Mountain Wilderness Schweiz https://mountainwilderness.ch MoMountain Wilderness Schweiz ist eine Alpenschutzorganisation. Wir engagieren uns für die Wildnis und einen umweltverträglichen Bergsport. de-DE TYPO3 News Tue, 14 Jul 2020 09:37:30 +0200 Tue, 14 Jul 2020 09:37:30 +0200 TYPO3 EXT:news news-698 Thu, 09 Jul 2020 17:40:21 +0200 How to #keepwild /aktuell/detail/how-to-keepwild/ Berge geniessen ohne Spuren zu hinterlassen – das ist möglich. In einer 6-teiligen Video-Serie zeigen wir, was es braucht für ein Miteinander von Mensch, Tier und Umwelt. Ein respektvoller und umweltverträglicher Aufenthalt in den Bergen beginnt bei der Anreise, geht über das Eintauchen in die regionalen Eigenheiten bis hin zur Ausübung der Sportarten mit Rücksicht auf die Natur. In der Video-Serie How to #keepwild geben wir je vier simple aber wirkungsvolle Tipps zu den Themen: Anreise, Umgang mit Fäkalien, nachhaltiges Hüttenerlebnis, Schutzgebiete & Wildtiere, Abfall und Bergsportausrüstung.

Episoden  
#1    Nachhaltige Anreise. Vier Tipps zu umweltverträglichem Freizeitverkehr.
#2 Umgang mit Fäkalien. Vier Tipps für das Geschäft in freier Natur.
#3   Nachhaltiges Hüttenerlebnis. Vier Tipps, für die Wahl der Unterkunft.
#4  Schutzgebiete & Wildtiere. Vier Tipps, um Störungen von Wildtieren zu minimieren.
#5 Abfall in der Natur. Vier Tipps für saubere Berge.
#6   Bergsportausrüstung. Vier Tipps, die Anschaffung nachhaltiger zu gestalten.

 

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news-696 Thu, 25 Jun 2020 13:22:57 +0200 Mensch Fels Falke: Rücksichtsvoll klettern /aktuell/detail/mensch-fels-falke-ruecksichtsvoll-klettern/ Ob überhängend, zerklüftet, rau oder glatt: Kletterbegeisterte lockt es wieder an den Fels. Dieser ist Kletterparadies und einzigartiges Biotop zu gleich. «Mensch Fels Falke» zeigt auf, wie Klettern und Naturschutz koexistieren können. Die Broschüre ist neu auch auf Französisch erhältlich. Draussen klettern ist für viele etwas vom Schönsten überhaupt. Indem wir uns mit Verstand und Respekt in der Natur bewegen tragen wir viel dazu bei, diese wunderschönen Natursporterlebnisse auch in Zukunft noch geniessen zu können.

Felsen sind wichtige Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere. Besonders in tieferen Lagen wie dem Jura oder teilweise auch den Voralpen sind sie aufgrund ihrer Unzugänglichkeit während langer Zeit vom Menschen weitgehend unberührt geblieben. Gewisse Arten haben sich ganz auf diese spezielle Umgebung eingestellt und kommen daher nur dort vor. Ein Feuer unter einem Überhang kann eine ganze Fledermauskolonie vernichten. Wenn beim Putzen Mauerpfeffer ausgerissen wird, verliert der stark gefährdete Apollofalter seine Lebensgrundlage. Es braucht ein Bewusstsein für den vielschichtigen Lebensraum, den man mit Gstältli und Finken erklimmt.

Mensch Fels Falke

Die Broschüre «Mensch Fels Falke» richtet sich primär an Ausbildende. Sie vermittelt Wissen rund um den Lebensraum Fels und liefert Informationen zu Schutzgebieten und zur rechtlichen Situation rund um den Klettersport. Ausserdem zeigt sie auf, wie Kursteilnehmende auf spielerische Weise für das Thema sensibilisiert werden können. Die Broschüre wurde herausgegeben von Mountain Wilderness Schweiz, dem Schweizer Alpen-Club SAC, der IG Klettern Basel Jura und Kletterwelt. Sie kann hier bestellt werden. Neu ist sie auch auf Französisch erhältlich.

Eine Kurzform für Kletternde mit Informationen zum Lebensraum Fels und den wichtigsten Verhaltensregeln steht gratis als Leporello zur Verfügung.

Selbstverantwortung statt Verbote

Folgende Massnahmen können dazu beitragen, Kletterverbote hinfällig zu machen und behördliches Eingreifen zu minimieren:

  • Routen mit Umlenkungen versehen, um die Felskopf-Flora zu schonen.
  • Bei bestehenden Klettergebieten Zustieg durch Wegbau und-unterhalt kanalisieren (wird oft durch SAC-Sektionen und Klettervereine gemacht).
  • Kletternde für Verhaltensregeln sensibilisieren.
  • Mit Anwohnenden und Grundbesitzenden sprechen und gemeinsam Lösungen erarbeiten, vor allem bei Neuerschliessungen.
  • Routen, in welchen Vogelbruten festgestellt werden, selektiv und saisonal für den Klettersport sperren (z. B. in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach). 
  • Auf die Erschliessung von Felsen verzichten, wenn sie für den Klettersport weniger interessant oder aus naturschutzfachlicher Sicht bedeutsam sind.
  • Nur putzen, was wirklich nötig ist. Das Ausreissen geschützter oder gefährdeter Pflanzen ist tabu!

Weiterführende Links:

Projektseite «Mensch Fels Falke»
Position «Umweltverträgliches Klettern»

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Bergsport
news-694 Tue, 09 Jun 2020 15:38:08 +0200 In memoriam Bernhard Batschelet (1951 – 2020) /aktuell/detail/in-memoriam-bernhard-batschelet-1951-2020/ Traurig nehmen wir den überraschenden Tod von Bernhard Batschelet zur Kenntnis. Er prägte Mountain Wilderness Schweiz in den Anfangsjahren in vielerlei Hinsicht. Mit seiner Beharrlichkeit, seinem unaufhörlichen Engagement, seiner immensen Lust scheinbar Festgerücktes verändern zu wollen, setzte er sich wegweisend für die Bergwildnis im In- und Ausland ein. Traurig nehmen wir den überraschenden Tod von Bernhard Batschelet zur Kenntnis. Er prägte Mountain Wilderness Schweiz in den Anfangsjahren in vielerlei Hinsicht. Mit seiner Beharrlichkeit, seinem unaufhörlichen Engagement, seiner immensen Lust scheinbar Festgerücktes verändern zu wollen, setzte er sich wegweisend für die Bergwildnis im In- und Ausland ein.

Ausdauernd sowohl in den Bergen wie auch mit seinen Ideen und Plänen 

Wenn Bernhard etwas tat, dann voller Enthusiasmus, Ideenreichtum und Konsequenz. Auch für die Berge. Als einer der ersten SAC-Umweltbeauftragten engagierte er sich in der Sektion Basel für Umweltschutz und unverfälschte Berge. Doch das reichte ihm nicht. Er wollte eine Alternative zum SAC. Darum verwundert es nicht, dass er sich mit der aufkommenden alternativen Bergsteigerszene verband und am 16. Januar 1994 nach Brig reiste, um bei der Gründung von Mountain Wilderness Schweiz dabei zu sein. Er war anschliessend als Vorstandsmitglied tätig und übernahm 1996 das Präsidium, ein Amt das er bis ins Jahr 2004 inne hatte.

Bernhard, der aus dem Basler Daig stammte, hatte viele Gesichter. Er war Musiker und Fasnächtler. Bei Mountain Wilderness aber war er Umweltaktivist. Einmal setzte er sich im Rahmen der Kampagne «Stopp dem Schrott» mit Demonstrationen dafür ein, dass das Militär die Berge von Munitionsrückständen säuberte. Dann wieder überzeugte er seine Kontakte in Basel von unseren Projekten, was zu langjährigen Förderpartnerschaften führte. Und er war der Kollege und Freund, mit dem man gerne einen langen Abend verbrachte. Die Diskussionen waren spannend, anregend und angeregt, immer auch gewürzt mit einer Prise bissig-herbem Basler Witz.

Immer sah er sich als Vordenker. Bei Mountain Wilderness war er es für eine intakte Bergwildnis und einen respektvollen Bergsport. Umweltverträgliche An- und Abreise, ökologisch betriebene Berghütten, alpine Architektur waren nur einige seiner Themen. Er liebte es, seine Ideen mit Feuer und Überzeugung zu diskutieren, immer und überall. Am liebsten direkt vor Ort und in den Bergen, etwa auf der Bec de Bosson-Hütte im Val d’Hérens, als der Neubau geplant wurde, oder bei der Verleihung des Prix Wilderness auf der Cabane d’Arpittetaz. Oft eckten seine Ideen an, bevor sie zum Allgemeingut wurden. Ein Beispiel ist die temporäre Sperrung von Klettergebieten im Basler Jura, damit gefährdete Vogelarten in Ruhe brüten können.

Die höchsten Berge

Und dann war da auch der Mont-Blanc, der Bernhard faszinierte und nicht losliess. Bernhard brachte Mountain Wilderness Schweiz und die Basler Bergsteigerszene dazu, sich dem Schutz des Mont-Blanc zu widmen. Aufbauend auf die Arbeiten von Mountain Wilderness International entwarf er eine Kampagne für den höchsten Berg der Alpen, dem Symbol für den Alpinismus schlechthin. Auch das war Bernhard. Er scheute nicht vor grossen Aufgaben zurück. Im Gegenteil, sie schienen ihn zu beflügeln.

So kam es, dass er 1996 und 1998 bei mehrtägigen internationalen Touren mit mehreren Dutzend Teilnehmenden rund um den Mont-Blanc aktiv mitwirkte und dabei die damaligen Nationalrätinnen Pia Holenstein und Rudolf Strahm auf den Gipfel des Mont-Blanc führte. Und es war nur logisch, dass er nach Ende des Projekts «Modellregion Göschenen», das in den 1990-er Jahren durch Mountain Wilderness initialisiert worden war, einen ähnlichen Plan für die Schweizer Seite des Mont-Blanc mitgestaltete, den er mit je einer Erkundungswoche 2002 in La Fouly und im Jahr darauf in Les Marécottes startete.

Sehr am Herzen lag ihm auch das Wohl der Dachorganisation Mountain Wilderness International. Obwohl mehr Künstler als Manager, versuchte er beharrlich und über Jahre effiziente, klare Strukturen zu schaffen. Zu seinen weiteren Herzensangelegenheiten auf der internationalen Ebene gehörte auch sein Engagement für den Kaukasus in Georgien. Zusammen mit Mountain Wilderness Deutschland legte er dort Grundsteine für einen sanften Tourismus, unter anderem mit einer Aufräumaktion am Kasbek.

Musiker, Gletscherzelter 

Von seiner Musik und seinem Fieber für die Basler Fasnacht bekamen wir von Mountain Wilderness nur wenig mit. Umso schöner war für mich persönlich die Uraufführung seines Oratoriums im brechend vollen Basler Münster, seine spontane Teilnahme an einem Theaterstück für meinen Geburtstag und seine Platten-Geschenke mit jubilierenden Flöte-Orgel Duos von Bach und mit seinen mannigfachen Basler Fasnacht-Innovationen.

Was ihn mit uns allen von Mountain Wilderness aber verband, das waren die Berge. Hatte er Zeit, so zog es ihn bis unter die Gipfel und am liebsten auf die eiskalten Gletscher, wo er mehrere Tage hintereinander biwakierte.

Die letzten Jahre lebte Bernhard auf Bali, Nähe Ubud, mitten in den Reisfeldern in einem selber entworfenen und gebauten Gehöft. «Die Welt scheint lokal und global ein bisschen aus den Angeln geworfen zu sein. Umso mehr müssen wir unser engeres persönliches Umfeld mit Fantasie und Ernsthaftigkeit stärken, denke ich. Gelassen sein ist schwierig», schrieb er vor gut einem Jahr und unterzeichnete mit Bali-Bernhard. Im Februar 2020 kam er wie immer für die Fasnacht nach Basel zurück. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte sie dieses Jahr nicht stattfinden und Bernhard war es nicht möglich, auf sein Bali zurückzukehren. Am 19. Mai 2020 ist Bernhards Herz stillgestanden und er ist in seiner Basler Wohnung von dieser Welt gegangen.

Barbara Ehringhaus, Präsidentin ProMONT-BLANC und ehemaliges Vorstandsmitglied Mountain Wilderness Schweiz

Im Juni 2020

 

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news-692 Thu, 04 Jun 2020 16:15:36 +0200 1. August 2020: Exkursion auf die Alpe Devero /aktuell/detail/1-august-2020-exkursion-auf-die-alpe-devero/ Die alpine Landschaft der Alpe Devero ist von einem touristischen Grossprojekt namens «Avvicinare le Montagne» (Die Berge näherbringen) bedroht. Zusammen mit WeitWandern und Mountain Wilderness Italien geniessen wir die Ruhe fern vom 1. Augustfeuerwerk und erläutern das Projekt. Die Gründung des Naturparks Alpe Veglia und Alpe Devero hat die spekulativen Ziele von Investoren lange Zeit eingedämmt und es ermöglicht, ein Gebiet zu erhalten, das in den gesamten Alpen durch seine Einzigartigkeit und seinen Erhaltungszustand hervorsticht. Jetzt ist die alpine Landschaft der Alpe Devero von einem touristischen Grossprojekt namens «Avvicinare le Montagne» (Die Berge näherbringen) bedroht. Eine Unternehmergruppe will am Rande des Naturparks das Skigebiet in Richtung Monte Teggiolo erweitern und mit dem Tourismusortes San Domenico verbinden, wovon das wilde Val Bondolero und besonderes Schutzgebiet betroffen sind.

Zusammen mit WeitWandern und Mountain Wilderness Italien geniessen wir die Ruhe fern vom 1. Augustfeuerwerk und erläutern das Projekt. 

Vorläufiges Programm und Anmeldung

6:30 / 7:34 Zürich / Bern ab
9:12 Domodossola (I) an
9:20 Domodossola ab
9:56   Baceno an
10:00 Baceno ab mit lokalem Prontobus 
10:30     Devero an 

Rundwanderung 4–5h Monte Cazzola.
Nicola Pech von Mountain Wilderness Italien erklärt Projekt.

Unkostenbeitrag: Mountain Wilderness Mitglieder CHF 30.—, Nichtmitglieder CHF 50.— (wird vor Ort eingezogen). Fragen und Anmeldung für die Exkursion nimmt Maren Kern gerne per Mail entgegen.

Der Naturpark Devero Veglia kann schon ab dem 30.7. mit WeitWandern erkundet werden.

Weiterführende Links

Mountain Wilderness Italien: Informationen zum Projekt und zur Petition
Ganze 4-Tagestour mit WeitWandern: Landschaftspark Binntal und Parco Naturale Alpe Devero

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Alpenschutz
news-690 Thu, 28 May 2020 11:42:07 +0200 «Wir zeigen, dass es Platz für Wildnis braucht» /aktuell/detail/wir-zeigen-dass-es-platz-fuer-wildnis-braucht/ Gute Neuigkeiten für Wildnis: Pro Natura macht mit der Kampagne «Wildnis – mehr Freiraum für die Natur!» auf die Bedeutung naturnaher Landschaften aufmerksam. Ein Interview mit Pro Natura-Kampagnenleiter Jan Gürke. Gute Neuigkeiten für Wildnis: Ab Sommer macht Pro Natura mit ihrer Kampagne «Wildnis – mehr Freiraum für die Natur!» auf die Bedeutung naturnaher Landschaften aufmerksam. Gemeinsam mit Mountain Wilderness Schweiz wird die Stimme für Wildnis lauter. Ein Interview mit Pro Natura-Kampagnenleiter Jan Gürke.

Mountain Wilderness: Über das Thema Wildnis wird in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Auch bei Pro Natura-Sektionen herrscht zum Teil der Naturschutz, welcher einen gewissen Status konservieren oder bestimmte Arten schützen möchte, vor. Wie schafft ihr diesen Spagat, und wie ist es gelungen, das Thema Wildnis stärker zu positionieren?

