.-
Detaillierter Ablauf: www.alpeninitiative.ch

Weiterführende Links:

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news-610 Mon, 23 Jul 2018 14:14:56 +0200 Sommertrend Helibiking wird umgesetzt /aktuell/detail/sommertrend-helibiking-wird-umgesetzt/ Die Bequemlichkeit erreicht einen neuen – lauten – Höhepunkt: um unberührte Gebiete zu geniessen, können Bike-Touristen nun mit dem Heli an den Ausgangspunkt der Touren gelangen. Ein solcher Luxus ist sinnlos und nicht tragbar. Mit dem Helibiking existiert in der Schweiz ein neues touristisches Angebot, das die eigene Muskelkraft und Erfahrung am Berg in den Hintergrund stellt. In den vergangenen Wochen hat die Air Zermatt schon vier Mal faule Biker auf über 3000 m.ü.M. liegende Ausgangspunkte transportiert, wie die NZZ am Sonntag berichtete (vgl. weiterführende Links). Mountain Wilderness Schweiz kritisiert diese Angebote aufs Schärfste, denn sie folgen dem Trend von «immer höher in immer kürzerer Zeit» ohne Rücksicht auf Konsequenzen.

Zunehmende Störungen in unberührten Gebieten

Die Air Zermatt fliegt die Heli-Bike Touristen auf die Gebirgslandeplätze Unterrothorn (3103 m.ü.M.), Aeschhorn (3550 m.ü.M.) und Alphubeljoch (3840 m.ü.M). Das Unterrothorn ist auch mit der Seilbahn Sunegga – Blauherd erreichbar. Diese Option ist mit einem deutlich geringeren ökologischen Fussabdruck verbunden und erzeugt weit weniger Lärm. Die Helikopter-An- und Abflüge sind einerseits störend für Touristen, die sich auf dem beliebten Ausflugziel mit Blick auf das Matterhorn erholen. Andererseits sind sie schwer vereinbar mit den Schutzzielen des BLN-Gebiets «Dent Blanche, Matterhorn, Monte Rosa», das gleich neben dem Gebirgslandeplatz beginnt. Die Gebirgslandeplätze Aeschhorn und Alphubeljoch liegen auf vergletschertem Gebiet ohne direkten Anschluss ans Wegnetz. Mountain Wilderness Schweiz klärt aktuell ab, ob das Fahren mit Mountainbikes auf Gletschern in Konflikt mit bestehenden Gesetzen steht. Fest steht, dass das Bike kein geeignetes Gerät für Gletscher ist. Nicht sicher ist, ob überhaupt auf dem Gebirgslandeplatz Aeschhorn auf dem Rothorngletscher gelandet wird. Die Teaser-Fotos der Website von Zermatt Tourismus wurden auf dem über 2 km entfernten Mettelhorn aufgenommen. 

Sind Helibiking und umweltfreundlicher Tourismus vereinbar?

Auch in der Samstagsrundschau vom 14. Juli wurde das Thema Helibiking aufgegriffen. Im Interview mit dem neuen Direktor von Schweiz Tourismus, Martin Nydegger, kam die Unverträglichkeit des Angebots mit der Nachhaltigkeits-Charta des Schweizer Tourismus zur Sprache. Die Unterzeichnenden verpflichten sich zu einem «ausgewogenen Einklang von Umwelt und Wirtschaft» . Nydegger hat das Helibiking als Nischenangebot heruntergespielt und darauf verwiesen, dass Schweiz Tourismus mit dem Slogan «Die Natur will dich zurück» sehr viel für die Umwelt bewirke. Mountain Wilderness Schweiz findet diese Argumente unzulässig, da der Lärm des Helikopter-Tourismus eindeutig auf Kosten der Umwelt erfolgt.

