Mountain Wilderness Schweiz
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Cabane d'Orny - Im Banne des Glockenturms

Wo der Eiffelturm einem Vergleich nur unzureichend Stand hält.

Zeit:Praz de Fort - Cab. d'Orny 4Std
Distanz:8 km
:+1675, -0
Karte:LK 1345 Orsières
Jahreszeit:Juni bis September. Aufstieg südexponiert.

Reise:

  • Mit der Bahn nach Martigny, von hier mit der MO (Martigny-Orsières-Bahn) nach Orsières, Bus nach Praz de Fort.
  • Rückreise: Abstieg über Col de la Breya nach Champex-Lac  (oder Sessellift Grands Plans-Champex). Ab Champex-Lac per Bus nach Orsières (ca. 5x tägl.) und mit der Bahn nach Martigny.

Route:

Praz de Fort 1151 - Prise d'eau de Saleina 1555 - Vallon d'Arpette de Saleina - Cabane d'Orny CAS 2826 (evtl. Übernachtung) - Col de la Breya ca. 2400 - L'Arpette 1675 - Champex 1470

Essen

Unterwegs aus dem Rucksack. Die Cabane d'Orny CAS bietet alles was das Herz begehrt. Schlafen: Cabane d'Orny CAS 027 783 18 87; Champex

Informationen

Office du Tourisme in La Fouly (Val Ferret) 027 783 27 17, Fax 027 783 33 03 und Champex-Lac 027 783 12 27, Fax 027 783 35 27. Beide: info[at]saint-bernard.ch

Varianten

Die Cabane d’Orny ist auch von Champex auf verschiedenen Routen zu erreichen. Bezüglich landschaftlicher Schönheit ist die beschriebene Route aber deutlich attraktiver. Der schönste Abstieg führt über den Col de la Breya nach Champex. Die Route vom Sessellift auf Grands Plans ist sehr stark begangen. Für geübte Alpinisten bieten sich von der etwas höher gelegenen Cabane du Trient zahlreiche attraktive, meist leichte Gletschertouren an. Von der Cabane d’Orny ist in 20min. der Col d’Arpette zu erreichen, mit Tiefblick ins gleichnamige Tal.

Tipps

Klettergärten in der Umgebung der Cabane d'Orny CAS. Gletschertouren auf dem Plateau du Trient Varianten: Die Cabane d'Orny ist auch von Champex auf verschiedenen Routen zu erreichen. Bezüglich landschaftlicher Schönheit ist die beschriebene Route aber deutlich attraktiver. Der schönste Abstieg führt über den Col de la Breya nach Champex. Die Route vom Sessellift auf Grands Plans ist sehr stark begangen. Für geübte Alpinisten bieten sich von der etwas höher gelegenen Cabane du Trient zahlreiche attraktive, meist leichte Gletschertouren an. Von der Cabane d'Orny ist in 20min. der Col d'Arpette zu erreichen, mit Tiefblick ins gleichnamige Tal.

Beschreibung

Daniel Mülli

In der kühlen Morgenluft verlassen wir den Bus in de Praz de Fort. Zum Glück liegt die Haltestelle direkt neben dem kleinen Lebensmittelgeschäft von Madame Mouron. Wir kaufen bei ihr ein und hoffen, dass ihr kleiner Laden trotz der Schliessung des angrenzenden Hotel Saleinaz auch in den kommenden Saisons noch genügend Kundschaft findet um uns als sympathische Provianttankstelle zu dienen. Angesichts der zahlreichen bereits verschwundenen Betriebe im Tal kein abwegiger Gedanke. 

Unmittelbar neben dem Haus beginnt der Wanderweg ins Vallon d’Arpette de Saleinaz. Zwischen putzigen Chalets entlang eines kleinen Bächleins, danach im Wald auf der Strasse zur Prise d’eau de Saleina ist der Anstieg zunächst noch sanft. Schon bald erblicken wir zwischen den Wipfeln eine kühne Felsnadel. Sie wird uns auf dem gesamten Aufstieg begleiten. Kurz vor der Prise d’eau zweigt der Weg rechts von der Strasse ab. Bereits scheint die Sonne spürbar stärker. Da wir wissen, dass unterwegs nur vereinzelt Wasser anzutreffen ist, befeuchten wir unsere Kopfbedeckungen und füllen unsere Mägen und Flaschen mit dem Quellwasser, das an dieser Stelle entspringt.

Lichter Wald und grosse Schutthalden prägen den Hang, den wir allmählich hochsteigen. Von Gletschern noch keine Spur. Auf Plan Bagnet liegt neben dem Weg ein hausgrosser Felsblock. „Zum Glück fallen solche Riesendinger nicht jeden Tag runter“ denken wir, doch sofort bringt uns der Anblick der Zunge des Glacier de Saleina auf der gegenüberliegenden Talseite auf andere Gedanken. Mit jedem Schritt zeigt der Gletscher mehr von sich, bis wir ihm und zugleich einem idyllischen Picknickplatz gegenüberstehen. Zeit für eine Rast, nicht zuletzt da uns hier die letzten Lärchen Schatten spenden. Die Felsnadel hat sich inzwischen in einen gigantischen Pfeiler verwandelt, der sich imposant über unseren Köpfen erhebt. Der Petit Clocher du Portalet. Einen derart beeindruckenden Wegbegleiter hatten wir noch nie. Seine über 300 Meter hohen Ost- und Nordwände leuchten gelb in der Sonne. Der ebenso hohe, vor Ort riesenhaft wirkende Eiffelturm hier neben dem ‚Clocher‘ - ein dünnes Drahtgestell. Was für eine Gegend! 

Noch erwarten uns 1000 Höhenmeter. Weiter geht’s. Die Spitze des ‚Clocher‘ dient uns als Marke. Genau so hoch liegt unser Ziel, die Cabane d’Orny. Der Wald wird durch weite Schutt- und Grashänge abgelöst. Allmählich schrauben wir uns in die Höhe, die ständig wechselnde Szenerie bestaunend. Auf ca. 2600 Metern, wo das Gelände wieder flacher wird, bietet sich die Möglichkeit über Blöcke auf die Pointes des Chevrettes aufzusteigen. Die 50 Höhenmeter ‚supplement‘ bieten uns nebst Gipfelgefühl auch Aussicht in Richtung Verbier und einen Tiefblick auf den zurückgelegten Weg. Kaum zu glauben, das wir das alles aufgestiegen sind! Von hier wäre auch der Abstieg nach Champex via Col de la Breya möglich – für ausdauerstarke Wanderer noch am gleichen Tage zu machen und selber eine Beschreibung wert. Doch wir haben anderes vor. Wir erklimmen die Moräne des Glacier d‘Orny und schon liegt er vor uns: Ein sanfter Riese von atemberaubender Schönheit. Wer diesen Anblick, der sich unverhofft nach einer kleinen Kurve offenbart, nicht erwartet hat, wird wohl mit offenem Mund einen Moment staunend verweilen.

Nun sehen wir auch die Hütte und den Weg auf der Moräne der uns dorthin führt, den Gletscher immer dicht neben uns. Die Schönheit der Landschaft verwandelt die letzten der ach so vielen Höhenmeter in eine Ehrenrunde.

In der Hütte angekommen riechen wir schon den leckeren Schokoladekuchen von Raymond Angéloz, dem Hüttenwart und seiner Equipe. Nach dem Abendessen verweilen wir vor der Hütte und können uns noch immer kaum satt sehen. Zu schön ist das Alpenglühen von Grand Combin und Mt. Vélan und jenseits des Gletscher zeigt sich der majestätische ‚Clocher‘...