Jan Gürke: Wir haben uns im Pro Natura Zentralsekretariat lange und intensiv mit dem Thema Wildnis auseinandergesetzt und schlussendlich die Entscheidungsgremien überzeugt – steter Tropfen höhlt den Stein! Die Zusammensetzung des Pro Natura-Vorstands hat sich in den letzten Jahren geändert, das kann auch die Einstellung gegenüber Wildnis beeinflusst haben. Generell haben verschiedene Strömungen des Naturschutzes schon immer ihren Platz bei Pro Natura; zum Teil natürlich diskussionsbehaftet, vor allem, wenn es um konkrete Flächen geht. Wir wollen nicht das eine gegen das andere ausspielen. Es geht darum zu zeigen, dass es neben konservierendem Naturschutz auch Platz für Wildnis und freie Naturentwicklung braucht, bei der wir nicht genau wissen, was passieren wird. Ich sehe es von daher nicht als Spagat, sondern als Sowohl-als-auch.

Hat die Wildnis-Kampagne der letzten Jahre von Mountain Wilderness das Ganze auch etwas beeinflusst?

Dass Mountain Wilderness dem Thema in der Fachwelt und der Öffentlichkeit wieder mehr Sichtbarkeit verleiht, hat es erleichtert, Wildnis bei Pro Natura als Kampagnenthema zu etablieren. Ich sehe es als grosse Chance, mit vielen verschiedenen Partnern zusammenzuspannen und im Dienste der Sache gute Projekte zu realisieren. Das Engagement von Mountain Wilderness schätze ich sehr!

Du hast selbst bei Mountain Wilderness als Projektleiter gearbeitet. Kannst du mit dieser Kampagne zu deinen Wurzeln zurückkehren?

Einerseits würde ich sagen: Ja, klar! Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit Wildnis und freue mich sehr, dass ich dieses Thema wieder zum Hauptinhalt meiner Arbeit machen kann. Auf der anderen Seite ist «zu den Wurzeln zurückkehren» der falsche Ausdruck. Vielmehr geht es darum, dass ich meine Begeisterung wieder zu meinem Arbeitsschwerpunkt machen kann. Es ist ein Thema, mit dem ich mich aus privatem Interesse die ganze Zeit über befasst habe. Ich bin nach wie vor gerne draussen unterwegs, am liebsten in der Wildnis.

Du hast es angesprochen: Als Natursportler bist du gerne in der Wildnis. Draussen unterwegs zu sein, ist immer eine ambivalente Sache. Wie lassen sich aus deiner Sicht Natursport und Wildnis vereinbaren?

Wildnisschutz ist heute in Mitteleuropa mit Verzicht behaftet; zum einen der Verzicht auf Erschliessungsprojekte, wenn man die grossen Vorhaben betrachtet, zum andern aber auch im Kleinen für jeden Einzelnen mit dem Verzicht auf Aktivitäten zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten. Es ist mir sehr wichtig, dass wir dies auch im Rahmen unserer Kampagne kommunizieren. Freizeitaktivitäten können ihr eigenes Kapital – nämlich Natur und Landschaft – bedrohen. Wir vermögen da sehr gut eine Vorreiterrolle zu spielen, indem wir uns informieren und diese Verhaltensregeln auch ernsthaft einhalten. Überall, zu jeder Zeit reinzugehen, führt ganz klar zu Problemen.

Hast du das Gefühl, diese Probleme haben mit dem Trend zu Natursport zugenommen?

Je mehr Leute draussen unterwegs sind, desto grösser ist auch der Druck auf die Natur. Wenn man im Winter den Skitouren- und Freeridesektor anschaut wird klar, dass regelmässig Hänge befahren und Berge bestiegen werden, die früher deutlich ruhiger waren. Das ist nur ein Beispiel, das sich im Sommer mit Wandern und Biken wiederholt, indem Gebiete regelmässig betreten und befahren werden, die vor 20 Jahren selten besucht wurden.

Ihr geht bei eurer Kampagne auch darauf ein?

Wir werden in der Kampagne auch auf Freizeitaktivitäten eingehen und haben eine Fachperson, die sich intensiv mit dem Thema befasst. Mit ihr bin ich sehr eng in Kontakt. Verzicht ist jedoch immer ein schwieriges Thema, gerade was die Kommunikation betrifft. Ich finde es allerdings spannend, mich damit auseinanderzusetzen, damit man nicht als Verhinderer dasteht, sondern für Wildnis begeistern kann. Ich bin überzeugt: Wir schützen etwas nur wirklich mit Herzblut, wenn wir es auch kennen. Wenn man nicht draussen sein und Natur erleben kann ist es unmöglich, voll dahinterzustehen. Diese Magie muss man gespürt haben. Dann ist man auch bereit einmal zurückzustecken, auf der anderen Seite des Berges abzufahren und ein Gebiet bewusst in Ruhe zu lassen. 

Wildruhezonen sind eine solche Thematik. Sie sind oft relativ wild, Bergsportverbände fürchten – teils verständlich – dass die Begehbarkeit eingeschränkt wird.

Freier Zugang und Schutzgebiete sind ein schwieriges Thema, welches man sehr situativ, je nach Gebiet und Saison, aushandeln sollte. Es gibt Gebiete wie den Schweizerischen Nationalpark, wo das Wegegebot aus meiner Sicht so bestehen muss. In einzelnen anderen Gegenden zeigt sich allerdings, dass Perimeter oder Schutzkonzept nicht optimal gewählt sind. Zum Beispiel sollten Wildruheund Jagdbanngebiete einerseits dem Wild einen geeigneten, störungsfreien Einstand bieten und andererseits die Nutzung dort einschränken, wo sie nicht total zentral für die Outdoorsportlerinnen und -sportler ist – dann werden diese Massnahmen in der Regel auch akzeptiert. Es gibt tolle Lösungen, hinter denen ich voll und ganz stehe; ich will nicht, dass die wilde Natur zum Freizeitspielplatz verkommt.

Du hast den Nationalpark angesprochen – ein Wildnisgebiet, dessen Begehbarkeit stark eingeschränkt ist. Ist das eine Vision für Wildnis in der Schweiz oder wie stellst du sie dir vor?

Generell sehe ich Wildnis oder wilde Räume überall in der Schweiz. Zum einen da, wo wir noch ursprüngliche Natur haben, in den Bergen. Diese müssen wir erhalten! Das sind die Bijous, die wir nicht opfern dürfen. Zum andern braucht es auch mehr Wildnis in den Voralpen, im Jura und im Mittelland. Diese Gebiete sind kleiner und ausserdem stärker vom Menschen beeinflusst. Sie sind eher Potenzialgebiete für Wildnis, wenn man sie überhaupt so nennen kann. Vielleicht bezeichnen wir sie besser als wilde Räume oder Gebiete mit freier Naturentwicklung. Zudem braucht es Miniaturwildnis als Anschauungsbeispiel, z.B. den Garten als Lernort, damit wir im direkten Lebensumfeld erfahren können, was passiert, wenn man die Natur in Ruhe lässt.

Brauchen wir weitere Nationalpärke?

Aus meiner Sicht hat es in der Schweiz Platz für weitere Nationalpärke. Ich finde es sehr schade, dass die beiden Projekte «Locarnese» und «Adula» nicht zustande gekommen sind. Ich hatte bei beiden das Gefühl, dass die Einschränkungen für den Menschen – sei es für die Lokalbevölkerung wie auch für Erholungssuchende aus den Städten – absolut vertretbar wären. Wir hätten für die Natur einen Gewinn im Sinne eines dauerhaften Schutzes sowie eine wirtschaftliche Chance für die Regionen gehabt. Meines Erachtens hat es noch genug Platz für Natursport im Raum zwischen erschlossenem Gebiet und Schutzgebiet. Ich akzeptiere in diesem Sinne, dass es in den Alpen auch erschlossene Gebiete mit Bahnen gibt. Meine persönliche Meinung ist, dass es in einer bereits erschlossenen Geländekammer auch zusätzliche Biketrails und Ähnliches geben darf – dann opfert man diese Geländekammer für den Tourismus. Das ist auch ein Bedürfnis der Gesellschaft. Die Geländekammer hinter dem nächsten Grat muss dafür wild sein. Sie kann unerschlossen und trotzdem frei begehbar sein. Und wieder hinter dem nächsten Grat kann ein Nationalpark liegen, wo ich nicht überall durchgehen darf.

Was waren für dich wichtige Themen, die unbedingt in die Kampagne rein mussten?

Wildnis ist kein rein naturwissenschaftliches Gebilde, sie schliesst den Menschen mit ein. Für mich müssen beide Aspekte in der Kampagne vertreten sein. Wir müssen Wildnis in den Köpfen der Menschen verankern und diese Begeisterung rüberbringen. «Von Bedrohung zu Faszination» würde ich es zusammenfassen. Ein zweiter Fokus ist ganz klar, mehr Flächen für dynamische Naturentwicklung in der Schweiz bereitzustellen, wo der Mensch nicht ständig darin herumfuhrwerkt, sondern die Finger davonlässt.

Hast du das Gefühl, dass ihr das schafft?

Wir allein können das nicht, aber vielleicht schaffen wir es zusammen mit Mountain Wilderness und einigen anderen Partnern. Wir werden auch nicht alle Visionen innerhalb von drei Jahren umsetzen können. Mein Ziel ist, dass wir im Laufe der drei Kampagnenjahre dem Thema Wildnis mehr Schub geben können. Die Pro Natura-Kampagne ist ein Baustein in dieser gesamten Entwicklung.

Zum Schluss noch die schwierigste Frage: Was ist eigentlich für dich Wildnis?

Für mich hat Wildnis sehr viel mit persönlichem Erlebnis draussen in der Natur zu tun. Es geht um Grenzerfahrungen; in Situationen, in denen ich das Gefühl habe, auf mich gestellt zu sein. Das muss nicht 1000 Kilometer von der nächsten Strasse weg sein. Meine Wildnis ist sehr abhängig von «ungezähmter» Umgebung, Saison und Wetter. Sie hat immer mit einer gewissen Abgeschiedenheit von der Zivilisation zu tun – was aber auch bei Sauwetter und Nebel, irgendwo in einem «Chrachen» in den Voralpen, stattfinden kann. Letztlich ist Wildnis für mich ein Gefühl – im Kopf und im Bauch.

Weiterführende Links

Wildnis-Studie von Mountain Wilderness Schweiz und der Eidg. Forschungsanstalt WSL
Pro Natura Kampagne «Wildnis – mehr Freiraum für die Natur!»

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Wildnis
news-688 Thu, 14 May 2020 16:43:00 +0200 Alpenvereine werden konsequent im Klimaschutz /aktuell/detail/alpenvereine-werden-konsequent-im-klimaschutz/ Alle reden über Klimaschutz. Im Vergleich zur Politik, tut sich auf der institutionellen Ebene des Bergsports in letzter Zeit so einiges, vor allem wenn man den Blick auf den grossen Kanton wirft. Aber auch der SAC hat bezüglich Klimaschutz ein vorläufiges Lob verdient. Bergsport- und Umweltschutz stehen sich oftmals entgegen, das ist ein alter Hut. Schon zu Zeiten des «Blüemli-Naturschutzes» war das so, denn welche Leute waren es nochmal, die begeistert Edelweiss um Edelweiss pflückten? Als Mountain Wilderness sind wir dennoch der Meinung, dass Bergsporttreibende (um es mal wieder mit Enzensberger zu sagen) das, was sie suchen, nicht unbedingt zerstören müssen, indem sie es finden. Es kommt auf das «Wie» an, wenn man uns fragt. Bezogen auf die Klimakrise sieht es eher danach aus, als würden wir zerstören, was wir suchen, in dem wir es suchen: mit dem Auto und dem Flugzeug und zu oft für zu kurz. Klimaschutz als relativ neue und dringende Dimension des Umweltschutzes, hielt schon vor Jahren Einzug in den Alpinen Vereinen, allen voran im grössten solchen, dem Deutschen Alpenverein (DAV). Jedoch auch im Schweizer Alpen-Club. Das Engagement umfasste vor allem Projekte zur Senkung des eigenen Fussabdrucks durch Verbesserung von Hütteninfrastruktur, der Schaffung von ÖV-Ergänzungsangeboten und Sensibilisierungsarbeit. Neu ist aber der Nachdruck und die klare politische Positionierung, ja Einmischung, auch wenn diese vielleicht nicht jedem Mitglied schmeckt, das doch lediglich Rabatt auf Hütten und ein günstiges Ausbildungsangebot möchte. 

Klare Linie statt kuschen

Bergsportvereine haben häufig das Problem, in Bezug auf ihre Mitglieder «everybody's darling» sein zu wollen. Das führt zu wenig pointierten Haltungen: Man versucht es allen recht zu machen, um ja niemanden zu vergraulen. Politisch führt das zu übertriebener Zurückhaltung oder Vorsicht. Man denke nur an das Thema Heliskiing und die beinahe Spaltung, die dem Schweizer Alpen-Club vor nicht allzu langer Zeit drohte, weil Walliser Sektionen nicht einer Meinung waren mit dem Rest der Schweiz. Man ging damals zugunsten der Einigkeit so manchen fragwürdigen Kompromiss ein. Natürlich wird es immer Interessenskonflikte geben, auch innerhalb von Interessensgemeinschaften. Nur fragt man sich, wo die Grenze des Diskutablen liegt und wo die Linie klar sein muss. Da wirkt es bei manchen Themen teilweise so, als würde der VCS noch mit seinen Mitgliedern diskutieren, ob nun ÖV oder Individualverkehr zu fördern sei, oder als ob die Vegane Gesellschaft Schweiz die vereinsinterne Diskussion «Gilt Schweinebraten noch als vegan?» eröffnet. Umso schöner ist es, wenn sich ein Alpenverein in Sachen Klimaschutz ohne Rücksicht auf (Mitglieder-)Verluste positioniert. Sollen die letzten unbelehrbaren Klimaskeptiker doch die Vereine verlassen, wenn es ihnen nicht passt.

DAV macht's vor

Der Klimawandel war auf der Hauptversammlung des DAV 2019 Thema Nummer Eins. Keine Selbstverständlichkeit für einen Bergsportverein, vor allem nicht für den grössten und vermutlich diversesten der Welt. Zur Erinnerung: der DAV ist mit mehr als 1,3 Millionen Mitgliedern in 358 Sektionen ein Koloss einer Personenvereinigung. Und trotzdem: auch politische Einmischung ist hier niemandem mehr peinlich. Zum einen wurde eine Resolution verabschiedet, die sich an die Politikerinnen und Politiker in Deutschland wendet und sie zu einer konsequenteren Klimapolitik auffordert. Wörtlich steht da: «Die Zeit des Zauderns ist vorbei, wir müssen handeln. Jetzt!» Zweitens hat der DAV eine Selbstverpflichtung zum Klimaschutz verabschiedet. Darin fordert er konkrete Massnahmen auf Bundes-, Landes- und Sektionenebene, und zwar im Hinblick insbesondere auf seine Infrastruktur und den Mobilitätsbereich. Drittens hat sich der DAV für eine Klimaschutzabgabe entschieden. Ab 2021 soll pro Vollmitglied und Jahr 1 Euro in einen Fonds fliessen, aus dem Klimaschutzprojekte in den Sektionen, Landesverbänden und im Bundesverband finanziert werden. Bei 1,3 Millionen Mitgliedern kommt hier nach Adam Riese einiges zusammen. Das man sich so klar positioniert und (potenziellen) Mitgliedern nicht um jeden Preis hinterherrennt, ist ein schönes Zeichen. 

SAC goes politics – finally!

Auch der SAC geht in eine ähnliche Richtung, wenngleich er noch eher am Anfang steht. Ungewöhnlich und angenehm politisch zeigt sich der Verband durch die Unterstützung der Gletscher-Initiative des Vereins «Klimaschutz Schweiz». Damit wird neben der Komponente «Eigenes Verhalten» auch die des politischen Engagements gestärkt. Passend zum Thema dieser Wildernews-Ausgabe verbuchen wir dies unter «Good News». Denn für tiefgreifende Veränderungen braucht es beide Komponenten. 

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Alpenschutz Bergsport
news-686 Wed, 29 Apr 2020 07:33:06 +0200 Virtuell und trotzdem virtuos: Die GV 2020 /aktuell/detail/virtuell-und-trotzdem-virtuos-die-gv-2020/ Ausserordentliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Methoden: Die Generalversammlung von Mountain Wilderness Schweiz 2020 fand digital statt. Ausserordentliche Situationen erfordern aussergewöhnliche Methoden: Die Generalversammlung von Mountain Wilderness Schweiz fand auf Grund der Corona-Pandemie erstmals digital statt.  Die Premiere ist geglückt: Sowohl die Präsentation der Abstimmungs- und Wahlresultate sowie der anschliessende Vortrag «Into the wild» gingen ohne die gefürchteten technischen Probleme über die Bühne.

