Mountain Wilderness Schweiz
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Cabane l'A Neuve - Von Eiskaskaden und Kuchen

Ein steiler Aufsteig in kühler Gletscherluft durch prächtige Vegetation zur Cabane de l'A Neuve, ein menschlicher Adlerhorst hoch über dem Val Ferret.

Zeit:Aufstieg 3 Std. - 3 Std. 30 Min, Abstieg 2 Std.
Distanz:4 km
:+1140, -1140
Karte:Orisières 1345 (1:25'000); Mont Blanc / Grand Combin 5003 (1:50'000)
Jahreszeit:ab Juli bis Mitte September. Auskünfte zur Begehbarkeit können in der Cabane de l'A Neuve (027-783 24 24) eingeholt werden. Auf der Route können bis im Sommer, wie bei uns am 26. Juli, Schneefelder liegen.

Reise:

  • Anreise: Mit der Bahn nach Martigny und weiter nach Orsières (teilweise mit Umsteigen in Sembrancher), Umsteigen in Orsières von Bahn auf Bus Richtung La Fouly, Ferret (regelmässige Verbindungen).
  • Rückreise: La Fouly (Busstation Post) nach Orsières, auf Bahn umsteigen nach Martigny

Route:

Essen:

Essen und Trinken aus dem Rucksack. In La Fouly bestehen Einkaufsmöglichkeiten (8 Uhr bis 19:30 Uhr während der Sommersaison). In der Cabane l'A Neuve bestehen ausgezeichnete Verpflegungsmöglichkeiten, speziell zu erwähnen ist das delikate Kuchen- und Wähenangebot

Schlafen:

La Fouly 1592 , Cabane l'A Neuve 2735 m (SAC, 24 Plätze) oder am Ausgangspunkt der Wanderung, im Campingplatz in La Fouly (027-783 17 35, camping.glaciers@st-bernhard.ch) Weitere Übernachtungsmöglichkeiten: Pension Les Girolles (027-783 18 75), einfache Pension zwischen Fr. 20.- und 40.-; Le Dolent (027-783 18 63), Dortoirs Fr. 10.- / Nacht; Hôtel des Glaciers (027-783 11 71), Fr. 63.- Einfach-, Fr. 96.- Doppelzimmer. Cabane l'A Neuve: Während der Sommersaison ist Voranmeldung unbedingt erforderlich

Informationen:

Office du Tourisme in La Fouly (027-783 27 17) , www.saint-bernhard.ch oder Cabane de l'A Neuve (027-783 24 24)

Tipps:

Floraliebhaber planen am besten ein bis zwei Stunden mehr ein für die Wanderung, denn es gibt unglaublich viel zu sehen Varianten: Die Cabana l'A Neuve kann über die Gletschertour von der Cabane Saleinaz über den Col de Planereuses, Glacier de Planereuses und Punkt 3024, dann Col des Essettes erreicht werden. Diese hochalpine Variante gilt als eine der Hochtourenklassiker.

Beschreibung der Wanderung

Jörg Beck

Steht man in La Fouly, wird der Blick automatisch gegen Westen in die wild aufragende Wildnis von Les Essettes gezogen. Zur Linken und Rechten bewachen Pointes des Six Niers (2939) und La Maye (2642) den Taleingang. Dahinter  steigt der Talgrund steil gegen den Himmel, löst sich auf in Geröll- und Gletscherfluchten und gipfelt in den scharfen Nadeln der Aiguilles Rouges du Dolent, im Tour Noir (3835) oder Aiguille de l'A Neuve (3753). Da hinein führt der Weg zur Cabane de l'A Neuve.

Mit dem Autobus kommend, steigt man in La Fouly aus und geht noch ein paar Minuten in die Richtung Ferret weiter. Nach dem grossen Parkplatz zur Rechten zweigt die Strasse gegen den Talgrund Richtung Campingplatz ab, vorbei am Office du Tourisme, wo noch allfällige Weginformation eingeholt werden können.

Um an den Anfangspunkt unserer Wanderung zu gelangen, muss der Campingplatz durchquert werden. Er gilt als einer der schönsten und bestbesuchten im Wallis. Kein Wunder, die spektakuläre Lage und die Weitläufigkeit des Geländes mit den labyrinthartigen Erschliessungswegen durch die wild wachsende Bergflora geben dem Platz ein exquisites Gepräge. Augenfällig ist die Sauberkeit, die auf dem Camping herrscht. Offenbar pflegen die Besucher einen respektvollen Umgang mit der Natur.

Am oberen Ende des Campingplatzes rücken Legehrlengebüsch und die aufkommenden Birken näher zusammen, der Weg schlängelt sich über das Moränengeschiebe. Der Flurname lautet ‚Le Désert‘, womit kaum die Flora beschrieben wird, die man antrifft. Vom üppig überwachsen Schotterbett führt der Weg hinauf durch alle Vegetationsstufen, von den subalpinen Pionierpflanzen bis zu hochalpinen Borstgras- und Magerwiesen trifft man auf eine ungemein farbenfrohen Flora. Eine Mund- und Augenweide, denen bequem einige Stunden gefrönt werden könnte.

Der Weg folgt dem Geröllfeld mit mässiger Steigung bis zum Punkt 2096, wo eine Brücke über den Gletscherbach quert. Von da an verläuft die Route gut markiert im Zick-Zack steil und stetig über 700 Höhenmeter zur Hütte hoch. Ein atemberaubender Anstieg mit Blick in die aufgekratzte Wildnis aus Eis und Fels. Der Gletscher atmet im Nacken, schickt von Zeit zu Zeit berstendes Eis ins Tal. Die Luft ist angefüllt mit dem Rauschen der Bachläufe, die zu Tausenden in die Tiefe eilen. Das anfängliche  Tosen, löst sich mit zunehmender Höhe in fein verzweigtes Bachgemurmel, das munter auf blanken Granit perlt.

Die Hütte hockt hoch auf einem Felssporn, der schon tief im Tal sichtbar ist. Langsam und stetig arbeitet man sich ihr entgegen, freut sich auf die weit herum berühmten Kuchen und Wähen die angeblich dort gebacken werden. Ein letztes Schneefeld und eine zweite kurze Kletterpartie sind noch zu überwinden bevor man die Gemütlichkeit und Freundlichkeit der Hütte erreicht.

Für den Abstieg ist es von Vorteil, Stöcke dabei zu haben. Steil und steinig führt der Weg  hinab ins Tal. Nach rund fünf Stunden schönstem Wandern sitzen wir im Restaurant Edelweiss in La Fouly vor einem kühlenden Coup, und blickten zurück hinauf ins wilde Tal von Les Essettes.