Weiterführende Links:

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news-606 Wed, 04 Jul 2018 15:34:30 +0200 Workshop Wildnis-Strategie: Wie erreichen wir mehr Wildnis in der Schweiz? /aktuell/detail/workshop-wildnis-strategie-wie-erreichen-wir-mehr-wildnis-in-der-schweiz/ Wir wollen unsere Vision von mehr Wildnis langfristig und nachhaltig angehen. In einem Workshop am 26. Juni in Bern haben wir mit Fachpersonen aus den Bereichen Natur- und Landschaftsschutz, Alpenschutz, Raumplanung und Schutzgebietsverwaltung die ersten Bausteine der Wildnis-Strategie erarbeitet. Die Erwartungen an die Teilnehmenden war gross: Wie können wir die Vision von mehr grossflächiger, von Infrastruktur nicht erschlossener Wildnis und Gebirgsräumen, in welchen Menschen die Natur frei erleben können, konkretisieren? Die Wildnis-Diskussion wurde mit einem Input zum Stand der Kampagne Wildnis Schweiz eröffnet. Danach waren die Teilnehmenden kreativ gefordert: Eine Dystopie sollte erstellt werden – also die schlimmstmögliche Entwicklung bezüglich Wildnis. Die Bilder zeigten Problematiken wie die Möblierung der Berge, die Bedrohung durch Privatisierung und Trendsportarten oder negative emotionale Auswirkungen der räumlichen Trennung in Stadt und Wildnis. Bei der nächsten Aufgabe, der Darstellung einer Utopie, waren die Bilder weniger klar. Dies zeigte sich auch bei der anschliessenden Aufgabe, innerhalb kurzer Zeit Ziele für Wildnis zu definieren. Die Ziele wurden nach der Mittagspause verfeinert; Adressaten wurden hinzugefügt sowie Massnahmen und Hürden definiert. Die daraus entstandenen, teils angeregt diskutierten Vorschläge werden nun von Mountain Wilderness Schweiz zusammengestellt. Den Entwurf der Wildnis-Strategie stellen wir an der Wildnis-Tagung vom 30. Oktober beim Wildnispark Zürich Sihlwald (Langnau am Albis) zur weiteren Debatte.

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news-604 Mon, 11 Jun 2018 16:30:00 +0200 Nach Locarnese-Nein: Neue Ideen für die Wildnis gefordert /aktuell/detail/nach-locarnese-nein-neue-ideen-fuer-die-wildnis-gefordert/ Grosse Chance für Wildnis und Regionalentwicklung verpasst: Sechs von acht betroffenen Gemeinden haben am 10. Juni 2018 den Parco Nazionale del Locarnese abgelehnt. Mit dem Nein im Tessin stirbt das letzte Projekt auf der Suche nach einem zweiten Nationalpark in der Schweiz. Die Enttäuschung nach jahrelanger Vorbereitung sitzt tief. Ein zweiter Nationalpark hat in der Schweiz derzeit kaum eine Chance: Nur zwei von acht betroffenen Gemeinden haben sich diesen Sonntag, 10. Juni 2018, für das Nationalparkprojekt Parco Nazionale del Locarnese ausgesprochen. Die Mehrheit der Abstimmenden der Gemeinden Ascona und Bosco Gurin haben für den Nationalpark Locarnese gestimmt. Die Gemeinden Brissago, Centovalli, Losone, Onsernone, Ronco sopra Asconar und Terre di Pedemonte lehnten den Nationalpark ab. Der Parco del Locarnese hätte sich nordwestlich von Locarno über 218 Quadratkilometer erstreckt. Von den Brissago-Inseln auf 193 Metern bis auf das 2864 Meter hohe Wandfluhhorn. Insbesondere enttäuschend ist die Ablehnung in den wenig besiedelten Tälern Onsernone und Centovalli. Sie hätten die grössten Flächen des Parco del Locarnese ausgemacht. 