Für den reibungslosen Ablauf bedurfte es viel Vorbereitung und Teamarbeit. Während Präsidentin Sina Schneider souverän durch den offiziellen Teil führte, sorgten fleissige Helferinnen und Helfer im Hintergrund dafür, dass die Mitglieder den Weg in den digitalen Konferenzraum fanden und keine Fremde eindrangen. Der ominöse User Galaxy 304 konnte schnell als Vorstandmitglied Matthias-Martin Lübke identifiziert werden.

Stefan Wyss neu im Vorstand

Matthias-Martin Lübke, von allen MML genannt, tritt nach sieben Jahren Vorstandsarbeit zurück. Er bleibt Mountain Wilderness Schweiz als Berater insbesondere zu den Themen Energie und Mobilität erhalten. Als Nachfolger für Matthias-Martin Lübke wurde Stefan Wyss neu in den Vorstand gewählt. Wir freuen uns, mit ihm einen Fachmann für NPO-Management mit einem guten Netzwerk im Schweizer Sport an Bord zu haben.
Die restlichen sechs bisherigen Vorstandmitglieder wurden wiedergewählt und allen Anträgen stattgegeben. Die Wahlen und Abstimmungen haben im Vorfeld stattgefunden, an der Online-Konferenz wurden lediglich die Resultate vorgetragen. Anträge von Mitgliedern, die einer Diskussion und Abstimmung bedürfen, werden an der GV 2021 behandelt. 

Kurz vor 20 Uhr klingelte es ständig an der Tür zum digitalen Sitzungszimmer. Viele neue Gäste kamen für die öffentliche Präsentation «Into the Wild» dazu.

«Es gibt noch Wildnis in der Schweiz, ...

... ikonisch zeigt sie ihren Reiz». Sebastian Moos, unser Projektleiter Wildnis, läutete mit Lyrik und Bildern von Marco Volken den zweiten Teil des Abends ein. Danach übergab er das Wort an seine Partner von der Eidg. Forschungsanstalt WSL. Felix Kienast, Matteo Riva und Robin Burch näherten sich der Frage «Wie wild ist die Schweiz?» kartografisch an. Die neusten Ergebnisse der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen den Forschenden der WSL, Pro Natura und Mountain Wilderness Schweiz knüpfen an die im Jahr 2019 veröffentlichte Wildnis-Studie an. So liegen nun z.B. regionale Analysen der Wildnisqualität auf und Faktoren wie Gebirgslandeplätze, welche die Wildnis beeinträchtigen können, wurden lokalisiert. Eine Modellierung der Entwicklung der Wildnisqualität zeigt, wo in den Alpen seit 1985 eine Extensivierung und wo eine erhöhte Einflussnahme des Menschen erfolgte. Wer die spannende Präsentation verpasst hat, kann sich die Aufzeichnung anschauen.

Wir danken allen, die an der GV teilgenommen und zum Gelingen beigetragen haben und hoffen, 2021 wieder in persona mit euch anstossen zu können.

Weiterführende Links:

Wie wild ist die Schweiz? Aufzeichnung der Präsentation «Into the wild»

Jahresrückblick 2019

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news-684 Tue, 21 Apr 2020 11:48:41 +0200 Die Corona-Krise vom Berg aus betrachtet /aktuell/detail/die-corona-krise-vom-berg-aus-betrachtet/ Mit COVID-19 ist in den Bergen Ruhe eingekehrt. Auch in der Val Müstair, wo wir im letzten Sommer unser Pop-up-Büro aufgeschlagen haben. Yves Schwyzer, Stv. Geschäftsführer der Biosfera Val Müstair, beschreibt, wie er die Situation am südöstlichsten Zipfel der Schweiz erlebt. Heile Welt

Mein Arbeitsweg ist einer der schönsten der Welt. Mit dem Postauto fahre ich jeweils von meinem Wohnort im Unterengadin durch den Schweizerischen Nationalpark und über den Ofenpass ins Val Müstair, wo ich für den Regionalen Naturpark Biosfera Val Müstair arbeite. Momentan ist allerdings auch bei mir Homeoffice angesagt. Mit der aktuellen Situation haben wir uns recht gut arrangiert. Wir sind nicht von Kurzarbeit betroffen und geniessen einen Luxus, von dem viele unserer Freunde in der Stadt nur träumen können: Raum. Nicht nur im Sinn von Platz, sondern auch Aussicht, Garten, Wiesen, Felder und Wälder mit Wanderwegen direkt vor der Haustür. Aber es ist ruhig geworden in den Dörfern. Die Menschen vermissen ihre sozialen Treffpunkte und das kulturelle Leben, welches gerade in den Bergen so wichtig für das Gefühl des Miteinanders ist. Trotzdem geht es uns gut und die Leute im Dorf haben einen unaufgeregten Umgang mit der Situation. Zum Glück zieht sich der Schnee auf immer mehr Wanderwegen langsam zurück und beim Wandern, Biken oder Laufen ist der empfohlene Sicherheitsabstand ohne Probleme einzuhalten. Von überlaufenen Naherholungsgebieten oder zusätzlichem Druck auf die Natur, wie es in den stadtnahen Erholungsgebieten zu sein scheint, kann hier nicht die Rede sein. Zwar sind nach wie vor einzelne Tourengeherinnen und Tourengeher unterwegs, zugeparkte Strassen wie auf den Bildern vom Flüelapass, die kürzlich durch die Medien gingen, sind hier aber nicht zu finden. Die Wildruhezonen dürfen ohnehin bis Ende April nicht begangen werden und wo noch Schnee liegt stellt sich durch die momentanen eher hohen Temperaturen eine natürliche Besucherlenkung ein.

Oder eben doch nicht?

Den abrupten Saisonschluss stecken allerdings nicht alle so einfach weg. Bei vielen geht es ans Eingemachte, auch wenn sie das nicht so offen sagen. Die Region Unterengadin/Val Müstair ist geprägt vom Tourismus und viele Arbeitsstellen hängen auf die eine oder andere Weise vom Tourismus ab. Immerhin war die Wintersaison 2019/20 gut und nach Ostern hätte ohnehin die Zwischensaison begonnen. Trotzdem führt die fehlende Planungssicherheit dazu, dass Saisonstellen nicht oder noch nicht besetzt werden, Buchungen storniert oder für die Region wichtige Anlässe entweder verschoben oder abgesagt werden müssen. 

Wie überall brauchen die Menschen auch hier Arbeit, um weiterhin hier wohnen zu können. Neben dem Tourismus ist das Handwerk, die Verarbeitung von Lebensmitteln miteingeschlossen, ein weiterer wichtiger Pfeiler der lokalen Wirtschaft. Doch weniger Gäste heisst auch weniger Kunden für authentische Produkte aus dem Berggebiet. Auch aus diesem Grund engagieren wir uns beim Naturpark dafür, lokale Kreisläufe und Wertschöpfungsketten bei den Produzentinnen und Produzenten in der Region möglichst zu schliessen. Was früher selbstverständlich war, erweist sich gerade in Krisenzeiten als mögliches und modernes Zukunftsmodell. Das Internet bietet zudem neue Absatzkanäle für Produkte aus dem Berggebiet und für die Direktvermarktung.

Holt euch die Berge geschmacklich nach Hause

Mein Aufruf an alle, die in den Städten bereits mit den Fingern über die Landkarten rutschen, Touren Planen, Topos studieren, trainingshalber die Laufschuhe schnüren und in Gedanken bereits den Rucksack packen: Verschenkt doch online eine Nusstorte, besorgt euch schon mal einen Bio Salsiz und ein Stück naturparkzertifizieren Bergkäse aus oder kocht euch eine herzhafte Gerstensuppe. Holt euch die Berge zumindest geschmacklich schon einmal nachhause und übt euch in genussvoller Solidarität. Ich bin sicher, die Bevölkerung in den auch von euch so geliebten Bergen wird es euch danken. Und wir im Val Müstair, wir freuen uns auf euren Besuch!

Yves Schwyzer

 

Lesen Sie ausserdem:

«Ihr seid ja ganz sympathisch» – der Bericht über die Zeit des Mountain Wilderness Team im Pop-up Büro in der Val Müstair.

«Wie wild ist die Val Müstair wirklich?»

 

 

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news-682 Fri, 10 Apr 2020 09:03:57 +0200 Krisenhelfer – der Wert des Waldes in berglosen Zeiten /aktuell/detail/krisenhelfer-der-wert-des-waldes-in-berglosen-zeiten/ Der vernünftigere Teil der Bergsteigenden geht gerade nicht bergsteigen. Den Bergen tut das gut, der Druck auf Naherholungsgebiete steigt. Die siedlungsnahe Natur wird zur Retterin in der Not. Was wir an ihr und an den Bergen haben, merken wir gerade wie selten zuvor – und können vielleicht sogar etwas daraus lernen. Der vernünftigere Teil der Bergsteigenden geht gerade nicht bergsteigen. Den Bergen tut das gut, der Druck auf Naherholungsgebiete steigt. Die siedlungsnahe Natur wird zur Retterin in der Not. Was wir an ihr und an den Bergen haben, merken wir gerade wie selten zuvor – und können vielleicht sogar etwas daraus lernen. 

Die Corona-Krise hält einen Grossteil der Bergbegeisterten gerade davon ab, sich ins Gebirge zu begeben. Was uns schmerzt, lässt die Natur aufatmen und verschafft ihr eine Auszeit, wie es sie – zumindest in diesem Jahrhundert – noch nicht gegeben hat. Uns erreichen Berichte von nie gesehenen Gems-Versammlungen und von einer Stille, die nur durch das Gezwitscher der Vögel durchbrochen wird. Keine Motorräder, keine Jets am Himmel, kein Heli-Lärm, nicht einmal Stimmen. Quasi ein «Silent Spring», nur dass diesmal der Mensch verstummt. Über Phänomene wie die gestiegene Sichtbarkeit der ansonsten so scheuen respektive verdrängten Tierwelt, hört man aktuell von verschiedenen Seiten. Während in den Bergen so manches Huftier ungewohnt gelassen über die Hänge trottet, berichtet der Nationalpark Calanques über Delfine und selten gesehene Vögel in seinen Buchten. Viele der ikonischen Naturlandschaften mit ihren Besucherzentren und stets in einiger Distanz zu den Städten, erleben aktuell eine wohlverdiente Verschnaufpause. Wohlverdient, denn was wilde oder zumindest naturnahe Landschaften für uns leisten, zeigt sich in der Corona-Krise, wie nur selten. 

Verlassene Berge und therapeutische Wälder

Während die monumentalen Landschaften in diesen Tagen unbesucht bleiben, sind die Naherholungsgebiete voll wie nie. Wohin man schaut wird gerannt, spaziert, meditiert, geslacklinet und natürlich gebiket – all das natürlich mit Sicherheitsabstand. Was wären die Städte gerade, ohne diese siedlungsnahe «Wildnis», deren vielfältiges therapeutisches Potenzial nun mehr denn je ausgeschöpft wird. Dass der Wald uns guttut, wussten wir schon vor Corona. Zum einen aus eigener Erfahrung und zum anderen durch etliche Studien, wie beispielsweise jenen zum Waldbaden (jap.: «shinrin-yoku»). Auch wissen wir, dass eine Landschaft uns dann guttut, wenn sie naturnah ist. Die therapeutische Wirkmächtigkeit des Stadtparks ist eben nicht die gleiche, wie die des Naturwalds. Neben der Qualität spielt aktuell auch die Quantität eine enorme Rolle, denn es braucht schlichtweg Platz. Es braucht Kapazität, damit nun auch die Menschen auf der grünen Therapie-Couch platznehmen können, welche ihr körperliches und seelisches Heil normalerweise woanders suchen. Nämlich wochentags in Fitness-Studios und Kletterhallen und am Wochenende am Berg oder im Schwimmbad. Die Gesundheitskosten, die uns siedlungsnahe Naturräume gerade jetzt ersparen, in dem sie uns Bewegung, frische Luft, Ruhe und gedankliche Entleerung ermöglichen, sind wohl schwer zu beziffern. Aber der Wert und die existenzielle Wichtigkeit solcher Gebiete könnten nicht offensichtlicher vor uns liegen als unter den derzeitigen Einschränkungen. 

Rücksicht wichtiger denn je

Viele Menschen in der Natur bedeuten eine Zunahme an Konfliktpotenzial. Man sollte sich deshalb gerade jetzt an die gängigen Spielregeln halten, damit alle – Mensch und Mensch, aber auch Mensch und Natur – gut aneinander vorbeikommen (im Abstand von mindestens zwei Metern!). Konflikte gibt es zwischen Nutzergruppen ebenso, wie zwischen Mensch und Natur. Es mag verlockend sein, die gut besuchten Wege zu verlassen und allein durchs Dickicht zu stromern. Nur sind genau das die Störungen, an welche das Wild nicht gewöhnt ist und welche ihm zusetzen. Dies vor allem, wenn noch ein Hund dabei ist. 

Wenn ich aktuell, meist rennend, in den Berner Bremgartenwald eintauche, mache ich soziale Erfahrungen, die ich zwar im Wald nicht unbedingt suche, die mich aber positiv stimmen: Es ist deutlich mehr los auf den Trails, aber die Atmosphäre ist geprägt von einer Rücksicht und einem Wohlwollen, wie ich es mir in den Bergen oft wünschen würde. Man grüsst freundlich, hält Abstand und weicht aus. Natürlich kommt einem auch das obligatorische schwarze Schaf entgegen, mal strampelnd, mal rennend, aber im Grossen und Ganzen funktioniert es. Warum sollte es also am Berg nicht funktionieren? Vielleicht können wir die Rücksicht aus den Stadtwäldern zukünftig vermehrt in die Berge tragen, denn auch dort wird es ja manchmal eng. So mancher Bikerin-Wanderer-Konflikt würde sich so in Luft auflösen. 

Plädoyer für mehr Wildnis – am Berg und in Stadtnähe

Für Mountain Wilderness als Schlüsselorganisation im Einsatz für mehr Wildnis in der Schweiz ist deshalb, neben grossflächigen Wildnisgebieten in den Alpen, auch kleinflächigere und vor allem siedlungsnahe Wildnis mitzudenken. Neben anderen ökologischen Funktionen sollen diese – wir bleiben eine Alpenschutzorganisation – den Druck von Gebirgsräumen nehmen, indem sie Natur(-sport)erfahrungen «vor der Haustür» ermöglichen, ohne weite Anreise. Zudem sind wir der Meinung, dass der Mensch Wildnis für seine psychische und physische Gesundheit braucht. Betrachtet man dazu die internationale Forschung zu Natur und Gesundheit, sind wir mit dieser Haltung in guter Gesellschaft, ja alles andere als träumende Esoterikerinnen und Esoteriker. Welchen Wert hätte es aktuell, hätte jede Schweizer Gemeinde ein erlebbares Wildnisgebiet vor ihren Toren, oder sogar innerhalb dieser? Natürlich nicht nur als «Therapie-Wald» in der Krise und auch nicht nur für den Menschen, aber eben auch.

Aus der Krise lernen für die Zeit danach

Wir von Mountain Widerness versuchen der Situation Positives abzugewinnen. Mehr Menschen schätzen wilde Räume wert und es herrscht eine Atmosphäre von Solidarität und Gemeinsinn. Kann das nicht ein «Window of Opportunity» für ein neues Mensch-Wildnis-Verhältnis sein? Wir würden uns wünschen, dass es uns als Gesellschaft gelingt, die in der Krise gewonnenen Einsichten weiter zu kultivieren und sie über die Krise hinauszutragen. Was also tun sobald die «Freiheit, aufzubrechen wohin wir wollen», um es mit Messner zu sagen, zurück ist? Losstürmen gen Berg und mit Vollgas nachholen, soviel nur geht? Oder mehr Qualität als Quantität? Mit neuer Ruhe und Achtsamkeit losziehen, vielleicht erst nochmal ins leere Wildnisgebiet hinter der Stadt? Alle anderen sind ja dann wieder in den Bergen. 

