Mountain Wilderness Schweiz
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20.12.2016

Olympia 2026 – Gigantismus hoch zwei

Bereits drei Jahre nach dem letzten Scheitern an der Urne kommen die Olympischen Winterspiele wieder vors Volk. Im Februar 2017 wird ein weiteres Mal darüber abgestimmt, ob das Spektakel im Kanton Graubünden durchgeführt werden soll.

Finanzieller Irrsinn

Man verspricht sich steigende Einnahmen im Tourismusbereich – wobei die Vergangenheit genau das Gegenteil beweist. Die Spiele sind vor allem eines: unverhältnismässig teuer. Laut einer Oxford-Studie wurde das von den Veranstaltern eingeplante Budget in den letzten 50 Jahren um durchschnittlich 137% überschritten. Die Kosten sind schlicht unkalkulierbar. Weitere Studien konnten zudem keine langfristigen positiven Effekte auf die regionale Wirtschaft nachweisen. Stattdessen stellen sie für das Gastgeberland ein enormes finanzielles Risiko dar.

Schwerwiegender Eingriff in die Natur

Das Risiko ist allerdings nicht nur finanzieller Art, sondern bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Landschaft der Berggebiete. Olympische Winterspiele passen schlicht nicht in den begrenzten Raum der Alpen. Verkehr, Sicherheit und Beherbergung bringen Bergtäler an ihre Grenzen. Schwerwiegende Eingriffe in Natur und Landschaft sind unvermeidlich.

Die Heuchelei vom Platzsparen

Das Internationale Olympische Komitee IOC versichert, dass möglichst die bestehenden Anlagen genutzt werden sollen. Gleichzeitig muss von 100'000 Tagesbesuchern ausgegangen werden, verteilt auf das ganze Gebiet. Wie viele der bestehenden Anlagen können diese Menschenmenge fassen?
Das IOC verspricht den Bau von temporären sowie demontierbaren Sportanlagen. Das mag gut klingen, ist aber ein Widerspruch in sich: Inwiefern ist es umweltfreundlich, wenn man eine Anlage wieder abbauen kann? – Gebaut wird sie sowieso. Der Abbau bleibt ein unverbindliches Verkaufsargument. Die Erfahrung zeigt: Allen Versprechungen zum Trotz stehen Ruinen in der Landschaft.

Nachhaltige Entwicklung der Berggebiete

Der Energie- und Raumbedarf sowie die Anlagen für die Kunstschneeaufbereitung sind gigantisch. Zehn Jahre intensive Bauerei erhöhen die Umwelt-, Luft- und Lärmbelastung im sensiblen Alpenraum. Folgen werden jahrzehntelang spür- und sichtbar sein.
Barbara Wülser, stellvertretende Geschäftsführerin von CIPRA International, betont, dass in den Alpen erst dann über eine Durchführung von Olympischen Winterspielen diskutiert werden kann, «wenn das IOC seine Regelwerke und Strukturen von Grund auf überarbeitet, demokratische Grundwerte in den Ausführungsländern garantiert und die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung bei der Planung und Durchführung berücksichtigt.

Quellen und weitere Informationen:
•    Positionspapier mountain wilderness: Olympische Winterspiele
•    Nolympia
•    Positionspapier CIPRA
•    Oxford-Studie «Olympic Proportions: Cost and Cost Overrun at the Olympics 1960-2012»
•    Ansprechsperson: Barbara Wülser, Stv. Geschäftsführerin CIPRA International