Kernzone besonders umstritten

Besonders umstritten bei Nationalparks ist die sogenannte Kernzone. In ihr herrscht das Ziel der freien Naturentwicklung. Jagd und Fischerei wären zum Beispiel im neuen Nationalpark stark eingeschränkt gewesen. Der Parco del Locarnese wäre ein Nationalpark neuer Ordnung gewesen. Die Pärkeverordnung des Bundes ermöglicht die Schaffung dieser Nationalparks, die aus einer streng geschützten Kernzone und einer Umgebungszone bestehen. Die Umgebungszone hat eine nachhaltige Regionalentwicklung zum Ziel. Bereits Ende November 2016 hatte sich eine Mehrheit von Tessiner und Bündner Gemeinden gegen das Nationalparkprojekt Parc Adula ausgesprochen. Mit dem Parco del Locarnese wurde das letzte Projekt der Pro Natura Kampagne «Gründen wir einen neuen Nationalpark» aus dem Jahr 2000 abgelehnt. Bis jetzt hat die Schweiz mit dem Schweizerischen Nationalpark im Engadin nur einen Nationalpark.

Engagement für Wildnis

Mountain Wilderness Schweiz wird sich weiter dafür einsetzen, dass es in der Schweiz Gebiete gibt, in denen die Natur sich frei entwickeln darf. Diese Wildnis bedeutet ethische Gerechtigkeit, bietet Tieren und Pflanzen Lebensraum und der Wissenschaft wichtige Versuchsflächen. Wildnis ermöglicht uns zudem Raum für persönliche Erfahrungen – denn Wildnis bedeutet für uns nicht unberührte, sondern respektierte Natur. Die Ablehnung der Projekte Adula und Locarnese zeigt, dass Nationalpärke in der Schweiz einen schweren Stand haben. Mountain Wilderness Schweiz wird zusammen mit betroffenen Gruppen wie lokaler Bevölkerung, Raumplanung und Nutzergruppen wie Jagd oder Bergsport nach anderen Lösungen suchen, um Wildnis in der Schweiz langfristig zu sichern. 

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news-603 Sun, 10 Jun 2018 16:23:00 +0200 Kandidatur Sion 2026 – Flamme gelöscht /aktuell/detail/kandidatur-sion-2026-flamme-geloescht/ Das Wallis ist nicht bereit, sich auf das olympische Spiel mit dem Feuer einzulassen. Mountain Wilderness Schweiz freut sich über diesen Abstimmungsentscheid. Wir sind überzeugt, dass die Olympia-Millionen weitaus wirkungsvoller für die nachhaltige Entwicklung der Bergregionen eingesetzt werden können.

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news-614 Mon, 21 May 2018 00:00:00 +0200 Olympische Spiele: Auslaufmodell oder Nachhaltigkeitsvorbild? /aktuell/detail/olympische-spiele-auslaufmodell-oder-nachhaltigkeitsvorbild/ Die Abstimmung am 10. Juni wird’s zeigen: Olympia Ja oder Nein? Der Kanton Wallis entscheidet, ob für die Olympischen Winterspiele «Sion 2026» ein Kredit von 100 Millionen gesprochen wird. Das Internationale Olympische Komitee IOC wirbt mit dem Modewort «Nachhaltigkeit» und spricht von «Langfristigkeit». Das wirft viele Fragen auf:

Kann ein Grossanlass «nachhaltig» sein? Wie stark ist die Kandidatur «Sion 2026» in Sachen Nachhaltigkeit? Müssen die Spiele für die Region gewinnbringend sein? Wer gewinnt, wer verliert?

Mountain Wilderness Schweiz setzt sich ein für olympiafreie Alpen und gegen «Sion 2026». Wir sehen das Thema aber nicht nur schwarzweiss und bieten deshalb eine Plattform für Diskussion.
Kommt vorbei, hört zu und diskutiert mit! Zusammen mit Stefan Grass (Leiter des Komitees Olympiakritisches Graubünden) und Frank Hofer (ehem. Verantwortlicher Nachhaltigkeit «Sion 2026») widmen wir uns der Olympiakandidatur der Schweiz – vier Tage vor der Abstimmung im Wallis.