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news-680 Tue, 07 Apr 2020 12:00:00 +0200 Kein Sonderstatus für den Flugverkehr! /aktuell/detail/kein-sonderstatus-fuer-den-flugverkehr/ Während wir uns zurzeit am unzersägten blauen Himmel und dem Ausbleiben von Fluglärm erfreuen, steigen die ökonomischen Verluste der Flugbranche mit jedem Tag des Stillstands. Ein Rettungspaket für die Flugbranche darf jedoch nur mit Auflagen an Klima- und Arbeitnehmendenschutz gesprochen werden. Dies fordert Mountain Wilderness Schweiz zusammen mit 45 Bewegungen, Organisationen und Parteien in einem offenen Brief an den Bundesrat. Während wir uns zurzeit am unzersägten blauen Himmel und dem Ausbleiben von Fluglärm erfreuen, steigen die ökonomischen Verluste der Flugbranche mit jedem Tag des Stillstands. Ein Rettungspaket für die Flugbranche darf jedoch nur mit Auflagen an Klima- und Arbeitnehmendenschutz gesprochen werden. Dies fordert Mountain Wilderness Schweiz zusammen mit 45 Bewegungen, Organisationen und Parteien in einem offenen Brief an den Bundesrat.

Fluggesellschaften wie Swiss und Easyjet haben Rettung durch Steuergelder beantragt. Jedoch geniesst der internationale Flugverkehr im Vergleich zu anderen Sektoren bereits sehr hohe Steuerprivilegien, da er weder Treibstoffsteuer noch Mehrwertsteuer zahlt. Was ausserdem auffällt: Der Luftverkehr ist bereits heute für 19% des menschengemachten Klimaeffekts in der Schweiz verantwortlich. Die Flugbranche muss auf ein klimaverträgliches Niveau zurückgebaut werden indem eine Kerosinsteuer eingeführt wird und der europäische Verkehr auf die Schiene verlagert wird.

Offener Brief an den Bundesrat

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news-678 Thu, 26 Mar 2020 19:00:17 +0100 Stop Heliskiing Demo abgesagt /aktuell/detail/stop-heliskiing-demo-abgesagt/ Die Helis bleiben am Boden – wir unten. Aufgrund der aktuellen Situation kann die Stop Heliskiing Demo auf den Glacier du Trient nicht stattfinden. Wir danken allen für ihre Unterstützung und bereiten weitere Aktionen vor. Die Helis bleiben am Boden – wir unten. Aufgrund der aktuellen Situation kann die Stop Heliskiing Demo auf den Glacier du Trient nicht stattfinden. Wir danken allen für ihre Unterstützung und bereiten weitere Aktionen vor.

Stop Heliskiing – mehr erfahren

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Stop Heliskiing
news-676 Wed, 29 Jan 2020 18:36:06 +0100 Wildnis fasst mit Arbeitsgemeinschaft weiter Fuss /aktuell/detail/wildnis-fasst-mit-arbeitsgemeinschaft-weiter-fuss/ Wildnis fasst in der Schweiz weiter Fuss: Am 29. Januar 2020 haben rund 30 Vertretende von Organisationen und Institutionen, die sich in der Schweiz mit Wildnis befassen, am Kickoff-Anlass der Arbeitsgemeinschaft Wildnis teilgenommen. Sie äusserten sich mehrheitlich positiv zur Idee, den Erfahrungsaustausch zu Wildnis zu fördern. Wildnis fasst in der Schweiz weiter Fuss: Am 29. Januar 2020 haben rund 30 Vertretende von Organisationen und Institutionen, die sich in der Schweiz mit Wildnis befassen, am Kickoff-Anlass der Arbeitsgemeinschaft Wildnis teilgenommen. Sie äusserten sich mehrheitlich positiv zur Idee, den Erfahrungsaustausch zu Wildnis zu fördern.

Von der Jagd bis zur Erlebnispädagogik

Die Teilnehmenden am Kickoff-Anlass der Arbeitsgemeinschaft Wildnis im Haus der Akademien in Bern deckten ein breites Spektrum an Interessengruppen ab: von der Jagd über Umweltorganisationen bis hin zu Vertretenden aus dem Waldbereich, der Forschung, der Raumplanung oder der Erlebnispädagogik. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie sich in irgendeiner Art und Weise mit Wildnis beschäftigen. Die Teilnehmenden standen einer Arbeitsgemeinschaft Wildnis mehrheitlich positiv gegenüber. Sie einigten sich darauf, dass die Arbeitsgemeinschaft Wildnis zunächst vor allem den Erfahrungsaustausch zu erfolgreichen Projekten im Bereich Wildnis fördert, um vor Ort konkret Wirkung zu erzielen. Situativ könnten auch Mitgliedsorganisationen gemeinsame Kampagnen lancieren. Mountain Wilderness Schweiz und Pro Natura, welche zum Anlass geladen hatten, werden nun das Grundlagenpapier auf Basis der Erkenntnisse aus dem Kickoff-Anlass weiter ausarbeiten.

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Wildnis
news-674 Thu, 16 Jan 2020 16:17:53 +0100 Flugticketabgabe ja, aber leider nicht für Helikopter /aktuell/detail/flugticketabgabe-ja-aber-leider-nicht-fuer-helikopter/ Die neu zusammengesetzte Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrates (UREK-N) hat ihren Vorschlag zum neuen CO2-Gesetz abgegeben. Darunter eine Flugticketabgabe für kommerzielle Passagierflüge mit Startpunkt Schweiz. Touristische Helikopterangebote sind davon ausgeschlossen. Der Ständerat hatte sich im September 2019 für eine Lenkungsabgabe für Flüge aus der Schweiz ausgesprochen. Auf Antrag von Ständerat Thomas Minder sollte jeder Abflug ab einem Schweizer Flughafen eine Abgabe von 500 Franken leisten. Im vorgeschlagenen Text vom 23. September 2019 ist von «Flugzeugen, die mit fossilen Energieträgern betrieben werden» die Rede. Für touristische Helikopterflüge hätte dies eine Preisverdoppelung bedeutet.

Freiflug für Flugzeuge unter 5,7 Tonnen

Nun hat die Kommission gemäss Medienmitteilung vom 15. Januar 2020 die Leichtaviatik von diesem Mehrpreis ausgeschlossen. Die neu bezeichnete «Abgabe Allgemeine Luftfahrt» ziele auf Passagierflüge ausserhalb des kommerziellen Luftverkehrs ab (z. B. Business-Jets). Das Gewicht des Flugzeugs wird massgeblich sein, spezifiziert Kommissionspräsident Bastien Girod in der NZZ. Flugzeuge unter 5,7 Tonnen seien nicht abgabepflichtig. Sportflugzeuge und Helikopter sind demnach nicht betroffen. Dies obwohl Helikopter von allen in der Schweiz zugelassenen Transportmitteln pro Frachtgewicht am meisten Energie verbrauchen. 

Fluglobby an Bord

Als Begründung wird genannt, dass der Aufwand zur Erhebung der Abgabe angesichts der meist geringen Kosten solcher Flüge unverhältnismässig sei. Ausserdem wird das Argument der Fluglobby aufgenommen, dass es eine ungerechte Doppelbesteuerung darstellt neben der bestehenden Mineralsteuerabgabe von 73 Rappen. Einziger Lichtblick: Die Abgaben für Businessjets sollen höher als vom Ständerat vorgeschlagen ausfallen. 

 

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Stop Heliskiing
news-672 Thu, 12 Dec 2019 20:29:21 +0100 Berge sind Grenzen, Menschen ziehen Grenzen /aktuell/detail/berge-sind-grenzen-menschen-ziehen-grenzen/ Berge sind natürliche Grenzen; und der Mensch schraubt an diesen Grenzen, verstärkt sie, zieht neue dazu und lotet dabei die Grenze zwischen Natur und Kultur aus. Dies haben die acht Referate zum Internationalen Tag der Berge im Alpinen Museum der Schweiz am 11. Dezember 2019 aufgezeigt. Berge sind natürliche Grenzen; und der Mensch schraubt an diesen Grenzen, verstärkt sie, zieht neue dazu und lotet dabei die Grenze zwischen Natur und Kultur aus. Dies haben die acht Referate zum Internationalen Tag der Berge im Alpinen Museum der Schweiz am 11. Dezember 2019 aufgezeigt. Mehr als hundert Gäste haben dieses Jahr den Vorträgen im unterhaltsamen Pecha-Kucha-Format gelauscht.

Mountain Wilderness Schweiz hat den Tag der Berge zusammen mit anderen Alpenorganisationen organisiert. Grenzen am Berg wurden in grosser Vielfalt angesprochen: Der Mensch verschiebt Grenzen, indem zum Beispiel durch die menschgemachte Klimaerhitzung Alpenpflanzen immer höher steigen und die Lebensräume für einige kälteliebende Pflanzen kleiner werden, wie Sonja Wipf vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF aufgezeigt hat. Wir lieben es, Grenzen zu erforschen. Einer, der es mit Leidenschaft tat, war Alexander von Humboldt. Der Historiker Jon Mathieu hat dem Grenzüberschreiter und Wegbereiter des Tags der Berge ein kleines Denkmal gesetzt. In der Region von Briançon bilden die Berge für viele Migrierende Grenzen, die sie wegen menschgemachten Grenzen nur unter grosser Gefahr überschreiten können. François Labande von Mountain Wilderness France hat aufgezeigt, wie Menschen mutig für diese Grenzüberschreiter der anderen Art einstehen. Dass nicht nur Grenzen, sondern auch Grenzwerte problematische Seiten haben, hat Niklas Joos-Widmer erläutert. Er befasst sich beim Urner Amt für Umweltschutz mit Grenzwerten. In seinem Referat hat er dafür plädiert, nicht zu vergessen, dass Grenzwerte letztlich immer dem Schutz von Mensch und Umwelt dienen sollten. Dass sich potenzielle Schadstoffe weder um Grenzen noch um Grenzwerte scheren, hat Jürg Trachsel vom SLF deutlich gemacht: Er fand bei Untersuchungen Mikroplastik im Schnee von den Alpen bis zur Arktis. 

Grenze zwischen Natur und Kultur

Die Kurzvorträge haben aber vor allem auch gezeigt, wie schwierig die Grenze zwischen Natur und Kultur zu ziehen ist. Elisa Frank von der Uni Zürich befasst sich mit Wölfen, die sich nicht so recht an die von Menschen gezogenen Grenzen halten wollen. Um sie im Zaum zu halten, greifen wir auf ein Mischwesen aus Natur und Kultur zurück: die Herdenschutzhunde. Der Fotograf Roshan Adhihetty hat Gruppen von Nacktwandernden begleitet. Er hat festgestellt, wie sich viele Nacktwandernde wieder der Natur anzunähern versuchen; und wie schwierig es ist, diese Grenzen wieder aufzubrechen; ganz auf Hilfsmittel wie Wanderschuhe oder Rucksack mag fast niemand verzichten. 

«Es ist Zeit für mehr Wildnis in der Schweiz»

Mehr um Wildnis als Naturphänomen ging es bei Katharina Conradin. Sie ist Präsidentin von CIPRA International und war lange Zeit Geschäftsleiterin von Mountain Wilderness Schweiz. Sie forderte in ihrem Referat: «Es ist Zeit für mehr Wildnis in der Schweiz.» die Aufgabe von Grenzertragsflächen habe nicht nur negative Auswirkungen, sondern könne mit Geduld und Zeit auch zu neuen, faszinierenden Lebensräumen führen. Viel Geduld bringt auch Bruder Markus auf. Der durch eine SRF-Dokumentation bekannt gewordene Eremit meditiert seit Jahren abgeschieden im Wallis. Wegen starken Schneefalls konnte er leider nicht am Anlass teilnehmen. In seiner Grussbotschaft erinnerte er das Publikum daran, dass der Mensch meist sich selber Grenzen setzt.

 

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news-670 Thu, 28 Nov 2019 13:45:55 +0100 Alpinflohmi Bern: Second-Hand-Charme statt Black-Friday-Konsumschlacht /aktuell/detail/alpinflohmi-bern-second-hand-charme-statt-black-friday-konsumschlacht/ Am 27. November durften wir zusammen mit den Public Eye Regionalgruppen Zürich und Bern den zweiten Alpinflohmi der Schweiz durchführen. Hunderte Personen folgten unserer Einladung in die Heitere Fahne, um sich nicht dem Black-Friday-Wahnsinn dieser Tage anzuschliessen, sondern durch bewussten Kauf von Berg-Ausrüstung aus zweiter Hand Ressourcen zu schonen. Der Konsum immer neuer Produkte trägt in beträchtlichem Masse zu den Umweltproblemen unsere Zeit bei. Wir sehen in den Alpinflohmärkten einen kleinen, aber bestimmten Schritt in die richtige Richtung. 
 

Mehr Infos

Unsere Position zum Thema Ausrüstung
Clean Clothes Campain von Public Eye

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Bergsport
news-668 Mon, 30 Sep 2019 12:26:44 +0200 Seilschaft für das Klima /aktuell/detail/seilschaft-fuer-das-klima/ Am Samstag den 28. September fand mit der nationalen Klima-Demo eine der grössten Demonstrationen der Schweizer Geschichte statt. Die Organisatoren sprechen von 100’000 Menschen, die in gemeinsam von der Schützenmatte zum Bundesplatz spazierten und für einen konsequenten Klimaschutz demonstrierten. Am Samstag den 28. September fand mit der nationalen Klima-Demo eine der grössten Demonstrationen der Schweizer Geschichte statt. Die Organisatoren sprechen von 100’000 Menschen, die gemeinsam von der Schützenmatte zum Bundesplatz spazierten und für einen konsequenten Klimaschutz demonstrierten.

Bergsport-Community spannt zusammen

Mountain Wilderness hat zusammen mit der jungen Organisation POW (Protect Our Winters) zahlreiche Bergsporttreibende zur Teilnahme mobilisiert. Ausgerüstet mit allen möglichen Bergutensilien wie Seil und Klettergstältli liefen wir als grosse Seilschaft für das Klima auf. Wir hoffen, damit einen kleinen, illustren Beitrag zu der sehr gelungenen und hoffentlich wirkmächtigen Demo geleistet zu haben.

Wählen!

Nun gilt es für Herrn und Frau Schweizer, an den anstehenden Wahlen vom 20. Oktober die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sensibilisiert sollte das Stimmvolk spätestens nach diesem Wochenende sein. Spannende Infos zum Thema liefern das Klimablatt und das Umweltrating.

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Bergsport
news-666 Thu, 05 Sep 2019 09:34:13 +0200 «Ihr seid ja ganz sympathisch» /aktuell/detail/ihr-seid-ja-ganz-sympathisch/ Drei Wochen als Team zusammenleben in einem Tal, in dem Mountain Wilderness wegen Einsprachen gegen Infrastrukturprojekte nicht nur beliebt ist: Wir haben die Herausforderung «Pop-up-Büro» angenommen und durften viel lernen. Das Team von Mountain Wilderness Schweiz machte sich auf den Weg in die Val Müstair, in den südöstlichsten Zipfel der Schweiz in ein «Pop-up Büro». Die Idee dahinter war ebenso eigennützig wie strategisch: Wir lieben die Berge und wollen ihnen nah sein. Wir wollen die aktuellen Entwicklungen in den Bergen vor Ort inspizieren. Wir treten in Kontakt mit den Ansässigen und geben den diffusen Alpenschützern, den «Grünen», die hier vor allem im Zusammenhang mit Einsprachen gegen Bauprojekte aufs Tapet treten, ein Gesicht. «Ihr seid ja ganz sympathisch», äusserten sich einige überrascht. Während einer Exkursion in die Auen von nationaler Bedeutung des Rombaches, eines Wildnis-Diskussionsabends, eines Mountainbike-Workshops und vieler Gespräche mit Talbewohnenden und Externen haben wir einige bleibende Eindrücke gesammelt.

Der Umgang mit Naturdynamik ist immer ein Kompromiss

Steinschläge und Murgänge begleiten die Münstertaler seit der Besiedlung. Als natürlichen Schutz hat das Tal bis heute eine relativ geschlossene Bewaldung, was ihm einen wilden Charakter verleiht. Die für die Landwirtschaft genutzte Fläche ist im Vergleich zu anderen Tälern eher klein. Aus Angst vor negativen Auswirkungen auf die Waldverjüngung wurde die Beweidung mit Wandergeissen eingestellt. Auf unserer Wildnis-Karte ist es noch nicht auszumachen, aber der Wald nimmt tendenziell zu. Das Gesteinsmaterial, das die Berge abgeben, landet heute in den technischen Verbauungen oder im Flussdelta des Talbaches Rom. Den Abraum zu deponieren, ist ein Problem in der Kulturlandschaft der schmalen Talsohle. Leben im Tal ist Leben am Rand der Wildnis, die sich in ganz verschiedenen Formen zeigt. Oder wie es ein Teilnehmer an unserem Wildnis-Abend in der Val Müstair ausgedrückt hat: «Bär oder Wolf – irgendwer ist immer da.» Die Münstertalerinnen und Münstertaler haben gelernt, sich mit den Ausprägungen von Wildnis zu arrangieren. Als zum Beispiel die ersten Bären durch die Lande zogen, wurden bärensichere Abfalleimer aufgestellt.

Unser Fazit: Naturdynamik ist Teil des Alltags. Solange man den Menschen die Möglichkeit, mit den Ausprägungen von Wildnis auf ihre Art und Weise umzugehen, stehen sie Wildnis positiv gegenüber. 

Infrastrukturtourismus als Heilmittel für Verlustängste

Am Wildnis-Diskussionsabend sehen lokale Akteurinnen und Akteure den Tourismus als grösste Beeinträchtigung für die intakte Naturlandschaft. Gleichzeitig wird als grösste Gefahr für die Wildnis in der Val Müstair die Abwanderung genannt. Selbst ein Naturfreund wird allenfalls einem nicht ganz umweltfreundlichen Projekt zustimmen, wenn er darin die Chance sieht, dass seine Kinder und Enkelkinder im geliebten Tal und in seiner Nähe wohnen bleiben. Gegen diesen stark emotionalen Zugang haben rationale Argumente keine Chance. Die SAC-Hütte auf der Alp Sprella oder das Resort und Seilbahnprojekt «La Sassa-Minschuns» sind für viele der logische weitere Entwicklungsschritt. Uns werden viele mögliche Alltagsszenarien geschildert, wie es dann sein wird, wenn die Projekte realisiert wurden. 

Unser Fazit: Die Angst vor einem Lichterlöschen in der Val Müstair ist gross. Um dies zu verhindern, begrüssen viele auch Projekte des Infrastrukturtourismus. Wir wollen weiter an nachhaltigen Alternativen dazu mitarbeiten, damit sie zu Erfolgsgeschichten und Teil des Erbes werden.

Respekt ist die Basis für ein konstruktives Miteinander

Eher neue Erscheinungen, die der Sommer-Tourismus mit sich bringt, finden nicht nur Zustimmung. Wir haben das Mountainbiken an einem Workshop unter anderem wegen der guten Zusammenarbeit zwischen Forst und Bike-Vertretern sehr positiv kennengelernt. Ein Konzept für Bike- und Wanderwege soll sogar dafür sorgen, dass ganze Geländekammern wieder der Natur zurückgegeben werden; indem nämlich kaum mehr genutzte Wege aufgelassen oder zurückgebaut werden und das kleiner gewordene Wegnetz intensiver unterhalten werden kann. Es gibt Menschen im Tal, die Mountainbiken als eine nicht respektvolle Fortbewegungsart oder gar Schändung der Berge sehen. 

Unser Fazit: Der Umgang mit Outdoorsportarten und die Koordination der Akteure ist in der Val Müstair vorbildlich. Wir wollen weiter dazu beitragen, dass Mountainbikende und andere Natursporttreibende einen respektvollen Umgang mit Mensch und Natur hochhalten.

Lebens- und Arbeitswelt temporär verschieben

Das Büro nach Müstair zu verlegen und als Team die Chasa Parli als Wohngemeinschaft zu bewohnen, hat einiges an Koordinationsaufwand erfordert und barg auch Risiken. Nach Abstimmungsresultaten zu urteilen, ist eine grosse Mehrheit der Bevölkerung der Val Müstair für das Projekt La Sassa-Minschuns, wogegen wir uns aus Gründen der unzureichenden Umweltverträglichkeit auf juristischem Weg gewehrt haben. Trotzdem hat der Gemeindevorstand unser Projekt offiziell bewilligt. «Wir waren beide mutig», war der Kommentar des Gemeindepräsidenten bei einem Besuch im Pop-up-Büro. 

Unser Fazit: Für uns war die Zeit professionell und als Team in vielen Hinsichten ein Gewinn. Wir haben die Menschen hinter den Projekten und ihre Sicht kennengelernt, die wir respektieren, auch wenn wir anderer Meinung sind. Wir haben ein klein wenig verstehen gelernt, was es bedeutet, in direkter Nachbarschaft zur Wildnis zu leben. 

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news-661 Tue, 27 Aug 2019 13:58:39 +0200 «Wie wild ist die Val Müstair wirklich?» /aktuell/detail/wie-wild-ist-die-val-muestair-wirklich/ Die Val Müstair wird oft als wild und naturnah beschrieben. Wir prüfen diese These anhand eines fiktiven Gesprächs, das sich auf reale Gegebenheiten stützt: unsere Wildnis-Karte, Beobachtungen vor Ort und den Wildnis-Diskussionsabend vom 13. August 2019 mit Menschen aus der Val Müstair. Die Val Müstair wird oft als wild und naturnah beschrieben. Wir prüfen diese These anhand eines fiktiven Gesprächs, das sich auf reale Gegebenheiten stützt: unsere Wildnis-Karte, Beobachtungen vor Ort und den Wildnis-Diskussionsabend vom 13. August 2019 mit Menschen aus der Val Müstair.

«Hey, erzähl mal: Wie wild ist die Val Müstair wirklich?», fragt ein Kollege, nachdem ich nach knapp drei Wochen im Münstertal wieder vom Pop-up-Büro heimgekehrt bin. «Hmmm…» antworte ich und überlege. Ob er sich noch erinnern könne, was er mir nach seiner Rückkehr aus Indien erzählt habe, frage ich ihn. «Ja, klar», gibt er zur Antwort. Er hat damals erzählt, wie er in Indien gemerkt habe, wie man sich im Leben auf die positiven oder die negativen Dinge fokussieren könne: Viele berichten nach einer Indienreise vom beissenden Müllgeruch, von den Ungerechtigkeiten, von Armut und vergessen dabei den süssen Duft der Mangos, die fantastische Artenvielfalt oder die vielen zukunftsgerichteten Initiativen. 

Val Müstair: Mittelland oder Kanada?

In der Val Müstair verstand ich, was er damit gemeint hat: Ich kann meinen Blick auf ein Einfamilienhaus im Talgrund fokussieren, von fetter Wiese umgeben, von lauten Töffs und rücksichtslosen Autos umkurvt. Blubbernd steigt ein Gedanke empor: «Mittelland!» Hier unterscheidet sich die Val Müstair oft nur wenig von den Orten meiner Kindheit. Fokussiere ich den Blick jedoch gen Piz Lad und Piz Turettas, den strammen Wächtern der Val Vau, der Pforte zur Val Mora, dann zieht ein Gedanke innerlich vorbei, der Wohlbehagen bereitet: «Kanada!» Von weitem sind die menschlichen Spuren in diesem Gebiet kaum auszumachen. Die Nadelbäume stehen eng zusammen und kriechen beharrlich die Hänge hoch, wo sie der Steinschlag nicht wieder zu Tale jagt. In diesem Moment spielt die Forststrasse, die sich die Val Mora hochzwängt, keine Rolle. 

Keine Hochspannungsleitungen im Tal

Es scheint jedoch nicht verwegen zu sagen: Die Münstertalerinnen und Münstertaler haben meist Sorge getragen zu ihrer Umgebung. Es gibt im ganzen Tal nur ein Skigebiet – Minschuns mit vier Schleppliften. Mit dem Projekt «La Sassa» soll das Skigebiet um ein Resort samt Zubringergondel ergänzt werden. Mountain Wilderness Schweiz hat sich bereits kritisch gegenüber dem Projekt geäussert. Ansonsten gibt es im Tal keine Seilbahnen; für jemanden aus der Zentralschweiz ein ganz und gar ungewohntes Bild. Ungewohnt ist auch die freie Sicht: Der Strom fliesst im Boden, es gibt in der Val Müstair keine Hochspannungsleitungen. Und ebenfalls ungewohnt: Die Nadelbäume stehen dicht an dicht bis weit zum Talboden hinunter – auch dies sorgt für die naturnahe Erscheinung des Tals. Wegen der ungünstigen Geologie ist die Val Müstair stark Steinschlag gefährdet. Die Wälder dienen unter anderem zum Schutz vor Naturgefahren. Eine prächtige, kleine Wildnis ist der Rom, einer der letzten unverbauten Talflüsse der Schweiz. Das ist kein grossflächiges Wildnisgebiet, doch die Auen des Roms machen einem eindrücklich die Kraft der Natur bewusst; der silbergrüne Gürtel der Erlen an seinen Ufern ist von Valchava bis kurz vor Müstair besonders malerisch. 

Wilder Bruder im Nordwesten

Interessant ist auch die Wirkung des Nationalparks als direkten Nachbarn der Val Müstair im Nordwesten. Ich bin während der Zeit des Pop-up-Büros mehrere Male über den Ofenpass gefahren – der Nationalpark, insbesondere auch im Vergleich zur Val Müstair – hat jedes Mal wieder anders gewirkt. Besonders wild ist mir der Nationalpark vorgekommen, als ich eine Woche durchgehend in der Val Müstair gewesen bin und hier vor allem auf dem Talboden. Auf den rund 170 Quadratkilometern des Schweizerischen Nationalparks herrscht praktisch Prozessschutz: Das Nationalpark-Team greift nur in seltenen Fällen in die Naturdynamik ein, z.B. bei Waldbränden. Ansonsten kann sich die Natur im strengst geschützten und grössten Wildnisgebiet der Schweiz frei entwickeln. Eindrücklich zeigt sich im Nationalpark, wie anspruchsvoll es ist, die Rolle des Menschen in der Wildnis zu finden. Wie viel Mensch ertragt es in der Wildnis? Klar, wir nehmen allein schon mit unserer Präsenz Einfluss auf die Wildtiere. Gleichzeitig sind wir Teil der Natur und agieren seit Jahrtausenden mit ihr. Der Nationalpark ist ein faszinierendes Gebiet. Mich lässt der Gedanke nicht los: Wäre eine Art Paläo-Wildnis nicht interessant? Ein Gebiet, das zwar wie der Nationalpark Prozessschutz auf grosser Fläche bietet, in dem der Mensch aber als rücksichtsvoller Gast willkommen ist – in seinen Mitteln aufs Nötigste beschränkt. Dafür wären auch die Einschränkungen aufs Nötigste beschränkt.

Die hohen Gipfel sind besonders wild

Ob ich einen Anhaltspunkt habe, wie wild die Val Müstair im Vergleich mit anderen Gebieten der Schweiz sei, fragt mein Kollege. Ich nehme die Wildnis-Studie hervor, die Mountain Wilderness Schweiz Anfang 2019 publiziert hat. Wir blättern um bis zur Karte, die die Wildnisqualität der Schweiz anhand der vier Kriterien «Natürlichkeit», «Menschliche Einflüsse», «Abgeschiedenheit» und «Rauheit der Topographie» darstellt. Ein Blick auf die Karte zeigt: Die Talsohle der Val Müstair hat eine relativ geringe Wildnisqualität. Hier reihen sich die Dörfer Tschierv, Fuldera, Valchava, Sta. Maria und Müstair entlang der Kantonsstrasse auf. Hier wird zwar zu 80 Prozent biologische Landwirtschaft betrieben, diese nutzt den Boden dennoch relativ intensiv. Ebenfalls nur mittlere Werte für die Wildnisqualität bekommt der Talboden der Val Mora, weil hier eine Forststrasse durchführt und Alpwirtschaft betrieben wird. Demgegenüber ist die Wildnisqualität insbesondere um Piz Daint und Piz Turettas und südlich der Mora-Forststrasse hoch. Das heisst, diese Gebiete sind naturnah, abgeschieden, unterliegen wenigen menschlichen Einflüsse und liegen in rauem Terrain.

Kaum Unterschied zu anderen Bergregionen

Diese Verteilung der Wildnisqualität ist typisch für das gesamte Berggebiet der Schweiz: Meist intensiv genutzter Talboden, oft mit Gewerberäumen, Landwirtschaft, touristischer Infrastruktur und dann mit zunehmender Steilheit der Berge hohe Wildnisqualität, wo sie nicht Skigebiete oder andere touristische Infrastruktur beeinträchtigen. Etwas erstaunlich ist, dass die Wildnisqualität des Gebirges in der Val Müstair nicht höher ist als im benachbarten Engadin, wo der Tourismus meist intensiver ist. Ein Grund dafür mag unter anderem sein, dass die im Süden an die Val Müstair grenzenden italienischen Berge auf der Wildnis-Karte nicht abgebildet sind – sie sind meist auch kaum erschlossen. Mein Kollege ist etwas enttäuscht: «Laut dieser Karte ist die Val Müstair gar nicht so wild, oder auf jeden Fall nicht wilder als die meisten anderen Bündner Bergtäler», sagt er entgeistert. Der Vergleich zwischen der Wildnis-Karte, welche die Schweiz in Kästchen von 100 mal 100 Metern Grösse einteilt und jedem Kästchen einen Wert für Wildnisqualität von 1 bis 20 gibt und der eigenen Empfindung ist spannend. Auch auf mich macht die Val Müstair einen wilderen Eindruck als andere Berggegenden – und gleichzeitig ist die Belastung durch die Strasse viel höher als in einem Tal, das für den Verkehr eine Sackgasse bildet. Keine der beiden hat in diesem Sinne Recht oder Unrecht.

Interessant ist, dass sich die Wildnisqualität in der Val Müstair in den letzten Jahrzehnten nicht merklich verändert zu haben scheint. Laut der Extensivierungskarte aus der Wildnis-Studie hat sich die Landnutzung in der Val Müstair zwischen 1985 und 2009 weder merklich intensiviert noch extensiviert. Auf dieser Karte drücken sich Abwanderung und wirtschaftliche Herausforderung nicht messbar ab. «Es wäre interessant, diese Karte mit Menschen zu überprüfen, welche diesen Zeitraum miterlebt haben», sagt mein Kollege. 

Wahrnehmung der Münstertalerinnen und Münstertaler

Mountain Wilderness Schweiz wollte wissen, wie Menschen, die in der Val Müstair leben, Wildnis wahrnehmen. Am 13. August 2019 haben wir dazu mit Münstertalerinnen und Münstertalern aus Naturschutz, Wald, Gemeinde, Landwirtschaft, Jagd und anderen Bereichen darüber diskutiert, was für sie Wildnis ist, wo es diese noch gibt und wie es um Wildnis steht. Die Diskussionen haben sehr interessante Erkenntnisse zu Tage gebracht. Hier ein persönliche Zusammenfassung:

  1. Keine der Gruppen sah Wildnis in der Val Müstair wirklich in Gefahr. Im Gegenteil, die Landwirtschaft gehe eher sogar zurück. Als grösste mögliche Beeinträchtigung für Wildnis wird der Tourismus gesehen, hier insbesondere das Mountainbiken. Das fällt auch in anderen Gesprächen auf: Ob mit dem älteren Wanderer im Bus, mit der sportlichen Bikerin um die 50 – sehr schnell dreht sich das Gespräch ums Mountainbiken. Wie die Val Müstair damit umgeht, zeigt Tim Marklowski im Artikel zum Thema eindrücklich auf. Aus Wildnis-Sicht bedeutend ist die Frage, ob mit Mountainbikes und insbesondere den E-Mountainbikes der Druck auf die abgelegenen, ruhigen und einsamen Ecken der Val Müstair zunehmen wird. Und: Wie sich die touristische Infrastruktur weiterentwickeln wird. Jeder Eingriff schmälert die Wildnisqualität und drängt die letzten naturnahen Räume weiter zurück. 

  2. Beim Verständnis, was Wildnis ist, hat sich in den Gesprächen eine breite Palette aufgetan. Vom nur teilweise gepflegten Garten über landwirtschaftlich genutzte Flächen bis hin zur Natur, die berührt, waren die Definitionen von Wildnis sehr breit. Einig schienen sich jedoch alle in dem Punkt, dass Wildnis nur ohne Infrastruktur möglich ist. 

  3. Die Bewohnenden der Val Müstair scheinen Wildnis im Grundsatz positiv gegenüber zu stehen. Verschiedene Gruppen haben während des Wildnis-Abends erzählt, dass sie tagtäglich mit Wildnis konfrontiert sind. Oder wie es jemand besonders bildhaft beschrieben hat: «Leben im Tal ist Leben am Rand der Wildnis: Bär oder Wolf – irgendwer ist immer da.» Für einige Gruppen scheint diese Wildnis jedoch nur so lange tolerierbar, wie auch die Mittel zum Umgang mit Wildnis zur Verfügung stehen: Die Möglichkeit, im äussersten Fall Grossraubtiere mit dem Gewehr zu kontrollieren und den Bach mit dem Bagger.