Wann: 6. Juni 2018
Zeit: ab 17h30 Essen (ca. 20 CHF), ab 19h30 Diskussion
Wo: Heitere Fahne, Wabern bei Bern
Eintritt: frei

_Veranstaltung auf Facebook

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news-601 Thu, 17 May 2018 17:06:00 +0200 The New Wild: Wildnis-Film begeistert auch in Zürich /aktuell/detail/the-new-wild-wildnis-film-begeistert-auch-in-zuerich/ Mountain Wilderness Schweiz und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz konnten am 17. Mai rund 100 Gäste zur Vorführung des Films «The New Wild» im Volkshaus in Zürich begrüssen. Der Dokumentarfilm beleuchtet mit Mitteln der Filmkunst die Entvölkerung der Alpen und die damit einhergehende Rückkehr der Natur. Dies war auch Thema der anschliessenden Diskussion mit Regisseur Christopher Thomson. Der Film «The New Wild» wurde das zweite Mal in der Schweiz präsentiert, dieses Mal auch im Beisein von Regisseur Christopher Thomson. Der gut einstündige Film behandelt mit Mitteln der Filmkunst Abwanderung und Verwilderung im italienischen Friaul. Mountain Wilderness und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz möchten damit die Diskussion über Chancen und Perspektiven von Wildnis in der Schweiz anregen.

Mehr Kunstprojekt denn Dokumentarfilm

Regisseur Christopher Thomson zeigt im Film in ruhigen Bildern, von melodramatischer Stimme unterlegt, wie ganze Täler im italienischen Friaul verwildern: Der Wald verleibt sich ehemalige Weiden ein, Äpfel fallen ungepflückt zu Boden. Der Film zeigt aber auch, wie Mensch und Natur Freiräume für neue Entwicklungen in diesen Gebieten finden. Mit seiner ruhigen, teils pathetischen Art hat «The New Wild» auch in Zürich zu einer anregenden Diskussion im Anschluss geführt. Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Sebastian Moos von Mountain Wilderness Schweiz und Regisseur Christopher Thomson diskutierten mit dem Publikum Fragen zum Film und zu Wildnis allgemein. Die drei fanden sich in der Diskussion, obwohl sie auf dem Papier unterschiedlicher nicht hätten sein können: Hier der Regisseur, der von London vor längerer Zeit ins Friaul gezogen ist, da der gestandene Landschaftsschützer, der auch aus städtischer Perspektive auf die wilde Bergnatur blickt und der junge Kampagnenleiter von Wildnis Schweiz. «Wildnis betrifft und bewegt uns alle irgendwo», bilanziert Sebastian Moos nach der Veranstaltung.

Wildnis Schweiz

Die Filmvorführung ist auch in Zürich auf eine sehr gute Resonanz gestossen und ist Zeichen der guten Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz und Mountain Wilderness Schweiz. Die beiden Umweltorganisationen verbindet das Engagement für unverbaute, wilde Landschaften. Die grosse Besucherzahl und die positiven Rückmeldungen ermutigen, die Zusammenarbeit weiter zu stärken und die Kampagne Wildnis Schweiz weiter auszubauen.

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news-615 Mon, 07 May 2018 11:39:00 +0200 Zu Fuss von Wien nach Nizza /aktuell/detail/zu-fuss-von-wien-nach-nizza/ Einsichten und Aussichten eines whatsalp-Wanderers: Vortrag von Dominik Siegrist. Wie verändert sich das Bild der Alpen im Laufe der Jahrzehnte? Wie wird mit Herausforderungen umgegangen?

Zweimal durchquerte eine Gruppe Alpenfachleute zu Fuss den gesamten Alpenbogen, von Wien bis Nizza: 1992 unter dem Namen TransALPedes, 2017 als whatsalp. Dominik Siegrist berichtet von seinen Beobachtungenauf den 1‘800 km zu den Themen Siedlungsentwicklung, Skitourismus, Verkehr, Energiewende, Klimaerwärmung.

Wann: 13. Juni, 18h15
Wo: Alpines Museum der Schweiz, Hodlersaal
Eintritt: frei, Apéro im Anschluss

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