Mein Kollege gähnt. Er habe es schon verstanden: Wie wild die Val Müstair ist, sei eine Frage der Perspektive. Insgesamt schiene ihm das Tal aber tatsächlich sehr naturnah zu sein. «Und was wünschst du dir nun für das Münstertal?», fragt er mich müde. Dieses Mal zögere ich nicht: «Ich wünsche mir, dass die Menschen in der Val Müstair weiterhin Sorge zu ihrer Landschaft tragen, dass sie im Bewusstsein behalten, welchen Wert die naturnahen, unverbauten Räume haben; wie viel Wert Wildnis hat. Denn: Sie haben hier einen Schatz gehütet, den es gerade in Mitteleuropa nur noch selten zu bestaunen gibt. Und dieser Schatz hat sowohl einen Wert an sich als auch einen touristischen Wert. Menschen wie wir kommen gerade deswegen in die Val Müstair und helfen so auch wieder mit, dass hier Menschen leben können.»

Weiterführende Links

Projektseite Wildnis-Studie

 

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news-659 Mon, 19 Aug 2019 08:36:00 +0200 A Ride on the Wild Side – keepwild! biking in der Val Müstair? /aktuell/detail/a-ride-on-the-wild-side-keepwild-biking-in-der-val-muestair/ Seit einigen Tagen sind wir nun in unserem Pop-up-Büro im schönen Münstertal. Es ist ein traumhafter Morgen und unser rollender Workshop zum Thema «Nachhaltiges Mountainbiking» steht auf dem Programm. Seit einigen Tagen sind wir nun in unserem Pop-up-Büro im schönen Münstertal. Es ist ein traumhafter Morgen und unser rollender Workshop zum Thema «Nachhaltiges Mountainbiking» steht auf dem Programm. Wir fahren mit dem Postauto, von denen hier jedes einen extra Bike-Anhänger hat, hinauf zur Passhöhe Süsom Givè (Ofenpass), wo wir die Teilnehmenden des Workshops empfangen. Der Anlass ist hochkarätig und sympathisch besetzt mit Vertreterinnen und Vertretern der Biosfera Val Müstair, dem Forstamt, lokalen Bike-Anbietern, Tourismusplanern und Mountain Wilderness Schweiz. Sogar aus dem Puschlav ist der Tourismusdirektor angereist, um die Thematik sprichwörtlich zu er-fahren. Alles deutet also darauf hin, dass wir einen spannenden und informativen Tag verleben werden, nach welchem auch die Trailhungrigen zufrieden nach Hause gehen sollten.

Bike-Destination Münstertal

Unser Tour-Guide Sergio Tschennet ist Vollblut-Biker, Präsident des örtlichen Bike-Vereins und Inhaber von «Ride La Val», der lokalen Bike-Schule mit angegliedertem Veloladen, Bike-Verleih und Werkstatt. Er ist massgeblich an der Entwicklung des Bike-Tourismus im Tal beteiligt und stellt sich als «Downhill-Rennfahrer» in Pension vor. «Na das kann ja was werden», steht es so einigen der weniger bike-erfahrenen Teilnehmenden ins Gesicht geschrieben. 

Nachdem alle Anwesenden sich vorgestellt haben, gibt uns der Leiter des Forstamts Val Müstair, Livio Conrad, einen spannenden Einblick in die bikespezifischen Destinationsplanung im Münstertal. Es gibt hier über 300 km Wander- und Bikewege, 180 km davon sind die bei Bikern und Wanderinnen gleichermassen beliebten Trails, also relativ schmale Pfade. Diese werden im Münstertal fast ausschliesslich von den Nutzergruppen geteilt, um die Landschaft und auch das Gemeinde-Budget möglichst wenig zu belasten. Mittlerweile gibt es einen Masterplan für das Tal, welcher einen attraktiven und möglichst umwelt- und landschaftsschonenden Bike- und Wandertourismus fördern soll und an dessen Erarbeitung Stakeholder aus Naturschutz, Forst, Tourismus und Bikesport beteiligt waren. Dass der Bike-Verein sich das Ziel gesetzt hat, durch den Bike-Tourismus die Übernachtungszahlen um 20% zu erhöhen, tönt zunächst bedrohlich nach Ausbau «auf Teufel komm raus». Forstamtleiter Livio erklärt, dass in einem soliden Bike-Konzept sicher einige Wegeanpassungen und auch abschnittweise ein Neubau enthalten sein muss, um die Pfade sowohl für Biker als auch für Wandernde attraktiv zu gestalten. Er betont jedoch, dass auch ein Rückbau bestimmter Wege immer mitgedacht werden muss. Oft kann durch den Rückbau eines ohnehin kaum genutzten, unattraktiven Trails eine ganze Geländekammer der Natur zurückgegeben werden – eine Überlegung, die für uns als Wildnisschützende so positiv wie überraschend daherkommt. Und auch für die Gemeindekasse ist es wichtig, nicht immer mehr Infrastruktur unterhalten zu müssen, denn der Wegeunterhalt ist eine Mammutaufgabe im Sysiphus-Stil, wie wir auf unserer Tour immer wieder erfahren werden. 

Der Feind heisst «Erosion»

Nach kurzer Abfahrt auf der Ofenpassstrasse geht es auch schon ins Gelände und das nicht wenig anspruchsvoll. Wie uns Livio und Sergio später erklären werden, ist der Weg hier deshalb ruppig und schwierig, weil das Wasser aufgrund der Steilheit und Geradlinigkeit tiefe Erosionsrillen hinterlassen hat. Steil und gerade ist genau das, was ein Pfad, egal ob für Wandernde oder Bikende, nicht sein sollte. Als Faustregel für einen erosionsresistenten Trail gilt: Durchschnittliche Steilheit maximal um die 10%, möglichst der Topographie angepasst und nicht in Falllinie, mit Wellen und Kurven. Schönerweise macht ein Trail, welcher diese Bedingungen erfüllt, auch zum Fahren am meisten Spass! Wo die Gefahr besteht, dass Bikende die Falllinie wählen, kann durch kleine Hindernisse wie Felsblöcke die Spurwahl so beeinflusst werden, dass diese möglichst trail-freundlich und damit landschaftsschonend ausfällt. 

Entflechtung als Ultima Ratio

Nach einigen kurzen, aber knackigen Anstiegen hoch nach Minschuns erwartet uns bald das erste Highlight: Der schmale Trail schmiegt sich an den Hang an, bietet Wellen und Kurven und das alles bei spassiger und nicht allzu grosser Steilheit. Nach dem Streckenabschnitt halten wir an und besprechen das Erlebte. Forstchef Livio weist darauf hin, dass es hier bisher keine Konfliktmeldungen von Wandernden oder Bikenden gibt, obwohl der Weg beidseitig befahren und zum Teil stark frequentiert ist. Die Co-Existenz funktioniert gut, der Pfad ist so angelegt, dass man stets weit genug sieht, um auf Gegenverkehr reagieren zu können. Auf eine Entflechtung verzichtet man hier ganz bewusst, sie wäre die allerletzte Option, falls es zu grösseren Konflikten oder gar Unfällen käme. Die Landschaft soll möglichst vor überflüssigen Eingriffen bewahrt bleiben und so setzt man auf ein Nebeneinander auf ein- und derselben, clever angelegten Infrastruktur.

Damit das Miteinander funktioniert, braucht es Offenheit und Respekt auf beiden Seiten. Ein freundlicher Gruss und eine rücksichtsvolle Fahr- bzw. Gehweise wirken Wunder. Und führen in unserem Fall dazu, dass wir den ganzen Tag nur positive Begegnungen haben. 

Wo doch entflechtet werden muss, kann dies auch mit anderen Mitteln als Wegeneubau geschehen. Livio verrät uns dazu einige Tricks. Biker gehen z.B. dorthin, wo es für sie attraktiv und flüssig zu fahren ist. Durch geschickte Platzierung von Steinen und anderen «Hindernissen» können Wege mit minimalem Aufwand attraktiv oder weniger attraktiv gestaltet und damit die Velofans gelenkt werden. 

Auf die Technik kommt es an

Bevor es weitergeht, klären uns Sergio und Livio darüber auf, was sie unter trail-verträglicher Fahrtechnik verstehen. Wie schnell ein Trail erodiert hängt nicht nur, aber auch von der Fahrtechnik der Nutzenden ab. Idealerweise blockieren die Räder nie, wie dies bei einer Vollbremsung der Fall wäre. Ein blockiertes Rad trägt Material ab und schleift Rillen in den Weg. In diesen kanalisiert sich bei Regen das Wasser und nimmt so richtig Fahrt auf. Dadurch wird vermehrt Untergrund abgetragen und es entstehen immer grössere Wegschäden. Die nächsten Bikenden und Wandernden vermeiden die kaputten Abschnitte und weichen seitlich aus. So wird der Weg immer breiter und hässlicher und erfordert aufwendigere Unterhalts- und Sanierungsarbeiten (diese geschehen häufig in mühsamer Frohnarbeit). Die Räder sollen also rollen, bremsen sollte man dosiert und gleichmässig. Ein leiser Biker ist ein guter Biker.

E-Bikes auf dem Vormarsch

Vor allem auf den technisch leichteren Passagen kommen uns mindestens so viele motorisierte Fahrräder entgegen wie klassische Mountainbikes. Ein Trend, den wir bei Mountain Wilderness Schweiz sehr kritisch betrachten und der natürlich zur Sprache kommen muss in unserer Runde. Mountain WiIderness spricht sich klar für einen Bergsport «by fair means» aus, sprich aus eigener Kraft. Ausnahmen, zum Beispiel für Menschen mit Behinderung oder Betagte, finden wir legitim. Der Motor darf aber auf keinen Fall zur blossen Konsumsteigerung für Faule dienen. 

Auf Seiten der ortsansässigen Workshopteilnehmenden sieht man das Thema erwartungsgemäss weniger kritisch. In Sergios Bike-Verleih machen E-Bikes mittlerweile 50% der verliehenen Bergräder aus, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor also. Man ist sich unter den Anwesenden einig, dass durch das E-MTB die Frequenzen erhöht werden, was ein gewisses Konfliktpotential birgt. Abgelegenere, schwer zugängliche Gebiete werden durch die Motorunterstützung jedoch bislang nicht nennenswert befahren, es bleibt bei den gängigen Routen und vor allem auch den breiten Forstwegen. Ein Grund dafür ist, dass im Gelände und auf Hütten auf Ladestationen verzichtet wird, aber auch, dass E-MTB-Nutzende häufig noch über eher schlechte Fahrtechnik verfügen. Dies wird sich allerdings – so prognostiziert Bike-Guru Sergio – in den nächsten Jahren ändern. Dann wird man die Situation neu bewerten müssen. 

Künstliche Anlagen?

Nach einem kurzen Abschnitt auf der Teerstrasse folgen weitere Passagen teils technischer, teils flowiger Trails, die das Biker-Herz jauchzen lassen. Übergänge an Zäunen sind mit Gittern bikefreundlich, also fahrbar gestaltet. Ab und an muss ein Elektrozaun geöffnet und wieder geschlossen werden und es finden sich Tore die sich in Fahrtrichtung öffnen lassen.  Ein Flachwasserabschnitt wird via dezenter Holzbauten schonend überquert und bei einer Spitzkehre verabschiede ich mich kurz unfreiwillig von meinem vollgefederten Gaul – glücklicherweise ohne Folgen. Wer ein Bike wie Sergio hat, fährt eben noch lange nicht wie Sergio ...

Aufgrund der genannten Holzbauten kommt das Thema künstlicher Anlagen wie Downhill-Pisten, Flow-Trails, Steilkurven etc. zur Sprache. Glücklicherweise ist dieses schnell abgehakt, denn: All das will man im Münstertal dezidiert nicht. Die Wege sollen naturnah und dezent bleiben. Und die Bikenden sollen sich ihre Trails zuerst verdienen: Es gibt immer uphill Passagen in den ausgewiesenen Routen.  

Wir erreichen den Weiler «Lü», kehren im Gasthof Hirschen ein und kurbeln die regionale Wertschöpfung durch den Verzehr lokaler Köstlichkeiten ein wenig an. 

Wünsche an Talbesucher auf zwei Rädern

Nach der Stärkung mit Capuns und Co. geht es noch mal zur Sache und wir geniessen ein anregendes Bergauf-Bergab auf einem Höhentrail oberhalb des Rom, dem revitalisierten Fluss in der Talsohle der Val Müstair. Der Weg entlang des Rom, der durch Auen von nationaler Bedeutung führt, wird extra gemieden. Abschnitte des von uns befahrenen, teils abschüssigen Trails wurde laut Sergio mit 20 Freiwilligen an sieben Dienstagabenden instandgesetzt und ist jetzt eine absolute Perle, die einen in berauschend wildem Waldambiente bis hinab nach Müstair fliegen lässt. 

Dort angekommen, widmen wir uns bei einem Tschliner Bier der letzten Frage des heutigen Workshops: Was wünscht man sich im Münstertal von den Bikenden? Die Antworten kommen schnell und sind gut nachvollziehbar: Eine Anreise mit öffentlichem Verkehr, eine Aufenthaltsdauer von mehreren Tagen, Respekt und Rücksicht gegenüber Wanderern und anderen Nutzergruppen sowie der Natur. Und natürlich das Geniessen lokaler Produkte. Wer dann noch ohne blockierende Räder über die Trails surft, macht sehr vieles sehr richtig und ist mehr als willkommen. 

keepwild! biking?

Abschliessend bleibt für uns von Mountain Wilderness Schweiz zu sagen, dass jeder Pfad, oder auf «bikerisch» eben Trail, einen Eingriff mit Einfluss auf die Landschaft darstellt. Für uns sollten diese Eingriffe möglichst gering und die Landschaft somit möglichst wild gehalten werden. Ebenso, dass ein Trail ein Wildniserlebnis ermöglicht und nicht zum Wegerlebnis mit Wildniskulisse wird. Die Val Müstair ist hier unserer Meinung auf einem guten Weg und der Gedanke an keepwild! bike days gehen uns nicht mehr aus dem Kopf.

Weiterführende Links

Grundsätze zu Mountainbiking von Mountain Wilderness Schweiz

Positionspapier «Mountainbiking, Natur- und Landschaftsschutz» von Mountain Wilderness Schweiz, Pro Natura, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, BirdLife Schweiz und WWF Schweiz

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Bergsport
news-657 Sat, 10 Aug 2019 10:40:47 +0200 Von Bern in die Val Müstair: Pop-up-Büro ist eröffnet /aktuell/detail/von-bern-in-die-val-muestair-pop-up-buero-ist-eroeffnet/ Mountain Wilderness Schweiz ist bereit, Arbeits- und Lebensmittelpunkt vom 10. bis 30. August in die bündnerische Val Müstair zu verlegen. Bereits sind die ersten Team-Mitglieder in Santa Maria eingetroffen. Die Schlüssel sind übergeben: Geschäftsleiterin Maren Kern und Projektleiter Sebastian Moos haben gestern von der Gemeinde Val Müstair die Schlüssel für den Gemeindesaal in Müstair bekommen. Dieser wird ihnen die nächsten drei Wochen als Arbeitsort dienen. Noch gibt es zahlreiche Vorbereitungen zu treffen. Das Programm der ersten Woche ist dichtgedrängt. Bereits heute, Samstag 10. August, findet auf der Alp Prasüra das traditionelle Alpenfeuer statt.

Zwei Tage auf zwei Rädern

Das Mahnfeuer bildet den Auftakt der Zeit in der Val Müstair. Es erinnert seit 1988 im gesamten Alpenraum jährlich an den Wert der alpinen Kultur und Natur. Dieses Jahr widmet sich das Alpenfeuer «lebendigem Gewässer», weshalb am Sonntag, 11. August eine Exkursion durch die Auen des Rombachs, eines der letzten grossen, frei fliessenden Talflüsse, stattfindet. An seinem Unterlauf, im Vinschgau, soll im Laufe der nächsten Monate der Bau eines Wasserkraftwerks beginnen. «Es gibt in der Val Müstair viele spannende Fragestellungen, mit denen wir uns aktuell beschäftigen», sagt Maren Kern. Zum Beispiel auch, wie umweltverträglicher Mountainbike-Sport aussehen könnte. Zusammen mit einheimischen und auswärtigen Fachpersonen führt Projektleiter Tim Marklowski einen zweitägigen «rollenden» Workshop zu diesem Thema durch.

Wildnis benennen: Was ist überhaupt Wildnis?

Schon bei der Suche nach einer rätoromanischen Übersetzung für «Wildnis» war Sebastian Moos dem Pledari Grond ausgeliefert: Ist «cuntrada selvadia» tatsächlich der richtige Begriff, für das, was wir unter Wildnis verstehen? Der Projektleiter hat sich in den letzten Jahren damit befasst, Wildnis als Thema in der Schweiz präsenter zu machen. In der Val Müstair wird er sich am runden Tisch mit Vertreterinnen und Vertreter aus Gemeindevorstand, Naturschutz, Tourismus sowie Land- und Forstwirtschaft mit Potenzialen und Herausforderungen von freier Naturentwicklung auseinandersetzen. Und sie vor allem fragen: Was bedeutet Wildnis für Menschen, die im Berggebiet leben?

Ein weiteres Kernthema von Mountain Wilderness Schweiz ist der Ausbau von touristischen Angeboten im Gebirge. Dieser geht oft auf Kosten der Berglandschaft. «Das Tal steht in Bezug auf den Wintertourismus an einem Scheideweg. Wir möchten während unseres Aufenthalts einen Abgleich der Meinungen der städtischen, bergbegeisterten Bevölkerung und der Menschen im Berggebiet schaffen» so Maren Kern.

Inspiration finden, Ideen einbringen

Im Büro in Müstair wird das Team jeweils vormittags anzutreffen sein. Besuch ist herzlich willkommen. Man trifft die Mitarbeitenden zudem am Dienstag, 20. August am Dorfmarkt in Santa Maria an.
Es bleibt genug Zeit zum Erkunden der Umgebung. Die Nachmittage werden für Aussentermine und individuelles Arbeiten genutzt. Die Zeit im Val Müstair soll auch der Inspiration dienen. Raum für Ideen, Gespräche aber auch für ruhige Momente bietet das Haus Parli. Hier, am Ende des Dorfes Santa Maria ,werden die Mitarbeitenden wohnen. Das alte Bauernhaus wurde von der Schriftsteller-Familie Michaela Friemel-Krohn und Tim Krohn zu einem kreativen Rückzugsort umgestaltet. 

Im Idealfall dient das Pop-up-Büro anderen Organisationen als Inspiration für Formen der Zusammenarbeit, generiert lokale Wertschöpfung und fördert einen lebendigen Austausch zwischen Berg und Tal.

Links

Verfolge unsere Zeit im Pop-up-Büro auf Instagram und Facebook.
Gemeinde Val Müstair
Hier wohnt das Team: Haus Parli
Medienmitteilung vom 05.08.2019

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news-655 Tue, 16 Jul 2019 17:34:54 +0200 Kein Aufrüsten auf dem Simplonpass /aktuell/detail/kein-aufruesten-auf-dem-simplonpass/ Wir erheben Einsprache gegen den massiven Ausbau der Militärinfrastruktur auf dem Simplonpass. Insbesondere die Auswirkungen bezüglich Lärm, Licht und Wasser sind ungenügend ausgeführt. Bedarf und Nachweis für Standortgebundenheit fehlen. Eine Petition wurde lanciert. Das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) plant auf der Simplon Südseite neben dem Barallhaus und dem Stockalperturm unter anderem einen neuen Panzerrundkurs, einen Aufmunitionierungsplatz, zusätzliche Schiessstellungen, weitere Parkplätze, einen Helikopterlande- und Betankungsplatz und eine neue Kurzdistanz-Schiessanlage einzurichten sowie Übungen mit neuen 12 cm-Mörsern durchzuführen.

Dieser mit einer Nutzungsintensivierung einhergehende Ausbau hätte erhebliche Auswirkungen auf Natur und Umwelt in der noch weitgehend unverbauten Ebene. Die negativen Konsequenzen der Bauten und des Betriebs werden in den begleitenden Dokumenten heruntergespielt und geltende Gesetze wie das Raumplanungsgesetz verletzt. Denn es gibt weder einen Bedürfnisnachweis noch einen Beleg für die Standortgebundenheit des Bauvorhabens. 

Zur Medienmitteilung

Petition unterschreiben: STOP Panzerpiste Simplon!

Petition zum ausdrucken und unterschreiben: STOP Panzerpiste Simplon!

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Alpenschutz
news-653 Thu, 04 Jul 2019 15:23:50 +0200 Frontflip-Revival: Ein Erlebnis für alle Sinne /aktuell/detail/frontflip-revival-ein-erlebnis-fuer-alle-sinne/ Mountain Wilderness Schweiz war mit 18 Schülerinnen und Schüler in Grindelwald unterwegs. Diese haben sich auf die Suche nach Wildnis gemacht, draussen übernachtet und gelernt, warum es in der Käserei streng riecht. Das Jugendprojekt «Frontflip» von Mountain Wilderness Schweiz bewährt sich noch immer: An den dritten Pilottagen vom 26. auf den 27. Juni 2019 haben 18 Schülerinnen und Schüler gelernt, was Nachhaltigkeit und Wildnis in den Bergen bedeuten. Die 7. bis 9. Klasse einer Real-Schule aus Münchenbuchsee war vergangene Woche in Grindelwald im Klassenlager. Pascal Stern, Vorstandsmitglied von Mountain Wilderness Schweiz und Sebastian Moos, Projektleiter Wildnis, haben sie während rund 24 Stunden begleitet. Das Ziel von Frontflip ist, Jugendlichen die Freude an den Bergen und der Natur näherzubringen. Neben dem Einkauf von lokalem Raclettekäse, der abends auf dem Feuer geschmolzen wurde, versuchten die Jugendlichen auch, mit ihrem Smartphone Wildnis einzufangen. Die anschliessende Nacht im Freien war für viele eine Premiere.

Wildnis in Grindelwald?

«Sie, das stinkt so!» Es war ein harter Einstieg für die Jugendlichen aus Münchenbuchsee. Sie waren in Grindelwald bei über 30 Grad unterwegs gewesen. Der Besuch in der Käserei Eigermilch brachte etwas Abkühlung, doch viele hielten sich beim Duft im Käselager schützend die Hand vors Gesicht. Der beissende Geruch kommt vom Ammoniak, das reifende Käse ausstossen, wie Betriebsleiter Johann Wittwer erklärte. Mit einem Raclette-Käse aus lokaler Milch im Gepäck machte sich die Klasse von Fleur Fuchs und Jordi Pürro auf die Suche nach ihrem Bild von Wildnis in Grindelwald. Kenner mögen die Nase rümpfen wie die Schulklasse im Käselager: Wildnis in Grindelwald? Die Schulklasse belehrte uns eines Besseren: Kann nicht schon ein ausgetrocknetes Bachbett Wildheit verkörpern? Oder wie eine Schülerin meinte: Würden Menschen den Bach kontrollieren, hätten sie schon geschaut, dass da immer Wasser fliesst. 

Von der Suche nach Wildnis ging es zum Naturfreundehaus ob Grindelwald. Hier wirtschaftet derzeit Vorstandsmitglied Pascal Stern, der uns freundlich willkommen hiess. Auf der Wiese vor dem Naturfreundehaus wurden für die Nacht Isomatten und Schlafsacke aufgeschlagen. Der Verzicht auf einen wilderen Biwakplatz hat sich bewährt: Für die meisten Jugendlichen war es die erste Nacht im Freien. Gerade die mit der grössten Klappe hatten den grössten Bammel vor Spinnen und anderem Getier.

Höhepunkt der gesamten Schulzeit

Lehrerin Fleur Fuchs hat bereits 2016 mit einer Klasse bei Frontflip mitgemacht. Für viele der Schülerinnen und Schüler habe das Schlafen draussen zu den Höhepunkten ihrer gesamten Oberstufenzeit gehört, erzählte Fleur Fuchs. Das war auch einer der Hauptgründe gewesen, warum Mountain Wilderness Schweiz nach fast drei Jahren ohne Frontflip wieder eine Aktion durchgeführt hat. Dieses Jahr lag der Schwerpunkt beim Thema Wildnis, nachdem vor drei Jahren der Bergsport im Vordergrund gestanden hatte. Ob es auch für die heurige Klasse zum Höhepunkt werden wird? Die Reaktionen nach der Sternen-Nacht waren verhalten bis kritisch. «Das ist ein Skandal!» meinte sogar ein Schüler und andere beklagten sich über Rücken- oder Nackenschmerzen. 

Der Samen braucht Zeit zum Wachsen. Uns würde es nicht erstaunen, wenn auch diese Jugendlichen sich Ende Schulzeit an die Nacht im Freien zurückerinnern, den Sternenhimmel und die Rückenschmerzen längst vergessen sind. Oder wie Pascal Stern den Jugendlichen in einer berührenden Ansprache mitgab: Es verschlägt einen selten dorthin, wo man es sich anfangs ausgemalt hat. 

Mehr Infos

Projektseite Frontflip
Frontflip Grindelwald 2016

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news-651 Tue, 11 Jun 2019 10:07:35 +0200 Mountainbiking: Mit oder ohne Motor? /aktuell/detail/mountainbiking-mit-oder-ohne-motor/ Mountainbiking im alpinen Raum wird immer beliebter – mit und ohne Motor. Die zunehmende Diversität im Bikesport und der immer grössere Raumanspruch konfrontieren uns mit der Frage, wie der Mountainbike-Sport umweltverträglich gestaltet werden kann. Das Mountainbiking liegt seit Jahren im Trend und die Begeisterung für Anstiege und rasante Abfahrten über Stock und Stein ist ungebrochen. Der Sport hat sich jedoch gewandelt und vor allem stark diversifiziert. Bike- Angebote werden zunehmend Teil der Tourismusstrategie vieler Destinationen, da auf den Winter kein Verlass mehr ist. Immer mehr MTB-Routen werden ausgeschildert und das bestehende Wegnetz wird den Bedürfnissen der Mountainbikenden angepasst. Zunehmend werden auch neue Wege oder Wegpassagen sowie MTB-Pisten gebaut, die ausschliesslich für das Biken gedacht sind. Und dann ist da noch das E-Mountainbike, das ganz neue Möglichkeiten bietet: Motorisiert lässt sich die hinterste Alp im Tal plötzlich an einem Morgen statt auf einer Ganztagestour erreichen. 
Die zunehmende Diversität im Bikesport und der immer grössere Raumanspruch konfrontieren uns mit der Frage, wie der Mountainbike-Sport umweltverträglich gestaltet werden kann.

Mountainbiken ja, mit Respekt und Rücksicht

Mountainbiking ist Teil des grundsätzlich umweltfreundlichen Langsamverkehrs und kann das Naturerlebnis und -verständnis fördern. Mountainbiker bewegen sich aus eigener Kraft in den Bergen und bleiben in den allermeisten Fällen auf Wegen und vordefinierten Trails. Damit unterscheidet sich Biken nicht wesentlich von anderen Bergsportarten, die wir befürworten. Wie so oft gilt auch hier: Respekt und Rücksicht sind gefragt. Dies bedeutet einerseits ein respektvolles Nebeneinander mit anderen Bergsporttreibenden. Andererseits sind beim Biken sowie beim Aus- und Neubau der Bike-Infrastruktur Rücksicht gegenüber der Natur gefragt.
Mountain Wilderness Schweiz hat zusammen mit der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Pro Natura, WWF Schweiz und BirdLife Schweiz ein Positionspapier mit Empfehlungen zum Thema Mountainbiking publiziert. Die Positionen dienen in erster Linie Planungsverantwortlichen in Gemeinden, Tourismusämtern und privaten Planungsbüros als Richtlinien, um Konflikte mit dem Natur- und Landschaftsschutz zu vermeiden. 

Lesen Sie den ganzen Artikel zum Thema aus dem aktuellen «Wildernews»
Grundsätze MTB von Mountain Wilderness Schweiz
Positionspapier Mountainbiking, Natur- und Landschaftsschutz 

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Bergsport
news-649 Thu, 23 May 2019 13:41:48 +0200 Volles Haus am ersten Alpin-Flohmi in Zürich /aktuell/detail/volles-haus-am-ersten-alpin-flohmi-in-zuerich/ Der erste Alpin-Flohmarkt der Schweiz ist Geschichte: Am Mittwochabend, 22. Mai, haben sich hunderte Outdoor-Begeisterte am Anlass von Mountain Wilderness Schweiz und Public Eye Zürich im Jugendkulturhaus Dynamo über das breite Angebot der Verkäuferinnen und Verkäufer gefreut. Für eine genussvolle Bergtour braucht es die geeignete Ausrüstung. Die Herstellung dieser ist jedoch ressourcenintensiv und geschieht häufig unter ökologisch und sozial fragwürdigen Bedingungen. Gebrauchtes zu kaufen, schenkt Gegenständen ein zweites Leben und ist ökologisch sinnvoll, da weniger Neues produziert werden muss. Zudem brauchen insbesondere Einsteigende und Gelegenheits-Berggänger nicht unbedingt die neuste und teuerste Ausrüstung. Am Alpin-Flohmi konnten Outdoor-Begeisterte zu fairen Preisen gebrauchte Ausrüstungsgegenstände kaufen. Oft von erfahrenen Berggängerinnen und Berggängern – Tipps und Beratung inklusive.

Hohe Nachfrage an Bergsportausrüstung aus zweiter Hand

Dass das «Second Hand Modell» nachgefragt ist, zeigt der grosse Ansturm auf den ersten Alpin-Flohmi der Schweiz. Über tausend Interessierte zog es ins Zürcher Jugendkulturhaus Dynamo. Das Angebot auf den insgesamt 60 Meter langen Verkaufstischen war divers und reichte von Eisgeräten über Bergschuhe bis hin zum Freerideski. Die meisten Gegenstände fanden bereits in der ersten Stunde nach Eröffnung einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin. Aus Sicht der Organisatoren, Mountain Wilderness Schweiz und Public Eye Regionalgruppe Zürich, war der Alpin-Flohmi ein grosser Erfolg und Wiederholungen, womöglich auch in anderen Städten, sind in Planung.

Infos und Bilder

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Bergsport
news-647 Tue, 21 May 2019 15:39:43 +0200 25 Jahre wild: Jubiläumsversammlung in der Stadtwildnis /aktuell/detail/25-jahre-wild-jubilaeumsversammlung-in-der-stadtwildnis/ Wildnis ist auch in der Stadt erlebbar. Zum Auftakt der 25. Generalversammlung hat sich Mountain Wilderness Schweiz auf Entdeckungstour durch das Naturreservat Eichholz begeben. Michael Zimmermann, Agronom und Präsident des Vereins Infozentrum Eichholz führte durch die ehemalige Aue. Diese hat schon viele menschliche Nutzungen erfahren: 1922 entstand durch Aufschüttungen eine Leichtathletikanlage, in der Schweizermeisterschaften stattfanden und YB trainierte. Seit der Ausweisung zum Natur-Reservat mit Umweltbildungsfunktion wurde das Gebiet teilweise renaturiert. Heute kann hier Gross und Klein den Aareraum erleben und erfahren, wie sich die Aue zur stadtnahen Oase entwickelt hat.

Rück- und Ausblick

Die erste Bilanz des Abends: 5 Kilo Bergkäse, 1 Kilo Wurst, 2 Kilo Humus und 10 Kilo Brot wurden beim Apéro riche verspeist. Die rund 60 Gäste genossen bei angeregten Gesprächen Speis und Trank aus verschiedenen Berggebieten. Die zweite Bilanz, namentlich die Jahresrechnung 2018, wurde später von Vorstandsmitglied Michael Zurkinden präsentiert. Ebenso berichtete im statuarischen Teil das Team der Geschäftsstelle über Projekte und Erfolge des vergangenen Jahres und bot einen Ausblick auf die anstehenden Monate: Am 22. Mai findet der erste Alpinflohmarkt statt und im Juli erscheint der neue Kletterführer C(H)lean! Im Fokus stehen auch die Auseinandersetzung mit «Umweltverträglichem Mountainbiking» und die Förderung des Wildnis-Diskurses. Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird das Pop-up-Büro in den Alpen sein. Vom 10. bis 29. August verlegt die Geschäftsstelle Mountain Wilderness Schweiz ihr Büro ins Val Müstair. Das Team setzt sich vor Ort mit den Herausforderungen und Potenzialen zu Wildnis, Bergsport und Alpenschutz auseinander.

Wilde Anekdoten aus dem letzten Vierteljahrhundert

Mit neu gefüllten Gläsern lauschten die Gäste im Anschluss an den offiziellen Teil den Anekdoten der ehemaligen Geschäftsleitenden. Sie haben Mountain Wilderness Schweiz von einer Bewegung zu einem Verein mit Verbandsbeschwerde gemacht. Katharina Conradin (von 2011 – bis 2018) erinnert sich besonders gerne an die «Stop BMW-Fahrtraining»-Demo am Flüelapass im Jahr 2013: «Zwei Demonstrierende und ein Fernsehreporter, das war einmalig». Für genau so viel Aufmerksamkeit aber mit viel mehr Teilnehmenden sorgten 1996 und 1998 die Mobilisierung «En marche pour la protection du Mont-Blanc». Reto Solèr (1994 – 2001) geriet schon beim Zurückdenken an das Koordinieren von bis zu 70 Personen ins Schwitzen. Mountain Wilderness hatte mit politischen Aktionen aber auch immer wieder mit Einfallsreichtum von sich Reden gemacht. Elsbeth Flüeler (2001 – 2011) sieht auch in den zahlreichen Geburtsanzeigen in ihrem Fundus ein Beweis für die Kreativität der Vereinsmitglieder und Mitarbeitenden. 

Für Nachwuchs ist also gesorgt und das ist gut so. Auch wenn viel Heiteres im Zentrum des Abends stand, ist klar: Angesichts der aktuellen Entwicklung ist die Arbeit von Mountain Wilderness Schweiz nach wie vor von grösster Wichtigkeit und jede und jeder Unterstützende zählt. In diesem Sinne: Auf weitere 25 wilde Jahre! 

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news-643 Thu, 18 Apr 2019 16:40:09 +0200 Wildnis-Studie: Datenbasierte Empfehlung für den Schutz von Wildnis /aktuell/detail/wildnis-studie-datenbasierte-empfehlung-fuer-den-schutz-von-wildnis/ Die Studie «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» von Mountain Wilderness Schweiz und der Eidg. Forschungsanstalt WSL wurde am 16. April 2019 feierlich eingeweiht. Rund 20 Interessierte, vornehmlich aus dem Wildnis-Netzwerk, sind an die Vernissage nach Birmensdorf ZH gekommen. Ein würdiger Abschluss nach über drei Jahren Arbeit: Die Studie «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» ist an der Vernissage vom 16. April 2019 der Öffentlichkeit übergeben worden. Rund 20 Leute aus Natur- und Landschaftsschutz, aus Forschung und Zivilgesellschaft haben während der Vernissage an der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf ZH die Studie gewürdigt, die einen wichtigen Grundstein für Wildnis legt. «Mit der GIS-Modellierung hat Mountain Wilderness eine datenbasierte Empfehlung für den Schutz von Wildnis in der Schweiz», erklärte Felix Kienast, einer der Studienautoren von der WSL. Er lobte in seinem Grusswort die gute Zusammenarbeit zwischen der NGO Mountain Wilderness Schweiz und der WSL, die zusammen die Wildnis-Studie erarbeitet haben. Es sei in einer Zeit von Fake-News nicht selbstverständlich, dass eine NGO ihr Handeln wissenschaftlich abstützen wolle und auch Resultate akzeptiere, die nicht zwingend ihren Zielen entsprechen, sagte Felix Kienast weiter. 

Wildnis als Symbol für Unverfügbarkeit

Die Bristol-Stiftung hat mit ihrer finanziellen Unterstützung die Wildnis-Studie erst ermöglicht. Stiftungsrat Mario Broggi hielt an der Vernissage ein flammendes Geleitwort für Wildnis. «Radikale Wildnis ist das Symbol für Unverfügbarkeit», sagte der ehemalige Direktor der WSL. Er bestärkte damit unsere Forderung, nicht alles zu nutzen, was man nutzen könnte. Mario Broggi forderte, in der Schweiz ein Patchwork von Natur- und Kulturlandschaften zu fördern. Wo es noch Wildnis in der Schweiz gibt oder wieder geben könnte, zeigte Sebastian Moos, Projektleiter Wildnis bei Mountain Wilderness Schweiz. Er stellte an der Vernissage die wichtigsten Resultate und Botschaften der Wildnis-Studie vor. Wildnis gibt es demnach vor allem noch im Hochgebirge. Gerade die Gletscher zeichnen sich durch ihre Abgeschiedenheit und Unberührtheit aus. Neue Wildnis entwickelt sich vor allem in den südlichen Alpentälern, wo vielerorts die Nutzung nach und nach aufgeben wird. Die Wildnis-Studie stellt der landschaftsökologischen GIS-Modellierung von Wildnis einen sozialwissenschaftlichen Ansatz zur Seite. Denn: Wildnis kann nie ohne den Menschen umgesetzt werden. Es braucht den Willen der lokalen Bevölkerung, die Wildnis jedoch oft kritisch gegenübersteht, wie Interviews mit der Bevölkerung im Urner Maderanertal aufzeigen.

Die starke Präsenz wichtiger Partnerorganisationen aus dem Wildnisbereich an der Vernissage hat gezeigt, dass Wildnis als Thema an Bedeutung gewinnt. Wir werden uns weiterhin für mehr Wildnis einsetzen: Sowohl als philosophischer Gedanke wie auch als Thema im Naturschutz und in den Bergen konkret.

Das Buch ist im Haupt Verlag erschienen. Mountain Wilderness-Mitglieder können es zum Vorteilspreis in unserem Online-Shop beziehen.

Weiterführende Links

Wildnis-Studie
Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) 

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Wildnis
news-641 Fri, 29 Mar 2019 15:27:10 +0100 «Stop Heliskiing Demo» auf dem Petit Combin /aktuell/detail/stop-heliskiing-demo-auf-dem-petit-combin/ Mit 22 Tourenskigängerinnen und Tourenskigänger haben wir am Sonntag, 31. März auf dem Gebirgslandeplatz Petit Combin (3'660 m) ein Zeichen für die Eingrenzung der touristischen Gebirgsfliegerei gesetzt. Eine Gruppe von 22 passionierten Tourenskigängerinnen und -gängern im Alter von 14 bis 77 Jahren hat an der Protestaktion vom Sonntag, 31. März teilgenommen. Die «Stop Heliskiing» Demonstration auf dem vielbeflogenen hochalpinen Gebirgslandeplatz Petit Combin (3'660 m) war die grösste Aktion dieser Art seit Jahren. Mountain Wilderness setzt sich auch weiterhin politisch für eine Eingrenzung der touristischen Gebirgsfliegerei ein.  

Mit einem Rudel erfahrener Alpinisten auf den Petit Combin

Der Austragungsort Petit Combin erfolgte auf Initiative von Mountain Wilderness Mitglied Marc Häni. Zusammen mit Alexis Bally war er für die alpinistische Organisation der Aktion zuständig. Die Wetter- und Schneebedingungen waren ideal und so trafen sich am Samstag in der Früh eine aus der ganzen Schweiz angereiste, bilingue Gruppe in Fionnay und bereitete sich auf den Hüttenzustieg in kleinen Gruppen vor. Nach den ersten ruppigen 500 Höhenmetern liess der Blick auf den grandiosen Grand Combin etwas Himalaya-Gefühl aufkommen. Am frühen Nachmittag traf sich die gesamte Gruppe wieder auf der schön gelegenen FXB Pannossière-Hütte. Die Zeitumstellung erschwerte die Organisation der Kundgebung auf dem Gebirgslandeplatz Petit Combin. Die Helikopterfirmen passten sich der Sommerzeit und nicht wie von uns angenommen den optimalen Schneeverhältnissen an. Sie flogen in mindestens vier Rotationen Skitouristen auf den Gipfel und die letzten zwei wurden von den schnellsten unserer Gruppe mit Stop-Heliskiing-Fahnen begrüsst. Ein Helikopter drehte ohne Landung vor dem Gipfel ab. Nach dem grossen Fotoshooting mit allen Teilnehmenden nahmen alle in Kleingruppen verschiedene Abfahrtsvarianten unter die Skier. Einige erklommen noch den Combin de Corbassière während die meisten eine Pulverabfahrt nach Bourg-St-Pierre genossen. 

Wie weiter mit den Gebirgslandeplätzen?

Neben öffentlichkeitswirksamen Aktionen wie der «Stop Heliskiing Demo» setzt sich Mountain Wilderness Schweiz auch auf juristischem und politischem Weg ein für eine Eingrenzung der touristischen Gebirgsfliegerei. Der beinahe zwei Jahrzehnte dauernden Verhandlungs-Prozess über die Festsetzung der Gebirgslandeplätze ist mit einem Urteil des Bundesgerichts im Februar 2019 beendet. Als Teilerfolg werten wir die Schliessung der beiden Gebirgslandeplätze GLP Gumm und Rosenegg-West. Unsere Forderung, alle Gebirgslandeplätze einer verbindlichen, transparenten und rechtskonformen Überprüfung durch das UVEK zu unterziehen, wurde mit dem gleichen Urteil abgewiesen. Es gibt nun ab September 2019 in der Schweiz 40 festgesetzte GLP, darunter 20 Landeplätze in und angrenzend an nationale Schutzgebiete (v.a. Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN). Was mit diesen Landeplätzen zukünftig geschehen wird, bleibt unklar. Denn auch das Bundesgericht hält fest, «dass Helikopterlandungen zu schweren Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft führen, wenn sie in BLN-Objekten stattfinden». In einer Interpellation durch Nationalrätin Regula Rytz in der Frühlingssession 2019 wurde deshalb der Bundesrat angefragt, wie er die Konflikte zwischen der Nutzung der Gebirgslandeplätze und der betroffenen BLN-Objekte zu reduzieren gedenkt. Eine weitere Frage betrifft die zusätzliche Nutzung durch Helibiking im Sommer. 

Weiterführende Links: 

Medienmitteilung Stop Heliskiing Demo
Interpellation von Nationalrätin Regula Rytz
Urteil des Bundesgerichts: Urteil-Nummer 1C_109/2018, +C_117/2018, Aufhebung der Gebirgslandeplätze Rosenegg-West und Gumm

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Stop Heliskiing
news-639 Tue, 12 Mar 2019 12:54:58 +0100 Wilde Schweiz? Die Wildnis-Studie ist jetzt als Buch erhältlich. /aktuell/detail/wilde-schweiz-die-wildnis-studie-ist-jetzt-als-buch-erhaeltlich/ «17 Prozent der Schweiz sind noch wild» – diese Erkenntnis aus der Wildnis-Studie hat im letzten Oktober für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt ist die Studie unter dem Titel «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» im Haupt Verlag erschienen. «17 Prozent der Schweiz sind noch wild» – diese Erkenntnis aus der Wildnis-Studie hat im letzten Oktober für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt ist die Studie unter dem Titel «Das Potenzial von Wildnis in der Schweiz» im Haupt Verlag erschienen.

Ein Meilenstein für die Wildnis in der Schweiz

Mit der Publikation der Wildnis-Studie schliessen Mountain Wilderness Schweiz und die Eidg. Forschungsanstalt WSL eine Lücke: Erstmals liegen Resultate zu Schweizer Flächen mit hoher Wildnisqualität vor. Die Studie untersucht zudem Argumente für und gegen Wildnis bei der lokalen Bevölkerung und kantonalen Fachpersonen. Sie zeigt auf, dass das Potenzial für den langfristigen Erhalt und die Förderung von Wildnis nicht nur von der aktuellen Wildnisqualität abhängt. Entscheidend ist auch, wie sich die Nutzung von Räumen entwickelt und wie die Gesellschaft gegenüber Wildnis eingestellt ist.

Die Wildnis-Studie ist ein wichtiges Instrument, um den Wert von Wildnis einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Sie dient als Grundlage für den Schutz von Wildnis und die Erarbeitung der Wildnis-Strategie Schweiz.

Buchvernissage am 16. April 2019

Das Buch ist im Handel und in unserem Web-Shop erhältlich. Die Buchvernissage findet am 16. April 2019 um 17 Uhr bei der bei der WSL in Birmensdorf statt.

Programm
Begrüssung: Maren Kern (Mountain Wilderness Schweiz), Prof. Dr. Felix Kienast (WSL)
Zum Geleit: Dr. Mario F. Broggi (Stiftungsrat der Bristol-Stiftung und ehemaliger Direktor der WSL)
Die Wildnis-Studie im Detail: Sebastian Moos (Mountain Wilderness Schweiz)

Weiterführende Links

Wildnis-Studie

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Wildnis
news-638 Fri, 08 Feb 2019 18:26:28 +0100 Für mehr Nachhaltigkeit im Bergsport: Mountain Wilderness Schweiz auf der ISPO München /aktuell/detail/fuer-mehr-nachhaltigkeit-im-bergsport-mountain-wilderness-schweiz-auf-der-ispo-muenchen/ Die Themen Nachhaltigkeitsevaluation, Circular Economy und Mikroplastik sind an der ISPO in München angekommen. Trotz weniger Ausnahmen sind nachhaltige Hartwaren jedoch immer noch Zukunftsmusik. Mountain Wilderness Schweiz brachte sich erneut am Hardware Sustainability Roundtable ein. An der weltgrössten Sportmesse ISPO, die dieses Jahr vom 3. bis 6. Februar in München statt fand, gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit, vor allem im Bereich Outdoor-Ausrüstung. Grund genug für Mountain Wilderness Schweiz, die Messe zu besuchen. Dies, um zu sehen, wo die Branchen in Sachen Nachhaltigkeit steht, aber auch, um beim Hartwaren-Roundtable etwas Druck zu machen.

Eigener Messebereich für die Nachhaltigkeit 

Das Nachhaltigkeitsprogramm auf der ISPO ist mittlerweile recht stattlich. Die Veranstaltungen reichen von Vorträgen über öffentliche Diskussionsrunden bis hin zum «Closed Door-Meeting», an dem die Branchen quasi unter sich bleiben will. Auch thematisch ist das Programm breit gefächert: Entwicklung von Instrumenten zur Nachhaltigkeitsevaluation, Circular Economy, Mikroplastik und viele weitere Themen wurden besprochen und der Nachhaltigkeit ein eigener Messebereich gewidmet.

Erstes zertifiziert-nachhaltiges Aluminium – «long way to go» für das Chemikalien-Management

Für Mountain Wilderness Schweiz lag der Schwerpunkt abermals auf den Entwicklungen bei Bergsport-Hartwaren (z.B. Karabiner, Eisgeräte, Ski etc.). Der von Mountain Wilderness Schweiz mitinitiierte Hardware Sustainability Roundtable fand bereits zum dritten Mal statt und behandelte diesmal den Chemikalieneinsatz bei der Hartwaren-Produktion. Das Thema ist sehr komplex und es wird wohl noch einige Zeit dauern, bis das Chemikalien-Management in der gesamten Lieferkette transparent und sozial wie ökologisch zufriedenstellend ist. Jedoch zeigen sich gewaltige Fortschritte seit dem ersten Runden Tisch zum Thema Aluminium-Produktion: Dieses Jahr wurde das erste Stück «zertifiziert-nachhaltiges Aluminium» präsentiert. Nun bleibt zu hoffen, dass möglichst schnell auch Bergsportfirmen das Material für ihre Produkte verwenden können. Und da hoffen nicht genug ist, werden wir durch gezielte Nachfragen und Öffentlichkeitsarbeit weiterhin Druck machen.

Weiterführende Links: 

Neuigkeiten zu Nachhaltigkeit in der (Berg-)sportindustrie: Suston Magazine  

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Bergsport
news-637 Thu, 31 Jan 2019 10:53:18 +0100 Mit Hertz und Air Zermatt direkt zur Umweltzerstörung /aktuell/detail/mit-hertz-und-air-zermatt-direkt-zur-umweltzerstoerung/ Für 333 Franken mit dem Luxus-SUV nach Raron und von dort mit dem Helikopter auf die Skipiste. Air Zermatt und Hertz werben mit einem Angebot, wie es in Zeiten von Klimawandel und ökologischer Krise absurder kaum sein könnte. Wir fordern: solche Praktiken sind einzustellen! Die Air Zermatt bietet neuerdings zusammen mit dem Autoverleiher Hertz das ressourcen-intensivste Skivergnügen der Schweiz an: Anreise ab Verleihstation mit dem Geländewagen und ab Raron mit dem Heli auf die Skipiste von Zermatt. In einem offenen Brief an Air Zermatt und Hertz stellen wir die Forderung, dieses umweltschädliche Angebot einzustellen.

Mit Hertz und Air Zermatt direkt ins Skivergnügen

Offener Brief an Air Zermatt und Hertz von Mountain Wilderness Schweiz

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Stop Heliskiing